Schimpansen schlagen Professoren: Warum wir nicht mitbekommen, dass die Welt besser wird

Schimpansen schlagen Professoren: Warum wir nicht mitbekommen, dass die Welt besser wird

vor 1 Woche
Es ist alles gar nicht so schlimm
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Beschreibung

vor 1 Woche

Der Gesundheitsforscher Hans Rosling stellte tausenden Menschen
einfache Fragen zum Zustand der Welt, Studenten, Journalisten,
Bankern, Nobelpreisträgern, und sie alle schnitten schlechter ab
als der Zufall: Schimpansen, die blind auf Antworten zeigen,
hätten besser abgeschnitten. Das geht nur, wenn wir nicht bloß
unwissend sind, denn Zufall irrt in beide Richtungen, wir irren
stets in dieselbe. Dabei ist die Datenlage eindeutig: 1990 lebten
vier von zehn Menschen in extremer Armut, heute ist es etwa einer
von zehn, anderthalb Milliarden sind ihr entkommen. Verglichen
mit 1990 sterben jeden Tag rund 20.000 Kinder weniger vor ihrem
fünften Geburtstag. Der Guineawurm, der 1986 noch dreieinhalb
Millionen Menschen quälte, wurde im vergangenen Jahr weltweit
zehnmal gezählt, besiegt ohne Impfstoff, mit Wasserfiltern und
vierzig Jahren Geduld. Die Zeitungen hätten jahrzehntelang
täglich wahrheitsgemäß titeln können, dass abermals über 100.000
Menschen der Armut entkommen sind. Die Schlagzeile ist nie
erschienen.


Dass sie nie erschien, liegt an einer Taktfrequenz: Zerstörung
ist schnell, Aufbau ist langsam. Eine Bombe braucht eine Sekunde,
ein Impfprogramm Jahrzehnte, und Nachrichten messen die Welt in
Stunden, einer Auflösung, in der fast nur Zerstörung sichtbar
wird. Dazu kommt der Negativity Bias, die tiefere Prägekraft des
Schlechten, und schließlich die grausamste Regel der
Aufmerksamkeit: Erfolg vernichtet seine Zeugen. Das Ozonloch
verschwand aus dem Gedächtnis, gerade weil das Montreal-Protokoll
wirkte und die Ozonschicht seither heilt. Eine Warnung, die
verhallt, wird Geschichte; eine Warnung, die wirkt, sieht im
Rückblick aus wie Hysterie.


Harmlos ist diese Schieflage nicht, denn ein Publikum, das den
Abstieg für ausgemacht hält, ist bewirtschaftbar, von
Verschwörungserzählern bis zur Parole, früher sei alles besser
gewesen, die exakt so lange funktioniert, wie niemand die Kurven
kennt. Rosling nannte sich deshalb nicht Optimist, sondern
Possibilist, und sein wichtigster Gedanke passt in fünf Worte:
schlecht und besser zugleich. Fünf Millionen tote Kinder im Jahr
sind ein Skandal, der Rückgang von dreizehn Millionen ist ein
Triumph, und ein erwachsenes Weltbild hält beide Sätze
gleichzeitig aus. Der Fortschritt wurde ohnehin nicht von
Zuversichtlichen erarbeitet, sondern von Alarmierten mit langem
Atem. Pessimismus des Verstandes, Optimismus des Willens.


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https://48forward.com


Moderation: Daniel Fürg


Produktion: The 48forward Studios (https://48forward-studios.com)
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