Großes entsteht nur im Kleinen.
Cidre-Pionier im Schwarzwald, Streuobst-Archivar,
Wildhefen-Flüsterer, Sorten-Retter, Filter-Feind, Perlage-Purist,
Frankreich-Urlauber, der mit Business-Idee zurückkommt, Sammler
von über 100 alten Obstsorten — und der Mann, der Äpfel von
Birnen unterscheiden kann. Herzlich willkommen, Paul
Miedtke!
In Folge 69 sind wir nicht im Studio, sondern bei Paul auf der
Streuobstwiese: Brot vom Lieblingsbäcker, Käse auf dem Tisch,
Birnen daneben — und im Glas ein low-intervention Cidre, den der
Mann neben uns selbst gemacht hat.
Angefangen hat alles vor fünf Jahren im Ort
Camembert, Normandie. Ein Glas Cidre, ein „Wow,
Wahnsinn" — und die Frage: Warum gibt's das eigentlich nicht bei
uns? Zurück in Baden hat ihm jeder Kellermeister dasselbe gesagt:
„Ey Junge, das geht komplett in die Hose." Ging es dann auch:
Jahrgang eins, drei Fässer, alles weg — Stall in der Nase, Essig
hinterher.
Was dich in dieser Folge erwartet:
Warten, bis der Baum entscheidet: Warum Paul
nichts pflückt, sondern vom Boden aufliest — drei-, viermal pro
Baum, bis in die Nähe von Konstanz, bei 30 Grad auf den Knien.
„Das Fitnessstudio spar ich mir."
Der Apfel, der reines Gold ist: Pomme d'Or, um
1940 nach Süddeutschland gekommen, vielleicht 500 bis 1000 Bäume
in ganz Baden-Württemberg — und schmeckt reif wie ein bittersüßes
Karamellbonbon.
Bäume, die älter sind als das Auto: 150, 160
Jahre, mit einer Pfahlwurzel, die so tief geht, wie der Baum hoch
ist. Und der Satz, der hängen bleibt: „Dass die immer noch da
stehen, finde ich einfach ein Wunder."
Der Keller, den er nicht liebt: Spontangärung
mit Wildhefen bei sechs Grad, ein halbes bis dreiviertel Jahr,
kein Filter, keine Pasteurisierung — plus Brett-Hefen,
explodierende Flaschen und ein 2014er Cidre, der schmeckte wie
frisch gepflückt.
Cidre & Käse — und dann alles gegeneinander:
Camembert oder Comté, Galette oder Flammkuchen, Calvados oder
Obstler vom eigenen Hof. Und natürlich die badische
Gretchenfrage: Most oder Cidre?
Der Appell: Warum ein Boskoop im Garten die
faulste aller Ideen ist — und was die Streuobstwiese wirklich
rettet.
Am Ende gibt's noch die Einsteiger-Empfehlung für alle, die mit
Cidre bisher nur schlechte Abende hatten. Spoiler: Sie ist rosé,
sie ist aus Birnen, und da ist Schlehe drin.
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