Deep Story nr. 112 l responsibility l by Rauschhaus
60 Minuten
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Beschreibung
vor 7 Jahren
Unser Autor Simon Rucker von unterwegs-reiseblog liefert heute
die Fortsetzung zu seiner komplexen und vielschichtigen Dystopie,
die auf den ersten Blick an Ereignisse aus dem
Geschichtsunterricht erinnern mag. Eine neue Figur betritt heute
die Bühne und scheint Lichtbild und Schattengestalt zugleich zu
sein. Auf seinen Schultern liegt eine schwere Last und sein Kopf
ist voll mit düsteren Gedanken. Die pochenden Fragen, die
unerbittlich die Schädeldecke malträtieren, werden musikalisch
von unseren heutigen Gast Rauschhaus porträtiert. Sein Beat gibt
den Takt der Gedankenblitze des Protagonisten wieder und entwirrt
das Chaos, um uns einen Blick hinter die Kulissen dieser Szenerie
zu gewähren. Spät am Abend sitzt Jacek Prym allein im weißen
Sessel vor den Panoramafenstern der Präsidentensuite des Hotels
Ancien Art am Grand-Place. So hat er sich das nicht vorgestellt.
Er dreht das Glas Lagavulin langsam zwischen seinen Fingern hin
und her. Die dunkelbraune Flüssigkeit bricht sich in den
Kristallen. Tief unter ihm die Lichter der Großstadt. Er hätte
sich nicht vorstellen können, wie einsam es ist, ein Präsident zu
sein. Der erste Präsident. Der erste Präsident eines neugeborenen
Staates. Bald Vater eines neugeborenen Kindes. Sein junges Alter
ist Teil der neuen EU-Policy. Zwischen den Lichtern sieht er sein
Gesicht. Es spiegelt sich in den dicken Scheiben. Wenn man genau
hinschaut, bemerkt man, dass er gar nicht mehr so jung aussieht
wie in den Streaming-Aufnahmen. Er selbst bemerkt es. Obwohl man
in seinen eigenen Augen ja eigentlich niemals, niemals, niemals
altert. Verantwortung. Ein großes Wort. Ist es das, was er nun
für das alte Europa hat? 8.000 Kilometer weiter südwestlich fegt
ein trockener staubiger Wind über die kahle Ebene. Dort in der
Ferne sind die Reste der Wolkenkratzer von Downtown Manhattan zu
sehen. Nichts, aber auch gar nichts ist übrig geblieben von den
nordamerikanischen Staaten. Ihm liegen hier Informationen vor,
die der Mehrheit der Menschen nicht einmal ansatzweise bekannt
sind. Dennoch… Ob der völligen Auslöschung nahezu aller Menschen,
Tiere und Pflanzen und sämtlicher Infrastruktur eine gezielte
Aktion des Ostens vorausging oder ob sie auf einen endgültigen
Kollaps der Energiesysteme zurückzuführen ist, weiß nicht einmal
er zu sagen, falls das überhaupt jemand weiß. Zwar hat er seine
Vermutungen, doch er würde sich hüten, damit etwas anzufangen.
Gelegentlich werden aus dem nordamerikanischen Ödland Survivors
geborgen, die haarsträubende Berichte abliefern. Offenbar sammeln
sich überlebende Banden in Camps enormer Ausmaße.
Aufklärungsdrohnen können das bestätigen. Viel Budget wird in die
Missionen zur Klärung der Zustände im Ödland nicht mehr gesteckt.
Es ist anderswo viel dringender nötig. Von systematischen
Misshandlungen, widerwärtigen Machtsystemen und scheußlichen
Mutationen ist die Rede, wenn Survivors geborgen werden. Doch das
ist dieser Tage nicht Fokus seines Grübelns. Jacek Prym weiß,
dass die Nordhälfte des amerikanischen Kontinents verlorenes Land
ist, er hat anderes zu tun.
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