Deep Story #89 | der Verdacht | Hover

Deep Story #89 | der Verdacht | Hover

1 Stunde 8 Minuten

Beschreibung

vor 7 Jahren

Heute interpretiert Hover für uns den neuesten Teil der
Geschichte von unserem Gastautor Simon Rucker. Das berliner
Multitalent mit einem Fai¬ble fürs komisch Elektronische greift
mit seinem Intro humoristisch die Lage des Protagonisten auf. Das
Geheimnis der Insel scheint jetzt ein Gesicht zu bekommen und der
Hauptdarsteller sollte schnellsten lernen, wie man sich in diesem
Dschungel effektiv zur Wehr setzt. Ob er da bei auch so
bärenstarke Hilfe bekommt? Ein paar Tage später saß ich unten am
Strand. Mein Feuer war erloschen, es kümmerte mich nicht mehr.
Rücksichtslos wühlten sich die Gedanken an meinen Irrweg im
nächtlichen Dschungel durch die viel zu engen Windungen meines
Hinterkopfes. Meinen Irrweg in der Nacht, die auf das Unwetter
gefolgt war. Die Gedanken daran, dass es mehr gewesen war als das
übliche Nichts, was ich schließlich an der Stelle gefunden hatte,
von der aus das Licht gekommen sein musste. Die Reste eines Mahls
hatten verstreut unter den Bäumen gelegen. Kleine Knöchelchen,
Reste von Haut und Gedärm. Aber das war nicht der Grund meiner
Sorge und meiner Erregung gewesen. Jedenfalls war es nicht der
allergrößte Grund gewesen. Der hatte sich nämlich knapp vierzig
Meter weiter zwischen den Bäumen befunden. Während ich zwei, drei
Steinchen ins ruhige Wasser des grauen Ozeans warf, während ich
weiter hin und her dachte und überlegte und verwarf, begann es
leise zu nieseln. Warme Tröpfchen legten einen perlenden Teppich
auf meine langen garstigen Haare. Rinnsale fanden den Weg über
meinen Rücken, meine Brust bis hinunter in den Sand. Die Sonne
verschwand langsam wieder hinter den Wolken. Ich schloss meine
Augen. Es bestand kein Zweifel mehr. Ich hatte hier etwas
entdeckt. Etwas Unbekanntes. Etwas Außergewöhnliches. Hier ging
etwas vor sich, was größerer Aufmerksamkeit bedurfte. Mehr als
mein Feuer, mehr als meine Höhle, mehr als der Rest der Welt.
Zwei bleiche Körperchen hatten sich zwischen den verkrüppelten
Ästen bewegt. Sonderbar lang. Auffällig weiß. Arme, Beine, Köpfe.
Merkwürdig dünn und feingliedrig. Und doch den meinen nicht
unähnlich. Und dann, wieder ein Blitz. Eines der beiden Geschöpfe
hatte etwas in seiner Hand gehalten. Es richtete das Ding in
meine Richtung. Was zum Teufel?! Dann wieder ein Blitz. Langsam
war sein Glanz in der sich ausbreitenden Dunkelheit verloschen.
Dort war sie nun also vor mir gewesen. Die Quelle des mir schon
so oft erschienenen Leuchtens. Dann war nichts mehr zu sehen. Ich
war den beiden Körperchen hinterhergerannt. Gestolpert durch die
Dunkelheit, hatte meine Lampe fallengelassen. Nichts mehr. Ich
war alleine gewesen. Alleine, wie sonst auch, in meinem
widerlichen Dschungel auf meiner verfluchten Insel. Mitten in
einer langen und feindseligen Nacht.

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