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Morgenimpuls Archiv

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In unserem Mutterhaus bauen wir seit mehr als zweieinhalb Jahren um. Wir machen das Haus fit für die Zukunft. 1966 eingeweiht, konnte es einen Konvent von 80 Schwestern beherbergen und 120 Schwestern aufnehmen. 1995 wurden die Zimmer modernisiert und 2012 zwei Etagen für die Verwaltung unserer Werke neu gestaltet. Und nun ist es wieder dran, dem kleineren Konvent ein passendes Umfeld zu geben und das große Haus für die Werke, die durch unsere Schwestern gestartet worden sind, fit und nutzbar zu machen. Immer neu zu schauen, wie das geht mit dem Kirchenbauen, dem Kernauftrag der franziskanischen Menschen seit Franz von Assisi. In sein Fest gestern haben wir hinein gefeiert mit einem Gottesdienst und danach mit Suppe und Brot. Und wir haben diesen wunderbaren Abend gemeinsam sehr genossen. Schwestern aus verschiedenen Konventen und Mitgehende aus unserer Weggemeinschaft, Mitchristen aus der Stadt und der Umgebung. Das miteinander Essen war nicht im Refektorium. Das ist für so viele Menschen nicht mehr ausgelegt, sondern im Flur direkt vor der Kirche. Die Schwestern haben für diesen jetzt durch Türen abgegrenzten, schönen, hellen und warmen Raum noch irgendwie keinen passenden Namen gefunden. Flur vor der Kirche, Foyer oder Raum der Begegnung? Wir wissen es noch nicht. Dieser Raum hat etwas von Übergang, von "noch-nicht-fertig", von "im-Werden-seiend". Und Passenderes gibt es kaum zu sagen über unsere gesamte Kirche. Wir sind im Umbau. Wir sind von Jesus gegründet und beständig mit ihm unterwegs. Wir sind Boten seines Evangeliums und dem ganzen Erdkreis zu hören. Wir sind mit dem Umbau beschäftigt, weil andere Räume notwendig werden und herausführen sollen aus Enge und Abkapselung, aus festgefahrenen Strukturen und verschlossenen Türen, aus Abgrenzung und Verurteilung von Gruppen, Geschlechtern und Andersdenkenden. Der Synodale Weg in Deutschland und bald auch in der gesamten Kirche zeigt dieses "Im Umbau sein" sehr deutlich. Das Ringen um den Inhalt und das Ringen um das, wie der Umbau gehen soll, das bleibt spannend und aufregend und ärgerlich und erfreulich. Und der bleibt hoffentlich ein Raum der Begegnung für alle, die im Namen Jesu unterwegs sind und in seinem Auftrag Kirche bauen.
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Der junge Mann hatte alles, was man sich so wünscht: einen reichen Papa, der seinen Sohn gern mit allem ausgestattet hat, was er haben wollte, ein Mutter, die ihn über alles liebte und mit ihrer Liebe die Härten des Vaters abgemildert hat, französisches und italienische Blut in den Adern und somit eine angenehme Stimme, überschäumendes Temperament und tänzerische Begabung, eine große Clique von Jugendlichen, deren Anführer er gern war – aber er hatte keine Idee, was er mit seinem Leben machen sollte. Als Tuchhändler, Kaufmann und Europareisender zu leben, war irgendwie nicht seins, ein angesehener Ritter in einem großen Heer schon eher: aber eine Stimme im Inneren sagt ihm: geh nachhause, ich werde Dir sagen, was zu tun ist. Ein dritter Versuch, als junger Stadtbürger in den Krieg gegen die Feindesstadt Perugia zu ziehen, endete im Gefängnis und dann, wieder in Freiheit, in Depressionen und tiefste innere Verzweiflung. In seiner Not brüllt er den Herrn am Kreuz in San Damiano an: "Was willst Du eigentlich von mir?" und er hört: "Franziskus, bau mir meine Kirche wieder auf, siehst Du nicht, wie sie zerfällt?" Nach dem ersten Erschrecken und der ersten Verblüffung wird klar: Jetzt endlich hat er eine Idee, einen Plan, einen Auftrag für sein Leben - Kirche bauen. Erst baut er die steinernen kleinen Kapellen und Kirchen ringsum auf und merkt später: nein, es geht nicht um einen Kirchbauverein, es geht nicht um die Kirche der Päpste und Prälaten in Rom, es geht um alle Getauften, die in Wirklichkeit die Kirche Gottes sind. Und er lebt und betet und arbeitet und singt und leidet und pflegt Aussätzige und immer mehr Brüder kommen dazu. Und immer mehr Menschen spüren durch ihn ihren Auftrag: Baue meine Kirche wieder auf! Das ist es, was uns Franziskus von Assisi mit auf den Weg und auch heute mit in den Tag gibt: Da, wo Du lebst, da wo Du arbeitest, da wo Gott Dich hingestellt hat: baue seine Kirche wieder auf! Und vergiss nicht zu singen und den Schöpfer für seine Geschöpfe zu danken. 
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Heute ist für mich ein wirklich großer Feiertag. Der Tag der Deutschen Einheit ist sosehr mit meinem Leben, meiner Biografie verbunden, dass ich gar nicht anders kann, als ihn heute mit Ihnen zu bedenken. In der DDR geboren und aufgewachsen habe ich schon sehr früh mitbekommen, dass bei uns alles irgendwie anders ist. Man musste immer den Personalausweis mit sich haben, im Ausweis waren immer Extrastempel, die wir als Bewohner des Sperrgebietes dicht an der Westgrenze jedes halbe Jahr erneuern mussten, im Nachbardorf war eine große Grenztruppenkaserne und Mannschaftswagen und andere Militärfahrzeuge waren uns bekannt. In der Schule musste man gut überlegen, was man sagen darf und was lieber nicht und DDR-Kinder hatten irgendwann eine Meisterschaft darin. Ich durfte nicht zum Gymnasium, weil ich keine Jugendweihe, also kein Bekenntnis zum Sozialismus hatte und somit auch nicht studieren. Aber, wir hatten einen hervorragenden Zusammenhalt in den Pfarrgemeinden, übervolle wöchentliche Jugendabende in allen Pfarreien und eine Gewissheit, in allen Sorgen und Problemen nicht allein zu sein. Die Gemeinschaft der Weltkirche und das Wissen, dass Gott alle Dinge zum Guten wenden kann, hat uns Mut und Kraft gegeben. Die Fürbitte für die Einheit des Landes, die Freiheit der Kirche und den Frieden in der Welt, wurde bei jedem großen Gottesdienst und bei jeder Wallfahrt gebetet. Und dann kamen die Montagsgebete, die Demonstrationen und die Gewaltlosigkeit der Menschen und eine Einsicht, die sehr spät aber sehr eindrücklich kam. Der damalige und schon langjährige Chef der Staatssicherheit, Erich Mielke, hat in einem Prozess sehr irritiert zu Protokoll gegeben: "Wir waren auf alle vorbereitet, nur nicht auf Kerzen und Gebete" Kerzen und Gebete sind viel mehr, als wir oft selbst denken und für wichtig halten. Trauen wir uns immer wieder, alle unsere Anliegen vor Gott zu bringen und nicht zu resignieren, wenn es in Kirche und Gesellschaft schwierig ist. Und wenn Sie mögen, kommen Sie heute Montagabend um 18.00 Uhr zum "Transitus" in die Mutterhauskirche in Olpe, wo wir mit Kerzen und Gebeten für Kirche und Gesellschaft und den Frieden in der Welt beten werden.
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Dieser Tage habe ich lange über einen Messenger-Dienst mit einer jungen Frau gechattet. Sie ist seit Jahren mit der Frage beschäftigt, ob es eigentlich mehr gibt als dieses normale Leben mit seinem Alltag und seine Dauerschleifen aus Schule, Studium, Arbeit, Party- und Musiksessions, wechselnden Freunden und weitläufigen Bekanntschaften. Und bei diesem Suchen ist sie im weltweiten Netz auf uns gekommen. Einen kleinen Konvent von Franziskanerin im Sauerland. Sie hat ganz vorsichtig gefragt, ob sie mal kommen könne. Sie sei aber weder getauft, noch habe sie irgendeinen Kontakt zu irgendeiner Kirche. Ich muss gestehen, dass mich solche Kontakte eher noch neugieriger machen, als ich ohnehin immer schon neugierig auf Menschen und ihre Geschichten bin. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Gott auch seine Freude daran hat, die Neuen Medien zu nutzen, um bei den nach allem möglichen suchenden Usern anzukommen, ohne dass sie es ahnen. Ich bin gespannt. Und ich bitte in den Tagen, bevor diese junge Frau kommt oder auch andere Gäste, bitte ich immer viel um Heiligen Geist. Vom heiligen Hieronymus, den wir mit der Kirche heute feiern, sagt man, dass er eine solche Liebe zum Heiligen Geist und von ihm inspiriert zur Heiligen Schrift hatte, dass er darin immer mehr zu den Quellen des wahren Lebens gefunden hat, zum Dreifaltigen und darin einen Gott. Er gehört zu den großen Kirchenvätern der Antike. Seine Bibelübersetzung ist die bis heute gültige und meist verwendete. Und ganz oft denke ich: Wie sollten wir von Gott und von Jesus Christus wissen, wenn wir nicht jeden Tag in der Bibel lesen und dann versuchen, dieses Gelesene in unseren Alltag hineinzugeben? Und Menschen, die noch nie mit der Heiligen Schrift Kontakt hatten, sind immer wieder ganz erstaunt, dass ganz vieles, was darin steht, so genau ihre Situation beschreibt und ziemlich viele gute Tipps hat für das alltägliche Leben. Vielleicht ist es auch für Sie heute ein guter Tipp, wenn Sie es nicht schon ohnehin tun, jeden Tag morgens oder abends einen Abschnitt zu lesen und zu bedenken und mit der Bitte um den Heiligen Geist meinen Alltag da hineinzugeben.
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„Ach Dankeschön, Du bist ein Engel“, das bekommt man schonmal zu hören, wenn man etwas schnell erledigt, mitgebracht, oder man einen Wunsch erraten und erfüllt hat. Ein Engel ist bei vielen von uns eine Metapher für jemanden, der uns etwas Liebes oder Gutes tut. Mir selbst fällt an diesem Erzengeltag immer gerade ein ganz anderes Bild ein. Es ist eine moderne Installation in Dresden. Es zeigt die beiden Engel, die eigentlich von Raffael zu Füßen der sixtinischen Madonna gemalt worden sind als Lichtinstallation auf dem Semperbau. Und davon hat sich ein anderer inspirieren lassen und ein Video gedreht, in dem die Engel durch Sachsen fliegen. Auf ihrer Reise sollen die Engel die Botschaften und Werte in die Welt tragen, die allen Menschen in diesen Zeiten besonders wichtig sind: Liebe, Hoffnung, Mut, Glaube, Zuversicht, Zusammenhalt, Solidarität. Beim Flug der Engel um das Denkmal von Karl Marx in Chemnitz kann ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen und genauso bei den beiden Kindern, die am Balkongitter stehen und fast genauso aussehen wie die beiden Lausbubenengel, die da leuchtend angeschwebt kommen. Eine nette Spielerei, aber eine ernste Botschaft: Gottes Boten sind in die Welt gesandt, um uns zu fragen: Wer ist wie Gott? Und zuzusagen: Meine Kraft ist Gott und Gott heilt! Und mit diesen Fragen und Zusagen können wir dieses Erzengelfest heute feiern und auf Gottes Kraft und Allmacht und seine heilende Gegenwart vertrauen. Glaube, Hoffnung, Liebe, Mut und Zusammenhalt, Zuversicht und Solidarität brauchen wir Menschen heute wie zu allen Zeiten. Und ich glaube auch, dass Gott uns sendet, um Menschen dieses Vertrauen in seine Kraft zu geben.
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Ich weiß nicht, ob sie es gesehen haben. Gestern ging ein Foto durch alle Medien, dass mehr gesagt hat als eine Million Worte. Dieses Foto war herausgegeben worden durch die Pressestelle der Bischofskonferenz. Es zeigt die 69 deutschen katholischen Bischöfe und Weihbischöfe in ihren schwarzen Anzügen in Fulda auf der linken Seite der Kirche in den Bänken sitzen. Und auf der rechten Seite eine einzige Frau in einer leuchtend grünen Jacke. Beate Gilles, die Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz. Nach ein paar Stunden und vernichtenden Kommentaren wurde das Foto gelöscht. Aber eigentlich zu Unrecht. Denn das Foto zeigt unter den vielen, oft wenig bekannten und auch nicht sehr Wort -oder wirkkräftigen älteren Herren eine jüngere tatkräftige Frau. Eine der vielen starken Frauen in unserer Kirche wird heute gefeiert, die die Art und Weise des Kirchewerdens im 8. Jahrhundert im Frankenreich, also im heutigen mittleren und südlichen Deutschland, sehr geprägt hat - die heilige Lioba. Sie wird in Wessex in England um 705 geboren und einer der Verwandten der Familie ist der spätere Bonifatius, der Apostel der Deutschen. Die Eltern des kleinen Mädchens sind so glücklich über dieses einzige Kind, dass sie es Gott weihen und mit 15 Jahren zur Bildung und Erziehung in ein Benediktinerinnenkloster geben. Um 735 folgte Lioba der Bitte des Bonifatius um ihr Mitwirken; er hoffte, mit den gebildeten angelsächsischen Ordensfrauen sein Missionswerk zu verbessern. Er begann, um Würzburg und in Thüringen Frauenklöster einzurichten, einen Vorposten bildete das Kloster Tauberbischofsheim. Bonifatius berief Lioba zur Äbtissin dieses Klosters und als Leiterin der übrigen von ihm gestifteten Klöster. Besonders widmete sie sich dann der Erziehung von Frauen und Töchtern des Adels. Auch Lioba selber gründete in den folgenden Jahren mehrere Klöster. In Tauberbischofsheim richtete sie eine Klosterschule ein, in welcher der Lehrerinnennachwuchs für die neu gegründeten Klöster seine Ausbildung erhielt. Lioba also, eine kluge und weitsichtige Frau, die Planen und Bauen, Gründen und Lehren, mit Beten und Singen, mit Lesen und Leben aus dem Evangelium verbunden hat. Sie hat ein Werk geschaffen, das bis heute gültig ist: Mädchen und Frauen zu Bildung und Ausbildung zu verhelfen, das umliegende Land zu kultivieren und im Kontakt zu den Herrschern ihrer Zeit als besonders gütig zu dem Armen bekannt zu sein. Sie hat große Klöster gegründet und geleitet und hat in der Kirche ihrer Zeit eine hoch angesehene Stellung. Der heilige Bonifatius hat erkannt, dass nur Frauen und Männer zusammen diese Kirche gestalten und glaubwürdig das Evangelium Jesu Christi zu den Menschen bringen können. Also ist es eher eine gute Idee, dieses Foto mit Frau Gilles zu liken und zu teilen und auf die vielen tatkräftigen Frauen zu verweisen, ohne die unsere Kirche längst verloren wäre.  
3 Minuten
In einem Workshop am vergangenen Samstag, in dem es um das Leben und das Beten eines Eremiten ging, hatte er einen sehr eindrücklichen Vergleich gewählt. Er hatte eine dieser schönen Schalen auf einem Kissen und hat sie dreimal angeschlagen. Es kam ein wunderbarer Wohlklang, und wir konnten mehr als zwei Minuten ganz ruhig dasitzen und dem Klang nachhören. Und dann hat der Eremit diesen Klang beispielhaft als den Klang Gottes bezeichnet. Und dass er es als seine Aufgabe sieht, diesen Klang Gottes in seinem alltäglichen Dasein zu vernehmen und auch für die Mitmenschen deutlich zu machen. So weit, so gut. Eine nette Idee. Und dann? Dann hat er nach und nach Dinge in der Klangschale abgelegt, die er so in den Taschen hatte: das Smartphone, eine kleine Handvoll Kleingeld, einen kleinen Notizblock, zwei Stifte - alles Dinge, die so mit seinem und auch oft mit meinem Alltagskram zu tun haben. Und dann? Dann hat er die Klangschale wieder mit dem Klöppel angeschlagen und es kam nur ein blecherner, dumpfer, extrem kurzer "Plopp". Er konnte anschlagen, wo und wie lange er wollte. Vom göttlichen Wohlklang war nichts zu hören. Erst als der Alltagskram wieder aus der Schale herausgenommen war, konnte der wunderbare Klang wieder erzeugt werden. Nein, nein, keine Angst, wir müssen schon unseren Alltag regeln, unsere Arbeit machen und alles klar kriegen, was so mit dem normalen Leben hier in Deutschland zu tun hat. Aber manchmal zwischendurch, jetzt am Morgen oder in der Mittagspause oder am Abend tut es gut, alles zur Seite zu legen, was uns beschäftigt und die Klangschale unserer Seele anzuschlagen, damit sie den Ton Gottes aufnehmen kann und Leib und Geist und Seele guttut. Gönnen Sie sich das ab und zu oder auch jeden Tag, damit Sie nicht im Alltagskram überbordend beschäftigt und zugedröhnt werden, sondern ganz leicht und klar den göttlichen Wohlklang der Stille wieder vernehmen.
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Dieser Tage hat mich eine Anfrage einer Universität erreicht. Es ging um eine Umfrage zu staunendem Innehalten in Ehrfurcht und Dankbarkeit. Neugierig geworden habe ich mir die Online-Umfrage angeschaut und sie gern ausgefüllt. Es ging also darum, wie oft ich Gefühle großer Dankbarkeit erlebe, ich staunende Ehrfurcht erfahre oder ich stehen bleibe und gebannt die Schönheit eines Augenblicks in der Natur genieße. Und: Ich halte kurz an und dann fällt mir vieles ein, wofür ich wirklich dankbar bin. Ich brauchte bei diesen Fragen nicht lange zu überlegen und konnte in den Kästchen oft oder sehr oft ankreuzen. Und seitdem merke ich, dass ich manchmal mitten am Tag von meiner Arbeit aufschaue oder mitten im Tun anhalte und mir etwas auffällt, woran ich sonst nicht so häufig denke: Oh, ist diese Musik, die ich gerade höre, wundervoll, wie bunt die Bäume mittlerweile sind und von der Sonne zum Leuchten gebracht werden. Wie dankbar kann ich sein, weil ich gesund und munter bin, Mitmenschen habe, die mit mir leben, ein Dach über dem Kopf und alles, was ich zum Leben brauche und noch vieles mehr. Es gibt immer Gründe, die Schwierigkeiten des Lebens mehr zu sehen und den täglichen Sorgen viel mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Aber es tut Leib und Seele gut, wenn wir gelegentlich aufschauen und aufatmen und uns kurz dem Erstaunen und der Dankbarkeit widmen. "Dankbarkeit ist das Gedächtnis des Herzens" hat Jean-Baptiste Massillon gesagt – und ich finde, es ist eine wunderbare Erklärung. Ehrfurcht, Erstaunen und Dankbarkeit werden dem Herzen zugeschrieben und es tut gut, sich immer neu an alles zu erinnern, was im Herzen aufbewahrt ist. Eine gute Übung dazu ist es, sich am Abend kurz Zeit zu nehmen und sich zu fragen, wofür ich heute dankbar sein kann und ob ich drei Dinge finde, die mich dankbar werden lassen. Und dann spüren Sie, dass Sie immer etwas finden werden, wenn sie den Blick für die kleinen und schönen Dinge des Tages geschärft haben.
3 Minuten
Ich möchte mit Ihnen diesen Morgen mit einem Gebet von Papst Johannes XXIII. beginnen. Er betet: „Schmücke mein Herz, Herr, mit Deiner Gegenwart, verwandle es in eine Wohnung für Dich. Du bist der Gast, den ich erwarte, der Freund, der bei mir bleiben soll. Dir, dem ein Palast gebührt, habe ich nur eine ärmliche Hütte anzubieten. Ich schmücke mein Herz mit Sehnsucht und Verlangen. Dann wird der Glanz des Himmels, meine Wohnung erhellen. Mein Haus – die Kathedrale, mein Herz – der Tabernakel. Schmücke mein Herz Herr, mit Deiner Gegenwart, verwandle es in eine Wohnung für Dich!“ Ich kann den Tag sehr verschieden anfangen, mit einem Blick auf das Kreuz und einem Kreuzzeichen. Mit den Gedanken an alles, was heute auf mich zukommt, und dann mit der Bitte an Gott, mir bei allem, was da kommt, zur Seite zu stehen. Mit allen Sorgen und Nöten, die mich schon wieder überfallen, oder wie in diesen Zeilen von Johannes XXIII. mit der Bitte an Gott, in mir zu wohnen. Gast in meinem Herzen zu sein und somit alles ein wenig heller zu machen. Sorgen und Nöte werden damit nicht automatisch kleiner. Aber da ist einer, der es mit mir durchsteht. Freude und Zuversicht werden größer, weil es sich verdoppelt, wenn ich es mit ihm teile. Und die Helligkeit, die mir von Gottes Nähe kommt, strahlt nach außen aus und bringt vielleicht einem Mitmenschen ein bisschen mehr Licht in sein Leben. Und die Sehnsucht und das Verlangen nach Gott und seiner Nähe macht mich unabhängiger davon, dass ich selbst alles allein leisten muss. Denn er steht mir zur Seite. Also bitte ich gern: „Schmücke mein Herz, Herr, mit Deiner Gegenwart, verwandle es in eine Wohnung für Dich!“
3 Minuten
Mögen Sie puzzeln? Ich kann es nicht besonders gut, gebe ich zu, aber ich liebe es, wenn man nach und nach zu sehen, wie ein schönes Bild entsteht. Meine erste Aufgabe ist natürlich immer, die ganzen Randteile herauszusuchen und den Rand zusammenzustecken. Dann hat man einen Rahmen für die ganze Arbeit, sieht die Größe des Bildes und kann schon ungefähr abschätzen, wo welcher Abschnitt des Bildes hinkommt. Bei der Muggelkirmes am Sonntag habe ich ein richtig schönes Puzzle entdeckt und für eine Spende erworben. Es war gut verklebt und schon am Abend haben wir begonnen, es zusammen zu sortieren. Aber dann, das gibt's doch gar nicht, es war nicht ein einziges Randteil in dem Kasten. Was ist das denn? Hat sich da jemand einen Scherz erlaubt und alle Randteile zu Hause aussortiert und weggeworfen? Wir wissen es wirklich nicht. Aber jetzt hat uns der Ehrgeiz gepackt. Also gut, dann ohne Rand, ohne Begrenzung, ohne Markierung, was wo irgendwie passt. Wir haben ja immerhin das Foto auf dem Karton. Mal sehen. Ein bisschen ist es wie im realen Leben. Irgendwie weiß man, wo Grenzen sind, wie der Rahmen aussieht, wie ich mich wo verhalten sollte, was ich wann zu tun habe und was ich auf keinen Fall machen sollte. Das ist grundgelegt durch die Erziehung zu Hause, die Bildung in Schule und Universität, den Glauben an Gott und die zehn Gebote, die Verfassung des Landes, in dem ich lebe und so weiter. "Die Freiheit besteht darin, dass man alles das tun kann, was einem anderen nicht schadet". Dieses Zitat aus den französischen Bürgerrechten von 1789 hat mir immer gefallen, weil es genau das sagt. Ich kann tun, was ich will, solange es einem anderen nicht schadet, solange ich seine Grenzen akzeptiere. Wahrscheinlich ist es heute klug noch einzufügen: solange ich auch mir selber nicht schade, meiner Umwelt und allen, die mit mir auf diesem Planeten leben. Und da wird mir klar, dass ich die Grenzen meines Lebens überhaupt nicht eng ziehen darf, da ich mit den Milliarden Menschen auf diesem Planeten lebe und die Taten jedes Einzelnen Auswirkungen auf das gesamte Leben auf dem Erdball hat. Hmm... also ein Puzzle ohne Rahmen und die Idee, die Grenzen weit auszudehnen, damit wir zusammen leben können auf dieser einen Welt.
3 Minuten
Es gibt so Jobs, die sind nicht sehr angesehen: Müllmänner, Straßenreiniger, Putzfrauen, Servicekräfte und noch viele andere. Man braucht sie sehr, aber man schreibt ihnen nicht unbedingt positive Fähigkeiten und Eigenschaften zu. Zur Zeit Jesu in Palästina waren es die Zollpächter. Sie hatten quasi einen Job bei der Besatzungsmacht und trieben für sie Steuern und Zölle ein. Wahrscheinlich waren sie relativ gebildet und kannten sich mit Rechnungstellung und Rechtschreibung aus. Damit sie besser leben konnten, sagte man ihnen wahrscheinlich nicht zu Unrecht nach, dass sie immer wieder betrogen haben, in ihre eigene Tasche gewirtschaftet und in kriminelle Machenschaften verwickelt waren. Von der dortigen Bevölkerung wurden sie gemieden und geächtet, oder für eigene Machenschaften genutzt. Und mitten hinein in seine gut gehenden Geschäfte kommt Jesus, sieht Matthäus da sitzen und sagt zu ihm: „Komm, folge mir nach“. Und im Evangelium steht dann der lapidare Satz: und er stand auf und folgte ihm. Wir können uns das Drama um diese kurze Szene gar nicht genug ausmalen: So einen beruft der Meister? Ausgerechnet den? Wie kann man nur? Und dann später, als Jesus auch noch mit ganz vielen Zöllnern und Sündern zusammen sitzt und isst und seinen Kritikern sagt: "Ich bin nicht gekommen, die zu berufen, die ihr für die Richtigen haltet, sondern ich bin gekommen, um Sünder zu berufen, damit ihr lernt, was Barmherzigkeit wirklich bedeutet". Das hat gesessen: damals und heute auch. Nicht die High Society in Kirche und Gesellschaft ist die Maßgebende für Jesus, sondern die, die sich selbst für viel zu klein, viel zu unbedeutend, mit viel zu wenig gesehenen Berufen und Fähigkeiten sehen, die genau wissen, was sie schon so alles verbockt haben. „Komm, folge mir nach!“, hören wir und gehören zu denen, denen Jesus mehr zutraut, weil er Barmherzigkeit und Vergebung nicht nur predigt, sondern auch lebt. Im Epheserbrief heute heißt es sehr erhaben: Ihr seid jetzt nicht mehr Fremde ohne Bürgerrecht, sondern Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes. Ihr seid auf das Fundament der Apostel und Propheten gebaut; der Schlussstein ist Christus Jesus selbst. Lasst uns doch einfach so leben.
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Am Sonntag waren hier in Olpe die Muggel los. Nein, nein, keine Angst. Es ging nicht um Harry Potter und die, die nicht zaubern können. Muggel sind hier in Olpe die kleinen bunten Plastiksteinchen, die an diesem einzigen Sonntag im Jahr als Währung dienen. Die Pfarrei hat mit der Muggel Kirmes die 49. Auflage ihres ganz speziellen Kirchweih Festes gefeiert. Ein junger Kaplan hatte vor fast 50 Jahren die Idee, diese Währung einzuführen und ein Fest zu gestalten von Kindern für Kinder in der einen Welt. Fast 500 Helfende bereiten ein riesiges Fest in der Olper Innenstadt vor und es gibt fast 90 Spielstände, bei denen Kinder für ihre Altersgenossen alte und neue Spiele anbieten, die für 2 bis 3 Muggel, also höchstens 0,60 €, gespielt werden können. Dann zwei Bühnen mit Musik und Show, viele Stände mit gutem Essen und Getränken, Schnäppchen und Bücherantiquariate, Losbuden und Schätzübungen. Nach dem Festhochamt mit 50 bunten Luftballons für die 50 Jahre Priestersein von Pater Hugo Scheer, der seit Jahrzehnten in Brasilien für die Armen arbeitet und von Olpe unterstützt wird, war es noch recht trocken und für ein Platzkonzert mit Mittagsimbiss geeignet. Aber um 14:00 Uhr, als die bunte Kirmes eröffnet wurde, kam ein gewaltiger Platzregen herunter und alle Verantwortlichen haben befürchtet, dass die Leute jetzt nach Hause gehen würden. Aber das ist tatsächlich nicht passiert. Manche sind für einige Zeit in die Kirche gegangen, um sich aufzuwärmen und ein bisschen auszuruhen. Aber alle sind geblieben und haben sich nicht stören lassen in ihrer Festfreude. Weil es unentwegt weiter geregnet hat, sollte um 16:00 Schluss gemacht werden. Aber auch das ging nicht. Die vielen Menschen mit ihren vielen Kindern sind einfach geblieben, haben gespielt, getanzt, getrunken, gegessen, gekauft und Lose gezogen und haben zu einem Ereignis beigetragen, das so unglaublich wertvoll ist. Sie haben ein gemeinsames Fest gefeiert, miteinander und füreinander. Im Engagement für die Menschen in Brasilien und Südafrika, um die zu unterstützen, denen es entschieden schlechter geht als uns. Ein beeindruckendes und wunderschönes Statement für ein gelebtes Christsein heute.  
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Am Freitagvormittag war ich in einem unserer Supermärkte zum Einkaufen. Als ich alles zusammen hatte, bin ich an die Kasse gegangen, habe alles aufs Band gelegt und als ich dran war, hat die Kassiererin gesagt: „Bitte die Dame, zeigen Sie noch ihren Korb“, das hab ich gemacht und dann kam: „Bitte die Dame, legen sie die Karte hier auf“, „Bitte die Dame, geben sie die Geheimzahl ein“, „Danke die Dame, hier ihr Beleg“. Ich habe mich ganz irritiert umgedreht, weil ich nicht so genau wusste, ob sie wirklich mich meint. Es war so komisch abweisend und kalt und wie von einer Computerstimme. Noch nie in den letzten Jahren hat jemand „die Dame“ zu mir gesagt und ich war etwas verwirrt wegen dieser Anrede, und erst dann ein bisschen amüsiert. Ein alter Herr neben mir hat dann den Bann gebrochen und gesagt: „Machen Sie sich nichts draus. Ich weiß, dass sie Schwester Katharina sind und der liebe Gott weiß es auch. Das ist genug.“ Alle ringsum haben gelacht und dann habe ich meinen Einkauf zusammengepackt und bin zum Ausgang gegangen. Ich musste schmunzeln über diese ganze Szene und über dir Rettung durch den alten Herrn, den ich aus den morgendlichen Eucharistiefeiern in der Martinuskirche kenne, aber auch seinen Namen nicht weiß. Und ich habe mir fest vorgenommen, jetzt öfter mein Gegenüber beim Gespräch nach dem Namen zu fragen, weil es einfach schöner, freundlicher, persönlicher ist, den Namen zu nennen und dem anderen zu zeigen, dass ich sie oder ihn kenne. Wir sind halt keine Nummern, keine Er/Sie/Es oder m/w/d oder "Eine Dame". Im Buch Jesaja gibt es diese wunderschöne Stelle in der es heißt: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich ausgelöst, / ich habe dich beim Namen gerufen, / du gehörst mir.“ Der alte Herr hat recht: Der liebe Gott weiß, wie ich heiße und wer ich bin und das ist einfach toll und gibt mir einen Superstart in diese neue Woche.  
3 Minuten
Heute Mittag ist die Beerdigung einer unserer alten Mitschwester. Sie war eine sehr liebevolle Frau, die sich ihr Leben lang als Krankenschwester um Kranke, ihre Angehörigen und um die Mitarbeiterinnen auf der Station gekümmert hat. Es wird also ein Requiem geben, danach die Beisetzung, und anschließend das gemeinsame Kaffeetrinken der Beerdigungsgäste und der Schwestern. Und am Montag ist die Beerdigung der Queen, die am 8.9. mit 96 Jahren gestorben ist. Und was tun Ihre Landsleute? Seit vorgestern Abend stehen Sie Schlange. Ja, wirklich. Sie stehen stundenlang in der Schlange, um am Sarg ihrer Königin vorbei zu gehen und ihr die Ehre zu erweisen. Die Vorhersage gestern Abend war, dass es durchschnittlich 30 Stunden dauern wird, bis die Anstehenden den Sarg erreichen und sich kurz verneigen werden. Viele sagen, wir stehen in einer Schlange und es ist urkomisch britisch. Die Schlange ist Meilen hinter uns und Meilen vor uns, aber wir stehen hier einfach alle. Ich glaube nicht, dass es irgendjemanden etwas ausmacht. Und ein 20-jähriger meint ganz gelassen: Sie war irgendwie die Oma Europas. Sie hat 70 Jahre ihres Lebens für ihr Land gegeben und Europa Stabilität gebracht. Da könne man doch mal wohl einiges an Stunden aufwenden, um ihr Respekt zu zollen und Dank zu sagen. Ich finde es ehrlich gesagt in beiden Fällen sehr angemessen, wie mit einer Verstorbenen umgegangen wird. Aber ich bin echt froh, dass Schwester Gertrud eine einfache Franziskanerin war, die zur Ehre Gottes ihren Dienst für die Menschen getan hat. Ich muss nicht viele Stunden anstehen, um ihr Respekt zu erweisen. Ein liebevoller Totenbrief und schöne Geschichten aus gemeinsam Erlebtem haben die gleiche Wirkung: Ehrfurcht und Dankbarkeit. Ein bisschen Traurigkeit, weil sie nicht mehr unter uns ist, und ein Zusammenkommen und an sie denken. Und das alles in der Hoffnung auf die Zukunft bei Gott, an den beide, Schwester Gertrud und die Queen, sehr überzeugt geglaubt haben.
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Am vergangenen Samstag war in Oschersleben in Sachsen-Anhalt ein großes Fest. Drei unserer Schwestern dort im Kardinal-Jaeger-Haus haben ihr 60-jähriges Ordensjubiläum gefeiert. Fast dreißig Jahre ihrer Zeit als Ordensfrauen haben sie in der glaubens- und religionsfeindlichen DDR gelebt und dort durch ihr konsequentes Engagement für die Mitmenschen Zeugnis für Gott abgegeben. Dieses Jubiläum hat natürlich mit einem Festgottesdienst begonnen. Aber die Pfarrkirche St. Marien wird zurzeit saniert und so finden alle Gottesdienste im sogenannten Vereinshaus direkt in der Nähe der Kirche statt. Und das fand ich schon eine Herausforderung. Ein großer Zuschauerraum und eine richtig große, sehr hohe Bühne. Und auf der Bühne der Altar, Ambo, Tabernakel und eine Statue der Gottesmutter. Alles irgendwie weit weg, sehr hoch und die eigentlich Mitfeiernden zu Zuschauern degradiert. In diesem Fall ging es wohl wegen der baulichen Gegebenheiten nicht anders und es bleibt ja eine Übergangslösung, bis die Kirche fertig saniert und wieder der eigentliche Gottesdienstort ist. Manchmal sind aber im normalen Alltag diese Dinge so deutlich: Der Zelebrant da weit weg, vorne und hoch über den Menschen allein am Altar, die Gottesdienstteilnehmenden oft auch von sich aus eher Zuschauer als Mitfeiernde, eine Ordnung in der Kirche von denen da oben und denen da unten. Oft sind wir uns dieser Ordnungen gar nicht bewusst und spüren gar nicht, dass gemeinsam Gottesdienst feiern, etwas ganz anderes sein sollte: Miteinander singen und beten, Gott loben und preisen, auf sein Wort hören und Danksagung begehen, die uns in Brot und Wein und Fleisch und Blut Christi als Gemeinde Gottes stärkt und eint. Vielleicht feiern Sie den Sonntagsgottesdienst an diesem Wochenende mal bewusster so mit und seien Sie nicht ZuschauerInnen, sondern Mitfeiernde und mittendrin im großen Geschehen der Feier von Tod und Auferstehung Jesu Christi, die wir an jedem Sonntag feiern dürfen.
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