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Ambrosius von Mailand, an den die Kirche heute denkt, gehört zu den großen Kirchenvätern, den vier lateinischen Kirchenlehrern der Spätantike. Er war aber zunächst Jurist und im Dienst des Kaisers und ungetauft. Als Politiker und Statthalter des Kaisers war er sehr geachtet, weil er Gerechtigkeit und Milde walten ließ und auf Ausgleich bedacht war. Und weil es damals um die Irrlehre des Arianismus ging, und die Christen in Mailand sehr gespalten waren, eilte er zur großen Versammlung der Christen in der Mailänder Basilika, weil er Tumulte befürchtet hat und ausgleichen wollte. Aber die Christen waren in der Basilika, um den neuen Bischof zu wählen. Und dann fiel die Wahl auf Ambrosius. Ihm hat man zugetraut, in den Richtungsstreitigkeiten der damaligen Kirche zu vermitteln. Er sah sich allerdings in keiner Weise auf ein solches Amt vorbereitet: Er befand sich als Katechumene noch in der Vorbereitung auf die Taufe. Er musste ohnehin erst seinen Dienstherrn fragen, schließlich befand er sich ja in kaiserlichem Dienst, den er nicht ohne Rücksprache quittieren konnte. Erst auf kaiserliche Intervention hin nahm Ambrosius das angetragene Amt an. Innerhalb einer Woche empfing er die Sakramente der Taufe und der Weihe zum Diakon und zum Priester, so dass seiner Bischofsweihe nichts mehr im Weg stand. Das finde ich sehr spannend. Mir ist schon klar, dass sich die Art und Weise der Auswahl und Ausbildung der Kleriker über die Jahrhunderte entwickelt hat. Aber an Ambrosius sieht man sehr deutlich, dass es ja auch heute vielleicht wieder anders gehen könnte. Spannend. Und es gibt von ihm einige sehr interessante Aussagen, die selbst 1600 Jahre später, für das Leben als Christen, immer noch gültig sind. Er sagt zum Beispiel: Wissenschaft ohne Handeln - ich weiß nicht, ob es eher Ballast ist. Oder: Es ist nicht genug, wohlwollend gesinnt zu sein, man muss auch wohltun. Und für unsere Zeit wieder hochaktuell ist die Aussage: Wer Unrecht von seinen Mitmenschen nicht abwehrt, ist ebenso schuldig wie jener, der es begeht. Da haben wir aber echt zu tun. Das könnte Programm sein für mehr als eine Adventszeit.
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Um den Heiligen Nikolaus gibt es wundervolle Legenden und Geschichten, die sich bis heute erhalten haben und ihn so beliebt machen, besonders bei Kindern. Weil sie in den Schuhen vom Vorabend am Morgen köstliche Schokolade, eine Mandarine und einen Tannenzweig finden. Nikolaus gilt als derjenige, der in der frühen Christenheit, die Einheit von Gebet und christlichem Tun so deutlich gelebt hat, dass es die Leute nie vergessen: drei Töchtern eines verarmten Vaters die Aussteuer zukommen lassen, einen Seesturm bändigen, damit die Seeleute glücklich den Hafen erreichen, einen Kaufmann zu überreden, einen Teil seines geladenen Weizens in Myra auszuladen, damit die Stadt nicht verhungert, eine Friedenspetition zu starten, damit die ohnehin bedrohliche Lage zwischen den verfeindeten Städten nicht eskaliert. Von einem heutigen Nikolaus habe ich dieser Tage gelesen. Ein junger Mann, der sehr viel auf TIKTOK veröffentlicht und deshalb sehr bekannt ist, sieht beim Einkaufen eine alte Dame, die als Kassiererin in einem Supermarkt arbeitet und sehr erschöpft aussieht. Er bekommt heraus, dass sie schon weit über 80 Jahre alt ist und noch arbeiten muss, weil sie ihr Haus abbezahlen muss. Das berührt und bewegt ihn sehr und so richtet er ein Spendenkonto für ihr Anliegen ein und in kurzer Zeit haben seine Follower, die fehlenden 160.000 US-Dollar gespendet. Sie kann ihr Haus abbezahlen und sich zur Ruhe setzen. Viele Christen, die heutigen Follower – Nachfolger Christi, wissen um diesen Auftrag, den Menschen mit den Augen Gottes zu sehen und seine Bedürftigkeit erkennen und etwas dafür zu tun. Und manchmal ist es ein entzückend kleines Zeichen: einen kleinen Schokonikolaus in einen Briefkasten werfen, hinter einen Scheibenwischer klemmen, ihn "aus Versehen" an der Ladenkasse für die Kassiererin liegenlassen. Das zaubert Mitmenschen ein Lächeln ins Gesicht und lässt sie für einen Augenblick an die Güte und Liebe unter den Menschen glauben. Und vielleicht heute ganz besonders für die Menschen und die Regierenden in Russland beten, denen Nationalheiliger der Heilige Nikolaus ist.  
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Wir sind in der zweiten Adventswoche und vom schönen Adventskranzansinglied heißt die zweite Strophe: Wir sagen euch an den lieben Advent Sehet, die zweite Kerze brennt. So nehmet euch eins um das andere an. Wie auch der Herr an uns getan. Freut euch, ihr Christen! Freuet euch sehr! Schon ist nahe der Herr. Mir ist in diesen Tagen aufgefallen, dass es in unserem Städtchen tatsächlich dunkler ist als sonst in der Adventszeit. Die Kirchen und andere wichtige Gebäude werden nicht mehr angestrahlt, die Weihnachtsbeleuchtung über den Straßen ist erst gar nicht angebracht worden und in der Innenstadt stehen nur zwei städtische Weihnachtsbäume die, Glanz und Licht ausstrahlen sollen. Strom sparen ist angesagt. Diese zweite Adventswoche macht uns ohnehin deutlich, dass es weniger um Helligkeit und Glanz und Gloria, um Geschäfte und Geschenke gehen muss, sondern? Ja, sondern worum eigentlich? "Nehmet euch eins um das andere an" ist eine Möglichkeit. Dieser Tage waren wir im Kinderhospiz Balthasar zum "Tag der offenen Tür" da ist mir wieder klargeworden, dass es genau das sein kann: Zeit haben zum Geschichten vorlesen, Zeit schenken zum Spielen, Zeit spenden an überforderte Eltern, Zeit dalassen für engagierte Mitarbeiter*innen. Geld spenden ist in Kinderhospizen auch wichtig, weil auch die Geschwisterkinder und Eltern betreut werden, was aber keine Kasse bezahlen will. "Freut euch ihr Christen, freuet euch sehr, schon ist nahe der Herr" singt sich leicht und fröhlich, weil es eine muntere Melodie hat. Freuen wir uns tatsächlich auf den kommenden Herrn, oder ist uns die hölzerne Krippe mit dem niedlichen Krippenkind, die freundlich kniende Maria, der danebenstehende Josef, die leuchtenden Christbäume und die gemütliche Atmosphäre genug?
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Vom ehemaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt gibt es die Aussage: "Wer Visionen hat, der soll zum Arzt gehen!" Hintergrund war eine Anfrage, welche Vision er für die nächsten Jahre in der Politik habe. Eigentlich war klar, was gemeint war: wo soll es hingehen in unserem Land, was wollen wir erreichen, was soll anders, bestenfalls besser werden, wer braucht mehr Unterstützung und was können wir endlich mal sein lassen. Wie ist das denn mit Ihren Visionen für heute früh? Was erwarten Sie an Ihrem Tag, an Ihrer Arbeit, in Ihrer Familie? Wohin soll sie gehen, Ihre Lebensreise? Ach nein, denken Sie vielleicht, solche Ideen und Pläne hatte ich früher, als ich jung war und meine Sturm- und Drangjahre hatte. Aber heute? Visionen? Hm. Aber, wir sind in der ersten Woche des Advent und diese Zeit ist in den biblischen Texten voller Visionen und tollen Ankündigungen: vom Frieden auf Gottes ganzem heiligen Berg, von den wilden Tieren die miteinander weiden, von den Menschen, die nichts Böses mehr tun, von einem Festmahl für alle Völker mit den feinsten Speisen und edelsten Weinen, von den Tränen die für immer abgewischt werden, vom Tod, der für immer verschlungen ist ins Leben, von der Heilung der Blinden und Lahmen, von der Speisung der tausenden Menschen und von dem Vielen, was übrig bleibt für alle. Und was hat das mit mir zu tun? Eine Antwortidee könnte sein: Jesus kann die vielen Menschen satt machen, nachdem er seine Freunde gefragt hatte: wie viel Brote habt ihr? Und sie geschaut und gegeben hatten, was sie hatten. Visionen können in die Gänge kommen, wenn ich gebe, was ich habe, was ich kann, was meine Talente und Möglichkeiten sind. Also doch nicht mit Visionen zum Arzt, sondern mitten unter die Menschen und in meinen neuen Tag!
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Kennen Sie Mario Ferri? Nein? Schade. Er ist Fußballer, spielt in einer unteren Liga und hat eine Leidenschaft fürs schnelle Rennen über Fußballplätze. Das sollte bei seinem Sport normal sein. Ist es aber nicht. Er nutzt das Flitzen, das schnelle Rennen über Fußballplätze um Botschaften rüber zu bringen. Und er hat jetzt die verrückte Weltmeisterschaft in Katar genutzt, um mit seinem 30-sekundigen Lauf die weltgrößte Bühne zu nutzen, die es zurzeit gibt. Dass Katar für seine Menschenrechtsverletzungen bekannt ist, weiß jeder, aber Proteste dagegen werden wüst niedergemacht oder gleich verboten und aus Angst vor Repressionen abgesagt. Dass Russland einen Vernichtungskrieg gegen die Ukraine führt, weiß jeder. Sogar die Russen in Russland kapieren langsam aber sicher, dass sie die ganzen letzten acht Jahre von der putinschen Propaganda getäuscht worden sind und jetzt ihre eigenen Söhne, Brüder, Ehemänner im Krieg umkommen. Aber Protest ist gefährlich in Russland. Und dass im Iran das Mullahregime Frauen wegen nicht korrekt getragener Schleier im Gefängnis umbringt, ist der Auslöser der seit Monaten gehenden Proteste im Land, die dort blutig niedergeschlagen werden. Und dann kommt Mario Ferri ins Spiel. Er schafft es, an den 100 Ordnern vorbei, die nur die Zuschauer beobachten und rennt aufs Feld beim Spiel Portugal gegen Uruguay. Und er bringt es fertig, in dieser kurzen Zeit gleich drei wichtigste Botschaften rüberzubringen. Er schwenkt eine Regenbogenfahne, die das Zeichen für die Gleichheit aller Menschen, egal welcher Religion, Hautfarbe und Orientierung ist. Auf seinem blauen Supermantrikot prangt auf der Brust der Schriftzug: "Save Ukraine“ – rettet die Ukraine, und auf dem Rücken "Respect for Iranian Woman – Respekt für iranische Frauen“. Er stört die Fifa-Katar-Show ziemlich gewaltig und schafft es, dass die Fotos und Videos um die ganze Welt gehen und sehr deutlich Solidarität und Hilfe für die Menschen in den Ländern fordert. Jetzt kennen Sie Mario Ferri und seinen genialen Coup und es ist eine gute Idee, heute in seinen, in diesen so wichtigen Anliegen zu beten und sich zu engagieren.
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Wenn man wartend an der Bahnschranke steht und das Andreaskreuz warnt, auf den Zugverkehr zu achten, denken sicher die Wenigsten dabei daran, warum dieses Kreuz so heißt. Es hat den Namen vom Heiligen Apostel Andreas, der nach der Überlieferung an so einem Kreuz zu Tode gebracht worden ist. Andreas war zunächst ein Jünger Johannes des Täufers und war der erste, der sich entschieden hat, Jesus nach zu folgen. Er hat dann auch seinen Bruder mitgenommen und Jesus nannte diesen Bruder dann Petrus, der Fels. Andreas hat weite Missionsreisen unternommen und muss sehr erfolgreich den Glauben an den Auferstandenen verkündet haben. So erfolgreich, dass es einem Statthalter zu bunt wurde, er ihn gefangen nahm und töten ließ. Im Leben vorher war er ein einfacher Fischer und gehörte zu denen, die offen und bereit waren, ihr Leben für eine bessere Botschaft grundlegend zu ändern und, statt still und stetig auf den See Genezareth zum Fischen aus zu fahren, drei Jahre mit Jesus durchs Land zu ziehen, ihn zu erleben, und so beeindruckt zu sein, dass er sogar Tod und Auferstehung glauben konnte. Und dann hätte er ja zurück gehen können zum See und zu seinem Alltagsgeschäft. Aber als sein Bruder Petrus begriffen hatte, dass es Jesus ist, der sie am See überrascht und ihnen zeigt, dass sie jetzt doch anfangen könnten, wie er, Menschenfischer zu werden, fängt auch Andreas noch mal ganz neu an. Diesmal als Verkünder des Auferstandenen. Manchmal sind es die eigenen Verwandten, die so überzeugend leben, dass es Menschen begeistert und sie auch nach dieser Begeisterung fragen. Und dann kann ein Mensch auch mitten in seinem bisherigen Dasein ganz neu anfangen und sein Leben radikal ändern.  
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Mein Wecker hat einen ziemlich scheppernden Ton und mein Handywecker hat die Melodie vergessen und weckt mich mit dauerndem, tiefem Brummen. Also dreh ich mich um, mache beide Wecker aus und mühe mich, wach zu werden. Da klingt der einladende Hymnus in den Laudes heute aber völlig anders. Da heißt es nämlich: Hört, eine helle Stimme ruft und dringt durch Nacht und Finsternis: Wacht auf und lasset Traum und Schlaf - am Himmel leuchtet Christus auf. Hört doch, da ist kein miesepetriges Brummen und kein schepperndes Erinnern. Da ruft Dich eine helle Stimme, die selbst in unser Alltagsdunkel und in unsere innere Finsternis dringt. Und unmissverständlich ruft, endlich wach zu werden. Manchmal, wenn irgendetwas nicht gelingen will, wenn ich am Computer sitze und mir die Worte nicht einfallen, wenn ich ein Gespräch habe und den Ausweg aus dem Drehen um immer das gleiche Thema nicht finde, dann wünsche ich mir einen Augenblick des Wachseins – des Aufmerkens, Aufrichtens, Durchatmens und neu Denkens. Traum und Schlaf lassen ist notwendig, wenn ich aus den Tagträumen raus muss, wenn ich nicht weiter schläfrig durch den Tag wandeln, sondern wach und aufmerksam in die Aufgaben des Tages kommen will. Aber in unserer Strophe gibt es einen ganz anderen Grund für die Mahnung Traum und Schlaf hinter sich zu lassen. Da steht knapp und lapidar, aber in voller Überzeugung: am Himmel leuchtet Christus auf. Er wird kommen und er wird ganz sicher kommen. Dies ist der Hoffnung lichte Zeit; der Morgen kommt, der Tag bricht an: Ein neuer Stern geht strahlend auf, vor dessen Schein das Dunkel flieht. Das singt die zweite Strophe und will in uns die Hoffnung für die Tage des Advents geben. Das Licht das aufgeht, wenn ein Stern am nächtlichen Sternenhimmel aufgeht hat früher den Seeleuten geholfen, ihr Schiff sicher in den Hafen zu navigieren. Lassen wir uns durch die Ankündigung des kommenden Christus Navigationshilfe geben, damit wir, wenn wir wach geworden sind, auch den richtigen Weg und das richtige Ziel ansteuern – das Leben vor Gott und für seine Menschen.
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Von Norbert Copray habe ich eine Adventsvariation gefunden, die mich beeindruckt. Er schreibt: Da kommt ER und ich übersehe ihn Da geht ER auf mich zu und ich bin verschlossen. Da klopft ER bei mir an und ich verschlafe ihn. Da tritt ER bei mir ein und ich bin außer Haus. Da wohnt ER bei mir und ich werfe ihn raus. Da will ER sich mir mitteilen und ich schneide ihm das Wort ab. Da wartet ER auf mich und ich zeige ihm den Rücken. Da lässt ER Geschenke zurück und ich vergrabe sie. Da hat ER unendlich viel Zeit und ich bin nicht zu sprechen. Da bringt ER Ruhe und ich bin zerstreut. Da kommt ER und ich sehe nur mich. Solange ER immer noch kommt, immer wieder kommt, kann ich was ändern! Besser kann man diese Einladung nicht sagen. Advent ist jedes Jahr aufs Neue eine Einladung an uns, neu mit Gott zu beginnen. Ihn nicht übersehen, mich ihm nicht verschließen, sein Kommen nicht verschlafen sondern da sein, ihn nicht aus meinem Leben hinausdrängen sondern die Tür öffnen, ihm nicht das Wort abschneiden sondern zuhören, ihm nicht den Rücken zukehren sondern das Herz, seine Gaben nicht vergraben sondern annehmen und nutzen, nicht in Hektik zu vergehen sondern mich von seiner Ruhe einladen lassen. Und immer neu Hoffen, dass ER unser Gott immer noch kommt und wir etwas ändern können: im Leben, im Glauben und in der Erwartung auf sein Kommen.
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"Barbara mit dem Turm, Margareta mit dem Wurm, Katharina mit dem Radl sind unsre drei heiligen Madln." - Diesen Spruch fand ich immer witzig und konnte mir damit merken, wer die drei Frauen unter den Vierzehn Nothelfern waren. Unter diesen Vierzehn Nothelfern, die auf vielen Altären in Kirchen verehrt werden, ist die Hl. Katharina von Alexandrien, an die wir mit der Kirche heute denken. Sie galt in ihrer Zeit als so gelehrt und klug, dass sie bis heute Patronin der Philosophen und manch anderer Wissenschaften ist. Ob sie wirklich gelebt hat, oder ob sie eine Kultfigur ist, an deren Beispiel die Glaubenstreue und das Martyrium vieler Christen deutlich werden sollte, weiß man nicht so genau. Meine Oma Katharina war eine große Verehrerin ihrer Heiligen. Aber auch bei meiner Oma wurde deutlich, was es heißt, in schlimmen Zeiten treu zum Glauben und zu Gott zu stehen. Vor den Nazizeiten hatte sie geheiratet und sechs Kinder bekommen. Im Krieg musste sie zusehen, wie sie ihre Kinder zusammenhielt und nicht an die Nazis verlor, was sie auch sehr energisch als ihre Aufgabe gesehen hat. Ihr Mann war als Lokführer unentwegt unterwegs und in den Kriegsjahren an der Front. In den Jahren des Sozialismus nach dem Krieg, in der Sperrzone zur Westgrenze, in der sie leben musste, mit all den Einschränkungen, die den Katholiken in der DDR auferlegt wurde: Sie ist unerschütterlich gläubig und fromm geblieben. Immer den Rosenkranz in der Schürzentasche hat sie nicht viel Aufhebens um ihren Glauben gemacht. Sie hatte beide Beine standfest auf der Erde, tatkräftige Arme bei allen, die ihre Hilfe gebraucht haben und das Herz beim lieben Gott, wie sie ihn genannt hat. Zwei Kinder sind vor ihr gestorben und ihren Mann, der sehr cholerisch war, hat sie bei seiner Krebserkrankung in Geduld bis zum Ende gepflegt. Sie ist für mich eine der modernen Heiligen Katharinas, die es zu allen Zeiten gegeben hat und die uns, die wir in etwas ruhigeren Zeiten leben, immer noch Vorbild sein können.  
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Ab 2015 im Sommer hatten wir im Konvent eine geflüchtete ägyptische Familie bei uns. Sie waren und sind koptische Christen und mussten unter der Regierungszeit der Muslimbrüder in Ägypten fliehen, da sie nicht zum Islam konvertieren wollten. Dreieinhalb Jahre haben Mutter, Vater und die beiden Jungs bei uns gelebt. Es waren wunderbare, stressige, vielfältige Jahre mit allem, was die Sorge für Geflüchtete so ausmacht: Schule und Kita für die Kinder, Sprachkurse für die Eltern, unglaublich viele Behördengänge für alles und Jedes, immer wieder Angst, dass die Erlaubnis zum Bleiben nicht verlängert wird, Krankheiten, eine Ausbildung, die abgebrochen werden musste, Probleme in der Ehe, der pubertierende Sohn und so weiter. Seit drei Jahren haben sie eine eigene Wohnung, die Jungs kommen in der Schule supergut klar, haben Freunde und Hobbies, die Eltern haben feste Anstellungen in passenden Berufen und brauchen keinerlei Hilfen mehr. Und am Sonntag waren sie, rein zufällig in der Nähe und wir haben sie reingebeten und einen köstlichen Kaffeeklatsch zusammen sehr genossen. Der Kleine hat einen Muffin nach dem anderen gegessen, wo er doch früher immer nach einem halben Plätzchen satt war, Papa hat seine Krankheiten überwunden und ist fit und gesund, der große Sohn achtet auf sein Outfit, seine Frisur und seinen Body und ist ein höflicher, freundlicher junger Mann geworden, und die Mama ist froh und glücklich über alles, was sie zusammen geschafft haben und ist stolz auf ihre drei Männer und alles, was sie fern der Heimat erreicht haben. Ja es war viel Arbeit auch für uns Schwestern mit allem, was so dranhing und wir haben manches Stoßgebet zum Himmel geschickt, wenn mal wieder alles schief zu gehen drohte. Aber sie jetzt so zu sehen, die es geschafft haben, ein unglaubliches, verfolgtes und nicht mehr lebbares Leben hinter sich zu lassen, völlig neu anzufangen in einem Land, dessen Sprache sie nur von ein paar Kursen an der Uni kannten, das ist schon wirklich schön. Und wir sind auch ein bisschen stolz und zufrieden, wenn wir sie erleben und fühlen uns ein bisschen wie die Omas, die wir altersmäßig ja waren, die mit der Entwicklung ihrer Enkel sehr zufrieden sind. Es lohnt sich immer, sich für Menschen einzusetzen, die eine Heimat, Geborgenheit und liebende Herzen suchen und finden möchten.  
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Ja, ich bin enttäuscht. Dreifach enttäuscht. Das Ergebnis der Klimakonferenz in Ägypten ist blamabel wenig und wird unseren fiebererhitzten Planeten nicht abkühlen. Die vatikanischen Behörden in Rom haben versucht, den deutschen Bischöfen weiszumachen, dass nur in Deutschland all diese vielen Probleme mit den Frauenrechten in der Kirche, den massenhaften Missbrauchsgeschichten durch Priester, der Missachtung der anderen sexuellen Orientierungen gibt und wollte erreichen, dass durch ein Moratorium der Synodale Weg gestoppt wird. Bei der Fußball-WM gab es heiße Debatten um die Kapitänsarmbinden mit der Aufforderung, dass EINE Liebe alle Menschen einen könne. Und auf Druck der katarischen Machthaber und der FIFA haben sich die europäischen Fußballverbände dem Druck gebeugt und nachgegeben. Enttäuscht sein bedeutet ja, dass da eine Täuschung vorlag, die aufgedeckt wird und man dann zum Kern vordringt, der vorher zugedeckt war. Die Täuschung bei der Klimakonferenz war, dass viele denken, dass das Thema alle einen würde und sie stattdessen feststellen, dass die Gas- und- Öl- und Kohlelobby die Macht hat und nicht im geringsten an Klimaschutz denkt. Die Täuschung im Vatikan besteht darin, dass die alten Herren denken, dass sie mit ihrer scheinbaren Macht Reformen aufhalten können, die in der ganzen katholischen Welt drängend notwendig sind und überhaupt nicht nur in Deutschland angegangen werden. Die Täuschung bei der Fußball-WM besteht darin, dass viele dachten, der Weltverband würde sich an seine eigenen Regeln halten. Aber er nutzt seine Macht, duckt sich vor dem Regime in Katar und stellt Spielern und Fußballverbänden Ultimaten, die sie nicht umgehen können. Und was hilft uns jetzt am Mittwochmorgen gegen diese Enttäuschungen? Ich finde, es gab in allen drei Enttäuschungsgeschichten wunderbare Gegenbeispiele, die sich nicht der scheinbar ausweglosen Macht der anderen beugen. Die vielen tausend Delegierten der Weltklimakonferenz haben entdeckt, dass sie unendlich viele Möglichkeiten haben, in ihren Ländern etwas zu ändern und fuhren tatsächlich voll Mut und Zuversicht nach Hause. Die deutschen Bischöfe haben sich in übergroßer Mehrzahl gegen das Verbotsmemorandum gestellt und so den weiteren Synodalen Weg gerettet. Die Spieler der Fußballnationalmannschaft des Iran, des aggressiven Regimes, das massiv und tödlich gegen die Demonstranten im eigenen Land vorgeht, diese Spieler haben beim Abspielen der Nationalhymne geschwiegen, obwohl ihnen bei der Rückkehr in ihr Land Böses droht. Man kann gegen scheinbar übermächtige Machthaber tatsächlich etwas tun. Man kann den eigenen Enttäuschungen kraftvolle Zeichen entgegenstellen und man kann Ermutigungsgeschichten selbst in vielem Üblen finden und selbst schreiben.  
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"Singen ist uncool" und "Chorsingen macht Spaß": Zwei Aussagen dieser Tage von jungen Leuten. Wenn wir Mädchentreffen oder Mädchenwochenenden haben, wird immer gern und viel gesungen und Musik gemacht – aber im Gottesdienst mit manchmal 1000 Schülerinnen und Schülern singen gerade so die Fünftklässler mit. "Musik wüscht den Staub des Alltags von der Seele", heißt es zwar, aber Jugendliche haben Angst sich zu blamieren, wenn sie zeigen, dass ihnen gottesdienstliche Lieder und Gesänge gefallen. Heute ist der Tag der Heiligen Cäcilia, einer frühchristlichen Märtyrerin, die zur Patronin der Kirchenmusik ernannt worden ist. Warum eigentlich, ist nicht so ganz klar. Wahrscheinlich ein Übersetzungsfehler in einer der Heiligenlegenden. Aber unendlich viel Chöre und Sängerfeste tragen ihren Namen und machen ihr alle Ehre. Liturgie ohne Musik, Gottesdienste ohne Gesang, Stundengebete ohne Orgel? Wir haben es in den Hochzeiten der Coronapandemie erlebt und es war nicht schön. Es geht einfach nicht. Sie kennen das doch auch: wenn in einer vollen Kirche ein brausendes Orgelspiel oder ein vielstimmiger Chor klingt, bekommen wir schon mal Gänsehaut – weil es so schön ist, weil es uns packt. Nach einem Benefizkonzert haben vier Chöre mit allen Besuchern ein Lied zum Schluss gemeinsam gesungen und man konnte ringsherum sehen, dass manche Leute Tränen in den Augen hatten. Göttlich schön. Viele Bereiche unseres Inneren werden durch Musik und Gesang erst erreicht, wo Worte kaum etwas auslösen. Meine Oma kannte die Weisheit: "Gesang ist doppeltes Gebet", weil eben nicht nur Verstand und Mund zusammenklingen sondern Herz und Seele und der ganze Körper. Und dann ist es egal wo wir singen: unter der Dusche oder im Stadion, bei Konzerten oder Parties, auf dem Heimweg von der Kneipe oder im Gottesdienst: singen tut gut, ist manchmal doppeltes Gebet und wäscht den Staub des Alltags von der Seele.  
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Unsere deutsche Provinz trägt den Namen einer der Lieblingsheiligen in Ungarn und Deutschland: Elisabeth von Thüringen. Also haben wir am Abend vor dem Fest viele schöne Rosen gebacken, um sie am Festtag den Schwestern im Mutterhaus zum Geschenk zu machen. Diese schöne Legende zeigt ein eigentlich hartes Geschehen. Elisabeth, die Landgräfin auf der Wartburg war Witwe geworden und hatte drei kleine Kinder. Ihr heißgeliebter Gatte war auf dem Weg zum Kreuzzug ums Leben gekommen. Er hatte früher relativ schnell verstanden, dass seine Frau nicht anders konnte, als den Armen und Bedürftigen von ihrem Reichtum abzugeben und hat sie teilweise gewähren lassen und sie teilweise sogar aktiv unterstützt. Nun war sie allein mit einem landgräflichen Hof, der sie nie verstanden hat und mit einem Schwager, der sie lieber heute als morgen loswerden will. Wie immer läuft sie zu Fuß von der Burg herunter in die Stadt Eisenach, unterm Mantel einen Korb voll Brot. Und da lauert ihr Schwager ihr auf und fragt scheinheilig nach, was sie denn unterm Mantel habe. „Rosen“ ist ihre Antwort. Und er schlägt den Mantel zurück und sieht einen Korb voller wunderbarer roter Rosen. Mir erzählt diese schöne Legende für heute davon, dass es sehr oft mehr als kompliziert ist, die Dinge zu tun, die dran sind: sich um Flüchtlinge kümmern, die Obdachlosen vor dem Winter ausrüsten und versorgen, sich um die Mütter und Kinder zu kümmern, die niemanden haben, bei den Tafeln und Warenkörben genügend Lebensmittel zu besorgen, damit arme Menschen über die Runden kommen. Manchmal ist dann ein wunderbares Lächeln eine Rose, die mir geschenkt wird und noch häufiger empfinden auch die vielen Helfenden, dass ihre Hilfe mehr ist als Brot zum Überleben, sondern rosenduftende Liebe, die denen zu Gute kommt, die oft einsam und allein in Sorgen leben müssen. Rosenduftende Liebe weitergeben ist eine gute Idee für diese neue Woche, der letzten Woche vor dem Advent.  
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Am Dienstag war ich zu einer Abendveranstaltung im Sauerland mit dem Titel "Bedenkenswertes bei Bier und Brezel". In einer Schützenhalle waren Tische aufgebaut und Getränke standen bereit und Körbe mit Brezeln und Nüsse zum Naschen. Viele Menschen hatten sich an den Tischen niedergelassen um miteinander zu hören, zu reden, abzustimmen aber auch zu trinken zu essen und Nüsse zu knacken. Und das war auch angesagt, das Nüsse knacken: der Untertitel des Abends hieß nämlich "Kirche der Zukunft oder Kirche ohne Zukunft" Zwei ReferentInnen und eine Moderatorin haben von der Bühne aus dem Abend viel Bedenkenswertes gegeben. Eine Teilnehmerin an den Synodalversammlungen hat noch einmal sehr eindrücklich und anhand klarer Fakten und Abläufe erklärt, wie es zum synodalen Weg gekommen ist und weshalb das Entsetzen so groß war, als ausgerechnet die Bischöfe, die das Zentralkomitee der Katholiken dafür um Hilfe gebeten hatten, nun einen der wichtigsten Texte durchfallen ließen. Ich konnte ihre Enttäuschung, ihre Leidenschaft für die vielfältigen Themen und ihre Emotionen mit Händen greifen. Und es war richtig gut, mal nicht aus der Presse davon zu hören, sondern von einer engagierten Teilnehmerin. "Synodaler Weg – letzte Chance?" ist ihre bange Frage an die Gläubigen in unserem Land. Der zweite Referent hat anhand einiger prägnanter Beispiele das Bild einer Kirche entwickelt, die sich geistlich erneuert, offen für inspirierende Erfahrungen ist und bereit ist, auch unkonventionelle Wege zu gehen. "Kirche neu Er-finden" ist sein Vorschlag und ich habe ihn als muntermachenden Hoffnungsmenschen erlebt, der die Kirche liebt und sich in ihr einbringt, damit das Evangelium, die frohe Botschaft unseres liebenden Gottes weitergetragen wird und nicht im Drehen um die eigenen Dauerprobleme untergeht. Zu Beginn und zum Ende des Abends gab es je einige Fragen an die Teilnehmerinnen, die über ein Internetportal direkt beantwortet werden konnten. Die Frage nach dem Gedanken über einen Kirchenaustritt wurde vorher und nachher gestellt. Und die Zahl hatte sich nicht geändert. Vielleicht aber, und dass ist auch meine Hoffnung, die Bereitschaft, miteinander ins Gespräch zu kommen mit denen, die Lust haben zu bleiben und trotz allem an Gott und seine Kirche glauben.
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In den Klöstern und anderen Schwesterngemeinschaften musste man immer viel Phantasie haben, bei der Wahl des Vornamens. Da sich die Schwestern untereinander und auch in der Öffentlichkeit mit ihren Vornamen ansprechen, darf es jeden Namen nur einmal geben, sonst gibt es Durcheinander. So gibt es zum Beispiel die heutigen Namenstagsschwestern: Sr. Gertrud, Sr. Gertrude, Sr. Gertrudis und Sr. Gertraud. Ihre Namenspatronin ist die Frau, an die wir heute besonders denken: die Heilige Gertrud von Helfta.  Ein wunderbares Wort von ihr gefällt mir besonders gut. Sie sagt: "Gott ist höher und tiefer als alle Erkenntnis; nur die Liebe erreicht ihn." Das Kloster Helfta wurde 1229 gegründet und bestand gut 300 Jahre. Darin gab es eine hohe Blütezeit, weil die Äbtissin Gertrud von Hakeborn ihren Schwestern ein hohes Maß an Bildung und Ausbildung zukommen ließ. Sie hat großen Wert daraufgelegt, dass Theologie, Naturwissenschaften und Musik gelehrt wurden. Ihr war sehr klar, dass ohne Vernunft auch der Glaube verloren gehen würde und so brachte ihre Klosterschule viele sehr wissenschaftlich und geistlich hochgebildete Frauen hervor, die in ihrer Zeit die Seelsorge im Umfeld und die Bildung und Erziehung geprägt haben. 450 Jahre nach der Auflösung des Klosters, wurde es 1999 wieder besiedelt und 8 Zisterzienserinnen leben, beten, schweigen und arbeiten dort und geben Zeugnis für die Größe Gottes. Mich beeindruckt immer wieder, dass einzelne Menschen durch ihr Leben, ihren Glauben ihre Art der Gottesbeziehung, über Jahrhunderte bekannt waren und es immer neu Nachfolgerinnen und Nachfolger gibt, die sich trauen, wieder neu anzufangen. Wenn wir im Moment so viele Probleme in unserer Kirche haben tut es schon mal gut, auf die großen Frauen zu schauen, die in ihrer Zeit Vernunft und Glauben verbunden und sehr selbständig ihre großen Klöster geleitet und ganze Glaubensepochen mit ihren Schriften geprägt haben.  
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