Deep Story #80 | Treibgut | Guzy
1 Stunde 3 Minuten
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Beschreibung
vor 7 Jahren
Was wird wohl mit unseren Protagonisten auf der Insel, die ihn
einst so unliebsam aufgenommen hat, passieren? Simon Rucker
gewährt uns einen weiteren kleinen Einblick in seine liebevoll
aufgebaute Parallelwelt. Umrahmt wird die Episode von Guzy. Der
das ruhige Leben auf der Insel und die daraus ergebenen
Gedankenspiele mit seinem atmosphärischen Sound wunderbar
einfängt.
Maria wartete irgendwo am Ende der Welt auf mich. In Stuttgart
war es vermutlich inzwischen Herbst geworden. Hier brannte die
tropische Sonne auf meine stählernen Schultern. Vom Klettern und
Bauen war ich stark geworden. Ich mochte meinen Körper, berührte
ihn gerne. Vielleicht wartete sie auch nicht. Ich hatte mir keine
Robinson-Strichliste erstellt, nahm an, dass ich seit etwa
zweieinhalb Monaten hier war. Sie wartete nicht. Wozu auch. Ich
musste in ihren Augen tot sein. Sie hatte mich nie gebraucht. Ich
hatte sie immer vermisst. Ich stellte mir vor, dass sie das
gleiche machte wie immer. Dachte von Zeit zu Zeit an mich. Aber
dann auch mal nicht.
Es war das 21. Jahrhundert. Wie lange konnte es dauern, bis ich
hier gefunden würde? Höchstens fünf, sechs Monate hatte ich mir
berechnet. Dann hätte ich auf irgendeinem Radarschirm oder
Computersatellitenpro-gramm leuchten und piepen müssen. Kein
Zweifel. Dann wäre man mich holen gekommen. Ich hätte unter Jubel
und Glückwünschen auf dem Schlossplatz meine Geschichte erzählt.
Maria wäre auch da gewesen. Aber es wäre mir egal gewesen. Denn
ich wäre frei gewesen. Hätte der einsame Wolf sein können. Hätte
nicht mehr darauf warten müssen, dass sie mich zu lieben begänne.
Mein Bart wäre lang gewesen, die Haut braun. Viele Worte hätte
ich nicht verloren. Zurück in die Business-Welt wäre ich nicht
mehr gekehrt. Es reichte. Ein für alle Mal. Stattdessen wäre ich
auf meiner Veranda gesessen und hätte Bücher geschrieben über
meine einsame Insel. Bestseller nach Bestseller. Auf einer
Lichtung am Waldrand über dem Strand hatte ich mein Haus
errichtet. Es lag wie auf einem kleinen Balkon über dem Meer.
Zwischen Sand und den Klippen. Mein Haus bestand aus Palmenwedeln
und dicken Ästen, die ich im Wald gefunden hatte. Befestigt durch
Steine so schwer, dass ich sie gerade noch tragen konnte. Ob die
Konstruktion einem Tropensturm standhielte, wusste ich damals
noch nicht, war aber guter Dinge. Im Innern gab es so viel Platz,
dass ich aufrecht stehen konnte und mein Bett aus Zweigen und
Blättern lag an der hinteren Wand. Bei Regen war es trocken, den
Wind hielt es ab und von den Sonnenstrahlen drang wenig
hinein.
Und dann sah ich es...
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