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  4. Gott schenkt Trost, keine billige Vertröstung!
In vielen Kirchen gibt es noch die Feier der Rorate-Messen. Sie
heißen bei den Gläubigen so, weil der uralte Text aus dem Buch
Jesaja genommen wurde, in dem die tiefe Sehnsucht der Menschen nach
Heil und Erlösung beschrieben wird. Im Laufe der Jahrhunderte ist
dieser Text gerade im Advent vielfach gesungen worden und wird
eingebettet in eine stimmungsvolle Liturgie mit vielen Kerzen in
einer dunklen Kirche zu einem ahnungsvollen, stillen Hören. In
unserem Konvent hier in Olpe singen wir diesen Gesang in der
Adventszeit regelmäßig. Er packt mich immer neu, wenn ich vorsinge
und es dann in der vierten Sequenz heißt: "Tröste dich, tröste
dich, folg meiner Gnade, denn nahe ist deine Rettung. Warum
verzehrst du dich in Trauer, da dich dein Schmerz erneuert? Heil
schenke ich dir. Fürchte dich nicht mehr, denn ich bin der Herr,
dein Gott und König, der Heilige Israels und dein Erlöser." Der Ruf
nach Erlösung und einem starken Erlöser geht durch die
Menschheitsgeschichte bis heute. Die Suche nach dem starken Mann
mit den einfachen Lösungen und dem simplen Schwarz-Weiß-Denken
kommt in allen Generationen bis in unsere Tage immer wieder hoch.
Die Maos, Stalins, Hitlers früherer und heutiger Tage wurden
mächtig, weil sie den Massen suggeriert haben, dass sie die Lösung
aller Probleme und Fragen parat haben und man ihnen nur die Macht
in die Hand geben soll. Dann tun sie das alles. In diesem alten
Lied aber ist von Trost die Rede, nicht von billiger Vertröstung.
Wirklicher Trost bietet die Zusicherung, mit mir durch dieses Leid,
diese Katastrophe zu gehen. Mich darin nicht zu verlassen und mich
stattdessen an die Hand zu nehmen und mir zu helfen, dass wir das
gemeinsam schaffen. In der Ankündigung, dass Rettung nahe ist,
werden dann innere und äußere Kräfte freigesetzt, die mir helfen
durchzuhalten und die Hoffnung, dass es gut ausgeht, dass wir das
nicht verlieren. "Tröste dich, tröste dich, folg meiner Gnade, denn
nahe ist deine Rettung" ist ein viel machtvoller Trost als "Das
wird schon wieder, Du wirst sehen". Es ist ein Trost, der stärkt
und Kräfte freisetzt und Hoffnung weckt, dass da einer ist, der
kommt.
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„Gott schenkt Trost, keine billige Vertröstung!“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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