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Literatur Radio Hörbahn Archiv

2489 Episoden
11 Minuten
Literatur Radio Hörbahn stellt das Buch in besonderer Weise vor. Christian Bommarius setzt das Panorama eines Jahres der Extreme durch eine Vielzahl meisterhaft erzählter Geschichten und Porträts zusammen. Formal ist es chronologisch nach den Monaten des Jahres 1923 gegliedert. Unsere 12 Sendungen werden jeweils am Anfang eines Monats die Ereignisse des entsprechenden Monats vor 100 Jahren vorstellen.

Wir haben dafür wunderbare Sprecher gefunden, denen es ein Anliegen war, die Ereignisse dieses, für Deutschland und die Welt so wichtigen, Jahres, nach dem Buch von Christian Bommarius in Auszügen zu vertonen. 

Es lesen:

Matthias  Pöhlmann: Januar-April 1923

Steven Lundström: Mai-August 1923

NN September-Dezember 1923

Uwe Kullnick: Einleitungen der Monate Januar-Dezember 1923

DAS TURBULENTESTE UND SPANNENDSTE JAHR DER WEIMARER REPUBLIK

1923 ist das Jahr der Hyperinflation, in der Angestellte die Geldscheine eines Wochenlohns mit der Schubkarre transportierten. 1923 ist das Jahr der Besetzung des Ruhrgebiets und einer heftigen Streikwelle. 1923 ist das Jahr von blutig niedergeschlagenen kommunistischen und nationalsozialistischen Aufstandsversuchen. Und es ist das Jahr radikaler Gegensätze zwischen bitterer Armut einerseits und einer orchideenhaft blühenden Unterhaltungskultur.

1923 ist in seiner Ambivalenz das Ende der Nachkriegszeit und der Auftakt zu den Goldenen Zwanzigerjahren der Weimarer Republik.

Christian Bommarius setzt das Panorama eines Jahres der Extreme durch eine Vielzahl meisterhaft erzählter Geschichten und Porträts zusammen.
17 Minuten
eine Rezension von Gernot Eschrich

«Der Weg zur Grenze», 1944/45 im Amsterdamer Versteck der verfolgten deutschen Schriftstellerin Grete Weil entstanden, ist nicht nur der erste Roman der jüdischen Autorin. Er ist bisher nie erschienen und seine Veröffentlichung jetzt eine echte Entdeckung. Im Kern erzählt der Roman, fiktionalisiert und aus dem Autobiographischen ins Exemplarische gehoben, die Liebesgeschichte von Grete Weil und ihrem 1941 im KZ Mauthausen ermordeten Mann Edgar Weil. Er ist außerdem eine Fluchtgeschichte und die Geschichte der Politisierung in einem gebildeten, bürgerlich und kulturell politikfernen Milieu und eine einzigartige Beschreibung der Veränderungen im Alltag, in den Familien und Institutionen seit der Machtergreifung der Nazis 1933.

Die Haupterzählung, zugleich Rahmengeschichte, spielt 1936 und handelt von der Flucht der jungen, jüdischen Münchnerin Monika Merton, deren Mann bereits im KZ Dachau getötet worden ist. Da inzwischen auch sie von der Gestapo gesucht wird, macht sie sich, zuletzt zu Fuß und auf Skiern, auf den Weg über die Grenze nach Österreich. Durch Zufall begleitet sie ein junger Bekannter, der Lyriker Andreas von Cornides. Ihm erzählt sie ihre Geschichte: Szenen ihres Lebens in München und im aufgewühlten, rasanten und aufgeheizten Berlin Anfang der Dreißigerjahre, von ihrer Liebe zu ihrem Cousin Klaus, der Ehe, von Reisen und Krisen und der Arbeit an einer alternativen, ländlichen Schule in Bayern, bis die Machtergreifung der Nazis und der wachsende Antisemitismus allem ein Ende bereiten. Ein bedeutendes, zum ersten Mal zugänglich gemachtes Werk der deutschen Literatur, eindrücklich und bewegend, klug und hellsichtig.

Geboren 1938 in Neuburg/Donau, Abitur am Humanistischen Gymnasium in Landshut, Studium der Alten Sprachen und der Germanistik in München und Freiburg, Gymnasiallehrer in Tegernsee und Gilching. Wohnhaft in Breitbrunn am Ammersee.
7 Minuten
eine Rezension von Peter Mohr Vor ziemlich genau einem Vierteljahrhundert ging Judith Hermanns Stern am literarischen Himmel auf. Mit ihrem literarischen Debütwerk Sommerhaus, später (1998) landete sie gleich einen grandiosen Erfolg. Der Band avancierte zum Bestseller (über 250.000 verkaufte Exemplare, Übersetzungen in 17 Sprachen), und der Name Judith Hermann galt fortan beinahe als Synonym für das mediale Phänomen „Fräuleinwunder“. Als „Stimme ihrer Generation“ wurde sie gefeiert und ihren Texten ein „unwiderstehlicher Sog“ attestiert.

Von Peter Mohr
12 Minuten
Egal, wie viel sich ändert: Beamte blieben noch bei jeder Regierungsform der vergangenen 200 Jahre Teil des Staates. Die Historikerin Therese Garstenauer untersucht das österreichische Beamtendasein in einer Zeit enormer Umbrüche, zwischen Monarchie und Nationalsozialismus. Und erörtert die Frage, wie sich das Standesbewusstsein der Staatsangestellten veränderte. …

Therese Garstenauer hat Geschichte, Soziologie und Russisch in Wien, Moskau und Edinburgh studiert und an der Universität Wien über Kooperationen zwischen russischen und westlichen Geschlechterforscher:innen promoviert. Beamte als Forschungsgegenstand begegneten ihr erstmals in einem Forschungsprojekt der Österreichischen Historikerkommission zum Vermögensentzug während der NS-Zeit. Nach Mitarbeit in einem Forschungsprojekt zur Unternehmenskommunikation in Russland an der Wirtschaftsuniversität Wien bekam sie das Elise-Richter-Stipendium des Wissenschaftsfonds FWF für ihr Habilitationsprojekt zum Beamtentum der Zwischenkriegszeit (2017–2023) zuerkannt.
10 Minuten
Die Bayerische Volksstiftung fördert Gedenkschrift für den königlichen Hofbibliothekar Martin Schettinger (1772-1851)
1 Stunde 20 Minuten
“Erfolgsfaktor Zufall – Wie wir Ungewissheit und unerwartete Ereignisse für uns nutzen können” – Christian Busch (Autor) spricht mit Uwe Kullnick über den glücklichen Zufall, das Buch und vieles mehr – Hörbahn on Stage

Ungewissheit und Unsicherheit regieren die Welt. Vieles ist nicht mehr planbar. Christian Busch hat als Forscher an der London School of Economics (LSE) und New York University (NYU) ein Jahrzehnt damit verbracht, zu erforschen, wie unerwartete Momente unseren sozialen Alltag erweitern und neue berufliche und private Möglichkeiten schaffen können.

In diesem Buch schreibt er über die verborgene Kraft, die, mehr als wir glauben, unser Leben formt: der Zufall. »Erfolgsfaktor Zufall« zeigt, wie wir lernen, Zufälle zu erkennen und zu nutzen, wie wir die Ungewissheit als Weg zu einem zielgerichteteren und erfolgreicheren Leben nutzen können.

Der Autor hat Hunderte von Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen interviewt, die ihr Leben verbessert haben, indem sie gelernt haben, im Unerwarteten Chancen zu sehen und Serendipity/Serendipität (»unerwartetes Glück«) zu kreieren.

Prof. Dr. Christian Busch ist international anerkannter Experte in den Bereichen Innovation, zielorientierte Führung und Serendipity. Er ist Direktor des CGA Global Economy Programs an der New York University (NYU) und lehrt auch an der London School of Economics (LSE). Er ist Mitbegründer von Leaders on Purpose (Netzwerk führender CEOs) und dem Sandbox Network (Netzwerk junger Innovatoren) und ehemaliger Direktor des LSE Innovations-Zentrums. Er ist Mitglied des WEFExpertenforums, Ehrenmitglied der Royal Society of Arts und steht auf der Thinkers50 Radar-Liste der 30 Denker, die “die Zukunft am ehesten gestalten werden”. Er erhielt seinen PhD von der London School of Economics, und ist ein Kolumnist bei Psychology Today. In Deutschland hat er an der Hochschule Furtwangen und FernUniversität Hagen studiert, und hat in Heidelberg sein Abitur gemacht. Sein Buch “The Serendpity Mindset” wurde bereits in acht Sprachen weltweit übersetzt.
1 Stunde 19 Minuten
“Along the color line’: Eine Reise durch Deutschland 1936” – von W. E. B. Du Bois – Oliver Lubrich (Hrsg.) spricht mit Uwe Kullnick über das Buch und vieles mehr – Hörbahn on Stage 1936 reist der afroamerikanische Bürgerrechtler W. E. B. Du Bois nach Deutschland. Als Kritiker des Rassismus in den USA beobachtet er das Leben in der totalitären Diktatur und die Entrechtung der Juden. Seine Reportagen aus diesen Monaten erscheinen hier erstmals auf Deutsch.

Als scharfer Kritiker des Rassismus in seinem eigenen Land beobachtet der afroamerikanische Soziologe W. E. B. Du Bois bei seinem mehrmonatigen Forschungsaufenthalt im nationalsozialistischen Deutschland den Antisemitismus und die Entrechtung der Juden im “Dritten Reich”. Seine wöchentlichen Reportagen aus diesen Monaten erscheinen hier zum ersten Mal in deutscher Sprache. Du Bois berichtet über die Wagner-Festspiele in Bayreuth und das Deutsche Museum in München, über deutsche Bierlokale und die Olympischen Spiele in Berlin, bei denen auch schwarze Sportler antreten. Mit der Vertrautheit des Deutschlandkenners und dem fremden Blick des schwarzen Amerikaners betrachtet er die totalitäre Diktatur. Du Bois beobachtet entlang der “Farbenlinie”, “along the color line”, und stellt überrascht fest, dass er persönlich kaum Diskriminierung erfährt. Umso mehr erschüttert ihn die Verfolgung der Juden: “Sie übertrifft an rachsüchtiger Grausamkeit und öffentlicher Herabwürdigung alles, was ich je erlebt habe”, fasst er seine Eindrücke zusammen, “und ich habe einiges erlebt”.

Die Reportagen des berühmten afroamerikanischen Intellektuellen aus dem “Dritten Reich”

Ein anderer Blick auf das nationalsozialistische Deutschland

Erstmals vollständig in deutscher Übersetzung

W. E. B. Du Bois (1868–1963) war Soziologe und Bürgerrechtler und gehört zu den einflussreichsten afroamerikanischen Intellektuellen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er studierte vor dem Ersten Weltkrieg in Berlin und promovierte als erster Afroamerikaner in Harvard. Als Professor lehrte er an der Universität von Atlanta. 1909 wurde er Gründungsmitglied der National Association for the Advancement of Colored People. Sein Essayband “The Souls of Black Folk” (1903) ist ein Klassiker der amerikanischen Literatur.

Oliver Lubrich ist Professor für Germanistik und Komparatistik an der Universität Bern. Zu seinen Forschungsthemen gehören die Berichte internationaler Autoren, die zwischen 1933 und 1945 Deutschland bereisten. In der Reihe “textura” hat er herausgegeben: Alexander von Humboldt, “Die Russland-Expedition” (2019).
4 Minuten
Sandra Hoffmann

DRAUSSEN – jeden Montag ein Stück Leben

im Literaturportal Bayern und Literatur Radio Hörbahn

DRAUSSEN – “Blüten”, gesprochen von der Autorin

In dieser wöchentlichen Kolumne schildert Sandra Hoffmann, was sie draußen, unterwegs auf dem Land und der Natur erlebt. Ob sie nun Rehe und Fasane beobachtet oder das Licht beobachtet, Kräuter sammelt, Suppen aus allem kocht, was das Hochbeet hergibt.

Vor allem aber geht es um das Draußensein selbst. In einer Gegenwart, die uns die Folgen des langen menschlichen Raubbaus an der Natur immer drastischer vor Augen führt, sind darin wesentliche gesellschaftspolitische Fragen angelegt. Sandra Hoffmann geht dem in Form einer Schule der Wahrnehmung nach: Da DRAUSSEN gibt es etwas zu sehen, zu spüren, zu holen und zu schützen und nun auch zu hören!

Sandra Hoffmann lebt nach einem Studium der Literaturwissenschaft, Mediävistik und Italianistik (M.A.) seit 2003 als freie Schriftstellerin. Seit Ende 2012 in München. Sie hat seither 6 Romane veröffentlicht, schreibt Radiofeature und Radioessays für den Bayerischen Rundfunk und den Südwestrundfunk, für den sie auch Sachbücher bespricht. Für DIE ZEIT schreibt sie v. a. Reisereportagen. Für das Literaturportal Bayern schrieb sie von 2020 – 2022 die Kolumne DRAUSSEN. Sie unterrichtet kreatives und literarisches Schreiben u. a. an der Universität Karlsruhe, dem Literaturhaus München und für die Bayerische Akademie des Schreibens, sowie für Goetheinstitute im Ausland.

Buchveröffentlichungen:

schwimmen gegen blond, eine erzählung in 52 tagen, C.H. Beck, 2002

Den Himmel zu Füßen, Roman, C.H. Beck, 2004

Liebesgut, Roman, 2008, C.H. Beck, 2008

Was ihm fehlen wird, wenn er tot ist, Hanser Berlin, 2012

Paula, Hanser Berlin, 2017

Das Leben spielt hier, Roman, Hanser Jugendbuch, 2019
9 Minuten
eine Rezension von Constanze Matthes

Winter 1945: Verwundet liegt die sechzehnjährige Elisabeth, ein Landarbeiterkind, in einem Bunker unter der Erde und wird von einem russischen Deserteur gepflegt. Durch das Ofenloch hört sie Schritte im Schnee, und fiebernd stellt sie sich vor, dass dort oben nicht nur alle, die sie kennt und mag, ihre Eltern und Brüder, die Oma aus Danzig, sondern auch ihr künftiger Mann und die ungeborenen Kinder nach ihr suchen und sich über die Trümmer entfernen, ohne zu ahnen, dass sie darunter liegt. Und plötzlich denkt die Vergewaltigte, dass es gut so ist, dass sie nie mehr hinaufwill zu ihnen, zu allem, und für immer in dieser Nacht, diesem Frieden unter dem Schnee bleiben möchte. Aber sie muss ihr Leben zu Ende leben.

 

In einem atemberaubend geschriebenen Panorama der frühen Nachkriegsjahre zeichnet Ralf Rothmann das Portrait einer Frau, der stets die Angst im Weg steht, während ihr das Durchlittene jedes Gefühl dafür nimmt, welches Leid sie anderen zufügt; einer lebenslang hart arbeitenden Frau und Mutter, die von einem Rummel zum anderen tanzt, um nicht mehr zur Besinnung zu kommen, und vor der man sich doch verneigen muss: weil sich in ihrer Verzweiflung der Wille zur Liebe ausdrückt.

 

Nach den vielfach übersetzten Romanen Im Frühling sterben (2015) und Der Gott jenes Sommers (2018) schließt der Autor mit Die Nacht unterm Schnee seine Trilogie über den Zweiten Weltkrieg und die Nachkriegszeit in Deutschland ab.

…

Constanze Matthes, ich bin Journalistin und leidenschaftliche Leserin. Die Liebe zu den Büchern begann im zarten Alter von vier, fünf Jahren, als meine Mutter mich zum ersten Mal in die kleine Bücherei unseres Dorfes mitnahm. Wenige Jahre später schleppte ich die Bücher dann stapelweise allein nach Hause. In der Schule las ich stets die Pflichtlektüre und war meinen Mitschülern ein gern gesehener Gesprächspartner, um den Inhalt des zu lesenden Buches in der Pause vor der Deutschstunde zu erzählen. Sollte man an dieser Stelle „verraten“ sagen?

Nach dem Abitur und einem Auslandsaufenthalt in Norwegen studierte ich im Hauptfach Germanistik mit Schwerpunkt Literaturwissenschaft. Allerdings las ich dann nicht immer die Pflichtlektüre der mehrseitigen Lektüreliste und besuchte viel eher die wunderbare Bibliothek des Deutschen Literaturinstituts. Vor allem dann, wenn meine Mitbewohnerin den Koffer-Fernseher über das Wochenende wieder nach Hause mitnahm. Noch heute bin ich „fernseherlos“ und investiere vielmehr meine Zeit in große und kleine Geschichten, dicke und dünne Bücher.
1 Stunde 31 Minuten
Mai 1962: Marie Graf ist Anfang zwanzig und lebt ihr Leben so, wie von den Eltern geplant. Heimlich jedoch hat sie einen Traum: Sie will Reporterin werden. Sie will schreiben, informieren, aufrütteln. Als die neu gegründete Zeitung Der Tag ihr ein Praktikum anbietet, kann sie ihr Glück kaum fassen. Doch Marie muss sich jeden Schritt ihres Weges hart erkämpfen, sich gegen egozentrische Kollegen, schwierige Interviewpartner und ihre eigenen Eltern durchsetzen. Dank der Hilfe ihres Mentors beim Tag bekommt Marie die Gelegenheit, Größen wie Pierre Brice und Hildegard Knef kennenzulernen. Aus ihr wird Malou Graf, Gesellschaftskolumnistin. Doch der Erfolg im Beruf hat Schattenseiten, nicht zuletzt für Malous Liebesleben. Und dann ist da noch ein Familiengeheimnis, das alles zerstören könnte, was sie sich so mühsam aufgebaut hat

Teresa Simon ist das Pseudonym der promovierten Historikerin und Autorin Brigitte Riebe. Sie ist neugierig auf ungewöhnliche Schicksale und lässt sich immer wieder von historischen Ereignissen und stimmungsvollen Schauplätzen inspirieren. Die SPIEGEL-Bestsellerautorin ist bekannt für ihre intensiv recherchierten und spannenden Romane, die tiefe Emotionen wecken. Ihre Romane »Die Frauen der Rosenvilla«, »Die Holunderschwestern«, »Die Oleanderfrauen« und »Glückskinder« wurden alle zu Bestsellern.
5 Minuten
10 Tage nach 9/11 war ich auf Geschäftsreise in Indien, genauer in Neu Delhi. Fast niemand flog zu der Zeit, so kurz nach den Attentaten auf das World Trade Center. Der Flugverkehr war weltweit um ca. 80 % gesunken.

Ich fuhr allein mit einem Mietwagen mit Chauffeur  zum Taj Mahal. Kurz vor dem Ziel stieg, wie verabredet, ein Führer ins Auto. Er hatte einen langen Schirm dabei.  Es war keine “Regenzeit” und ich fragte ihn warum er diesen Schirm mit sich herumschleppte. Demonstrativ überhörte meine Frage.

Gegen 11:00 Uhr kamen wir am Taj Mahal an. Es war außer uns war niemand auf dem riesigen Parkplatz, auch kein Bus. Überhaupt schien niemand hier zu sein.

Do dann kamen Sie. Unzählige Menschen stürmten aus den vorher wie leerstehenden Baracken auf uns ein. Der Führer stellte sich vor mich und hielt den Schirm quer vor seine Brust, rief mir zu, mich an ihm festzuhalten und so pflügten wir uns den kurzen Weg bis zum Eingang des Grabmalbezirks. Die Menschen wollten uns nichts Böses, sie wollten, dass wir etwas kauften. Kleine Dinge, Bilder, Schals, billigen Schmuck, etwas kleines zu essen. Wir hätten dutzende Führer engagieren können. Alle versuchten verzweifelt einige Rupies zu verdienen Es war, als hätten sie hungrig auf Nahrung gewartet. Unser Führer rief ihnen die ganze Zeit etwa zu und wehrte die Männer und Frauen mit dem Schirm von mir ab. Es waren ganz schnell hunderte Menschen und der Zulauf wurde immer größer. Der Führer wurde immer hektischer. Er schrie die Menschen an und wir fingen an zu laufen, so schnell es eben bei der sich uns entgegenstemmenden Menge ging. Sie hätten uns ganz leicht stoppen können. Aber sie taten es nicht. Sie liefen mit uns mit.

Dann erreichten wir die Pforte und uniformierte Leute schoben die Absperrungen beiseite und wir konnten hinein. Sofort wurde es still.

Mein Führer lachte unecht und versicherte, es sei nun alles ok und er würde hier auf mich warten, bis wir zurückfahren wollten. Ich fragte, was er den Menschen zugerufen hätte. Er zögerte, dann sagte er leise. “Der Sahib kauft auf dem Rückweg etwas. Ganz bestimmt.”

“Ist das hier immer so?, fragte ich.

“Nein.”

“Warum denn jetzt”, war meine naive Nachfrage.

“Seit 9/11 kommen täglich vielleicht 10 Besucher. – Normalerweise sind es Tausende.”

Es waren tatsächlich nur eine Handvoll Menschen auf dem Gelände und meine Gedanken waren immer wieder bei der draußen wartenden Menge.

Bevor ich zurückfuhr, setzte ich mich auf eine Bank direkt vor dem Taj Mahal und schrieb eine kleine Geschichte. Jemand machte ein Foto von mir vor dem fast menschenleeren Grabmal der Mum Taj Mahal.

Auf dem Weg zum Auto kaufte ich einige Schals, und kleinere Souvenirs, sowie ein Schachspiel aus Marmor. Dabei war ich immer umgeben von Dutzenden von Menschen, die mir ihre Waren anboten. Es war gespenstisch und ich habe mich auf meinen Reisen selten wieder so übermäßig privilegiert gefühlt wie an jenem Tag am Taj Mahal.
14 Minuten
Unter der Überschrift „Rätsel des Lebens“ schreiben wir jeden Monat in unserer Kolumne darüber, was uns in der aktuellen Gesellschaft als erstaunlich, rätselhaft, aufsehenerregend oder amüsant erscheint.

Wann wurden Sie heute gefragt: „Alles gut?“

Wann haben Sie heute geantwortet: „Alles gut!“

Wahrscheinlich sind diese beiden Worte schon in Ihr Ohr gesickert, bevor Sie den zweiten Cappuccino dieses Tages getrunken haben. Sie murmelten an der Brötchentheke „Alles gut!“, als die Verkäuferin Sie fragte, ob Sie noch ein Stück Kuchen wünschen. „Alles gut!“ haben Sie dem Kollegen geantwortet, als er Sie nach Ihrem Wochenende fragte. Und Sie sagten „Alles gut!“, als ein anderer Kollege sich nach dem Fortschritt eines Projektes erkundigte. …

Den Text der Kolumne finden Sie hier

Dirk Kaesler Prof. Dr., war nach seiner Promotion und Habilitation an der Universität München von 1984 bis 1995 Professor für Allgemeine Soziologie an der Universität Hamburg, von 1995 bis zu seiner Pensionierung 2009 an der Universität Marburg. Er lebt inzwischen in Potsdam. Zu seinen Forschungs- und Publikationsschwerpunkten gehören Wissenschafts- und Religionssoziologie, Politische Soziologie, Geschichte und Theorien der Soziologie, ihre Klassiker und Hauptwerke und dabei vor allem Max Weber. Zu seinen letzten Buchveröffentlichungen gehören die 2014 im Verlag C.H. Beck erschienene Biographie „Max Weber. Preuße, Denker, Muttersohn“ und sein zusammen mit Stefanie von Wietersheim 2021 im Verlag LiteraturWissenschaft veröffentlichter Band “Schön deutsch. Eine Entdeckungsreise”.

2009 bis 2014 sind in “literaturkritik.de” regelmäßig seine Glossen “Abstimmungen mit  der Welt” erschienen.

Stefanie von Wietersheim ist Kulturjournalistin und Buchautorin. Ihre Bildbände Frauen & ihre Refugien, Vom Glück mit Büchern zu leben und Mütter & Töchter wurden zu Klassikern ihres Genres. In ihrem Buch Grand Paris – Savoir-vivre für Insider und solche, die es werden wollen schreibt sie über ihre Wahlheimat Frankreich. Sie geht als Autorin der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung im In- und Ausland auf Reportage. Zusammen mit Dirk Kaesler veröffentlichte sie 2021 im Verlag LiteraturWissenschaft.de Schön deutsch. Eine Entdeckungsreise.
4 Minuten
Sandra Hoffmann

DRAUSSEN – jeden Montag ein Stück Leben

im Literaturportal Bayern und Literatur Radio Hörbahn

DRAUSSEN – “Vollmundig und intensiv”, gesprochen von der Autorin

In dieser wöchentlichen Kolumne schildert Sandra Hoffmann, was sie draußen, unterwegs auf dem Land und der Natur erlebt. Ob sie nun Rehe und Fasane beobachtet oder das Licht beobachtet, Kräuter sammelt, Suppen aus allem kocht, was das Hochbeet hergibt.

Vor allem aber geht es um das Draußensein selbst. In einer Gegenwart, die uns die Folgen des langen menschlichen Raubbaus an der Natur immer drastischer vor Augen führt, sind darin wesentliche gesellschaftspolitische Fragen angelegt. Sandra Hoffmann geht dem in Form einer Schule der Wahrnehmung nach: Da DRAUSSEN gibt es etwas zu sehen, zu spüren, zu holen und zu schützen und nun auch zu hören!

Sandra Hoffmann lebt nach einem Studium der Literaturwissenschaft, Mediävistik und Italianistik (M.A.) seit 2003 als freie Schriftstellerin. Seit Ende 2012 in München. Sie hat seither 6 Romane veröffentlicht, schreibt Radiofeature und Radioessays für den Bayerischen Rundfunk und den Südwestrundfunk, für den sie auch Sachbücher bespricht. Für DIE ZEIT schreibt sie v. a. Reisereportagen. Für das Literaturportal Bayern schrieb sie von 2020 – 2022 die Kolumne DRAUSSEN. Sie unterrichtet kreatives und literarisches Schreiben u. a. an der Universität Karlsruhe, dem Literaturhaus München und für die Bayerische Akademie des Schreibens, sowie für Goetheinstitute im Ausland.

Buchveröffentlichungen:

schwimmen gegen blond, eine erzählung in 52 tagen, C.H. Beck, 2002

Den Himmel zu Füßen, Roman, C.H. Beck, 2004

Liebesgut, Roman, 2008, C.H. Beck, 2008

Was ihm fehlen wird, wenn er tot ist, Hanser Berlin, 2012

Paula, Hanser Berlin, 2017

Das Leben spielt hier, Roman, Hanser Jugendbuch, 2019
1 Stunde 34 Minuten
Wohl nie waren so viele berühmte Schriftsteller und Reporterinnen aus aller Welt unter einem Dach versammelt wie in Nürnberg 1946. Sie kamen, um zu berichten: von den Gräueln des Krieges und des Holocaust, die dort vor Gericht verhandelt wurden. Sie wohnten und schrieben auf Schloss Faber-Castell, diskutierten, tanzten, verzweifelten, tranken. Uwe Neumahr erzählt ihre Geschichte in seinem aufregenden und bewegenden Buch.

Erich Kästner war in Nürnberg und Erika Mann, John Dos Passos und Martha Gellhorn, Willy Brandt und Markus Wolf. Augusto Roa Bastos kam aus Paraguay, Xiao Qian aus China. Im Gerichtssaal blickten sie den Verbrechern ins Angesicht, im Press Camp auf dem Schloss versuchten sie, das Unfassbare in Worte zu fassen. Dabei trafen im Mikrokosmos des Faber-Schlosses Exil-Rückkehrer auf Überlebende des Holocaust, Kommunisten auf Vertreter westlicher Medienkonzerne, Frontberichterstatter auf extravagante Starreporter. Und während sie in den Abgrund der Geschichte sahen, während sie über Schuld, Sühne und Gerechtigkeit nachdachten, veränderten sich nicht nur sie, sondern auch die Art, wie sie schrieben.

Uwe Neumahr ist promovierter Romanist und Germanist. Er arbeitet als Literaturagent und freier Autor. Bei C.H.Beck ist von ihm erschienen: “Miguel de Cervantes. Ein wildes Leben. Biografie” (2015).
10 Minuten
Renée Rauchalles lebt und arbeitet in ihrer Geburtsstadt München. Sie studierte an der Meisterschule für Grafik in München mit Diplom-Abschluss. Noch während des Studiums gründete sie mit dem Journalisten Gerd Hedler die Galerie am Abend in München. Sie war tätig im Bereich Buch- und Zeitschriften-Illustrationen, Gestaltung von Kunst- und Filmplakaten, Werbegrafik, Layout.

Ebenso absolvierte sie eine Gesangs- und Schauspielausbildung. Nach einigen Jahren aktiver Theaterarbeit (u. a. Residenztheater München) widmet sie sich seit 1987 wieder ganz der Malerei. Im Februar 1998 gründete sie die ZEITfürKUNST-GALERIE, in der seitdem auch Literatur-Lesungen stattfinden. Veröffentlichungen in Zeitungen, Zeitschriften und Anthologien. 2001 erschien im Pustet-Verlag das Buch “Die Kunst des Sterbens”, das in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Bernhard Sill entstand. 2011 im konkursbuch Verlag das Buch “Mir träumte meine Mutter wieder” – Autorinnen und Autoren über ihre Mütter, in dem es um das innere Mutterbild einstiger und heutiger DichterInnen geht. Seit 2012 Redakteurin bei der Kulturzeitschrift “Literatur in Bayern” (Hrsg.: Dr. Gerd Holzheimer).

Sie ist Mitglied bei ver.di, im Kunstverein Ebersberg, im Kunstverein Bad Tölz und Gründungsmitglied des 1995 in Bonn gegründeten Phantastischen Zentrums, dessen Ehrenmitglied u.a. Prof. Ernst Fuchs (1930-2015) war. 1996 Aufnahme in die WDR Galerie, 2001 in die homegallery von arthaus Innsbruck. 2005, 2006, 2009-2011, 2020 Einladung zur Biennale Florenz, 2012 zur Biennale Merida/Mexiko, 2017 Biennale Barcelona, 2009 und 2016 Teilnahme Carrousel du Louvre Paris, weitere Teilnahmen 2017 Parallax Art Fair London, 2018 Red Dot Art Basel Miami, 2019 Los Angeles Art Show, ARTEXPO New York, Monaco Yacht Show in Monaco.

Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen in München, Hamburg, Essen, Kassel, Bonn, Schweinfurt, Hof, Traunstein, Bad Tölz, Ebersberg, Wasserburg, Berg/Starnberger See, Neumarkt-St.Veit, Passau, Monschau, Innsbruck, Salzburg, Graz, Verona, Paris, London, Toronto und Minsk, 2019/20 Chongqing Hong Yi Jiuzhou, Chongqing Shi (China), Kaifeng, Henan (China), 2020 Venedig, 2021 Rom und Zürich.