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Morgenimpuls Archiv

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Ganz oft in den letzten schwierigen Zeiten unserer Kirche fragen Menschen danach, was denn eigentlich heute noch richtig ist und was seine Gültigkeit hat im täglichen Leben und im Glauben. Und die Verwirrung ist oft groß, weil viele Menschen in der Kirche eben auch viele verschiedene Meinungen haben. Die heutige Lesung zum Morgenlob ist aus dem Buch Tobit. Und sie ist eine so klare und wunderbare Anweisung für das Leben im Allgemeinen und für heute im Besonderen, dass ich sehr beeindruckt bin. Dort heißt es: "Was dir selbst verhasst ist, das mute auch einem anderen nicht zu! Gib dem Hungrigen von deinem Brot und dem Nackten von deinen Kleidern. Such nur bei Verständigen Rat; einen brauchbaren Ratschlag verachte nicht! Preise Gott, den Herrn, zu jeder Zeit; bitte ihn, dass dein Weg geradeaus führt und dass alles, was du tust und planst, ein gutes Ende nimmt." Vier Themen, vier glasklare Antworten, also: Tu niemandem etwas an, was Du auch auf keinen Fall erleben willst, weder im realen Leben noch in Social Media. Gib denen, die in Not sind und Dich bitten von dem, was Du hast und was Du geben kannst. Und das nicht nur zur Weihnachtszeit. Such bei verständigen Leuten Rat und nicht bei BILD, bei Google, bei der schwatzenden Nachbarin oder sonst wo. Und vergiss nicht Gott zu loben und zu preisen, ihn um Weggeleit zu bitten und Dich auf ihn zu verlassen. Jesus fragt oft die Menschen, die ich ihn um etwas bitten wollen: Was genau willst Du, dass ich für Dich tun soll? Hier ist also nochmal die klare Aufforderung: sag Jesus, was Du erbittest und glaube und hoffe, dass er es tun wird.
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Am Sonntag war hier in Olpe ein sehr seltenes Ereignis zu feiern. Ein Neupriester hat nach der Priesterweihe in Rom, seiner dortigen Primiz, also seiner ersten Heiligen Messe, dann in seiner Heimatgemeinde und jetzt in Olpe, seiner Diakonatsgemeinde, die Messe gefeiert. Ich gebe zu, dass er mich beeindruckt hat. Ihm war eine Freude anzumerken und eine wunderbare Normalität. Dabei hatte er wirklich keinen so normalen Lebensweg. Nach dem Abitur hat er Physik studiert und mit dem Master abgeschlossen. Als Unternehmensberater war er dann im Bereich Prozessoptimierung und IT-Consulting bis 2016 tätig. Und hat dann das Theologiestudium begonnen und in Rom abgeschlossen. Als Priester wolle er weitergeben, was er selbst erlebt habe: Christus zu vertrauen, weil er sich um einen jeden Menschen sorgt, sagt er. "In meinem Leben habe ich diese Fürsorge Christi schon oft erfahren: In der Gemeinschaft, die ich in der Kirche erleben konnte, vor allem in seinen Sakramenten", erläutert er seine Motivation. "Priestersein heißt für mich, diese Fürsorge Gottes meinen Mitmenschen zu vermitteln. Ich glaube, dass Gott durch Menschen in unserer Welt wirkt." Ich selbst habe im Laufe der Jahre manche jungen Männer erlebt, die gesagt haben: "Ich würde ja gern Priester werden, aber…" Und haben dann viele sehr verständliche Gründe genannt, warum es doch nicht geht: das lange Studium und die Ausbildung, die Unsicherheiten in dieser Kirche, der Mangel an Akzeptanz der eigenen Familie, der Zölibat und so weiter. Und so habe ich bei meiner Gratulation dem Neupriester gedankt, dass er nicht das "ABER" an die erste Stelle seines neuen Weges gestellt hat, sondern sein "JA" zu seinem Weg mit Gott. "Ich habe Dich bei Deinem Namen gerufen, Du gehörst mir" war die Lesung aus dem Buch Jesaja zum Gottesdienst. Berufen und beim Namen genannt werden, hat er als sehr eindrückliche Begegnung mit Gott und den Menschen beschrieben. Wenn Sie und mich heute im Laufe des Tages jemand mit Namen ruft und anspricht, denken wir vielleicht kurz daran, dass Gott es ist, der uns ruft und kennt und nennt.
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Das Wochenende war mild und sonnig und schön und gar nicht wie typisch deutscher nasskalter November. Und leider ahnen wir schon, dass es etwas mit dem Klimawandel zu tun haben könnte. Die Klimakonferenz in Ägypten tagt noch bis Freitag und unvorstellbare 35 000 Delegierte versuchen gangbare Möglichkeiten zu finden um den Klimakollaps noch aufzuhalten. "Wir sind auf dem Highway zur Klimahölle – mit dem Fuß auf dem Gaspedal" hat UN-Generalsekretär Guterres gewarnt. Aber einige Staaten stören sich immer noch nicht im Geringsten daran, dass sie die Welt verpesten und die Lebensgrundlagen von Millionen Menschen zerstören. In den USA haben die Midtermwahlen, die zwischen zwei Präsidentschaftswahlen stattfinden, Gott sei Dank nicht den rauschenden Sieg der Republikaner im Gefolge von Expräsident Trump geschafft. Viele Menschen und die weltweite Politik atmen erst mal auf. Die weltweite politische und gesellschaftliche Klimaverpestung, die in 4 Jahren Trump die Welt heimgesucht hat, ist immer noch nicht abgearbeitet und bewältigt und hat das Land gespalten und die Demokratie sehr gefährdet. Und dann kommt natürlich immer die Frage nach meinem eigenen Einsatz. Was tue ich, was tun wir als Christen, die Gott als den Schöpfer der Welt ehren, um dem Weltklima eine Chance zu geben? Wir haben vor ein paar Tagen geschaut, welche Durchlauferhitzer wir abschalten können, wie tief wir die Heizungstemperatur absenken können, wo wir vielleicht Wasser verschwenden und das beenden können. Aber auch noch mal schauen, was ich tun kann, um dem gesellschaftlichen Klima eine gute Zukunft zu geben? Wo kann ich mich in meinem Umfeld einsetzen für bedürftige Menschen, die meine Zeit, meine Hilfe, meinen Einsatz brauchen. Wo kann ich mit meiner Sprache deeskalieren und von Vorverurteilungen absehen? "Was ihr von den anderen erwartet, das tut ebenso für sie" ist die goldene Regel in der Bibel die so jede Religion kennt. Erwarten wir viel und geben wir viel, damit das weltweite Klima und das gesellschaftliche Klima bei uns eine Chance bekommen.  
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Es ist leicht und fröhlich und freundlich und stimmungsvoll, einen schönen Martinsabend zu erleben: in die Kirche gehen zur Eröffnung des Martinszuges, dann mit Laternen und Gesang und Feuerwehrmusikzug durchs Städtchen flanieren, am Marktplatz angekommen das Martinsspiel schauen und von der Geschichte beeindruckt sein, Glühwein oder Kinderpunsch trinken und einen Stutenkerl, einen Weckmann, einen Klosmann geschenkt bekommen und erfreut und beschwingt nach Hause gehen. Komplizierter wird es, wenn man sich außer der berühmten Mantelteilungsszene an andere Aspekte im Leben des Heiligen Martin nähert. Mit zehn Jahren wurde er Taufbewerber in Pavia. Als Sohn eines römischen Offiziers musste er in den Militärdienst und mit 15 Jahren gehörte er zur Leibgarde des Kaisers. Erst mit 34 Jahren wurde er dann tatsächlich getauft. Vor einer großen Schlacht gegen die Alemannen vor Worms erklärte er offen, nicht in den Kampf zu ziehen da er jetzt kein Soldat des Kaisers, sondern ein Soldat Christi geworden sei. Natürlich wurde ihm vorgeworfen, dass er lediglich aus Feigheit und nicht aus Glauben nicht kämpfen würde. Das hat er nicht auf sich sitzen lassen, sondern angeboten, dem Feind unbewaffnet zu Fuß entgegen zu treten. Am nächsten Tag ergaben sich die Germanen, so dass er das nicht mehr tun musste. Nach 25 Jahren Dienstzeit wurde er aus dem Heer entlassen. Als Mönch zurückgezogen und asketisch lebend, hat er so viel Gutes getan, dass er schon sehr schnell sehr verehrt wird. Als Nothelfer und Wohltäter wird er von den Leuten in Tours zum Bischof gewählt, lebt in einer einfachen Holzhütte am Rand der Stadt und müht sich, durch die Gründung von Kirchen und Klöstern die Christianisierung des Landes zu festigen. Von Sulpicius Severus stammt die Aussage "Vor Martin gab es nur ganz wenige, eigentlich niemand, der in dieser Gegend den christlichen Glauben angenommen hatte. Durch seine Tugenden und sein Glaubensbeispiel ist der Glaube in einem solchen Maß gewachsen, dass es heute keinen Ort gibt, der nicht voll ist von Kirchen und Klöstern." Die Glaubenskraft eines einzelnen Menschen kann so groß sein, dass sie ganze Länder und Generationen begeistert und zum Glauben bewegt.  
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Ein Mann hat an unserer Haustür geklingelt und ganz verschämt sein Anliegen vorgebracht. Er hat zurzeit keine Arbeit, wird vom Jobcenter betreut und alles lief bisher so, dass er leben konnte. Jetzt hat ein Nachbar ihn beim Jobcenter verpetzt, weil er mit Kindern und Jugendlichen aus der Nachbarschaft einen kleinen Trödelmarkt organisiert und Sachen aus seinem eigenen Umfeld verkauft hat. Also habe er doch Einkommen und brauche nicht dem Steuerzahler auf der Tasche liegen. Natürlich muss das Jobcenter dem nachgehen und alles überprüfen und bis dahin werden alle Bezüge gesperrt. Miete, Strom, Wasser usw. bleiben jetzt nur durch das Wohlwollen der Anbieter noch angeschlossen, weil er immer ein zuverlässig zahlender Kunde war. Er brauchte also Lebensmittel für ein paar Tage, ein bisschen Geld und jemanden, der sich seine tiefe Enttäuschung anhören und ihn nicht verurteilen würde. Er hatte alle Verträge und Papiere mit, die er mir zeigen wollte, weil er schon von Pontius zu Pilatus gelaufen ist, um Hilfe zu bekommen und ihm niemand etwas gegeben hat oder ihm nicht geglaubt hat. Man könnte jetzt über die wachsende Kälte in unserem Land jammern, die ziemlich menschenunfreundlichen Zustände in Ämtern beklagen und sich über böse Nachbarn aufregen, denen dieser Herr nichts getan hat. Aber man kann auch einfach helfen. Eine Tüte voll mit Nudeln, Kloßteig, Käse und Wurst hilft über die nächsten Tage und mit ein bisschen Geld kann er die Medikamente aus der Apotheke abholen, die da schon bereitliegen. Und er konnte reden und sein Herz ausschütten und sich verstanden fühlen und angenommen. Da brauchte es erstmal nur das. Und die Zusage Jesu gilt allen und für alle Zeiten: "Was ihr dem Geringsten unter meinen Brüdern getan habt, das habt ihr mir getan."  
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Der Mann verheddert sich in der Pressekonferenz. Er verliest eine Erklärung und im komplizierten Amtsdeutsch weiß er selber nicht so genau, was er da sagt. Man soll, wie immer damals, Anträge stellen dürfen und Genehmigungen erhalten. Irgendwas mit ständig und immer. Aber ein italienischer Journalist hakt nach und will Näheres wissen. Ab wann diese Regelung gelten soll und ob auch für Berlin? Er wühlt in seinen Zetteln und Unterlagen und stammelt: "Nach meiner Kenntnis sofort, unverzüglich“ Es war ein Versehen, ein Versprecher, ein, in der Bedrängnis der Konferenz nicht richtig gelesener Zettel. Aber welche Auswirkung! Als erstes bringt die britische Nachrichtenagentur Reuters die Nachricht, dann die Tagesschau, dann das Heute Journal und die Tagesthemen. Und dann sind sich die Leute sicher und strömen zur Grenze. Zu den hermetisch verschlossenen Grenzübergangsstellen in Berlin und an der Westgrenze. Die Grenzpolizei hat keine Order, keinen Befehl und weiß nicht, was sie machen soll. Und dann, kurz vor Mitternacht, gibt ein hochrangiger Offizier an der Bornholmer Straße dem Druck der Massen nach. Er holt nicht sein Maschinengewehr und gibt keinen Schießbefehl. Er öffnet den Schlagbaum und das Tor und die Menschen fluten das unerreichbare, das eigene, das bisher geteilte Land. Ein Versprecher gibt das Startsignal und sechs Wochen später ist die alte Diktatur in sich zusammengebrochen und Neues kann entstehen. Für mich, die ich in der DDR groß geworden bin und alles hautnah erlebt habe, ist der Held dieses Abends genau er: der Offizier in der Bornholmer Straße. Er hat sich nicht hinter seinem erlernten Feindbild, seinen Befehlsstrukturen versteckt, sondern ist seinem Herzen gefolgt, oder seiner Vernunft, oder seinen, seit langem gehegten Zweifeln am System. Und hat das Tor geöffnet statt zu schießen. Sagen wir nicht so leicht, ich, als ein Einzelner kann da nichts tun. Oh doch. Ich kann immer. Er ist für mich der beste Beweis.  
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Am Wochenende hatten wir mal wieder zwei Studentinnen zu Gast, die sich bei uns zu "Kloster auf Zeit" angemeldet haben. So eine Auszeit aus dem Gewohnten ist immer spannend für beide Seiten. Wir Schwestern überlegen vorher, was wir gemeinsam machen wollen um den Gästen in so kurzer Zeit einen Eindruck vom Ordensleben zu vermitteln. Und dann tun wir eigentlich das, was wir immer tun: zusammen beten, zusammen in die Bibel schauen und das Evangelium gemeinsam bedenken, Einblicke geben in die Geschichte unserer Gemeinschaft, Rosenkranz beten, gemeinsam essen, einen Franziskusfilm schauen und zusammen kreativ sein. Und dann haben wir gemerkt, dass es das genau ist: Leben teilen. Keinen Event organisieren, nichts Ungewöhnliches tun, im hier und jetzt sein. Und genau dann ist die Grundlage bereitet, um gastfreundlich, offen, gesprächsbereit zu sein und in allem Tun und Lassen zu spüren, dass leben mit und für Gott in allen Lebenslagen gut gehen kann, wenn diese Gegenseitigkeit auf Augenhöhe gehen darf. Die beiden Studentinnen haben wie trockene Schwämme alles aufgesaugt, was sie bei uns erlebt, gehört und mitgemacht haben. Und für beide Seiten war es ein sehr belebendes Wochenende. Wach sein für die Bedürfnisse des Anderen, miteinander Leben teilen, Pläne umwerfen, wenn anderes dran ist, ist eigentlich normal im Miteinander. Es aber gelegentlich gut, es so explizit zu reflektieren und bestätigt zu bekommen, und bestärkt auf dem Weg der Nachfolge Jesu. Eine Strophe im heutigen Hymnus zu den Laudes heißt: Du Atem Gottes, Heil’ger Geist, durchdringst die Welt mit Lebenskraft, du senkst in uns die Liebe ein, die alle eint und göttlich macht. Vertrauen wir heute diesem Heiligen Geist, der uns alle eint und die Liebe schenkt die wir brauchen, um zusammen göttliches Leben zu haben.
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Wir lesen im Moment im Noviziatsunterricht das Buch: "Wir können auch anders – Beitrag der Orden zum Synodalen Weg und für die Zukunft der Kirche." Es sind Beiträge von Ordensleuten, die zur Synodalversammlung gehören und sehr kluge, vielfältige und klare Statements zu den vielen Fragen von Macht und Ämterteilung, von Sexualität und gelebter Liebe, von Mitbestimmung und Leitung durch Frauen. Viele der Beiträge lassen uns zu kontroversen Debatten kommen und sehr viele sehr unterschiedliche Betrachtungsweisen zu den einzelnen Themen kommen zu Wort. Mir ist wichtig, dass wir Christen in den vielfältigen Themen unserer Kirche auf dem laufenden bleiben und uns auseinandersetzen mit dem, was neu werden will und keinen Aufschub mehr duldet. Spannend war unser Gespräch nach einem Artikel, in dem Schwestern aus Frankfurt ihre soziale Pastoral beschreiben. Ich kann das Gotteshaus, die Kirche als Gebäude als das „Wohnzimmer Jesu“ beschreiben und dort nur zulassen, dass er angebetet und verherrlicht und im Gottesdienst gefeiert wird. Ich kann diese gleiche Kirche aber zusätzlich als Raum verstehen, der offen ist für alle Menschen, die Rat und Hilfe, Kleidung und Speise brauchen und also Kühlschränke mit Lebensmitteln, Garderoben mit gut erhaltener Kleidung, Tische und Stühle und Kaffee und Tee anbieten, damit Menschen das Haus Gottes auch als Haus der Menschen und für Hilfe in Not und Sorgen erfahren. Ein Text aus dem 15. Jahrhundert sagt das schon ganz deutlich: Christus hat keine Hände, nur unsere Hände, um seine Arbeit heute zu tun. Er hat keine Füße, nur unsere Füße, um Menschen auf seinen Weg zu führen. Christus hat keine Lippen, nur unsere Lippen, um Menschen von ihm zu erzählen. Er hat keine Hilfe, nur unsere Hilfe, um Menschen an seine Seite zu bringen. Wenn unsere Gotteshäuser Beides sind, heilige Orte der Anbetung Gottes und Orte der Zuwendung und Hilfe für die Menschen, dann kann Christsein in seiner ganzen wunderbaren Fülle deutlich werden.
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Im 150. Jubiläumsjahr unserer Ordensgemeinschaft 2013 haben wir alle deutschen Schwestern nach ihren Lieblingsgebeten gefragt. Wir haben sie gesammelt und daraus ein Heft gemacht, das jeder Konvent bekommen hat. In unserem Konvent beten wir jeden Mittag ein Gebet der Reihe nach vor. Und es gibt Gebete, die sind so schön und passen so gut zur jeweiligen Schwester, dass wir immer neu unsere Freude daran haben. Gestern war ein Gebet dran, dass schon über 500 Jahre alt ist. Es stammt von Teresa von Ávila und hat so viel Witz und Charme, dass wir immer wieder vergnügt zuhören. Ich will es Ihnen heute früh in den Tag mitgeben und vielleicht hilft es Ihnen, für ein kleines Lächeln in den Tag. Teresa betet also: Oh Herr, Du weißt besser als ich, dass ich von Tag zu Tag älter und eines Tages alt sein werde. Bewahre mich vor der Einbildung, bei jeder Gelegenheit und zu jedem Thema etwas sagen zu müssen. Erlöse mich von der großen Leidenschaft, die Angelegenheiten anderer ordnen zu wollen. Lehre mich, nachdenklich (aber nicht grüblerisch), hilfreich (aber nicht diktatorisch) zu sein. Bei meiner ungeheuren Ansammlung von Weisheit erscheint es mir ja schade, sie nicht weiterzugeben. Aber Du verstehst – oh Herr – dass ich mir ein paar Freunde erhalten möchte. Bewahre mich vor der Aufzählung endloser Einzelheiten und verleihe mir Schwingen, zum Wesentlichen zu gelangen. Lehre mich schweigen über meine Krankheiten und Beschwerden. Sie nehmen zu – und die Lust, sie zu beschreiben, wächst von Jahr zu Jahr. Ich wage nicht, die Gabe zu erflehen, mir Krankheitsschilderungen anderer mit Freude anzuhören, aber lehre mich, sie geduldig zu ertragen. Lehre mich die wunderbare Weisheit, dass ich mich irren kann. Erhalte mich so liebenswert wie möglich. Ich möchte keine Heilige sein, mit ihnen lebt es sich so schwer, aber ein alter Griesgram ist das Krönungswerk des Teufels. Lehre mich, an anderen Menschen unerwartete Talente zu entdecken und verleihe mir, oh Herr, die schöne Gabe, sie auch zu erwähnen. Amen. Was ist eigentlich ihr Lieblingsgebet? Vielleicht ist das hier von Teresa von Ávila für Sie ein Geheimtipp.
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Einer unserer Schwestern im Altenheim geht es zur Zeit nicht gut und ich habe sie erstmals tagsüber im Bett liegend erlebt. Normalerweise sitzt sie in einem superfunktionalen E-Rollstuhl und kommt irgendwie überall hin und ist nicht auf Schiebehilfe angewiesen. Aber jetzt liegt sie also im Bett und wir haben geplaudert. Und mittendrin meinte sie: ich merke jetzt erst, wenn ich so liege, welch tolle Aussicht ich von hier aus habe. Man sieht viel mehr Himmel und den Berg da drüben und die Bäume gegenüber. Das ist es wieder, was mich, an meinen oft so hoch betagten Mitschwestern so gefällt: Wenn ich das, was mir geschieht, nicht ändern kann, dann halte ich es aus und schaue, ob es auch noch positive Seiten hat. Das haben viele alte Menschen uns Jüngeren wirklich voraus: Sie haben schon so viel erlebt an Schönem und Schwerem, dass sie nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen sind und sich einzurichten versuchen. Ein gutes Wort dafür ist Gelassenheit – ich kann gelassen sein, weil ich loslassen kann, weil ich nicht festhalten muss, weil ich glaube, dass die Dinge bei Gott in guten Händen aufgehoben sind. Ein sehr altes Gebet heißt: Guter Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, gib mir den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und gib mir die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden. Das ist tatsächlich die Kunst: das, was ich nicht ändern kann, annehmen und damit leben und das, was in meiner Macht liegt zu ändern, das auch anzupacken. Wir kennen alle dieses "ach, da kann ich als Einzelner ja doch nichts machen" Das stimmt einfach nicht. Das was in meinen Kräften und Möglichkeiten liegt, sollte ich auch anpacken und dann spüren, dass vieles doch entschieden besser geht, als ich je gedacht hätte. Und die Weisheit, die man auch gut als die Kompetenz im Menschsein beschreiben kann, hilft oft zu unterscheiden, ob ich etwas tun kann oder ob die Situation angenommen und getragen werden muss. Ich bin sehr dankbar dafür, dass es wirklich viele sehr weise Menschen gibt, die aus Ihrer Lebens- und Glaubenserfahrung, ihrer Kompetenz im Menschsein immer neu gute und richtige Entscheidungen treffen und das Leben ihrer Mitmenschen lebens- und liebenswerter machen.
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Der Tag Allerseelen ist der Gedenktag an alle Verstorbenen. Gestern an Allerheiligen, haben wir an die vielen offiziellen und inoffiziellen Heiligen gedacht. Und heute denken wir an alle Verstorbenen und beten für sie. Ich kenne seit meiner Kinder- und Jugendzeit, dass wir sonntags zum Friedhof gegangen sind, oft nur ganz kurz, als Startpunkt zu einer Wanderung oder als Endpunkt eines langen Spaziergangs. Und ich habe da schon immer gespürt, dass es eine gute Übung ist. Dass kurz bleiben am Grab und das Gebet für die Lieben macht einem selbst klar, dass wir sterben werden und dass wir nicht beten würden, wenn das Grab das Ende von allem wäre. Weil wir aber glauben, dass der Tod der Beginn des neuen Lebens ist, ist es auch für mich selbst eine heilsame Erfahrung. "Die Seelen der Gerechten sind in Gottes Hand" lesen wir in den offiziellen Texten des Tages. Sich selbst und die Seelen der gestorbenen Mitmenschen in Gottes Hand zu wissen, ist ein sehr tröstliches Wissen. Von der Heiligen Klara habe ich einige Zeilen gelesen, die mir sehr gefallen haben. Sie sagt in einem Segen an die jetzigen und die zukünftigen Schwestern, dass sie immer Liebhaberinnen ihrer unsterblichen Seele und der Seelen ihrer Mitschwestern sein sollen. Wir Heutigen würden vielleicht so sagen: Denkt daran, dass bei allem was schwierig und kompliziert im Zusammenleben ist: jede und jeder hat eine unsterbliche Seele von Gott.  Und bei ihrem Sterben hören die Schwestern, die bei ihr sind wie sie zu ihrer Seele sagt: "Geh in Sicherheit, denn Du hast ein gutes Weggeleit. Geh, denn der Dich geschaffen hat, hat Dich geheiligt!" Beten wir also heute mit der Heiligen Klara: "Der Dich geschaffen, schenkt Dir sein Erbarmen, er ist Dir Vater er hat Dein Heil gewirkt. Trägt Deine Seele in seinen starken Armen, wie eine Mutter die ihre Kinder birgt. Ehre dem Vater und Ehre auch dem Sohn, Ehre dem Geiste, der in uns allen wohnt."
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In meinen Noviziatsjahren in Oschersleben in Sachsen-Anhalt habe ich eine sehr witzige Allerheiligenszene erlebt, die mir jedes Jahr wieder einfällt. Ich hatte Dienst in der Sakristei und habe auf den Vikar gewartet. Dann ist er gekommen und hat mir kurz erzählt, dass in der Morgenandacht im Radio, ausgerechnet ein evangelischer Pfarrer sich redlich aber sehr kompliziert gemüht hat, etwas zum Fest Allerheiligen zu sagen. "Dabei ist es so einfach, meinte, der Vikar und begann lauthals zu singen: "Ein Glück, das wir katholisch sind, Halleluja!" Ich musste mir während der Heiligen Messe immer wieder das Lachen verkneifen und hatte den ganzen Tag einen Ohrwurm. Wir feiern alle Heiligen, also alle, die in den letzten 2000 Jahren ihr Christsein in besonderer Weise gelebt haben und Vorbild für andere geworden sind. Die einen, weil sie ihr Leben für Jesus gegeben haben in den Jahrhunderten der Verfolgung, die Anderen weil sie als Missionare an die Ränder der Erde gegangen sind, um das Evangelium allen Geschöpfen zu predigen und wieder andere, die ihr ganzes Leben den Armen, den Benachteiligten, den Kindern, den Kranken gewidmet haben. Wenn ich Kindern oder Jugendlichen das mit den Seligen und Heiligen zu erklären versuche, nehme ich gerne den Vergleich, dass die Seligsprechung wie der Oskar fürs Lebenswerk und die Heiligsprechung der Nobelpreis ist. Andererseits gibt es so viele heilige Menschen, deren Geschichten und Wege nur Gott kennt. Spannend für uns Ältere finde ich, dass wir Menschen kennen, also zumindest aus Presse und Fernsehen, die mittlerweile Heilige genannt werden, wie Papst Johannes Paul der Zweite oder Mutter Teresa und so für uns die Heiligen nicht die auf den hohen Sockeln in den Kirchen sind sondern Menschen wie wir, die mit ihrem Christsein ernst gemacht haben. Wie ich und wie Sie zuhause auch.  
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Heute Abend ist "All Hallows Eve", der Abend vor dem Allerheiligenfest. Und ein paar Mädchen, mit denen wir gebastelt haben, finden daran toll, dass man sich so schön gruseln kann. Also das Unbekannte, Fremde, Unheimliche, chaotisch Angstmachende wird gefeiert. In den Laudes des Stundenbuches gibt es einen Hymnus, der sich genau damit befasst: "Nacht und Gewölk und Finsternis, verworrnes Chaos dieser Welt, entweicht und flieht! Das Licht erscheint, der Tag erhebt sich: Christus naht." Dieser Vers gibt so quasi den Befehl, dass das Chaos dieser Welt zu verschwinden hat, weil sich der Tag aus dem Schlaf erhebt und Christus kommt. Viele von uns haben den Eindruck, dass sie das verworrene Chaos, das in der Welt ist, nicht mehr entwirren können und manchmal ruft dann ein Mann in seiner ängstlichen Verwirrung nachts um 4 Uhr an, weil er es nicht mehr aushält und reden will. "Jäh reißt der Erde Dunkel auf, durchstoßen von der Sonne Strahl, der Farben Fülle kehr zurück, im hellen Glanz des Taggestirns. So soll, was in uns dunkel ist, was schwer uns auf dem Herzen liegt, aufbrechen unter deinem Licht und Dir sich öffnen Herr und Gott" So wie die Sonne mit der Dunkelheit Schluss macht und die Farben und der Glanz so manchen Morgen so richtig strahlen lassen, so könnten wir alles, was uns bedrückt, den Tag schwer macht und lästig wird, vertrauensvoll Gott hinhalten und von ihm aufbrechen und uns Lösungen finden lassen. "Blick tief in unser Herz hinein, sieh unser ganzes Leben an: Noch manches Arge liegt in uns, was nur Dein Licht erhellen kann. Dir Christus, guter Herr und Gott, dem ewgen Vater der uns liebt, dem Heilgen Geist, der bei uns ist, sei Lob und Dank in Ewigkeit. Amen" Jede und jeder von uns hat so seine dunklen Geheimnisse, seine Leichen im Keller, wie man so sagt, und trotzdem gibt dieser Vers den Tipp, auch diese Dinge unter dem Licht Gott anzuschauen und an den Tag zu bringen. Und in allem verworrenen Chaos innen und außen, in aller Problematik unseres Lebens und dieses Tages kann ich Gott loben und danken, weil er der gute Vater ist, der uns liebt und der Heilige Geist, der bei uns ist.
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Im Lukasevangelium gibt es eine Stelle in der heute berichtet wird, dass Jesus eine ganze Nacht im Gebet verbringt, um am nächsten Tag seine Jünger zusammen zu rufen. Er bespricht mit seinem Vater im Himmel, wie seine Gefolgschaft aussehen soll und wie es weitergehen soll mit der Ausbreitung seiner Botschaft vom liebenden Gott. Am nächsten Tag wählt er sich aus ihnen seine zwölf engsten Freunde, Berater, Begleiter, Verkünder aus. Und diese Zwölf könnten unterschiedlicher nicht sein: der impulsive Petrus, der stillere Johannes, die Donnersöhne und so weiter.  Allein die beiden, an die heute gedacht wird, Simon und Judas Thaddäus, sind wenig genannt und treten kaum in Erscheinung. Aber sie gehören zu denen, die sich Jesus in seinen engsten Kreis geholt hat. Vielleicht wird an ihnen deutlich, dass es nicht um sie gehen soll, sondern um Jesus. Dass nicht die Boten, die Überbringer der Botschaft im Vordergrund stehen sollen, sondern die Botschaft selbst und der, der sie ausgeschickt hat. Ich kennen so viele Menschen, die unglaublich viel Engagement in ganz vielfältigen Dingen in Kirche und Gesellschaft zeigen und vieles Voranbringen, was durch hauptamtliche Kirchenleute immer wieder vertagt und nicht entschieden wird. Und die meisten dieser Engagierten werden von sich echt nicht behaupten, Visionäre zu sein, die an erster Stelle stehen, sondern eher gern an zweiter Stelle und dann das tun, was andere liegenlassen oder sich nicht anzupacken trauen, weil es heiße Eisen und neue Dinge sind, die sich entwickeln und wo man noch nicht genau weiß, wo es hingehen wird. Aber wahrscheinlich ist das der Punkt: Viele Menschen sind wie Simon und Judas Gesandte ihres Herrn und tun das, was ER ihnen aufträgt, was andere liegenlassen, was andere sich nicht trauen. Und dadurch, und genau durch sie, wird das Evangelium verkündet, Jesus und seine Botschaft für die Menschen in den normalen, einfachen Dingen vorangebracht und ohne Gedöns, wie man in Köln sagt, die Kirche aufgebaut.
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Kennen Sie Nowa Huta? Das ist heute ein Stadtteil von Krakau in Polen. Dieser Stadtteil wurde 1947 von der kommunistischen Regierung in Warschau geplant als Trabantenstadt rund um ein Stahlwerk, "Die Neue Hütte". Es wurden neue Wohnblocks, Schulen, Geschäfte, Theater und andere Kultureinrichtungen gebaut, aber keine Kirche. Es sollte eine Stadt ohne Gott werden. Man wollte den Glauben aus den Herzen der Menschen reißen und hier ein Exempel statuieren gegen den Glauben und die Kirche, gegen Gott. Es hat aber nicht lange gedauert, da haben die Menschen dort gespürt, dass das nicht geht. Menschen aus ganz Polen, die im festen Glauben an Gott aufgewachsen sind, haben zunächst eine gewisse Freiheit verspürt, wie es junge Leute tun, wenn sie von zuhause ausziehen und erstmal nicht mehr zur Kirche gehen. Aber dann haben die Menschen in Nova Huta ein Kreuz auf einem Platz errichtet und sich dort zum Gebet getroffen. Tausende Menschen, bei jedem Wetter, jeden Sonntag. Und die Kommunisten sahen ihr Projekt bedroht und haben Leute geschickt, das Kreuz abzureißen. Und es wurde neu errichtet, und wieder eingerissen immer weiter. Und irgendwann wurde das Gelände doch vom Staat freigegeben und eine Baugenehmigung erteilt. Aber niemand durfte für die Kirche Material, Beton, Stahl, Holz liefern. Und jeden Tag wurden auf der Baustelle Gottesdienste gefeiert, frühmorgens und abends. Und immer im Freien bei Schnee, Eis, Kälte, Regen und Hitze. Die Grundsteinlegung 1967 wird mit mehr als 50.000 Menschen gefeiert. Und erst mit der Hilfe der Katholiken aus den umliegenden Ländern, die unglaubliche Spenden geleistet haben, konnten Material und Maschinen gekauft werden. Die Leute von Nova Huta haben ihre Kirche quasi mit ihren eigenen Händen gebaut und jahrelang nach ihrer eigenen Schicht auf dem Bau oder im Stahlwerk abends und nachts an der Kirche gebaut. Die Kirche wurde als Arche gebaut. Eine rettende Arche über dem roten Meer der kommunistischen Stadt, so hat es der damalige Pfarrer beschrieben. 1977 wird sie vom damaligen Kardinal Woytyla eingeweiht und ist bis heute ein Symbol für den Kampf der Glaubenden um die Ausübung ihres Glaubens gegen Unterdrückung und Unfreiheit. Mittlerweile gibt es in Nova Huta mehr als 15 Kirchen. Advents- und Weihnachtsgottesdienste im Freien in klirrender Kälte mit zehntausenden Menschen über viele Jahre, das hat mich mehr als beeindruckt. Weil für die Menschen der Glaube an Gott und die Feier der Eucharistie jedes eigene Opfer mehr als wert war. Mir fiel diese Geschichte ein, als es in den letzten Wochen wegen der Energiekrise um das Heizen der Kirchen hier bei uns im Land ging. Was ist uns gemeinsames Gebet und die Feier der Eucharistie wert, wenn ich nur einen Mantel, und vielleicht einen Schal anziehen muss und meinen Glauben nicht über Jahrzehnte gegen ein glaubensfeindliches Regime zu verteidigen habe?
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