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Kulturleben Archiv

551 Episoden
42 Minuten
Die Aufgaben eines Museums sind klar: Sammeln, Bewahren, Forschen, Ausstellen. Doch während die Lohn- und Energiekosten steigen, werden die Zuwendungen aus öffentlicher Hand immer knapper. Hinzu kommt: Die Öffentlichkeit nimmt die Museen vor allem für ihre Sonderausstellungen wahr, die hauseigenen Sammlungen in den Depots finden wenig Aufmerksamkeit. Dabei werden die Sammlungen immer größer, auch Badekappen der 60er Jahre, Computerspiele der 90er und das Handy von übermorgen wollen für zukünftige Generationen erhalten werden. Und die Zahl der Museen in Deutschland in den letzten 30 Jahren mehr als verdoppelt. Doch wieviel Sammeln können wir uns noch leisten? Müssen wir unsere Sammelleidenschaft in Zukunft zügeln? Andrea Mühlberger im Gespräch mit Matthias Mühling vom Münchner Lenbachhaus und Kunstbau München sowie mit Christoph Kürzeder vom Diözesanmuseum Freising.
13 Minuten
Lange Zeit störte sich niemand an den Bildern, die Reisende aus fernen Weltgegenden mitbrachten, sie galten als Dokumente exotischer Kulturen. Doch der westliche Blick war häufig rassistisch und diffamierend. Im Zuge der Rückgabedebatten um geraubte Kunstobjekte wird auch die Fotografie aus kolonialen Kontexten sensibler befragt. Wer bestimmt den Blick? Was soll man zeigen? Auch die fotografische Sammlung des Münchner Stadtmuseums hat koloniale Fotografien gesammelt und ausgestellt. Auf welche Weise, das muss immer neu verhandelt werden.
33 Minuten
Einmal mehr erzählt der Schriftsteller von der Geschichte der deutschen Teilung und der DDR, jetzt aber in einer neuen Perspektive: im Mittelpunkt stehen die Angehörige der Elite im SED-Staat. Sie sind die Narren auf dem Schiff.
30 Minuten
Wir müssen uns zentrieren oder klare Grenzen setzen, oft geht es um "mental load", wir werden getriggert, die Kinder in der Schule werden gemobbt. Die Beziehung ist "toxisch" oder es geht um Menschen, deren "red flags" vorab bereits erkennbar waren. Wir erstellen uns Diagnosen, ADHS, PTBS, Depression, Angststörung. Wir alle sind verstrickt und unglaublich zerbrechlich. Soziologen sprechen von der therapeutischen Gesellschaft. Tatsächlich hat die Sprache der Therapeuten lange Zeit die Populärkultur überschwemmt: Begriffe wie "Hysterie", "Kriegsneurose" und das "innere Kind" spiegeln die psychoanalytischen Ansätze ihrer Zeit wider. Vor allem Freud überhäufte die westliche Literatur mit heute gebräuchlichen Ausdrücken: Verdrängung, Todeswunsch, Versprecher, Verleugnung, Übertragung. Mit dem Boom der Therapiebegriffe in der Sprache geht einher, dass die psychische Gesundheit der Menschen rückläufig ist. In Deutschland sind jedes Jahr 27,8 % der erwachsenen Bevölkerung von einer psychischen Erkrankung betroffen. Das entspricht rund 17,8 Millionen betroffenen Personen. Nach Covid stiegen Depressionen und Angstzustände insbesondere bei jungen Menschen an. Das wachsende Bewusstsein für psychische Erkrankungen könnte die Zahlen noch weiter in die Höhe treiben. Das Problem mit eiligen Diagnosen oder dem, was heute als "Instagram-Therapie" gilt, besteht darin, dass sie einen zutiefst relationalen und kontextuellen Prozess in etwas Ich-Bezogenes verwandeln kann, so als ob es immer darum ginge: "Ich bin die wichtigste Person, und ich muss mich um mich selbst kümmern." Oft werden banalsten Umständen scheinpsychologische Diagnosen übergeworfen. Der Boom von Mental Health verrät große Sehnsucht nach Selbsterforschung und Selbstbeschreibung. Er deutet zudem darauf hin, dass psychische Probleme nicht mehr tabuisiert werden, sondern in der Mitte der Gesellschaft angekommen und von Scham befreit sind. Im Perspektivwechsel sprechen wir mit der Linguistin Susanne Kabatnik und der Kultursoziologin Sarah Pritz über therapeutisches Sprechen und die Emotionsgesellschaft.
13 Minuten
Es gibt Dinge, die sind so massiv, dass man sie gar nicht ausstellen kann. Und doch gehören sie einem Museum. In diesem Fall handelt es sich um große Designkunst aus der Zeit um 1900 - Pariser Jugendstil. Nur leider: Dieses Objekt ist viel zu schwer. Viel zu groß. Stefan Mekiska ist im Depot der Neuen Sammlung München auf eine Metrostation aus Paris gestoßen.
36 Minuten
Nach der Wahl zum Deutschen Bundestag ist es nicht mehr zu übersehen: Die Zahl der weiblichen Abgeordneten ist wieder zurückgegangen. Nicht einmal jeder dritte Stuhl im Parlament wird von einer Frau besetzt. Woran liegt das? Ist das nur eine Pendelbewegung? Oder steckt dahinter die Rückkehr des Macho-Gehabes in der Politik? Auch oder besonders auf dem internationalen Feld. Marie Schoeß diskutiert die Rolle der Frauen in der Politik mit kundigen Gesprächspartnerinnen. Christa Weigl-Schneider engagiert sich im Verein "Parité" für die Gleichstellung der Menschen in allen Bereichen der Gesellschaft. BR-Hauptstadtkorrespondentin Barbara Kostolnik beobachtete schon in der letzten Legislaturperiode, wie sich das Klima im Parlament zum Nachteil der Frauen wieder verändert hat. Autorin Heike Specht schrieb mit "Die Ersten ihrer Art" ein Buch über die Pionierinnen im parlamentarischen Betrieb.
30 Minuten
Ginge es nach den Erstwählenden, hätte Die Linke die jüngste Bundestagswahl gewonnen - mit 26 Prozent der Stimmen, gefolgt von der AfD mit 19 Prozent. Entscheidender Grund: Beide Parteien sind in den Sozialen Medien sehr aktiv. Auch andere Parteien und Kandidaten sind dabei, TikTok, Instagram und Co. für sich zu erschließen. Aber wieso verfangen Olaf Scholz mit Aktentasche oder Markus Söder, der in eine Bratwurst beißt, nicht so stark bei jungen Menschen wie die Posts von Heidi Reichinnek (Die Linke) oder Maximilian Krah (AfD). Und wieso kommt Die Linke vor allem bei jungen Frauen, die AfD bei jungen Männern so gut an? 52 Prozent der 16-24jährigen sagen: Social Media ist ihre einzige Info-Quelle, wenn es um Politik geht. Noch machen sie nur einen geringen Anteil aller Wahlberechtigten aus. Aber in den kommenden Jahren wird der Anteil an Digital Natives unter den Wähler*innen immer größer. Kommt es zu einer TikTokisierung der Politik? Es diskutieren: Hannah Schimmele vom Beratungsnetzwerk "polisphere" sowie der Generationenforscher Rüdiger Maas.
55 Minuten
Zu Besuch bei Bauwerken, die auf der Shortlist für den BDA-Preis Bayern 2025 stehen, etwa in einem Mehrgenerationenhaus auf dem Land, in Kranzberg, einem Übernachtungsschutz für Menschen in Obdachlosigkeit in München und einem Haus ganz ohne Zement. Außerdem ein Gespräch zur Frage: Was erhoffen sich Architekten nach der Bundestagswahl für den Wohnbau?
28 Minuten
Trump und Putin verhandeln über die Ukraine - ohne Europa auch nur ansatzweise einzubeziehen. Als Schutzmacht ziehen sich die USA damit aus Europa zurück. Was bedeutet das für die EU? Welche Gefahren, vielleicht aber auch Chancen liegen in der aktuellen Krise? Kathrin Hasselbeck im Gespräch mit Robert Menasse, Schriftsteller und leidenschaftlicher Europa-Befürworter und mit Andreas Wirsching, Historiker, Lehrstuhlinhaber an der LMU und Direktor des Instituts für Zeitgeschichte München.
30 Minuten
Seit die Unions-Fraktion gemeinsam mit AfD und FDP für einen Antrag zur Migrationspolitik gestimmt hat, diskutiert die Republik fast nur noch über das Thema Migration. Die Schriftstellerin Mithu Sanyal und der Migrationsforscher Simon Goebel suchen nach neuen Ansätzen in dieser seit Jahren schwelenden Debatte.
29 Minuten
Seit kurzem leitet er die größte Verlagsgruppe in Deutschland, mit 1.000 Mitarbeitern und über 40 Verlagen. Ein Interview mit dem Verleger über die Situation der Buchbranche, Ideen für "sein" Haus und die Bedeutung des Lesens.
17 Minuten
Das "Porzellanikon" in Oberfranken ist Europas größtes Spezialmuseum für Porzellan. An den Standorten in Selb und Hohenberg an der Eger kann man alles erfahren über das faszinierende Material: Von den Rohstoffen, die zur Herstellung benötigt werden, bis zum Brennen und Glasieren. Weil Porzellan auch besonders hart und hygienisch ist, werden daraus nicht nur Teeservices und dekorative Gegenstände hergestellt, sondern auch sehr spezielle Gebrauchsgegenstände - Dildos aus Porzellan! Davon gibt es eine ganze Sammlung - ausgestellt wurde sie noch nie.
32 Minuten
Hass ist im Netz allgegenwärtig. Und keine Abhilfe in Sicht. Es droht eher schlimmer zu werden nach der Ankündigung des Meta-Konzerns weitgehend auf Fact-Checking zu verzichten. Was auffällt: Der Hass richtet sich besonders gegen Frauen. Sind wir dem schutzlos ausgeliefert? Müssen wir uns das Netz zurückerobern? Eine Diskussion mit der Körperaktivistin und Influencerin Melodie Michelberger und der Juristin Josephine Ballon von der Beratungsstelle HateAid.
31 Minuten
Sein jüngster Film "In Liebe, Eure Hilde" handelt von einer mutigen Frau - von Hilde Coppi. Sie schloss sich dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus an und bezahlte dafür mit dem Leben. Wie kann man ihre Geschichte erzählen?
24 Minuten
Es gibt alarmierende Untersuchungen aus ganz Europa: 2024 stellte eine Umfrage in Großbritannien fest, dass die Hälfte der Erwachsenen dort nicht mehr regelmäßig liest. Jeder vierte Jugendliche zwischen 16 und 24 Jahren behauptete bei dieser Gelegenheit gar, noch nie einen längeren Text gelesen zu haben. Eine medizinische Untersuchung in Schweden wiederum legte im Dezember 2024 nahe, dass sich aufgrund des übermäßigen Konsums von Social Media inzwischen auch die Gehirne von jungen Menschen verändert haben. Gilt das auch für Deutschland? Kerstin Paschke arbeitet in Hamburg als Kinderärztin, Psychiaterin und Psychologin mit dem Fachgebiet Jugend-Suchtverhalten. Ihr Befund ist eindeutig. Die sozialen Medien sind ein sehr weit verbreitetes Suchtmittel unter Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Sie sagt, dass mindestens eine Million Kinder und Jugendliche hierzulande eine "problematische Mediennutzung" zeigen, das heißt im Schnitt dreieinhalb Stunden täglich Social Media konsumieren. "Die Medien werden wichtiger als alles Andere, als Freunde, als das Fußballtraining, als die Schule. Die Betroffenen nehmen dann in Kauf, dass das Verhalten zu negativen Folgen führt. Und dann kommt es zu beträchtlichen Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit, der körperlichen Gesundheit, des Familienlebens durch viele Streitigkeiten, des Kontaktes mit Gleichaltrigen, der schulischen Leistungen. "Wegen dieses eklatanten Zeitmangels durch Social Media Konsum droht also mit dem Lesen eine wichtige Kulturtechnik an ihr Ende zu kommen. Oder doch nicht? Was können die Schulen dagegen unternehmen, wenn schon viele Elternhäuser versagen, weil auch hier die Momente zum gemeinsamen Vor-Lesen immer knapper werden? Anja Bensinger-Stolze ist bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Deutschland für den Bereich Schule zuständig. Die Lehrerinnen und Lehrer haben inzwischen gegen Social Media einen schweren Stand. "Wenn man sich das anguckt, zum Beispiel TikTok, Instagram, die mit ganz schnellen und kurzen Stories. Die Aufmerksamkeitsspanne der Kinder und Jugendlichen verkürzt sich sehr."Auch der Umgang mit dem sehr alten Medium Buch muss in den Schulen erprobt werden. Am besten geht das, wenn die Schülerinnen und Schüler direkt mit ihm konfrontiert sind. Anja Bensinger-Stolze verweist auf die nach wie vor starke Präsenz von Schulbibliotheken. Hierhin müssten die Lehrerinnen und Lehrer ihre Schüler gezielt begleiten und Hemmschwellen abbauen.
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