Deep Story #78 | Ankunft | Case

Deep Story #78 | Ankunft | Case

58 Minuten

Beschreibung

vor 7 Jahren

An dieser Stelle präsentieren wir euch den 2. Teil der
Episodengeschichte von Simon Rucker. Musikalisch unterlegt wird
"die Ankunft" von Case, der die Ruhe und Einsamkeit der Insel,
welche dem Protagonisten zunächst zu schaffen macht, wunderbar in
seinem Set einfängt.


An der Stelle, an der ich damals zu mir gekommen bin, habe ich
vor ein paar Tagen ein Mahnmal errichtet. Es war mir ein
Bedürfnis geworden, so habe ich der Insel doch einiges zu
verdanken. Und ihr wisst es noch nicht, aber ihr habt der Insel
auch einiges zu verdanken. Und vor allem lag mir daran, diesen
Ort hier nicht ohne Warnung zu verlassen. Jetzt, als ich das
Schiff sehe, bin ich froh, dass ich mit der Konstruktion nicht
noch länger gewartet habe. Die Maske, die ich dem Pfahl grob
geschnitzt habe, grinst leer über die Bucht. Von dort unten sieht
sie, so denke ich, wie ein belangloser toter Palmenstumpf aus.
Nur dem Näherkommenden wirft sie ihren unbarmherzigen Blick zu.
Es war mir ein tiefes Bedürfnis geworden, der Welt zu zeigen, was
hier auf der Insel vor sich geht. Sie vor ihr zu warnen. Euch vor
ihr zu warnen. Eine Warnung, deren Sinn ich heute noch nicht ganz
verstehe, aber deren Notwendigkeit ich nicht mehr bezweifle. Und
im selben Moment möchte ich meinen Dank aussprechen, dass ich
derjenige bin, der die Verantwortung tragen darf, die beste aller
Taten zu vollbringen. Mich in den Dienst meiner Art zu stellen
und die Botschaft in die Welt zu tragen, auch wenn es mich grämt,
noch nicht genau zu verstehen, worin sie liegt. Doch ich will von
vorn beginnen.
Als ich meine von Sand und Salz verkrusteten Augen öffnete, wurde
mir übel. Für einige Minuten drehte sich der kristallblaue Himmel
über mir, bebte der Sand unter den Muskeln meines Rückgrats. Dann
beruhigten sich meine Innereien allmählich. Es wurde mir langsam
klar: Heute war ich noch nicht ertrunken. Ein dämliches Grinsen
packte meine Kiefer. Die nächsten Tage verbrachte ich damit,
herauszufinden, dass ich mich auf einer Insel befand. Alleine
mitten im südlichen Atlantik. Hinter dem Strand begann ein
dichter Palmenwald, einmal um die Insel herum waren etwa vierzehn
Kilometer. Zwei felsige Gipfel stiegen aus dem mit Bäumen
bewachsenen Grund empor. Der eine davon etwas höher, ungefähr 350
Meter hoch, würde ich schätzen. Eine wissenschaftliche Peilung
habe ich nicht unternommen. Huaaah… wissenschaftlich, wenn ich
das schon höre. Was die schon so alles behauptet hat...

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