Kia hat früh auf die Elektromobilität gesetzt – und
daszahlt sich für den koreanischen Hersteller aus. Im ersten
Halbjahr lag der Elektroanteil der Marke in Europa bereits bei
über 30 Prozent. In Deutschland erreichte Kia nach den ersten
sechs Monaten des Jahres sogar 42 Prozent.
„Das bestätigt die führende Position, die wir bei der
Elektrifizierung haben wollen“, sagt Sjoerd Knipping,
Chief Operating Officer (COO) von Kia Europa im Podcast
Klartext der Autogazette. Der Niederländer sieht in den
vergangenenMonaten eine deutliche Beschleunigung des
Markthochlaufs der E-Mobilität. Mehr Modelle, steigende
Spritpreise sowie staatliche Förderprogramme treiben nach seinen
Worten die Nachfrage.
Eine zentrale Rolle für den steigenden EV-Anteil bei Kia spiele
dabei das Angebot kompakter und bezahlbarer Elektroautos. Der
EV3 ist Kias volumenstärkstes Elektromodell. Darunter
wurde vor ein paar Monaten der EV2 gelauncht, der die
Elektromobilität für eine noch breitere Kundengruppe öffnen soll.
„Er ist nicht einfach unser kleinstes Elektrofahrzeug. Er ist
unsere Antwort auf die Frage, ob ein bezahlbares, kompaktes
Elektroauto auch das Hauptfahrzeug eines Haushalts sein kann.“
Dass die Kunden auf einen Stromer wie den EV2 gewartet haben,
zeige die Nachfrage, die über den Erwartungen liege. Nachdem das
Modell (ab 26.600 Euro) zunächst mit der Standard-Range-Batterie
(42,2 kWh/Reichweite) eingeführt wurde, ist es nun auch mit der
Long-Range-Version (61 kWh/bis zu 430 km) zu haben. Dass die
kleinere Batterie besonders gut angenommen wird, wertet Knipping
als Zeichen für ein wachsendes Vertrauen in die Reichweite
moderner Elektroautos.
Das Gespräch mit dem COO führten wir in der vergangenen Woche in
Norwegen, wo Kia die sportlichen GT-Varianten seiner
E-Modelle EV5, EV4 und EV3 präsentiert hat. Dass die
Veranstaltung im norwegischen Kristiansund stattfand, liegt nicht
nur an der malerischen Landschaft, sondern auch am dortigen
Elektromarkt. Norwegen gilt als Vorzeigeland der E-Mobilität:
Hier entfallen nahezu 99 Prozent aller Neuzulassungen auf
Stromer. Für Knipping ist das Land ein Beispiel dafür, wie sich
der Umstieg vom Verbrenner auf ein E-Auto beschleunigen lässt.
Und was kann Deutschland? „Jeder Markt in Europa ist
unterschiedlich“, sagt Knipping. Deshalb lasse sich das
norwegische Modell nicht eins zu eins auf andere Länder
übertragen. Während einige Märkte bereits Elektroanteile von 50,
80 oder sogar mehr als 90 Prozent erreichen, liegen Spanien und
Italien noch bei rund zehn Prozent oder darunter. Gründe dafür
seien unter anderem die Kaufkraft und die Infrastruktur.
Auf dem deutschen Markt entfielen im August über 32 Prozent aller
Neuzulassungen auf BEVs.
Während der bisherige Einstiegsstromer EV2 ab 26.600 Euro kostet,
stellt sich die Frage, ob es auch ein Modell um die 20.000 Euro
von Kia geben wird. „Dazu sage ich heute überhaupt nichts.“ Klar
sei aber: „Die Erschwinglichkeit bleibt eine der größten Hürden
für die noch breitere Akzeptanz von Elektrofahrzeugen.“
Kia setzt aber nicht nur auf BEVs, sondern auch auf
elektrifizierte Verbrenner. Hybride und Plug-in-Hybride würden
für manche Kunden nach wie vor einen Zwischenschritt zum
Elektroauto darstellen. Grundsätzlich wolle Kia so lange
unterschiedliche Antriebe anbieten, wie entsprechende Nachfrage
besteht.
Mit Blick auf den deutschen Markt zeigt sich Knipping mit der
Entwicklung zufrieden. Bis August verzeichnete Kia ein Wachstum
von 7,8 Prozent auf rund 44.000 Neuzulassungen. Gleichzeitig
sieht er weiteres Potenzial – insbesondere durch den EV2, neue
Allradvarianten und die GT-Modelle. Eine Absatzprognose für 2030
nennt er nicht. Nur so viel:„Wir erwarten und halten noch ein
wesentliches Wachstum für möglich.“
Dass der Absatz der E-Modelle in den kommenden Jahren weiter
steigen wird, davon ist Knipping überzeugt. Er geht davon aus,
dass Kia im Jahr 2030 mehr Elektroautos als Verbrenner absetzen
wird.
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