Wenn wir heute in der Kirche an den heiligen Maximilian Maria
Kolbe, an diesem großen Bekenner und Märtyrer des Zweiten
Weltkriegs, der nationalsozialistischen Herrschaft, zurückdenken,
dann wird es neben Gottesdiensten auch manches Mal Schweigeminuten
geben. Schweigeminuten gehören zu unserer Kultur, ob
Jahreshauptversammlung oder Volkstrauertag, wenn etwas
Schreckliches geschieht, ein Unglück, ein terroristischer Anschlag.
Wenn wir uns an etwas zurückerinnern, was unser Herz treffen will,
halten wir inne, halten wir Schweigeminuten.Schweigen, das ist
vielleicht auch die angemessenste Form, auf solche Sachen zu
antworten, wie sie beim heiligen Maximilian Maria geschehen sind.
Es ist auch mehr als die Abwesenheit von Sprache. Es ist eine
bewusst eingesetzte Form der Kommunikation, ein Zeichen innerer
Einkehr und Erinnerungen. Vielleicht fällt es uns heute besonders
schwer damit. Denn unsere Gesellschaft kommentiert alles. Alles
wird bewertet, geurteilt, geteilt, oft in Sekunden. Die
Kommentarflut im Internet auf sozialen Medien vermittelt den
Eindruck, Schweigen ist Zeitverschwendung. Dabei, so glaube ich,
ist genau das Gegenteil der Fall: Das Schweigen auszuhalten, die
Leere auszuhalten ist wichtig. Es lenkt unsere Aufmerksamkeit auf
das, was zählt. Wir gedenken der Toten, der Verstorbenen nicht, um
sie zu bewerten, sondern um ihnen und ihrem Leben die notwendige
Aufmerksamkeit zu schenken. Wir erinnern uns an Opfer von Gewalt
und Verbrechen, wir erinnern uns an Tote von Weltkriegen, wir
erinnern uns an jene, deren Leben durch Katastrophen und Gewalt
zerstört wurden. Wir erinnern uns heute an Maximilian Maria Kolbe,
an den, der für den Familienvater in den Hungerbunker von Auschwitz
gegangen ist.Und wenn wir die Menschen auch nicht kannten, an die
wir uns erinnern, geht es um ihre Menschenwürde, um ihr
unersetzliches Leben. In dieser Erinnerung bewahren wir Würde,
Hoffnung und bewahren wir, dass Gott uns geborgen hält. Schweigen
ist nicht Leere. Schweigen ist Aufmerksamkeit. Schweigen ist
Erinnerung und vielleicht gerade in diesem Moment lernen wir, dass
Aufmerksamkeit und Ehrfurcht über unsere menschlichen Worte
hinausgehen. Schweigen zeigt, wir haben innegehalten, wir haben
erinnert, wir haben zugelassen, dass das Leben anderer, auch wenn
es vergangen ist, Bedeutung behält.
Kommentare (0)
Melde dich an, um einen Kommentar zu schreiben.