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  4. Teil von etwas Größerem
Sommerzeit ist Festivalzeit. Dieses Jahr war ich zum ersten Mal bei
Rock am Ring. Was für eine Atmosphäre. Musik, die man nicht
nur hört, sondern spürt. Die Bässe. Die Beats. Und diese vielen
Menschen. Alle schwarz gekleidet, alle irgendwie entspannt. Ich
kenne kaum eine Menschengruppe, die so friedlich und freundlich ist
wie Rocker und Metaller. Ich gehe generell gern auf Konzerte,
obwohl ich einen entscheidenden Nachteil habe: Ich bin ziemlich
klein. In Menschenmengen habe ich selten den Überblick. Bei
Rock am Ring waren rund 90.000 Menschen. Eine Zahl, die ich kaum
greifen kann. Und das Verrückte ist: Man merkt sie gar
nicht. Natürlich weiß ich, dass da Zehntausende sind. Aber ich
sehe nur die Menschen direkt um mich herum. Ich höre die Stimmen in
meiner Nähe. Ich nehme die paar Reihen vor und hinter mir wahr.
Mehr nicht. Und trotzdem singen da Tausende denselben Song.Als ich
später darüber nachgedacht habe, musste ich an die Kirche denken:
Katholisch bedeutet ja "weltumfassend". Und genau das mag ich
eigentlich am Katholischsein. Wenn ich im Urlaub irgendwo einen
Gottesdienst besuche, dann finde ich mich meistens sofort zurecht.
Die Abläufe, die Gebete, die Gesten – vieles ist vertraut. Egal, ob
in Deutschland oder anderswo. Manchmal wirkt Kirche auf mich
ziemlich klein. Dann sehe ich die Menschen in meiner Gemeinde, die
vertrauten Gesichter in den Kirchenbänken, und denke: ganz schön
wenige, ganz schön traurig. Aber eigentlich weiß ich, dass das
nicht stimmt. So wie ich bei Rock am Ring nicht wirklich
erfassen konnte, dass da 90.000 Menschen gemeinsam feiern, kann ich
auch nicht erfassen, wie viele Menschen weltweit glauben, hoffen,
zweifeln, beten und nach Gott suchen. Ich sehe nur meinen
kleinen Ausschnitt. Vielleicht geht es vielen so. Wir nehmen
vor allem das wahr, was direkt vor uns ist. Die Menschen in unserem
Umfeld. Die, die wir kennen. Und vergessen dabei manchmal, dass wir
Teil von etwas viel Größerem sind. Bei Rock am Ring habe ich
das für einen Moment gespürt: Ich war eine von 90.000. Und trotzdem
nicht verloren.
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„Teil von etwas Größerem“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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