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Morgenimpuls Archiv

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Oh es gab Aufregung hier im Olpebachtal am Biggesee. "Jetzt wollen die da oben uns unsere schöne Vorweihnachtszeit wegnehmen", "Nach und nach werden sie uns alles verbieten, was uns unsere Traditionen bedeuten", "Jetzt muss man aber was unternehmen, sonst machen sie bald alles kaputt, was wir über Jahrhunderte aufgebaut haben" Es war echt arg und die Kommentare auf Social Media waren haarsträubend. Aber was war eigentlich passiert? Ganz einfach: Um Energie zu sparen, werden zwei Weihnachtsbäume weniger in der Innenstadt aufgestellt und beleuchtet und die noch nicht auf LED-Lampen umgerüsteten Lichterbögen über den Innenstadtstraßen, in diesem Advent nicht angebracht und erst für nächstes Jahr umgerüstet und fit gemacht. Also eigentlich Sturm im Wasserglas. Aber ganz so einfach ist es nicht. Niemand will die schöne Vorweihnachtszeit wegnehmen. Interessanterweise ist der Begriff der Vorweihnachtszeit eine Erfindung der Supermärkte und eine kluge Verkaufsstrategie. Die Zeit vor Weihnachten begehen Christen als Advent, als Zeit der Erwartung des kommenden Christus. Und da geht es mit Licht echt sparsam zu: ein Licht, dann zwei, dann drei dann vier. Manchmal tut es gut, solche im wahrsten Sinn des Wortes aufgeheizten Debatten mit etwas Abstand und Nüchternheit zu betrachten. Der Beleuchtungswahn an Häusern und in Verkaufspassagen ist keine alte Tradition, die über Jahrhunderte aufgebaut worden ist – aber viele Menschen mögen es eben sehr, wenn in der kalten und dunklen Jahreszeit festliche Beleuchtung die Abende in der Stadt schöner macht und ein wohliges, vorfreudiges Gefühl erzeugt wird. Ich glaube, niemand will Traditionen verbieten, aber es ist eine gute Idee, sich auf echte Traditionen zu besinnen und nochmal zu schauen, was Weihnachten eigentlich für ein Fest ist. Und wenn mir dann bewusst wird dass da eine Familie durch die Willkür eines Kaisers durchs Land getrieben wird, in der Fremde keine Unterkunft findet und ihr Kind in einem Stall zu Welt kommt, dann wird der Verlust von etwas weniger Vorweihnachtsbeleuchtung sehr relativ. Und wenn uns dann klarer wird, dass knapp 2000 Kilometer entfernt Menschen in Krieg, Zerstörung, Kälte und Hunger existieren müssen, dann bin ich dankbar, dass wir Energie, Heizung, Wasser und Lebensmittel haben. "Jammern macht gesellig - hilft aber niemandem" hat der scheidende Erzbischof Becker am Sonntag in Paderborn gesagt. Also in Geselligkeit ein bisschen jammern, glühweinselig übern Weihnachtsmarkt schlendern und dann denen helfen, die in wirklich existenzieller Not sind – egal ob hier oder in den Kriegs -und Krisengebieten der Welt. Die ganze Aufregung war also genau rechtzeitig um nochmal ins Grübeln zu kommen, ins dankbar sein und ins helfen wollen. Echt adventlich.
4 Minuten
In unserer Ordensgemeinschaft gibt es die schöne Tradition, nach dem Tod einer Mitschwester, einen sogenannten Totenbrief zu schreiben und damit die Konvente in nah und fern und die Angehörigen zu informieren. Als ich gestern den Totenbrief schreiben wollte, fiel mir der Geburtsort auf: Schlochau. Ich habe erstmal im Internet geschaut und habe mich echt festgelesen. Ich konnte da preußische, deutsche, polnische Geschichte lesen in seinen unendlichen Wirrungen über die Jahrhunderte hin. Von der ersten polnischen Teilung 1772 und preußischer Herrschaft, der Vereinigung von Ostpreußen und Westpreußen, dem Eintritt in den Norddeutschen Bund 1867, Abtretungen an Polen nach dem ersten Weltkrieg, diverse Umbenennungen und Umstrukturierungen bis 1939, dann 1945, als Folge des zweiten Weltkrieges, Besetzung durch die Rote Armee und auf Beschluss der Potsdamer Konferenz unter polnische Verwaltung gestellt. Durch die Flucht der polnisch-stämmigen Bevölkerung aus dem Osten wurde die deutsche Bevölkerung vertrieben. So auch die Familie mit der damals 18jährigen späteren Mitschwester. In Thüringen angekommen, hat sie in Heiligenstadt Krankenpflege gelernt, hat Olper Franziskanerinnen kennengelernt und ist 1954 in Olpe eingetreten. Wenn ich bedenke, dass sie als Kind nur 12 Jahre in Frieden gelebt hat, dann den grausamen Krieg 6 Jahre überstanden, aber statt Neuaufbau und Neubeginn in der Heimat, Flucht und Vertreibung erlitten hat, dann bin ich unglaublich beeindruckt von dieser Lebensgeschichte. Wer sie später kennengelernt hat, hat eine bescheidene, für sich selbst genügsame, heiter fröhliche Schwester erlebt, die ihr ganzes Arbeitsleben als leitende OP-Schwester im Dienst an den Kranken gelebt hat, sich um die Ehrenamtlichen im Krankenhaus, die Ärzte und MitarbeierInnen gekümmert und den Konvent der Mitschwestern sehr geschätzt hat. Sie hat gern Theater gespielt und Feste und Feiern organisiert. Wir denken manchmal, dass unsere jetzigen Zeiten schwierig, kompliziert und anstrengend sind. Das sind sie auch. Aber es gab schon immer diese schwierigen Zeiten und darin Menschen, die trotz, oder wegen ihrer so schrecklichen Erfahrungen, liebenswürdig und zugewandt waren und ihr Leben lang Gott und den Menschen gedient haben. Ein Wort unsere Gründerin, der Seligen Mutter Maria Theresia Bonzel passt deshalb zu unserer Mitschwester und könnte vielleicht auch für manche von uns ein gutes Motto sein. Sie hat in einem Brief geschrieben: "Bewahrt zu allen Zeiten Vertrauen in Gott und ein fröhliches Herz!"
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Vor ein paar Tagen ploppte eine Nachricht auf meinem Smartphone auf mit zwei Fotos: ein rechter und ein linker Daumen, geschient, dick geschwollen und irgendwie nicht sonderlich gutaussehend. Auf meine Nachfrage kam ein: der eine gebrochen der andere geprellt. Oh, je habe ich gedacht, ohne die Nutzung der Daumen kann man doch gar nichts machen? Also habe ich angerufen und es war ein sehr nettes Gespräch über Arbeitsunfälle trotz aller Vorsicht, über nette Kollegen und sehr hilfsbereite Mitmenschen, über die Nutzung und Wirkung von Schmerzmitteln, über die scherzhafte Botschaft des Arztes in der Notaufnahme, dass nur ein Daumen gebrochen, der andere schwer geprellt sei aber, dass er jetzt 6 Wochen nicht arbeiten könnte, über die Unmöglichkeit, ohne Daumennutzung ein Feuerzeug zu benutzen, aber doch tatsächlich Gemüse zu schneiden,  und die Idee, wenn man ja jetzt nicht putzen kann, einen Putz und Wischroboter anzuschaffen. Es war eine wirklich liebevolle Plauderei und schnell war eine halbe Stunde vergangen und ein aufatmen an der anderen Seite des Telefons deutlich zu hören. "Dankeschön für Deinen Anruf, jetzt geht es mir ein bisschen besser." Manchmal ist Nächstenliebe so einfach. Schnell zum Telefon greifen und anrufen, sich Zeit nehmen und erzählen lassen, in diesem Fall den Unfall aufzuarbeiten und die Einzelheiten nochmal zu besprechen. Dem Nächsten zum Aufatmen verhelfen, ein wenig Deiner Zeit zu schenken und ein offenes Ohr für die kleineren und größeren Nöte zu haben, scheint oft so wenig und ist doch so viel. "Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst" ist die Aufforderung im göttlichen Gebot und gerade in den zweieinhalb Coronajahren haben wir doch sehr gespürt, dass wir neue und andere Wege der Begegnung nutzen müssen, wenn die direkte Nähe nicht geht. Der Heilige des heutigen Tages, Antonius Maria Claret, hatte ein einziges Motto über sein arbeitsreiches missionarisches Leben im Dienste der Menschen genannt: "Die Liebe Christi drängt uns" Weil Christus uns liebt, können auch wir unsere Mitmenschen lieben. Es klingt einfach. Ist es oft auch!  
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Haben Sie schon einmal die "Goldene Kammer" besucht? Ja, die gibt es tatsächlich in Köln, in der St. Ursulakirche, die zu den markantesten Kirchen der so kirchenreichen Stadt gehört. Ja klar, könnte man denken: sie ist schließlich der Stadtpatronin der Heiligen Ursula geweiht und ihren 11 oder 11-hundert oder 11-tausend Gefährtinnen. Eine Vorgängerkirche ist schon aus dem 4. Jahrhundert nach Christus bewiesen. Das hier in Köln in dieser Kammer die Wände mit tausenden Knochen und Knöchelchen, mit unzähligen Reliquienbüsten verziert sind, ist für uns Heutige schon ziemlich makaber. Aber zur Bauzeit der Kirche und der barocken Gestaltung der Kammer war es absolut üblich, auf diese Weise die für Christus gestorbenen Märtyrerinnen zu verehren. Ursula und ihre Gefährtinnen wurden bei ihrer Rückkehr von ihrer Pilgerfahrt aus Rom vor den Toren der Stadt von den Hunnen ermordet. "Mit seligen Gesichtern und zuversichtlich auf ein Leben im Himmel bauend sahen sie dem Tod entgegen", so die Überlieferung. Dies ging als "Kölner Lächeln" in die Kirchengeschichte ein. Und so gibt es in der goldenen Kammer viele dieser typischen Ursulabüsten mit diesem seligen Kölner Lächeln. In der Festwoche, die in diesem Jahr wieder etwas größer gefeiert werden kann, gibt es Festgottesdienste, Konzerte und eine kleine Prozession rund um St. Ursula. Ich weiß nicht so genau, wie die echten Kölner ihre Ursula wirklich feiern und was sie von der ziemlich außergewöhnlichen Geschichte um ihre Verehrung herum wirklich halten. Aber mir selbst gefällt dieser Gedanke, dass Ursula und ihre Gefährtinnen mit einem seligen, weil tiefgläubigen Lächeln in den Tod gegangen sind, weil sie unzerstörbar glaubten, dass sie dem auferstandenen Christus in die Herrlichkeit des Himmels folgen werden. Ich weiß nicht genau, was Ihnen heute ein Lächeln aufs Gesicht zaubern wird und es wird vielleicht auch nicht gleich in die Kirchengeschichte eingehen. Vielleicht ist aber die Bewunderung der Stärke und des Glaubens der jungen Frauen kein schlechter Gedanke, um in der derzeitigen Situation der Kirche in Köln, trotzdem das Lächeln nicht zu verlieren.
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Auf meinem Smartphone habe ich viele Apps, die ich für alles Mögliche brauche: Nachrichten, Messengers, Sport, Uhrzeit; Wecker, Bibel, Wetter, Scanner und so weiter. Seit ein paar Jahren habe ich auch eine sehr kleine feine App, die gegen Stress helfen soll. Da gibt es viele nette Dinge, die man zur Entspannung tun kann: Klötzchen stapeln, mit Kreide auf einer Tafel malen, das berühmte "Ohne Fleiß kein Preis" in einer Tafel sortieren, Klötzchen sortieren, Bambusröhren zum Klingen bringen, ein sich wandelndes Prisma anschauen mit meditativer Musik im Hintergrund, Tischbillard und noch viel mehr. Wenn man ein paar von diesen Spielen gemacht hat, ist man quasi tiefenentspannt und völlig raus aus dem Thema, dass soeben noch Stress verursacht hat. Man kann natürlich auch noch andere Sachen machen, die helfen, aus der Tretmühle der Gedanken und des Stresses herauszukommen. Spazieren gehen, Musik machen oder hören, Singen und Rosenkranz beten. Ich merke immer wieder, dass ein in Ruhe gebeteter Rosenkranz die Gedanken auf das Leben Jesu lenkt und man einige Etappen mitgeht. Herz und Atem beruhigen sich und mir geht es so, dass ich nach dem Gebet, dass so ungefähr 20 Minuten dauert, viel wacher und aufmerksamer bin. Nichts hat mich abgelenkt und anderweitig beansprucht: keine Musik, kein Telefon, keine Nachricht die aufploppt. Es gibt tatsächlich auch Rosenkranzapps, die man sich aufs Handy laden kann, es betet jemand vor, und man kann mitbeten. Oder hier auf Domradio gibt es einige Angebote, um den Rosenkranz mit zu beten. Inspiriert wurde der Heilige Franziskus von Assisi bei seinem Besuch beim Sultan von den gebetsschnüren der Muslime mit den 99 Namen Gottes. Als er das gesehen, gehört und erlebt hat, war ihm klar, dass das eine gute Idee ist, um in konzentrierter Entspannung zu beten. Eine richtig gute Erfindung. Falls Sie im Rosenkranzmonat Oktober noch keine Gelegenheit hatten, es auszuprobieren, ergibt sich für Sie vielleicht heute die Gelegenheit. Es ist entspannend wie eine Antistressapp und bringt sie ganz leicht mit Gott in Verbindung. Einfach mal probieren!
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Am vergangenen Sonntag war ich, zum ersten Mal seit Jahren, wieder in Köln im Stadion zum Bundesligaspiel. Das Ticket war ein Geschenk zum Ordensjubiläum und hat mich natürlich besonders begeistert. Es war der gesamte Tag, der das Ganze zum Fest werden ließ: Erst Morgengebet, dann Heilige Messe und Frühstück und dann mittags um 12.00 Uhr Treffen am Busbahnhof um mit dem Fanbus nach Köln zu fahren. Unterwegs also schon viel Vergnügen, viel Musik und Gesang und Vorfreude. Im Stadion dann Treffen mit einer Mitschwester zur Stadionbratwurst als sonntägliches Mittagsvergnügen und dann: das was uns den ganzen Nachmittag begleiten wird: "Dürfen wir Sie mal fotografieren?" die vielfache erstaunte Frage. "Ich habe noch nie eine Nonne gesehen und dann jetzt hier beim Fußball." Es war einfach göttlich. Meine Mitschwester war noch nie zu einem Fußballspiel im Stadion und allein von den ganzen Vorbereitungen, der Musik, der Laustärke, der Vorfreude, der Größe des Stadions angetan. Und dann die Vereinshymne aus fast 40 000 begeisterten Kehlen, und Musik, Fahnenschwenken und Gesang und Getrommel die ganzen 90 Minuten. Ja, und Fußball war auch und Jubel, und Seufzen, und Pfiffe und Schreie und, und, und. Und beim Tor für die eigene Mannschaft fallen sich wildfremde Menschen in die Arme und tanzen und lachen. Und natürlich kamen von ringsum die üblichen Aussagen: "Ja klar, mit dem geistlichen Beistand, mussten wir ja gewinnen. Kommen Sie jetzt immer?" Ein Arzt aus dem Krankenhaus, der fast zu jedem Heimspiel mitfährt, hat es wunderbar zusammengefasst: "Bei solch einem Spiel geht einfach alles. Man kann Freude, Enttäuschung und Niederlage, Sieg und Jubel, wunderbar zusammen erleben. Und das stärkt und hilft über eine ganze arbeitsreiche Woche mit viel Stress und Anstrengung hinweg und lässt eine Gemeinschaft entstehen, die ich nicht mehr missen will" Er hat recht und manchmal bin ich da als katholischer Fußballfan ein bisschen ratlos: all das, das zusammen Leben und Freude und Trauer und Angst und Sieg und Niederlage feiern und in Gemeinschaft erleben, ist der wichtigste Teil unseres Lebens als Menschen, die an die Auferstehung glauben und daraus leben. Vielleicht geht da noch was, mit unserer Begeisterung für ein Leben, dass nicht mit dem Tod endet, sondern Siegerperspektiven für ewige Zeiten hat. Mal schauen und machen und sich trauen und vollen Einsatz zeigen. Mit göttlichem Beistand. Immer!  
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Heute feiern wir mit der Kirche das Fest zu Ehren des Evangelisten Lukas. Er war von Beruf Arzt und wirkte in der Mitte des 1. Jahrhunderts in seiner Heimat- und Geburtsstadt Antiochia. Wie Lukas - von Geburt war er Heide - zum Christentum kam, ist nicht überliefert. Etwa im Jahr 50/51 schloss er sich dem Apostel Paulus in Troas an, dem er etwa 17 Jahre lang ein treuer Begleiter war. Nach der Enthauptung Paulus’ in Rom im Jahr 67 soll Lukas in Achaia gewirkt haben, wo er lt. Überlieferung das Lukasevangelium und auch die Apostelgeschichte verfasst hat. Im Alter von 84 Jahren starb er eines friedlichen Todes. Was mich von ihm fasziniert steht in einer sehr kurzen Notiz im zweiten Brief des Paulus an Timotheus: Da schreibt Paulus ziemlich resigniert: "Mein Sohn! Démas hat mich aus Liebe zu dieser Welt verlassen und ist nach Thessalónich gegangen; Krészenz ging nach Galátien, Titus nach Dalmátien. Nur Lukas ist noch bei mir" Die Aufzählung all der Leute, die den Paulus verlassen haben, klingt einigermaßen lang und es macht schon den Eindruck, als habe Paulus einen ziemlichen Verschleiß an Mitarbeitern gehabt. Aus allen Schilderungen weiß man, dass er aufbrausend und rechthaberisch war, sosehr von seiner Mission erfüllt, dass er niemanden neben sich dulden konnte. Außer Lukas: "Nur Lukas ist noch bei mir" schreibt Paulus. Und dieser Lukas bleibt 17 Jahre lang, für die damalige Zeit fast ein halbes Leben, bei ihm und war ihm ein treuer Begleiter. Wir wissen nicht, wie manches, was wir erlebt haben ausgegangen wäre, hätten nicht Mitmenschen, Weggefährten, Ehepartner, Eltern, Kinder, Kollegen oder anderweitige Mitstreiter an unserer Seite ausgehalten, hätten uns nicht treu ertragen und mitgetragen. Und oft wissen wir selber gar nicht, wem wir alles, durch unser treues einfach immer da sein, Sicherheit, Halt und Stütze gegeben haben. "Nur Lukas ist noch bei mir" sagt Paulus. Setzen Sie doch mal Ihren Namen da ein, wo sie bei anderen ausgehalten und treu drangeblieben sind. Es ist ein unschätzbarer Wert für jeden Menschen, jemanden zu haben, der bei ihm bleibt.  
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Eine junge Gemeindeassistentin war bei mir zum Gespräch und wir haben uns sehr angeregt unterhalten über Gott und die Welt, übers Studium und die praktische Ausbildung über Corona, die sie in ihrer ersten Stelle sehr ausgebremst hat und so weiter. Sehr beeindruckt war ich von ihrer Schilderung, in ihrer Herkunftsfamilie, in ihrer Gemeinde, in Jugendgruppe und Freundeskreis sich immer sehr geborgen gefühlt zu haben. Und nach kurzem Zögern sogar zu sagen "geborgen in Gott", weil Gott in allen Menschen lebt und durch sie wirkt. Bei der Frage nach den Gebetsgewohnheiten war sie relativ still und konnte den Sonntagsgottesdienst und manchmal auch einen Werktagsgottesdienst benennen. Wir haben uns dann darüber unterhalten, dass es doch für das Leben und den Glauben eine gute Idee sei, jeden Tag eine Zeit der Stille, des Betens, der Schriftlesung zu reservieren um den roten Faden zwischen Gott und mir nicht zu verlieren. "Ja, in den Ausbildungswochen haben wir das immer gemacht und das war auch schön." Das ist glaube ich in vielen Dingen genau die Kunst: zu lernen, dass ich die Dinge die ich gelernt und für hilfreich gefunden habe, auch in meinen Berufsalltag hineinnehme und Gebets- und Gottesdienstzeiten genau wie andere Termine in meinen Kalender einfüge. Den roten Faden, die Verbindung zwischen Gott und mir nicht zu verlieren oder abreißen zu lassen, daran muss ich arbeiten und das jeden Tag und jede Woche und immer wieder neu. Eine unserer sehr betagten Schwestern im Altenheim hat mir dieser Tage noch gesagt: "man muss dran bleiben am Gebet und am Gespräch mit Gott, selbst wenn man schon sehr alt ist, damit der rote Faden nicht reißt" Und wenn das eine Schwester sagt, die schon 98 Jahre alt ist und schon 65 Jahre im Kloster, dann spricht das von einer sehr guten Erfahrung und einem klugen Tipp.
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Morgen denken wir in der Kirche an die große Teresa von Avila, aber ich finde diese Frau so genial, dass ich sehr gerne schon heute von ihr erzählen möchte. Teresa hat einfach getan, was für junge Frauen ihres Standes vor 500 Jahren ziemlich normal war. Sie ist ins Kloster gegangen, in ihrer Heimatstadt Avila in Spanien. Aber eigentlich hat sie nur ihren Aufenthaltsort geändert. Sie hat das gleiche, gut behütete Leben ihres Standes im Kloster weitergeführt. Hat die üblichen Gebetszeiten und auch die Arbeitszeiten eingehalten, hat aber auch viel Besuch bekommen und viel Zeit in angeregtem Austausch im Sprechzimmer verbracht. Erst nach fast 20 Jahren dieses nicht sonderlich geistlichen Lebens gehen ihr plötzlich mit Macht die Augen auf: sie sieht eine Statue mit dem Antlitz des leidenden Jesus zum ersten Mal richtig bewusst und spürt plötzlich, welches oberflächliche Leben sie bisher geführt hat. Schlagartig krempelt sie ihr Leben um. Sie beschließt, in der Freundschaft mit diesem Jesus zu leben. 22 neue Klöster hat sie gegründet und das geistliche Leben in vielen anderen Klöstern und in der gesamten Kirche ringsum neu belebt und reformiert – weg von statischen Gebetsweisen hin zum lebendigen Leben mit Gott und dem Gebet aus dem tiefsten eigenen Herzen. Ihr war sehr klar, dass zum geistlichen Leben viel Verstand und Vernunft und zur Heiligkeit, also dem Heilsein in Gott, unendlich viel Humor gehört. Aber was mich am meisten sprachlos macht ist ihr ziemlich wütender Vorwurf der da lautet: "Ich werfe unserer Zeit vor, dass sie starke und zu allem Guten begabte Menschen zurückstößt, nur weil es sich um Frauen handelt." Dieser Ausspruch von ihr ist fast 500 Jahre alt und könnte aus dem Heute stammen. Das haut mich echt um. Sie hat trotz oder wegen dieser Ignoranz der Kirche gegenüber den Frauen das Allerbeste aus ihrer zweiten Berufung gemacht und all ihre Kraft, ihre Weitsicht und Klugheit, ihre Frömmigkeit und ihre Liebe zu Gott dazu genutzt, viele tausend Menschen näher zu Gott und zu einem Leben nach dem Evangelium zu motivieren und Klöster zu gründen, die das über Jahrhunderte immer weiter gelebt und das Christentum weit über das alte Europa hinaus verbreitet haben. Mir scheint diese große Frau eine wirkliche Protagonistin unserer heutigen Zeit für uns Frauen in der Kirche zu sein: leben und nutzen wir heute unseren Glauben und unsere Möglichkeiten, um Frauen und Mädchen für die Freundschaft mit Gott zu gewinnen, die über die festgefahrenen Strukturen der heutigen Kirche hinausgehen und die wahre Kraft des Evangeliums zu den Menschen zu bringen.
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Gestern haben eine Gruppe Frauen bei uns im Mutterhaus einen Einkehrnachmittag gehalten. Und als Thema hatten sie sich gewünscht: "Powerfrauen in der Bibel" Da war ich echt herausgefordert. Es gibt davon so viele, dass ich zunächst gar nicht wusste, wie ich anfangen sollte. Ich habe mich unter anderem für Judit entschieden. Die Geschichte, die im Buch Judit im Alten Testament erzählt wird diente damals dazu, aufzuzeigen, welche Probleme im Gottesvolk Israel bestanden und in welche Konflikte sie gerieten, wenn sie von weltlichen Großmächten bedroht wurden und ihr Vertrauen in Ihren Gott Jahwe nicht sehr groß war. Ein großes Heer suchte Verbündete und wollte auch Judäa zwingen. Ein Mann warnt den König, dass dieses Volk immer von seinem Gott beschützt worden ist, und es sicher auch jetzt tun wird. Aber die Einwohner des Landes verlieren den Mut und sind zur Übergabe bereit. Da hält die gottesfürchtige Witwe Judit vor dem ganzen Volk eine flammende Rede durch die sie den Kleinglauben des Volkes wendet. Nach einem intensiven Gebet zu Gott, geht sie ins Lager der Assyrer um in Aussicht zu stellen, dass sie ihnen den Weg nach Jerusalem zeigt. Da sie ja nur eine Frau ist, lässt man sie passieren und im Zelt des Königs untergebracht, da sie eine Schönheit ist. In den ganzen Tagen im Lager betet sie inständig zu Gott und bittet um Hilfe. Und als der Heerführer eines Nachts betrunken im Zelt liegt, nimmt Judit dessen eigenes Schwert und enthauptet ihn. Als es am anderen Morgen entdeckt wird, flieht das Heer des Holofernes in Panik und die Belagerung ist beendet. Wie einst Mirjam setzt Judit nach der Rettung zu einem Loblied Gottes an. Sie stirbt in hohem Alter, von ganz Israel betrauert. Eine Frau, voller Power, weil sie ihrem Gott unverbrüchlich glaubt und Vertrauen in ihn setzt und den Tyrannen sogar tötet und somit Krieg und Belagerung beendet. Sie war ja in den Augen der Mächtigen nur eine Frau aber in den Augen Gottes eine Frau, die selbst das ungewöhnlichste tut, um ihr Volk zu retten. Beeindruckend.
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Bei einem Spaziergang dieser Tage, bei sonnig herrlichem Wetter, waren wohl alle unterwegs, die auch Lust auf Sonne, blauen Himmel und bunte Herbstfarben haben. Da waren also die gemütlichen Spaziergänger, die flotteren Jogger, die Mütter und Väter mit den Säuglingen im Kinderwagen, die kleinen Kinder mit Puppenwagen oder Dreirad, Laufrad oder Roller, die Größeren mit Rollschuhen oder Inlinern, die Erwachsenen mit flotten E-Bikes oder mit einem älteren Familienmitglied im Rollstuhl. Dazu kleine oder größere Hunde im Schlepptau oder größere Gruppen von Spazierenden, die manchmal fröhlich plaudernd die ganze Breite des Weges benutzen. Eine fröhlich heitere Stimmung und manchmal lachend ein Ausweichen, wenn eins der kleineren Kinder den Weg noch nicht so geradeaus fahren kann. Und dann kommt quer überm Weg ein Aufdruck. Mit den üblichen Piktogrammen ein Fahrrad und eine Frau mit Kind und darunter drei Worte: gemeinsam mit Rücksicht. Das ist doch eine richtig gute Idee. Wenn alle gemeinsam den Rad- und Spazierweg mit Rücksicht benutzen, gibt es keinen Ärger, keine Rempeleien oder gar Unfälle. Man könnte also ganz einfach diese schönen drei Worte über unser Alltagsleben stellen: gemeinsam mit Rücksicht. Oder altmodisch ausgedrückt aber immer noch hochaktuell aus den 10 Geboten Gottes für die Menschen:  Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst. Oder wie es im Buch Deuteronomium in der Lesung für heute steht: "Heute sollst du erkennen und dir zu Herzen nehmen: Jahwe ist der Gott im Himmel droben und auf der Erde unten, keiner sonst. Daher sollst du auf seine Gesetze und seine Gebote achten, auf die ich dich heute verpflichte." Gemeinsam mit Rücksicht leben und Gott und den Nächsten lieben wie mich selbst. Und es ist gar nicht so falsch, immer mal wieder daran erinnert zu werde. Auf dem knapp 4 Kilometer langen Rundweg um den See ist es glaub ich mindestens fünfmal auf den Weg geschrieben: gemeinsam mit Rücksicht
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Für heute früh habe ich für die Gebetszeit mit den Schwestern in den Exerzitien einen Text ausgewählt, der mir so gut gefällt, dass ich ihn auch für Sie hier im Morgengebet nehmen möchte. Er ist von Marianne Williamson aus ihrem Buch "A return to love" Darin heißt es: Unsere tiefgreifendste Angst ist nicht, dass wir ungenügend sind. Unsere tiefgreifendste Angst ist, über das Messbare hinaus kraftvoll zu sein. Es ist unser Licht, nicht unsere Dunkelheit, die uns Angst macht. Wir fragen uns: Wer bin ich, mich brillant, großartig, talentiert, phantastisch zu nennen? Aber wer bist Du, Dich nicht so zu nennen? Du bist ein Kind Gottes. Sich selbst klein zu halten, dient nicht der Welt. Es ist nichts erleuchtetes daran, sich so klein zu machen, dass andere um dich herum sich nicht unsicher fühlen. Wir sind alle dazu bestimmt, zu leuchten, wie es Kinder tun. Wir sind geboren worden, um den Glanz Gottes, der in uns ist, zu manifestieren. ER ist nicht nur in einigen von uns, ER ist in jedem Einzelnen. Und wenn wir unser eigenes Licht erscheinen lassen, geben wir unbewusst anderen Menschen die Erlaubnis, dasselbe zu tun. Wenn wir von unserer Angst befreit sind, befreit unsere Gegenwart automatisch andere. Wow, was für eine Ermutigung: wir sind als Kinder Gottes geboren worden damit wir sein Licht in die Welt bringen. Wir brauchen uns für unsere Talente und Fähigkeiten nicht zu entschuldigen, wir haben sie ja von Gott. Unsere Aufgabe ist es, sie einzusetzen für die Menschen in allem was wir heute zu tun und zu tragen und zu lassen haben. "Wir sind alle dazu bestimmt, zu leuchten, wie es Kinder tun. Wir sind geboren worden, um den Glanz Gottes, der in uns ist, zu manifestieren."
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Seit gestern bin ich in unserem Schwesternaltenheim mit einem Teil der Schwestern auf dem Weg der Exerzitien. Es ist üblich bei uns vor Jubiläumsfeierlichkeiten, die man zusammen feiern möchte, zusammen nachzudenken, zu beten, Rückschau und Vorschau zu halten. So ist hier also am ersten Tag die Frage, wie hat mein Glaubens- und Ordensweg begonnen? Wer hat mich begleitet? Wer hat mir geholfen, meinen Weg zu finden? Die Schwestern erinnern sich an abenteuerliche Geschichten: die einen, die ganz selbstverständlich selbst entschieden haben und sich von nichts und niemanden aufhalten ließen. Dann gibt es die, die lange gesucht haben und einfach nicht genau wussten, was sie selbst wollen und auch die, die angesprochen worden sind und ihnen plötzlich ein Licht aufgegangen ist. Eine Schwester hat erzählt, dass sie ihre Mutter besucht hat, die zu einer Kur war. Eine der Schwestern, die dort die Station geleitet hat, hat ihr alles gezeigt und sie dann gefragt, ob das nicht auch etwas für sie sei, Franziskanerin zu werden und Gott und den Menschen zu dienen. Und sie sagt: „Da ist mir wirklich ein Licht aufgegangen. Ich hatte diese Weise zu leben, nie vorher in Betracht gezogen und jetzt war mir plötzlich alles klar“. Eine andere Schwester hat erst noch die jüngeren Geschwister betreut, da die Mutter gestorben war. Erst als der Vater wieder geheiratet hat, durfte sie eintreten. Und die Schwestern erzählen, dass ihnen oft erst sehr viel später bewusst geworden ist, wie Gott ihre Wege geleitet und sie durch Menschen geführt hat. Und die Konsequenz ist bei vielen dieser sehr betagten Schwestern, Gott immer noch mehr zu loben und zu danken und gar nicht genug staunen zu können über das, was sie in seiner Nachfolge erlebt und miteinander gelebt haben. Und wenn ich „junges Ding“, wie die Schwestern scherzhaft sagen, dann bedenke, was diese Schwestern erlebt haben: die also im Zweiten Weltkrieg und den schwierigen Nachkriegsjahren groß geworden sind, die in sehr armen Verhältnissen Krankenhäuser und andere Einrichtungen wieder mit aufgebaut haben, die Währungsreformen und politische Veränderungen erlebt haben, dann staune ich umso mehr über ihre Gelassenheit und stille Freude. Aber wahrscheinlich geht das auch vielen anderen alten Menschen so: Wer in seinem Leben immer mehr auf Gott sein Vertrauen setzt, der kann heiter und gelassen bleiben, egal was kommt.  
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Dieses Rosenkranzfest heute ist eigentlich ein Dankeschönfest der christlichen Flotte nach der gewonnenen Seeschlacht von Lepanto im Jahr 1541. Damals war es gar nicht so unüblich, ein solches Ereignis mit einem Fest zu feiern. Der Oktober ist seit jeher der Rosenkranzmonat, und viele Menschen erinnern sich vielleicht, dieses Gebet mal gelernt zu haben. Andere beten es seit Jahrzehnten jeden Tag ganz selbstverständlich. Für Kinder und Jugendliche ist das nicht so cool, weil sie merken, dass es so langweilig ist, 50-mal das gleiche zu beten und sich dann noch zu konzentrieren, damit man sich nicht immer verzählt. Mir ging das früher nicht anders, aber ich fand immer schon interessant, dass ich nach der knappen halben Stunde stillem Rosenkranzbeten viel munterer war als vorher. „Wer den Rosenkranz betet, hat den gesamten Glauben in einer Hand“ hat ein kluger Mensch mal gesagt. Credo und Vaterunser, Ehre sei dem Vater und die vielen Gesätze, die entlang des Lebens Jesu gebetet werden, vertiefen das innere Wissen um den Weg Jesu. Aber da ist noch etwas anderes. Das Gebet sammelt die Gedanken und gibt ihnen eine Richtung, beruhigt Herz und Atem und lässt das Gedankenkarussell ab und zu anhalten und in eine andere Richtung drehen. Und ich erlebe manchmal, dass es eine erstaunlich andere Sache ist, den Rosenkranz in Gemeinschaft laut zu beten. Das ist, als ob man sich gegenseitig im Glauben bestärkt und sich in Ruhe einmal gemeinsam einer Sache widmet. Ein Film, den ich vor einigen Wochen gesehen habe, und der die Arbeit und das harte Leben der Senner in den Alpen zum Thema hatte, begann, völlig überraschend, mit dem gemeinsam gebeteten Rosenkranz am groben Holztisch in der Küche der Sennhütte. Gestandene Männer und einige Frauen beten in Ruhe und sammeln vor Gott den Tag ein – wie sie selbst sagen. Ich finde das einen guten Tipp für heute: den Tag mit dem Rosenkranz beginnen und mit dem Gebet die Gedanken auf Gott und das Heilswerk Jeus lenken oder am Abend den Tag damit beenden und vor Gott einsammeln.  
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Heute Abend kommen die Mitarbeiter*Innen einer unserer sozialen Einrichtungen zu uns in die Kapelle des Konventes, um eine Erntedankandacht zu feiern. Im Vorfeld habe ich gefragt, wofür sie denn danken möchten. Und es kamen drei Hauptthemen: sicherer Arbeitsplatz, gutes Miteinander unter den Kolleg*Innen und zur Einrichtungsleitung, Arbeitsfähigkeit. Die ersten beiden Anliegen sind uns ja nicht fremd und es ist schön, einen sicheren Arbeitsplatz zu haben und dankbar sein zu können für ein gutes Miteinander mit den Kolleg*Innen und der Einrichtungsleitung. Dankbar zu sein, dass man arbeitsfähig ist, hatte ich noch nie vorher gehört oder auch noch nie bedacht. Aber da ist ja etwas dran. Gar nicht so wenige Menschen sind von jung auf körperlich oder geistig beeinträchtigt und können nicht arbeiten, andere sind durch Unfälle oder schwere Erkrankungen arbeitsunfähig geworden und wieder andere haben nie die Fähigkeit gelernt, die man braucht, um arbeiten zu können. Arbeiten ist ja um so vieles mehr als nur den Lebensunterhalt zu verdienen. Arbeit ist die Möglichkeit, Fähigkeiten und Talente einzubringen, Kreativität zu entwickeln, Kontakte zu knüpfen und zu erleben und noch so vieles mehr. Ich kann mich erinnern, dass meine Mutter, als ihr jüngstes Kind in die vierte Klasse kam, sie wieder arbeiten gehen wollte. Die Tante im Haus konnte das gar nicht verstehen und wollte ihr Geld geben, damit sie zuhause bleibt, wo sie doch genug Arbeit habe. Aber meiner Mutter ging es nicht ums Geld: Es ging darum, wieder in ihrem geliebten Beruf zu arbeiten, mit Kollegen zusammen zu sein, andere Themen zu besprechen und Horizonte neu zu entwickeln, ihre Fähigkeiten zu nutzen und die Firma weiter zu entwickeln. Es ist also eine ziemlich gute Idee, Gott heute für die eigene Arbeitsfähigkeit zu danken und für die Möglichkeiten, die wir damit im Leben hatten und haben. 
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