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  4. Vitamin D3 im Faktencheck | Von Jochen Mitschka
Vitamin D3 in hohen Dosen

Zwischen belegter Wirkung, unbelegter Toxizität und
institutionellen Grenzwerten

Ein Standpunkt von Jochen Mitschka.

Nachdem immer mehr Warnungen über die Einwirkung von Sonne auf
die Haut um sich greift, obwohl dadurch Vitamin D im Körper
produziert wird, hier noch einmal der Hinweis auf die Wichtigkeit
dieser eigentlich im Körper produzierten überlebenswichtigen
Stoffes, und wie sehr die "Wissenschaft" noch mit sich darüber
ringt.

Menschen berichten seit Jahren: Seit sie täglich 10.000 bis
20.000 IE Vitamin D3 nehmen – das Zehn- bis Zwanzigfache der
offiziellen Empfehlung – hätten sie keine Infekte mehr erlitten,
die sie ins Bett zwangen. Kein Arzt verordnet ihnen das. Keine
Studie begleitet sie. Und doch: Die Evidenz für Schaden, die
Behörden als Begründung für ihre Grenzwerte anführen, ist
erstaunlich dünn. Eine Bestandsaufnahme.

Was Behörden empfehlen – und worauf ihre Grenzwerte
beruhen

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) legt
den „tolerierbaren Ober-Intake-Level“ (UL) für Vitamin D3 bei
Erwachsenen auf 4.000 IE pro Tag fest. Das US-amerikanische
Institute of Medicine (IOM) kommt auf denselben Wert, machte
dabei allerdings einen drastischen Fehler, der in der Folge
beschrieben wird. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung
empfiehlt sogar nur 800 IE täglich als Versorgungsziel.

Was kaum bekannt ist: Dieser UL-Wert von 4.000 IE wurde 2011
primär auf Basis von Fallberichten gesetzt – nicht auf Basis
kontrollierter Studien. Das IOM nahm an, dass Hyperkalzämie
(erhöhter Kalziumspiegel im Blut, das Hauptsymptom einer
Vitamin-D-Vergiftung) bei Tagesdosen unter 10.000 IE
unwahrscheinlich sei – und zog dann einen zusätzlichen
„Unsicherheitsfaktor“ von 2,5 ein, um auf 4.000 IE zu kommen. Das
räumte eine Metaanalyse von Zittermann et al.
(2023) zur Sicherheit von 3.200–4.000 IE täglich ein, die
selbst „erhebliche Unsicherheit“ beim Grenzwert konstatiert.

Was klinische Studien tatsächlich zeigen

Mehrere randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) haben höhere
Dosen systematisch untersucht:

Die D2d-Studie (USA, über 2.000 Prädiabetiker,
4.000 IE/Tag über 2,5 Jahre): kein erhöhtes Risiko für
Hyperkalzämie, Hyperkalziurie oder Nierensteine gegenüber
Placebo. Die Einnahme wurde als sicher und gut verträglich
eingestuft.

Der VIDAMS-Trial (Lancet, 2023) testete 5.000 IE
täglich über 96 Wochen bei Multiple-Sklerose-Patienten. Es wurden
keine signifikant erhöhten Nebenwirkungen im Vergleich zur
Niedrigdosis-Gruppe dokumentiert.

Ein 2023 veröffentlichter Interventionsversuch mit
50.000 IE/Woche (entspricht ~7.100 IE/Tag) über 8 Wochen bei
Post-COVID-Patienten zeigte signifikante Verbesserungen
neuropsychiatrischer Symptome – ohne Berichte über Toxizität.

Eine randomisierte Studie bei Klinikpersonal (5.000
IE/Tag, 9 Monate) zeigte reduzierte Inzidenz von
Atemwegsinfekten, konsistent mit Metaanalysen, die einen
Schutzeffekt bei täglicher Gabe belegen.

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