In dieser Folge spreche ich mit Stefan Pagenkopf-Martin, der die
deutsche Ladeinfrastruktur seit über einem Jahrzehnt aus nächster
Nähe kennt. Seinen Einstieg fand er über die Photovoltaik, ein
Projekt für einen Berliner Gewerbeimmobilienbetreiber führte ihn
2011 zur ersten eigenen Ladesäule und 2012 zur Gründung von
Parkstrom, einem klassischen Ladepunktbetreiber. Über die Jahre
baute er dort eine 360-Grad-Beratung auf, von Stromanschluss über
Hardware bis Pricing, und arbeitete unter anderem für Moia, Edeka
und die Schwarz-Gruppe. 2024 musste Parkstrom Insolvenz anmelden,
weil der Markt langsamer wuchs als prognostiziert. Wie er diese
Phase erlebt hat und warum ihm eine klare Kommunikation gegenüber
Kund:innen und Gläubigern wichtig war, erzählt er offen im
Gespräch. Seit gut einem Jahr ist Stefan wieder als freiberuflicher
Berater aktiv, unter anderem für den Charger-Verband. Wir sprechen
darüber, wie er den aktuellen CPO-Markt einschätzt, warum nach
seiner Einschätzung noch etwa 95 Prozent der Betreiber defizitär
arbeiten und weshalb der Bau eines Ladeparks mit
Mittelspannungsanschluss ein derart hoher Invest ist. Kapital und
Ausdauer sind für ihn am Ende oft wichtiger als die reine Idee,
eine Einordnung, die er mit Blick auf andere Branchen und
Geschäftsmodelle nachvollziehbar macht. Ein zentrales Thema ist
außerdem die Frage, ob Deutschland überhaupt zu wenig Ladepunkte
hat. Stefans Rechnung auf Basis von Förderprogrammen wie der KfW
440 sowie öffentlichen und unternehmenseigenen Ladepunkten kommt zu
einem überraschenden Ergebnis, rein rechnerisch stehen den rund 2,6
Millionen E-Autos in Deutschland bereits etwa 1,5 Millionen
Ladepunkte gegenüber. Warum das Gefühl trotzdem oft ein anderes
ist, erklärt seine eigene Geschichte um einen Ladepunkt vor seiner
Haustür, den er 2014 beantragt und erst 2026 tatsächlich bekommen
hat. Besonders in dicht besiedelten Stadtvierteln und im
touristischen Bereich sieht er noch deutlichen Nachholbedarf.
Außerdem geht es um Zuverlässigkeit als kritischen Faktor für
Ladeinfrastruktur, um die Rolle von Predictive Maintenance durch
KI-Modelle, um Stefans aktuelle Projekte rund um Ladeplatzsuche und
kabelloses Laden, und darum, warum das Abrechnen in Kilowattstunden
ein ganz neues Bewusstsein für den eigenen Energieverbrauch
schafft. Ein Gespräch mit viel praktischer Erfahrung, offenen
Zahlen und einem klaren Blick auf das, was in der deutschen
Ladeinfrastruktur noch fehlt.
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