„Du musst mehr lernen.“ Klingt logisch. Ist aber ziemlich nutzlos,
wenn ein junger Mensch nie gelernt hat, wie Lernen eigentlich
funktioniert. Genau darüber spreche ich in dieser Folge mit Patrik
Rappo von BRAINY aus der Schweiz. Patrik kennt das Thema aus einer
sehr persönlichen Perspektive. In der Schule gehörte er selbst
nicht zu den Stärksten. Heute beschäftigt er sich intensiv damit,
wie Kinder, Jugendliche, Lernende und Erwachsene Wissen tatsächlich
aufbauen können. Und damit landen wir mitten in einem Problem, das
auch viele Ausbildungsbetriebe betrifft: Wir erwarten
Selbstorganisation, Lernbereitschaft, Planung und
Eigenverantwortung. Gleichzeitig setzen wir häufig voraus, dass
junge Menschen diese Fähigkeiten einfach mitbringen. Aber wo sollen
sie diese eigentlich gelernt haben? Patrik arbeitet deshalb unter
anderem mit Lernstrukturen, Lernplanung und konkreten
Lerntechniken. Statt zwei Tage vor einer Prüfung möglichst viel
Wissen in den Kopf zu pressen, lernen Jugendliche beispielsweise,
eine Prüfung über mehrere Wochen vorzubereiten und Lernzeiten
bewusst einzuplanen. Doch unser Gespräch geht noch deutlich weiter.
Wir sprechen über Berufsorientierung und Berufswahl und darüber,
warum Schulnoten vielleicht viel weniger darüber aussagen, welcher
Beruf zu einem jungen Menschen passt, als wir denken. Ist jemand
kreativ? Handwerklich? Detailverliebt? Technisch? Kommunikativ?
Braucht jemand viele Menschen um sich herum oder fühlt er sich in
einem kleinen Betrieb wohler? Vielleicht sollten wir Jugendlichen
nicht zuerst die Frage stellen: „Welchen Beruf willst du machen?“
Sondern: „Welche Art von Arbeit passt eigentlich zu dir?“ Und dann
wird es durchaus unbequem. Denn auch Unternehmen bekommen in dieser
Folge ihren Teil ab. Wenn ein Azubi praktisch hervorragend
arbeitet, aber Schwierigkeiten in der Berufsschule hat, können wir
als Betrieb natürlich sagen: „Schule ist dein Problem.“ Oder wir
verstehen Ausbildung tatsächlich als Entwicklung und überlegen, wie
wir diesen jungen Menschen unterstützen können. Patrik formuliert
dazu einen Gedanken, der sehr gut zu OnTeamz passt: Wir bilden
junge Menschen nicht nur aus. Wir entwickeln und fördern sie. Genau
deshalb sprechen wir auch über Lehrabbrüche, unbesetzte
Ausbildungsplätze, die Attraktivität von Ausbildungsberufen und die
berühmte Generation Z. Denn vielleicht ist diese Generation gar
nicht so faul und arbeitsunwillig, wie ihr gerne vorgeworfen wird.
Vielleicht will sie einfach stärker verstehen, warum sie etwas tut.
Und vielleicht steckt darin sogar eine ihrer größten Stärken.
Patrik erlebt junge Menschen als ideenreich, experimentierfreudig
und innovativ. Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, wie wir
sie wieder so bekommen wie frühere Generationen. Die spannendere
Frage lautet: Wie gestalten wir Ausbildung so, dass ihre Stärken
tatsächlich zum Vorschein kommen? Darüber sprechen wir in dieser
Folge von OnTeamz, dem Ausbildungspodcast. Das erwartet dich in
dieser Folge Du erfährst unter anderem: • warum „Lern doch einfach
mehr“ keine Lernstrategie ist • wie Azubis sinnvolle Lernstrukturen
entwickeln können • warum kurzfristiges Lernen vor Prüfungen häufig
nicht nachhaltig funktioniert • weshalb Lernkompetenz auch
Zeitmanagement und Selbstorganisation bedeutet • was LEGO und
Klemmbausteine über Fähigkeiten und Interessen verraten können •
warum Schulnoten bei der Berufsorientierung nicht alles entscheiden
sollten • weshalb Jugendliche nicht sofort den perfekten Beruf,
aber zumindest die richtige Richtung finden sollten • warum
Ausbildungsbetriebe auch bei Problemen in der Berufsschule
Verantwortung übernehmen können • weshalb Sinnhaftigkeit für junge
Menschen in der Ausbildung eine wichtige Rolle spielt • warum
Generation Z möglicherweise deutlich innovativer ist als ihr Ruf •
wie Unternehmen Ausbildungsabbrüche und unbesetzte Lehrstellen
anders betrachten können • warum Ausbildung mehr sein sollte als
die Vermittlung fachlicher Fähigkei
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