Die neue EU-Bedrohungsanalyse: Russland als „größte
Gefahr Europas“
Ein Standpunkt von Uwe Froschauer.
Nach einem Bericht der Welt am Sonntag vom 11. Juli 2026 liegt
den EU-Außenministern eine neue Bedrohungsanalyse des
Europäischen Auswärtigen Dienstes (EEAS) vor. Das Dokument soll
die Grundlage für die künftige Sicherheits- und
Verteidigungspolitik der Europäischen Union bilden. Das Original
ist bislang nicht veröffentlicht worden. Bekannt sind lediglich
die Inhalte, die aus dem internen Papier zitiert wurden.
Nachfolgend werden die Kernaussagen dieser Bedrohungsanalyse
aufgelistet und von mir kommentiert.
Die Kernaussagen der Analyse lauten:
1. Russland ist die größte Bedrohung Europas
Russland sei die „unmittelbarste, bedeutendste, direkteste
und langfristigste Sicherheitsbedrohung für den europäischen
Kontinent“.
Kommentar:
Nicht Staaten an sich stellen die größte Gefahr für den Frieden
dar, sondern politisches Handeln. Bedrohungen entstehen durch
Eskalation, Konfrontation, Machtpolitik, Aufrüstung, fehlende
Diplomatie und die Weigerung, die legitimen Sicherheitsinteressen
anderer Staaten ernst zu nehmen.
Aus meiner Sicht greift die Bedrohungsanalyse daher wesentlich zu
kurz. Sie dreht in meinen Augen den Spieß um. Sie erklärt
Russland zur größten Gefahr Europas, ohne die Entwicklung der
europäischen Sicherheitsordnung seit dem Ende des Kalten Krieges
kritisch zu beleuchten. Nach dem Zerfall der Sowjetunion
verschwand zwar der Ost-West-Konflikt, nicht jedoch das Bedürfnis
westlicher Machtpolitik nach einem strategischen Gegner. Russland
wurde schrittweise wieder zum zentralen Feindbild aufgebaut. Ich
führe dies unter anderem auf geopolitische Interessen
insbesondere der USA, den Einfluss des militärisch-industriellen
Komplexes – vor dem US-Präsident Dwight D. Eisenhower bereits
1961 warnte – sowie auf machtpolitische Motive westlicher
Regierungen zurück.
Während unter früheren US-Regierungen die Konfrontation mit
Russland maßgeblich von Washington vorangetrieben wurde, hat sich
der Schwerpunkt seit dem Amtsantritt Donald Trumps nach Europa
verlagert. Vor allem die sogenannte „Koalition der Willigen“ –
Großbritannien, Frankreich und Deutschland geführt von den
Bellizisten Keir Starmer, Emmanuel Macron und Friedrich Merz –
tritt für eine harte Linie gegenüber Russland ein. Unterstützt
wird dieser Kurs von führenden Vertretern der Europäischen Union,
insbesondere von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen
und der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas.
Wer die Sicherheitslage in Europa beurteilen will, sollte deshalb
nicht nur fragen, von welchem Staat eine Bedrohung ausgeht.
Ebenso entscheidend ist die Frage, welche politischen
Entscheidungen Spannungen abbauen – und welche sie weiter
verschärfen. Aus meiner Sicht liegt die größte Gefahr für die
europäische Sicherheit nicht in der Existenz eines bestimmten
Staates, sondern in einer insbesondere von Europa betriebenen
Politik der Eskalation, die Konfrontation über Diplomatie stellt.
2. Begründung: Angriff auf die Ukraine
Als Hauptgrund wird der russische Angriff auf die Ukraine
genannt. Dieser habe die europäische Sicherheitsordnung
grundlegend verändert.
Kommentar:
Diese Begründung setzt den Beginn des Konflikts auf den 24.
Februar 2022. Damit übernimmt sie eine Sichtweise, die den
jahrelangen geopolitischen Vorlauf weitgehend ausblendet. Der
Krieg begann nicht erst mit dem russischen Einmarsch, sondern ist
das Ergebnis einer Eskalation, die nach meiner Auffassung
spätestens mit dem Euromaidan 2014 eine neue Qualität erreichte,
wie auch der Vorgänger von Trumps Schoßhündchen Mark Rutte,
NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg richtig bemerkte.
...https://apolut.net/europa-auf-kriegskurs-von-uwe-froschauer/
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