Deep Story #31 | Willkommen in Indien | By Ben Ashton

Deep Story #31 | Willkommen in Indien | By Ben Ashton

57 Minuten

Beschreibung

vor 7 Jahren

Für unsere heutige deep story konnten wir den Potsdamer
Hobbyautor und Mitorganisator der "Potsdamer Wohnzimmerkultur"
Tobias Beyer ermutigen einen Reisebericht seiner sehr spannenden
Indienreise zu verfassen. Den wunderbaren vocallastigen Sound
steuert der großartige Schweizer Produzent/DJ Ben Ashton bei, der
schon einige Releases bei Wonnemusik rausgehauen hat. Die vielen
Gesangseinlagen soll den geschäftigen und lebhaften Trubel auf
den Straßen Indiens symbolisieren. Viel Spaß mit Bild, Text und
Ton ;)


Das letzte Mal Indien liegt vier Jahre zurück. Und damit auch der
„Delhi-Belly“. Das ist die Bezeichnung unter Backpackern für die
durchaus hohe Wahrscheinlichkeit, in Delhi mehr als eine Nacht
auf dem schäbigen Hostel-Klo zu verbringen. Der „Delhi-Belly“ ist
deshalb auch dieses Mal schon genauso strikt in der Planung
verbucht wie das Visum – nur hoffentlich nicht wieder über zwei
Monate anhaltend wie 2012.
Im Endeffekt, so viel sanitäre Heimlichtuerei sei vorweggenommen,
hat es mich nur eine einzige Nacht auf dem Donnerbalken
gefesselt; nach ein wenig Nebel am nächsten Morgen schien am
Nachmittag schon wieder die Sonne – und das kam dieser Tage nicht
oft vor in Dharamshala, dem Ortsverbund, in dem der Dalai Lama
seine Exil-Regierung seit nun schon 57 Jahren etabliert hat bzw.
etablieren musste; die chinesische Okkupation Tibets ist auch bei
diesem Besuch in Dharamshalas Dörfchen McLeon Ganj und Bhagsu ein
Dauerthema. Verstärkt wurde die Präsenz des Themas durch den Job,
in den wir zufällig hineinschlitterten. Acht Tage lang sollten
wir in einer Englisch-Konversations-Klasse für Tibeter
unterrichten und diesen inhaltlich gestalten. Neben jungen
tibetischen Flüchtlingen aller Geschlechter war es vor allem der
Kontakt zu den zahlreichen buddhistischen Mönchen, der diesen
Unterricht für mich zu etwas Besonderem machte. Wenngleich die
Teilnehmer mit sehr unterschiedlichen Sprachniveaus täglich
freiwillig erschienen, konnten wir mit ihnen über Themen wie
Liebe und Glück sowie über komplexe Konzepte wie das des
„Geistes“ (mind) im buddhistischen Sinne diskutieren. Was den
Teilnehmern an Sprachkenntnissen fehlte, waren sie uns in puncto
Weisheit voraus, weshalb ein für mich völlig neues und ständig
reziprokes Lern- und Lehrerlebnis entstand. Mehr noch als das
sollte aber die Dankbarkeit der Menschen für den Unterricht einen
bleibenden Eindruck hinterlassen. Das Menschen dich sofort als
Lehrer akzeptieren und dir für jede Minute so unendlich dankbar
sind, passiert dir als Lehrer nicht oft. Nicht in Deutschland bei
meiner Arbeit mit Kindern, nicht in diesem Ausmaß.
Nach einem dreiwöchigen monsunreichen Exkurs in die
Wannabe-Hippie-Gefilde vom Dalai Lama, dieser für Indien
verhältnismäßig sehr entspannten Gegend, trieb es uns ins ganze
Gegenteil: Varanasi. Hinduismus pur. Eine affenreiche letzte
Woche in Indien stand bevor. Bei all dem Frieden dank Yoga,
Meditation, der Mönche und der Berge trug ich aber durchaus
Skepsis mit mir herum, ob diese letzte Woche eben nicht nur
affenreich, sondern auch affenstark werden würde.

Kommentare (0)

Lade Inhalte...

Abonnenten

15
15