Wir haben zu viel zu tun. Eigentlich wissen wir das alle. Und
trotzdem lautet die Antwort darauf erstaunlich oft: effizienter
werden, besser priorisieren, produktiver arbeiten – oder einfach
mal lernen, Nein zu sagen.
Aber was, wenn genau das zu kurz gedacht ist?
In dieser Folge spreche ich mit Marina Schakarian, Autorin des
Buches „Weniger machen, mehr schaffen“, über ein Problem, das mir
in Unternehmen immer wieder begegnet: strukturelle Überlastung.
Marina begleitet Teams in Transformations- und
Veränderungsprozessen und sagt ziemlich klar: Wir kommen aus
dieser Überlastung nicht heraus, indem wir immer besser darin
werden, noch mehr zu schaffen. Wir müssen lernen, aufzuhören.
Wir sprechen darüber, warum Überlastung nicht einfach an der
Anzahl unserer Aufgaben liegt, sondern auch daran, dass wir
unsere eigene Wirksamkeit immer weniger spüren. Wir hetzen von
Termin zu Termin, arbeiten To-do-Listen ab und fragen uns am Ende
des Tages trotzdem: Was habe ich heute eigentlich geschafft?
Dabei geht uns etwas verloren, das Marina als „Werkstolz“
beschreibt – das Gefühl, das eigene Ergebnis überhaupt noch sehen
und greifen zu können.
Und natürlich geht es ums Nein-Sagen. Nur eben anders, als man
vielleicht erwartet. Denn bevor ich Nein sagen kann, muss ich
überhaupt wissen, wozu ich Ja sagen will. Ohne strategische
Klarheit und Fokus wird aus „Du musst besser Nein sagen“ schnell
nur der nächste Produktivitätstipp, der die Verantwortung für ein
strukturelles Problem beim Einzelnen ablädt.
Besonders spannend wird es für mich beim Thema Loslassen. Denn
weniger zu machen bedeutet nicht nur, Aufgaben von einer Liste zu
streichen. Es bedeutet, Verantwortung und manchmal auch Einfluss
abzugeben. Es bedeutet, Projekte zu beenden, Gewohnheiten
loszulassen und sich möglicherweise sogar von einem Bild zu
verabschieden, das man von sich selbst hatte. Und genau deshalb
fällt uns Aufhören so verdammt schwer.
Wir sprechen darüber, wie Unternehmen Enden besser gestalten
können, warum Veränderung immer auch Verlust bedeutet und weshalb
Fokus erst dann wirklich möglich wird, wenn wir akzeptieren, dass
eben nicht alles wichtig sein kann.
Und am Ende landen wir bei einem Gedanken, der für mich weit über
Produktivität hinausgeht:
Ich werde niemals alles schaffen. Und trotzdem bin ich okay.
Vielleicht beginnt gesünderes Arbeiten genau dort. Nicht mit der
nächsten Methode, dem nächsten Tool oder noch mehr
Selbstoptimierung. Sondern mit der Entscheidung, weniger zu
machen – damit wir das, was wirklich wichtig ist, wieder richtig
machen können.
Viel spaß beim hören.
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