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Geschichte(n) hören Archiv

547 Episoden
4 Stunden 2 Minuten
Am 12. März 1992 beschloss der Deutsche Bundestag fraktionsübergreifend die Einsetzung einer Enquete-Kommission zur Aufarbeitung von Ursachen, Geschichte und Folgen der Diktatur in SBZ und DDR. Die Initiative hierzu war ursprünglich vom SPD-Abgeordneten Markus Meckel ausgegangen. Am 20. Mai 1992 nahm die Kommission ihre Arbeit auf. 30 Jahre danach ziehen wir eine erinnerungspolitische Bilanz und richten zugleich den Blick auf die Gegenwart und Zukunft der Diktaturaufarbeitung in Deutschland.
1 Stunde 14 Minuten
Der Anpassungsdruck, der auf der Jugend in der SED-Diktatur lastete, war gewaltig. Jugendliche, die sich den Vorschriften und Einengungen ihres Lebens durch die Staatsorgane in Schule, Beruf und Freizeit widersetzten, die sich frei machen und eigene Lebensformen erproben wollten, stießen schnell und hart an die sichtbaren und unsichtbaren Mauern der DDR. Aufgrund ihres „Anderseins“ als Punks oder Friedensaktivistinnen bekamen sie die geballte Macht des Systems zu spüren. Die Auswirkungen auf ihre Jugend und ihre Zukunft waren gravierend: Ausgrenzung von Bildung und Beruf, Stigmatisierung, Verfolgung durch die Stasi und politische Haft.
52 Minuten
Welche Orte und Strukturen standen Homosexuellen in der DDR zur Verfügung? Was passiert mit der Homosexuellen-Bewegung der DDR nach 1990? Vor welchen Herausforderungen stehen queere Menschen und Organisationen heute in Ostdeutschland?

Über diese und weitere Fragen sprechen Rainer Herrn und Anne Liebeck in der Folge „Auf zu neuen Ufern? Von der Homosexuellenbewegung der DDR zur queeren Szene Ostdeutschlands“. Moderiert wird das Gespräch von Tina Howard.

Dr. Rainer Herrn (*1957 in Leipzig) war Mitbegründer des Schwulen Arbeitskreises der Studentengemeinde Leipzig und aktiv in den AIDS-Selbsthilfegruppen der DDR. Er arbeitet seit 1991 bei der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft Berlin. Seit 2008 ist er zudem an der Charité Berlin am Institut für Geschichte der Medizin und Ethik in der Medizin.

Anne Liebeck (*1985 in Dresden) wuchs in Sachsen und Nordrhein-Westfalen auf. Anne Liebeck studierte Soziologie und arbeitet seit 2013 für den Gerede e.V. in Dresden. Der Gerede e.V. existiert seit den späten 1980er-Jahren und versteht sich als Interessenvertretung für Schwule, Lesben, Bisexuelle, Transidente und Menschen mit vielfältigen Lebensweisen sowie deren Angehörige. Anne Liebeck leitet unter anderem das Bildungsprojekt "Queere Bildung in Dresden" beim Gerede e.V.
1 Stunde 19 Minuten
Am 20.6.2022 haben wir live aus dem Berliner Futurium die Preisverleihung zum Jugendwettbewerb „Umbruchszeiten. Deutschland im Wandel seit der Einheit. Thema 2021/2022: Jungsein“ gesendet. Es beteiligten sich insgesamt fast 750 Jugendliche aus 13 Bundesländern am Wettbewerb. Die 152 eingereichten Beiträge reichten von Podcasts und Filmen über Comics und Ausstellungen bis zu Spielen und Tagebüchern.

Den ersten von drei Hauptpreisen erhiehlen Lucia, Stella und Sophia vom Neues Gymnasium Leibnitz. 3.000 Euro für "Spiel, Satz und Wende!" - eine interaktive Kurzgeschichte über ostdeutsche Handball-Nachwuchssportler nach 1989. Max, Tom und Marco vom Gymnasium Michelstadt in Hessen sind die zweiten Gewinner des Hauptpreises. Sie konnten mit ihrer Website und einem beeindruckenden Video zu "Fürs Leben gelernt? Schulalltag in der DDR kurz vor der Wende" überzeugen. Ein weiterer erster Platz ging nach Hessen. Mit ihrem Theaterstück "Zwischen Trabbi und Käfer" erzählen Carolin & Tijan von der Internatsschule Schloss Hansenberg über Subkulturen in der DDR und deren Transformationserfahrungen.

Moderiert wird die Veranstaltung von dem Journalisten und YouTuber Mirko Drotschmann alias MrWissen2Go. Alle Infos zum Jugendwettbewerb gibt es auf www.umbruchszeiten.de
2 Stunden 5 Minuten
Mit dem Karl-Wilhelm-Fricke-Preis möchten wir das Engagement derjenigen sichtbar machen, die sich über Jahrzehnte weltweit mit Zivilcourage und Mut gegen Diktaturen und autoritäre Herrschaft sowie für demokratische Rechte und Freiheiten eingesetzt haben. Ausgezeichnet werden mit dem von Dr. Burkhart Veigel gestifteten Preis Einzelprojekte, Persönlichkeiten und Initiativen, die mit ihrer Arbeit das Bewusstsein für Freiheit, Demokratie und Zivilcourage stärken. Die Preisverleihung 2022 fand am 16. Juni statt.

Der Hauptpreis ging an die Menschenrechtsorganisation MEMORIAL INTERNATIONAL, den Sonderpreis erhielt die Zeitschrift OSTEUROPA. Der Nachwuchspreis 2022 ging an die beiden Macher des Podcasts „Horchpost DDR“, Max Zarnojanczyk und Christian Hermann.

Claudia Roth MdB, Staatsministerin für Kultur und Medien, hat die Preisträgerinnen und Preisträger mit einem Grußwort gewürdigt.
1 Stunde 42 Minuten
Sozial- und Arbeitsmarktpolitik ist das mit Abstand größte Politikfeld im Bundeshaushalt. Gleichzeitig ist der Sozialstaat elementar für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Seit der deutschen Einheit ist das Sozialsystem in beständiger Transformation, die in Teilen auch auf das Ende der Systemauseinandersetzung im Kalten Krieg zurückgeht. Seit 1990 haben grundlegende Erweiterungen und Veränderungen des deutschen Sozialstaats stattgefunden: von der Schaffung der Pflegeversicherung über die Hartz-Gesetzgebung bis hin zur Einführung eines Bürgergeldes. Die Podiumsdiskussion hat aus politischer und wissenschaftlicher Perspektive ein Resümee der sozialstaatlichen Entwicklung seit 1990 gezogen und ist dabei auch auf gegenwärtige sozialpolitische Herausforderungen eingegangen.
46 Minuten
Wie erging es Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion bei ihrer Ankunft in Ostdeutschland bzw. in der DDR? Ließen sich ihre postsowjetischen Erfahrungen der Transformation in den 1990er-Jahren auf das Leben in Ostdeutschland übertragen? Müssen sich Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion heute in besonderer Weise zu Russland positionieren? Zwischen Neuem und Vertrautem, zwischen Ankunft und Aufbruch stellen sich für Russlanddeutsche und russischsprachige Communities eigene Fragen nach Identität, Geschichte und Zugehörigkeit.

Hierüber sprechen die Autorin Eleonora Hummel und der Autor Dmitrij Kapitelman bei den East Side Stories in der Folge „Nach UdSSR und DDR: Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion in Ostdeutschland“. Moderiert wird das Gespräch von Nancy Fischer.

Eleonora Hummel (*1970 in Zelinograd, heute: Nur-Sultan, Kasachstan) ist Russlanddeutsche. Im Alter von elf Jahren kam sie mit ihren Eltern nach Dresden in die DDR. Sie ist Schriftstellerin, hat zahlreiche Bücher verfasst, Stipendien und Preise erhalten. Auch heute wohnt sie noch in Dresden.

Dmitrij Kapitelman (*1986 in Kiew, Ukraine) kam mit acht Jahren als Kontingentflüchtling nach Meerane in Sachsen. Er wuchs in Leipzig auf und lebt heute in Berlin und seiner alten Heimatstadt. Er arbeitet als Journalist und ist Autor mehrerer Bücher.
1 Stunde 31 Minuten
Der »PISA-Schock« stieß in Deutschland eine intensive Diskussion über die Qualität des Bildungssystems an und führte zu mehreren tiefgreifenden Schulreformen. Innerhalb der Debatte wird bis heute im Osten zum Teil auch die DDR-Einheitsschule als Vorbild herangezogen. Als richtungsweisend gelten oft ihr Leistungsprinzip, das einheitliche und gemeinsame Lernen über viele Jahre hinweg und ihr naturwissenschaftlicher Fokus. Andere Ausprägungen des SED-Erziehungssystems, über ideologische Indoktrination und politische Reglementierung hinaus, bleiben dabei allerdings oft unterbelichtet. Dies gilt etwa für die Konzentration auf starre Lehrpläne, formalisierte Unterrichtsmethoden oder fehlende Individualität für Lehrende und Lernende. Inwiefern kann also das Bildungssystem der DDR als Referenzrahmen für eine zukunftsorientierte Bildung dienen – und was überhaupt kennzeichnet eine solche? Wie wirkt es bis heute in der ostdeutschen Bildungslandschaft und bei den Menschen nach? Und welche Erfahrungen beim Umbau des Schulwesens nach 1989/90 in den ostdeutschen Bundesländern können auch für gegenwärtige Herausforderung in der Bildung produktiv genutzt werden? Diese und andere Fragen diskutierten unsere Gäste in der elften Veranstaltung der Reihe "Zukunftswerkstatt Einheit".
1 Stunde 6 Minuten
Die journalistische Arbeit in Ostdeutschland war während und nach der deutschen Teilung von ganz unterschiedlichen Rahmenbedingungen geprägt. Ab 1989/90 löste sich die bis dato fundamentale Unterscheidung zwischen DDR-Journalisten und akkreditierten Journalisten aus der Bundesrepublik allmählich auf. Die Veranstaltung widmete sich diesem Thema anhand folgender Fragestellungen: Unter welchen Voraussetzungen haben DDR-Journalisten gearbeitet? Inwieweit mussten sie sich anpassen oder waren Repressionen und Zensur ausgesetzt? Gab es Nischen, in denen Journalisten freier berichten konnten? Welche Erfahrungen haben westdeutsche Journalisten gemacht, die in der DDR akkreditiert waren? Wie wandelte sich der Journalismus in Ostdeutschland nach 1989/90? Bei der fünften Veranstaltung der Reihe "Zeitzeugenperspektiven" wurden Zeitzeugen zugeschaltet, die selbst in Presse und Fernsehen tätig waren. Eine medienwissenschaftliche Perspektive auf den deutsch-deutschen Journalismus ergänzt die autobiografischen Berichte.
1 Stunde 42 Minuten
Was hat Transitional Justice in den vergangenen Jahren weltweit erreicht? Vor welchen Herausforderungen steht sie angesichts aktueller politischer und gesellschaftlicher Entwicklungen? Was ist entscheidend für die Zukunft der Aufarbeitung? Diesen Fragen widmet sich die Abschlussveranstaltung der Reihe „Transitional Justice“, die in neun Veranstaltungen den Status quo der Aufarbeitung in verschiedenen Ländern aus aller Welt erörterte. Die zehnte und letzte Veranstaltung „Aufarbeitung ohne Ende!“ beleuchtete das Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln – wie etwa der Versöhnung, der Menschenrechte und der Erinnerungskultur – und möchte auf diese Weise die Erfolge wie Misserfolge der Aufarbeitung bilanzieren, für die Bedeutung und Vielfalt der zu bewältigen Herausforderungen im Umgang mit der Vergangenheit sensibilisieren und Perspektiven für die zukünftige Arbeit skizzieren.
53 Minuten
Wie erlebten Lehrer und Schüler die Reformen des Schulsystems nach dem Ende der DDR? Welche Stimmung herrschte in den Klassenzimmern und Kollegien? Lernen Schülerinnen und Schüler heute genug über die DDR? Und wie politisch darf oder muss Schule eigentlich sein?

Unter dem Titel „Bildung im Umbruch: Die Entwicklung des ostdeutschen Schulsystems“ sprechen Ralf Treptow und Sindy Burkhardt-Dütsch über die Umbrüche der ostdeutschen Schullandschaft seit 1989, über die gegenwärtigen Herausforderungen der Digitalisierung und die Vermittlung von DDR-Geschichte im Unterricht.

Ralf Treptow (*1960, Ost-Berlin) ist seit 1991 Schulleiter des Rosa-Luxemburg-Gymnasiums in Berlin-Pankow und seit 2011 stellvertretender Vorsitzender der Bundesdirektorenkonferenz Gymnasien.

Sindy Burkhardt-Dütsch (*1987 in Thüringen) ist Lehrerin in Thüringen. Sie war viele Jahre an der Emil-Petri-Schule in Arnstadt und hat ihr Referendariat in Wolfenbüttel absolviert.
1 Stunde 18 Minuten
Athletinnen waren stets besonders vulnerabel: sie waren Objekt pharmakologischer Eingriffe, oder wurden als sowjetische Kampfmaschinen diffamiert. Angehörigen des dritten Geschlechts wurde Betrug unterstellt. Seit Mitte der 1960er Jahre mussten sich Athletinnen im männlich regierten Sport demütigenden „Sex-Tests“ unterziehen. Die zweite Veranstaltung der Reihe "Im Lauf durch die Epochen: Sport und Systemwechsel im 20. Jahrhundert" fragt danach, welche Kämpfe bis heute um die Selbstbestimmung des sportlichen Körpers geführt werden.
1 Stunde 25 Minuten
Die Bundestagswahl und die Debatte um die Besetzung von Führungspositionen in der neuen Bundesregierung machten erneut deutlich, was wissenschaftliche Studien seit Jahren zeigen: Ostdeutsche sind auch nach mehr als 30 Jahren nach der Wiedervereinigung in bestimmten Bereichen von Politik, Wirtschaft und Verwaltung unterrepräsentiert. Gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus Politik, Medien und Wissenschaft diskutierten wir die historischen Ursachen wie auch die Folgen des Elitenwechsels. Warum ist es für Menschen aus den ostdeutschen Bundesländern noch immer schwierig, in Spitzenpositionen zu kommen? Welche Erfahrungen machten und machen sie auf dem Arbeitsmarkt?
46 Minuten
Wieso gibt es eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung für die Opfer der SED-Diktatur und gilt diese Verantwortung auch für Opfer aus anderen Diktaturen, die nach Deutschland kommen? Wie entstanden in Ostdeutschland die ersten Anlauf- und Beratungsstellen für Verfolgte der SED-Diktatur? Auf welche Erfahrungen konnten die Beraterinnen und Berater in diesen Zentren aufbauen? Was mussten sie lernen? Kann ein Ausgleich zwischen Opfern und Tätern gelingen? Und was haben wir in der Unterstützung von Diktaturopfern aus der deutschen Geschichte gelernt?

In der Folge „Hilfe für Betroffene: Beratungsstellen für Diktaturopfer“ sprechen Anne Drescher und Lukas Welz über die Entstehung verschiedener Beratungsstrukturen für Opfer diktatorischer Gewalt, über die Unterstützung von Betroffen und die Herausforderungen der psychosozialen Arbeit. Das Gespräch moderiert Tina Howard.

Anne Drescher (*1962 in Lübz) ist die Landesbeauftragte von Mecklenburg-Vorpommern für die Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Lukas Welz (*1986 in Ost-Berlin) ist Geschäftsleiter der Bundesweiten Arbeitsgemeinschaft der psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer und Vorstandsvorsitzender von Amcha Deutschland, einem gemeinnützigen Verein, der sich für die Unterstützung von Überlebenden der Shoa und ihrer Nachkommen engagiert.
1 Stunde 28 Minuten
Die Entwicklung des Gesundheitswesens in Ostdeutschland ist beispielhaft für jene Transformationsprozesse, die am wenigsten geradlinig verliefen. Zunächst nach westdeutschem Muster umstrukturiert, kamen nach und nach auch Ausprägungen des überlieferten Gesundheitssystems wieder stärker zurück, etwa das Konzept der kooperativ strukturierten Polikliniken, das sich inzwischen sogar im gesamtdeutschen Gesundheitssystem etabliert hat. Zudem ist das Gesundheitswesen insofern ein Beispiel für den sich immer stärkeren auswirkenden allgemeinen Strukturwandel, als sich disparate Entwicklungen weniger zwischen Ost und West als vielmehr zwischen Stadt und Land vollziehen. Vor welchen Herausforderungen stand das Gesundheitssystem in den zurückliegenden Jahrzehnten und wie wurden sie bewältigt? Welche Herausforderungen warten in Gegenwart und Zukunft – und welche Erkenntnisse hält die Rückschau auf die jüngere Vergangenheit bereit? Diese und andere Fragen wurden bei der zehnten Veranstaltung der Reihe "Zukunftswerkstatt Einheit" diskutiert.