Morgenimpuls Archiv
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Dieser Tag, der Tag der unschuldigen Kinder beginnt mit Angst. Die Angst des Königs Herodes vor einem angekündigten neuen König. Nein, er hat keine Angst vor einem Säugling, aber er hat Angst, irgendwann einmal seine Macht abgeben zu müssen. Und er reagiert, wie viele Diktatoren vor und nach ihm. Er lässt morden. Um auch ja diesen Säugling zu erwischen, lässt er alle Säuglinge und Kleinkinder in Bethlehem und Umgebung umbringen. Sie können nichts für die Angst eines Königs und haben von dem neugeborenen König noch nichts gehört. Sie können sich nicht wehren, aber die Nachricht von ihrem Tod ist bis heute bekannt und dieser Tag wird begangen als ein Tag für alle, die um ihr Leben gebracht worden sind, weil sie diesem Gott, der als schutzloses Kind auf die Welt gekommen ist mehr geglaubt haben, als einem ängstlichen aber machtvollen König oder Diktator. Macht abgeben muss man auch lernen. In Klöstern gibt es dazu genau am heutigen Tag eine sehr schöne Tradition. Am Fest der unschuldigen Kinder ist immer die jüngste Schwester oder Novizin, oder der jüngste Bruder oder Novize für einen Tag der Klosterobere. Sie oder er bestimmt die Abläufe und die Gebetszeiten, was mittags auf den Tisch kommt und wie die gemeinsame Rekreation begangen wird. Und sie kann die Mitschwestern auf andere Arbeitsbereiche schicken und noch ganz andere Dinge anordnen die vielleicht neu und frisch und fremd und ungewöhnlich sind. Die Konventoberin muss sich fügen und für einen Tag auf die Jüngste hören und ihre "Macht" in Anführungsstrichen abgeben. Das ist eigentlich ein netter Spaß und keine ernsthafte Sache. Aber in vielen Ordensregeln steht tatsächlich, dass zu wichtigen Entscheidungen auch immer die jüngsten Mitglieder befragt werden sollen, die normalerweise in den ersten Jahren noch kein Stimmrecht haben. Es ist eine gute Idee doch auch in der Familie oder an der Arbeitsstelle mal die jüngsten, die, die neu angefangen haben oder die Auszubildenden zu fragen. Dann gibt es vielleicht frische neu Ideen. Auch in unserer Kirche wäre das eine gute Übung: nicht der Bischof hätte das entscheidende Wort zu sagen, sondern der jüngste Firmling? Es würde spannender werden und neu.
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Die Kirche feiert heute einen Apostel, der gleich mehrere Funktionen hat. Als Apostel und Evangelist wird Johannes gleichermaßen bezeichnet. Dann gibt es aber auch noch eine Bezeichnung, die viel über seine Person aussagt. Johannes war der Lieblingsjünger Jesu und wohl auch der treueste. Er stand als einziger von den Zwölf zusammen mit Maria unter dem Kreuz Jesu, während die Anderen vor lauter Angst Reißaus genommen hatten. Er war es auch, der bei der Auferstehung als erster von den Zwölf am leeren Grab angekommen war, aber dann doch dem Petrus den Vortritt ließ. Ich finde diese Geschichte vom Wettlauf der Jünger zum Grab, die das heutige Evangelium erzählt, einfach toll. Johannes ist schneller als Petrus, lässt diesem aber aus Respekt den Vortritt. Allerdings kann sich Johannes doch nicht verkneifen, wenigstens kurz reingeschaut zu haben, bevor der Chef-Apostel selbst die Lage in Augenschein nimmt. Aber dann, nachdem Petrus alles ordnungsgemäß inspiziert hat, geht auch Johannes in das Grab hinein. Und dann heißt es am Ende des Textes nur noch: "Er sah und glaubte". Die Liebe glaubt, das Amt bestätigt, könnte man als Resümee mit einem gewissen Augenzwinkern sagen. Überhaupt scheint Johannes seinem manchmal etwas begriffsstutzigen Apostel-Kollegen etwas auf die Sprünge helfen zu müssen. Bei einer der Erscheinungen Jesu nach seiner Auferstehung erkennt ihn zunächst keiner von seinen Jüngern – bis dann Johannes den Petrus anhaut und ihm sagt: "Es ist der Herr!" – Die Liebe erkennt also. Aber sie behält es auch nicht für sich, sondern lässt andere an der Erkenntnis teilhaben. Ich habe manchmal den Eindruck, dass wir Christen mehr mit Jammerei und Nörgelei beschäftigt sind, als die Freude weiterzugeben, die doch eigentlich unseren Glauben ausmacht. "Wovon das Herz voll ist, davon spricht der Mund" – Und deshalb sagt Johannes auch zusammen mit Petrus vor dem Hohen Rat, dass sie unmöglich über das schweigen können, was sie gesehen und gehört haben. In diesen Tagen der Weihnachtszeit lesen wir in der Heiligen Messe aus dem ersten Johannesbrief. Ganz gleich, ob dieser Lieblingsjünger Johannes diesen Brief nun wirklich geschrieben hat oder nicht. Aber er passt wunderbar in dieses Bild eines gläubigen Christen, der etwas unglaublich Schönes gesehen und erlebt hat und dieses Erlebte nun weitergibt. Versuchen wir als Getaufte doch einfach mal in dieser Weihnachtszeit, uns daran ein Beispiel zu nehmen. Geben wir das weiter, was uns erfüllt und Freude bereitet.
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Der Profifußballer Amir Nasr-Azadani ist von einem üblen Schicksal bedroht. Dem ehemaligen U21-Nationalspieler Irans, der zuletzt beim iranischen Zweitligisten Iranjavan FC unter Vertrag stand, wird unter anderem "Aufruhr gegen die Behörden" und "Krieg gegen Gott" vorgeworfen. Er hatte sich solidarisiert mit denen, die gegen das Mullahregime protestiert haben. Weltweit sind zur Zeit mehr als 340 Millionen Christinnen und Christen einem hohen bis extremen Maß an Verfolgung ausgesetzt. In mehr als 74 Ländern wird ihnen durch ihre Regierungen, extremistische Gruppierungen oder religiöse Führer das Recht auf freie Religionsausübung von der jeweils anderen Religion verweigert. Krieg und Verfolgung im Namen Gottes? Stephanus, der erste der sieben Diakone der jungen Kirche, kümmert sich um die Versorgung der Witwen und um die Verkündigung des Evangeliums in Jerusalem. In einer Predigt berichtet er von einem Bild, das er deutlich sieht: "Ich sehe den Himmel offen und die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen". Und sofort wird er als Gotteslästerer empört umringt und von der aufgebrachten Menge vor den Stadttoren - nach der Überlieferung beim Damaskus-Tor – gesteinigt und ermordet. Krieg gegen Gott? Nein, es ist kein gemütlicher Feiertag, dieser zweite Weihnachtstag in Erinnerung an den Heiligen Stephanus. Schon ganz früh wird deutlich, dass es Konsequenzen hat, wenn man diesem Jesus von Nazareth nachfolgt und ihn verehrt. Dieser holde Knabe im lockigen Haar, den wir so romantisch besingen, wird zur Lebensherausforderung für uns, die wir getauft sind auf diesen Vater Gott, seinen Sohn Jesus Christus und den alles verbindenden Heiligen Geist. Hier bei uns ist es nicht lebensgefährlich Christ zu sein. Machen wir unser Bekenntnis zu Christus zum lebensrettenden Einsatz für die verfolgten Christen – im Gebet und im Einsatz, wo es uns möglich ist.
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Haben Sie den "kleinen Lord" gesehen? Der Film kommt jedes Jahr vor dem Heiligen Abend zur besten Sendezeit im Fernsehen. Wir schauen ihn jedes Jahr, wenn auch diesmal in der Mediathek und auch unsere brasilianischen Mitschwestern kannten ihn von Zuhause. Was finden wir so toll an diesem Weihnachtsfilm, der nach einem Kinderbuch von Frances Burnett verfilmt worden ist? Es ist diese Geschichte vom unbefangen, an das Gute im Menschen glaubenden Jungen, der, von seiner Mutter gut erzogen, seinen Großvater kennenlernt und ihn für den besten Großvater der Welt hält. Er erlebt ihn als griesgrämigen Alten der keine Freude mehr am Leben hat, seine Untertanen terrorisiert und aus diesem Enkel, den er notgedrungen zu seinem Nachfolger machen muss, die gleiche Sorte Mensch machen will. Aber der Junge hat ein gütiges Herz, sieht Not und Leid der Menschen in der Umgebung, entschuldigt manches, was er nicht versteht und nimmt die Menschen in der Umgebung so wie sie sind. Und wir können im Film die Wandlung des Alten Herrn miterleben: vom Griesgram zum lächelnden gütigen, verstehenden, aufblühenden und seine Fehler und Schwächen Erkennenden. Er schämt sich seiner Hartherzigkeit und versucht wieder gut zu machen, was er all die hoffnungslosen Jahre angerichtet hat. Wir sind mit glücklich, wenn die Geschichte um den falschen Enkel gut ausgeht, der Großvater sogar seine Abneigung gegen die amerikanische Schwiegertochter aufgeben kann und alle laut und glücklich am Weihnachtsabend zusammensitzen: der Herr und die Knechte, der Pfarrer und die Leibeigenen, die Bediensteten und der kleine Lord in der Mitte. Nirgendwo ist die Weihnachtsbotschaft unaufdringlicher und schöner dargestellt: das Kind, das die Großen dazu bringt, zusammen zu kommen, miteinander zu feiern und zu teilen, was sie haben. Und beim Fest sind alle gleich: arm und reich, begabt und begrenzt, fromm und eher nicht so. Und ein bisschen sind wir berührt, weil wir ahnen, dass es oft bei uns selbst nicht so ist, es aber so sein könnte. Und das macht uns Hoffnung. Dieses Kind, das geboren wird und dessen Fest wir bald feiern, kann es schaffen, dass wir uns neu ausrichten: zu uns selbst, zu unserem Nächsten und zu Gott.
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Kennen Sie das auch, dieses Gefühl, dass die Zeit so unglaublich schnell vergeht. Und ich meine beim Advent ist das erst es recht so! – Obwohl es die längste Adventszeit ist, in diesem Jahr mit seinen fast vier Wochen. Trotzdem neigt sie sich dem Ende zu und übermorgen Abend feiern wir schon die Heilige Nacht und Weihnachten. Ich habe mich gefragt, was mir in diesem Advent 2022 an bestimmten Worten oder auch Bildern besonders hängen geblieben ist. Und dieses Mal war das irgendwie der Prophet Jesaja, den wir ja an jedem der Adventssonntage in der Messe zu Gehör bekommen haben. Diesmal war es das beeindruckende Bild von der Wüste, das mir besonders nachhaltig im Kopf und im Herzen geblieben ist. Zum einen dachte ich an die unendliche Wüste von Schmerz und Tod, die dieser furchtbare Krieg in Osteuropa, in der Ukraine hinterlassen wird und schon hinterlässt! Eine Wüste des Grauens – die täglichen Bilder in den Nachrichten erschrecken mich immer noch und immer wieder! Und die weiteren, fast schon vergessenen Kriege im Jemen und die Verfolgungen in vielen anderen Ländern. Aber es gibt ja auch andere Wüsten in unserem Alltag: Die Wüste, die eine Krankheit bringt, die Wüste der Einsamkeit oder auch die Wüste der tiefen Trauer. Und da, mitten hinein spricht der Prophet: "… Jubeln werden die Wüste und das trockene Land, jauchzen wird die Steppe und blühen wie die Lilie. Sie wird prächtig blühen und sie wird jauchzen, ja jauchzen und frohlocken…" Was für ein Bild, was für ein Kontrast, den der Prophet da zeichnet! Und ich kann Gott nur heute und auch in der Heiligen Nacht darum bitten, dass dieses Wunder der Menschwerdung Gottes auch in meinem Leben dafür sorgen mag, dass in einer Wüste des Lebens etwas blüht und dass ich selber mit dafür Sorge tragen kann, dass die Wüste eines anderen Menschen wieder lebenswert wird.
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Der Glaube der Menschen an den menschgewordenen Sohn Gottes war immer mehr zurückgegangen und wurde von vielen gläubigen Christen und hochgelehrten Theologen vehement abgelehnt. Und genau in dieser Zeit, will Franziskus von Assisi das Weihnachtsgeschehen so feiern, dass man es fühlen, spüren und neu glauben kann. Johannes von Greccio berichtet aus dem Winter 1223: Franziskus habe den Wunsch gehabt, das Gedächtnis an jenes Kind [...], das in Bethlehem geboren wurde, und [...] die bittere Not, die es schon als kleines Kind zu leiden hatte, wie es in eine Krippe gelegt, an der Ochs und Esel standen, und wie es auf Heu gebettet wurde, so greifbar als möglich darstellen zu lassen. Und so haben die Leute ringsum alles dahingebracht: Ochs und Esel, Schafe und Heu und Stroh. Und die Brüder der umliegenden Klöster und die Menschen der umliegenden Dörfer sind gekommen um mit Fackeln und Kerzen zu sehen, zu singen und zu beten. Und später wird berichtet: während der Predigt des Franziskus, der unentwegt davon gesprochen hat, dass das heiligste und geliebte Kind uns geschenkt, für uns geboren am Weg und in eine Krippe gelegt worden ist, weil in der Herberge kein Platz gewesen ist“, da habe man gesehen, dass das leblos daliegende Kind in der Krippe lebendig wurde. Das soll heißen: dass das Krippenspiel die Herzen der Menschen [...], die im Glauben an Christus erkaltet waren, wieder aufgeweckt hat. Nach der Prozession, der Lesung des Evangeliums und der Predigt wurde das Krippenspiel beendet und die Menschen kehrten, in seliger Freude nach Hause zurück. In vielen Gemeinden werden in diesen Tagen Krippenspiele gespielt. Manchmal von Kindern, oft auch von Erwachsenen. Und wir, sonst so nüchterne Verstandesmenschen, fühlen uns im Inneren angerührt wegen der Geschichte der Geburt dieses Gotteskindes in Armut und Not. Wenn dieses Weihnachtsgeschehen mit seinen Krippenspielen, den alten, oft so romantischen Liedern und dem so bekannten Evangelium es schaffen kann, den Glauben an diesen menschgewordenen Sohn Gottes in uns wieder ein bisschen lebendiger zu machen, dann gibt es kein schöneres Geschenk für jeden von uns.
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Ich mag gestellte, oder inszenierte Bilder nicht. Ja klar, kein Problem: dahinstellen, da hinschauen, beachten sie die Kamera nicht, gehen sie auf die Kamera zu und dann dicht daran vorbei, gaaaanz locker. Nee, geht irgendwie nicht. Dieses: so tun als ob, liegt einfach nicht in unserer Natur. Es sei denn, man ist Schauspieler oder Künstlerin. Und das ist das tolle an dieser Adventszeit, oder besser gesagt, an dieser Zeit, in der wir auf Weihnachten zugehen. Gott hat nicht nur so getan, als ob ihm an den Menschen was liegt, nein, es liegt ihm so viel an uns, dass er nicht nur Vorläufer und Botschafter und Minister schickt um uns das glaubhaft zu machen. Nein, er schickt seinen eigenen Sohn. Damit wir verstehen, dass es ihm ernst um uns ist. Und so ist Weihnachten auch: nicht ein so tun als ob wir an Gott glauben und deshalb den Geburtstag seines Sohnes feiern. Sondern wir feiern, auch wenn uns nicht danach ist, wenn so vieles fehlt, was uns sonst so schön in Weihnachtsstimmung bringt, auch wenn ich eigentlich nichts davon halte, wie mir gestern eine Frau bekannt hat. Wir erinnern uns an dieses erste Kommen des Sohnes Gottes hier herunter zu uns. In den Sehnsuchtsversen des alten Bundes heißt es für heute: „O Schlüssel Davids, Zepter des Hauses Israel - du öffnest, und niemand kann schließen, du schließt, und keine Macht vermag zu öffnen: o komm und öffne den Kerker der Finsternis und die Fessel des Todes!“ Bei Gott selbst liegt dieser Schlüssel zu unseren Herzen mit allem unserem Kummer und Leid, allen Krankheiten und Infektionen, allen Kriegen und Hungersnöten, allen Klimakatastrophen und Existenzängsten. Bitten wir Gott in diesen Tagen darum, Zugang zu unseren Herzen und zu den Herzen der Mächtigen zu nehmen und eindringlich zum Frieden und zur Mitmenschlichkeit zu mahnen. Und ich glaube ganz fest: Gott tut nicht nur so als ob. Gott wird wirken und wirkt immer.
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Heute Abend gibt es sie wieder: die Nacht der Versöhnung hier im Dekanat Südsauerland. Seit vielen Jahrzehnten gibt es dieses Angebot schon, die immer am Montag vor dem Heiligen Abend und am Montag in der Karwoche stattfindet. Die Orte und die Themen wechseln, aber der Inhalt ist immer der gleiche: Versöhnung suchen und finden: mit sich selber, mit den Mitmenschen, mit der Schöpfung und mit dem Gott unseres Lebens. Insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene, aber auch all jene, die sich gerne eine Auszeit gönnen möchten, sind herzlich eingeladen in die Kirche Maria Königin in Altenhundem. Weihnachten und die aktuelle Situation aufgreifend ist der Gottesdienst dieses Mal überschrieben mit dem Motto: "zu Hause sein?!". Es stehen Fragen im Raum wie: Was bedeutet für mich zu Hause sein? Kann ich bei Gott zu Hause sein oder bin ich es vielleicht schon? Unter dem Aspekt von Versöhnung und Vergebung soll es aber auch um die Situationen gehen, in denen das "zu Hause sein" belastet ist oder gestört wird. Nach dem Gottesdienst gibt es immer die Möglichkeit einen Einzelsegen zu empfangen, sowie zu Lebens- und Beichtgesprächen und Gelegenheit zu Begegnung und Austausch. Für viele Menschen hier im Umfeld ist diese Form des Gottesdienstes mit viel Gesang und tiefgehenden Texten der wirkliche Beginn der festlichen Zeit am Ende des Advent und kurz vor Beginn des Weihnachtsfestes. In der Antiphon zum Benediktus heißt es heute: "Wie die Sonne aufgeht, so wird der Erlöser erscheinen;" und wir wissen ziemlich genau, dass die Sonne jeden Tag aufgeht. Auch wenn sie hinter dicken Wolken versteckt und vom Nebel hier um den Biggesee scheinbar völlig verschluckt wird. Der Erlöser wird kommen und es ist gut, diese letzten Tage des Advents, in bereiteter Erwartung zu leben.
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Nach zwei Jahren, an denen es wegen Corona nicht möglich war, können wir heute wieder ins Kinderhospiz Balthasar gehen. Immer im Advent gibt es dort einen entzückenden Nachmittag mit Namen "Schwesternkaffee" Genauer heißt das, dass die Schwestern des Mutterhauses und wir von San Damiano ins Kinderhospiz gehen, und dort schon alle Eltern und Geschwister mit den schwerstkranken Kindern und allen MitarbeiterInnen versammelt sind. Im schön geschmückten großen Aufenthaltsraum gibt es Kaffee und Kakao und Plätzchen und Kuchen. Und die Geschwisterkinder haben meist die Tischdekoration gebastelt und sind stolz wie Oskar, wenn wir überrascht und erfreut sind und genau nachfragen, wie das denn geht und wie man das nachmachen kann. Und dann gibt es hübsche Geschichten und Gedichte und natürlich Lieder, die man mit ausliegendem Liederheft zur Musik mit dem Keyboard auch mitsingen kann. Und das liebste Lied der Kinder ist immer "in der Weihnachtsbäckerei" und natürlich das mit dem Rentier Rudolf, was dann die meisten Schwestern eher nicht kennen. Das neue Leitungsteam des Kinderhospizes wird sich vorstellen und etwas zum vergangenen schwierigen Jahr erzählen und zu den notwendigen Baumaßnahmen, die ein großer Kran seit Wochen anzeigt. Und wenn nicht zwischendurch eines der schwerstkranken Kinder weinen oder schreien würde, oder eine Mitarbeiterin leise mit einem Kind in einen Nebenraum gehen würde, um zu trösten oder zu versorgen, wir würden kaum spüren, dass es hier ein Hospiz ist. Es ist ein Ort zum Leben und Lachen und ein Ort zum Sterben und Trauern. Und das ist es immer wieder, was mich hier so anrührt: die Selbstverständlichkeit, mit dem alles geschieht und zusammengehört: das Essen und Trinken, das Musik machen und Singen, das Naschen und Probieren, das Leiden und die Schmerzen, die Traurigkeit der Eltern und die Lebenslust der Kinder, egal wie lange sie noch zu leben haben oder wie lange der große Bruder die kleine Schwester noch umhertragen kann, wenn es mal möglich ist. Und mitten hinein ist dieser Gott gekommen. Nicht in eine heile Puppenstubenwelt mit herausgeputzten Kindern und festlichem Tannenbaum, sondern in alles Leid und alles Leben und Leiden und Sterben und Trauern. Als neugeborenes, schutzloses Kind, dass alles Leid und allen Tod der Welt nehmen wird und ihn umwandeln wird in Leben für alle und für immer. Weil ich das glaube und hoffe, mag ich diesen Nachmittag im Kinderhospiz immer so sehr.
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Im thüringischen Eichsfeld, wo ich geboren und aufgewachsen bin, gibt es viele Wallfahrtsorte und die meisten sind Marienwallfahrtsorte. Der bekannteste ist sicher Etzelsbach geworden, weil Papst Benedikt dort 2011 mit 90.000 Eichsfeldern eine Vesper gebetet hat. Eines der Wallfahrtslieder zur Gottesmutter ist das berühmte "Maria durch ein Dornwald ging", das aus dieser Gegend stammt. Ich kenne es von Kindheit an und ich mochte es wegen der schönen Melodie, aber auch wegen des etwas geheimnisvollen Textes. Es wird die Szene besungen, dass sich Maria aufmacht, um ihre Verwandte Elisabeth zu besuchen, die etwa hundert Kilometer entfernt im Bergland von Judäa wohnt und ebenso schwanger ist. Für eine 14-jährige junge Frau ist dieser Weg voller Dornen und Gefahren. Aber ihre gesamte Situation ist mehr als mühsam. Seit der Verkündigung durch den Engel hat sie ihr Leben Gott anvertraut. Sie trägt den Sohn Gottes und kann es ihren Mitmenschen und ihrem Umfeld nicht vermitteln. Josef, ihr Verlobter, weiß noch von nichts. Die Eltern sind entsetzt und die Nachbarn tuscheln. Die Freundinnen wissen genau, dass das schief gehen wird, wenn das bekannt wird. Und so weiter und so fort. Aber etwas ist anders. Sie geht diesen Weg nicht allein. Sie geht ihn mit dem, dem sie Mutter werden wird, und in diesem Glauben und ziemlich grenzenlosem Vertrauen tragen sogar die Dornen am Ende Rosen. Keine Angst, die Dornen sind nicht weg, sie sind weiterhin lästig und stachelig und gefährlich. Aber sie tragen die Rosen eines tiefen Gottvertrauens und den Duft einer großen göttlichen Liebe.
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In vielen Kirchen gibt es noch die Feier der Rorate-Messen. Sie heißen bei den Gläubigen so, weil der uralte Text aus dem Buch Jesaja genommen wurde, in dem die tiefe Sehnsucht der Menschen nach Heil und Erlösung beschrieben wird. Im Laufe der Jahrhunderte ist dieser Text gerade im Advent vielfach gesungen worden und wird eingebettet in eine stimmungsvolle Liturgie mit vielen Kerzen in einer dunklen Kirche zu einem ahnungsvollen, stillen Hören. In unserem Konvent hier in Olpe singen wir diesen Gesang in der Adventszeit regelmäßig. Er packt mich immer neu, wenn ich vorsinge und es dann in der vierten Sequenz heißt: "Tröste dich, tröste dich, folg meiner Gnade, denn nahe ist deine Rettung. Warum verzehrst du dich in Trauer, da dich dein Schmerz erneuert? Heil schenke ich dir. Fürchte dich nicht mehr, denn ich bin der Herr, dein Gott und König, der Heilige Israels und dein Erlöser." Der Ruf nach Erlösung und einem starken Erlöser geht durch die Menschheitsgeschichte bis heute. Die Suche nach dem starken Mann mit den einfachen Lösungen und dem simplen Schwarz-Weiß-Denken kommt in allen Generationen bis in unsere Tage immer wieder hoch. Die Maos, Stalins, Hitlers früherer und heutiger Tage wurden mächtig, weil sie den Massen suggeriert haben, dass sie die Lösung aller Probleme und Fragen parat haben und man ihnen nur die Macht in die Hand geben soll. Dann tun sie das alles. In diesem alten Lied aber ist von Trost die Rede, nicht von billiger Vertröstung. Wirklicher Trost bietet die Zusicherung, mit mir durch dieses Leid, diese Katastrophe zu gehen. Mich darin nicht zu verlassen und mich stattdessen an die Hand zu nehmen und mir zu helfen, dass wir das gemeinsam schaffen. In der Ankündigung, dass Rettung nahe ist, werden dann innere und äußere Kräfte freigesetzt, die mir helfen durchzuhalten und die Hoffnung, dass es gut ausgeht, dass wir das nicht verlieren. "Tröste dich, tröste dich, folg meiner Gnade, denn nahe ist deine Rettung" ist ein viel machtvoller Trost als "Das wird schon wieder, Du wirst sehen". Es ist ein Trost, der stärkt und Kräfte freisetzt und Hoffnung weckt, dass da einer ist, der kommt.
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Heute ist der 13. Ja, Sie wissen schon. Jetzt geht wieder die Angst um: der 13. Ist ein Unglückstag. Da passiert viel, da geht alles schief, da muss man vorsichtig sein. Am besten im Bett bleiben und warten, bis der Tag vorüber ist. Wenigstens ist heute nicht Freitag, der 13. Woher kommt eigentlich unsere Angst vor diesem Tag? Ich habe mal nachgeschaut und viele mehr oder weniger witzige Begründungen gefunden. Die Primzahl 13 (nur durch 1 und sich selbst teilbar) gilt bei Christen als Unglückszahl: Sie überschreitet das Dutzend, ist ungerade und sorgt oftmals für Unheil: Beim letzten Abendmahl saßen Jesus und seine zwölf Jünger, also insgesamt 13 Personen zusammen, einer (Judas Ischariot) verriet ihn später. Im Märchen verflucht die 13. Fee bei Dornröschen das Königskind, bei Jim Knopf marodieren Piraten unter den Namen "Wilde 13", im Tarot ist die 13 der Karte "Der Tod" zugeordnet und der Teufel hat neben Beelzebub und Satan auch den Namen "Der Dreizehnte". Treffen nun Unglückstag und Unglückszahl zusammen, braut sich für Abergläubige Übles zusammen. Aber ich bin ja nicht abergläubisch sondern gläubig. Und Sie wahrscheinlich auch. Oder? Ich halte es da lieber mit diesem schönen und witzigen Lied von Reinhard May: "Ankomme Freitag den 13. Um 14.00 Uhr Christine" wo er in seiner Aufregung alles durcheinanderbringt und allein der Gedanke, dass es ja Freitag der 13. ist schon ganz nebenbei alles schiefgehen lässt. Und erst auf der Polizeiwache sein Blick auf den Kalender fällt: es ist erst der 12. und Donnerstag. Also, ruhig Blut heute. Nicht ein Datum, nicht ein Tag bringt besonderes Unglück, sondern nur die Angst vor dem Unglück.
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Nein, ich gehe prinzipiell nicht auf Weihnachtsfeiern vor Weihnachten. Ich gehe ja auch nicht auf Neujahrsempfänge im Dezember. Eine Zeit ist Advent, eine Zeit ist die Weihnachtszeit, eine Zeit ist die Sommerzeit und so weiter. Die Tendenz, alles in die Zeit vor Weihnachten zu packen kann ich gut verstehen. Das ging dieses Jahr sogar so weit, dass Mitte November eine Weihnachtsfeier angesetzt war, weil sonst keine Zeit mehr gewesen wäre. Man möchte mit den Kolleg*innen, den Gruppen und Kreisen, in denen man sich bewegt, zusammen dieses tolle Fest feiern. Und nach Weihnachten sind halt Ferien und dann ist die Weihnachtszeit längst vorbei. Bei einer befreundeten Familie war ich dieser Tage und die Wohnung war wunderschön geschmückt und der Weihnachtsbaum aufgestellt und er blinkte und funkelte in aller Pracht. Und sie waren ganz erstaunt zu hören, dass wir den Advent mit gerade mal vier Kerzen immer heller werden lassen und erst am 23.12. den Baum aufstellen und am 24.12. die Krippe. Und dann bemerkte der kleine Sohn: "Aber Weihnachten ist doch ein schönes Haus für alle und immer" Ja, er hat recht. Weihnachten ist ein schönes Haus, dass uns göttliche Geborgenheit schenkt und das Beispiel der Familien von Nazareth, die in allen Höhen und Tiefen der nächsten Jahre zusammensteht, Freude und Leid miteinander trägt und im Vertrauen auf den himmlischen Vater und seine Führung durchs Leben geht. Und wenn wir dann die nicht vergessen, die genau wie die Familie von Nazareth fliehen müssen, bedrängt und verfolgt werden, im Winter der Gesellschaft und des Miteinanders leben müssen, und ihnen Geborgenheit, Wärme und Heimat zu geben versuchen, dann ist es gut. "Kündet allen in der Not: Fasset Mut und habt Vertrauen. Bald wir kommen unser Gott; herrlich werdet ihr ihn schauen. Allen Menschen wird zuteil Gottes Heil." – Gottes Kommen kündet sich an und macht uns stark darin, denen, die in Not sind, vom Kommen des heilbringenden Gottes zu künden. Und das geht wahrscheinlich auch auf Weihnachtsfeiern vorher.
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Wenn ich mit meiner Mitschwester im Auto unterwegs bin, erschrecke ich mich immer wieder neu, wenn es plötzlich piept und rot leuchtet. Das System im Auto will uns warnen. Die Warnungen beziehen sich auf zu geringe Abstände zu Mauern oder anderen Autos, wenn ich in die Garage fahre oder auf einen Parkplatz. Auch beim "Wiedereinfädeln in den Verkehr" oder beim Überholen passt das Auto für uns mit auf. ACHTUNG – Warnung! Gestern gab es den nationalen Warn-Tag in ganz Deutschland. Es wurde für den Ernstfall geprobt, ob unsere Alarmsysteme funktionieren und möglichst alle Menschen erreichen. Das haben wir wohl Gott sei Dank aus dem letzten Jahr durch die Flutkatastrophe an Erft und Ahr gelernt. Im Advent werden wir durch Texte und Lieder erinnert und aufgerufen, wachsam und bereit zu sein. Dabei geht es nicht darum, dass wir ständig konzentriert und 24/7 aufmerksam sind. Ebenso wie die Signalsysteme im Auto lassen sie mich aufmerken, wo ich gleichgültig oder nicht ganz bei der Sache bin. Ein Adventslied von Huub Osterhuis drückt dies deutlich aus. "Nahe wollt der Herr uns sein, nicht in Fernen thronen. Unter Menschen wie ein Mensch hat er wollen wohnen. Mitten unter euch steht er, den ihr nicht kennt." Im Advent versuche ich, jeden Tag Gottes Nähe zu entdecken und mein Denken, Reden und Handeln auf sein Kommen auszurichten. Bis Weihnachten will ich mich beim Piepen und Leuchten im Auto erinnern lassen, dass Gott mir immer nah sein möchte und er durch mich und mein Handeln täglich in der Welt ankommen will.
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Das, was wir als Erbsünde bezeichnen, ist eine Beziehungsstörung. Durch die Ursünde, die in ihrem Kern der Versuch des Menschen ist, sein zu wollen wie Gott, wird das ganz Beziehungsnetz des Menschen gestört – es kommt zu einer Störung in der Beziehung zu Gott, – zum Mitmenschen, – zu sich selbst – und zur Schöpfung. Erlösung, die mit Maria beginnt meint dann: Ent-störung, Heilung des gesamten Beziehungsgeflechts des Menschen d.h. der Mensch wird durch Jesus Christus wieder in die von der Schöpfung ursprünglich angedachte heile Beziehung zu Gott gebracht, in die Möglichkeit versetzt, in enger Beziehung mit ihm zu leben, nicht in einer frechen und aufmüpfigen Auflehnung gegen Gott, sondern in einer super Beziehung. Das heutige Fest Maria Empfängnis besagt demnach – auf den Punkt gebracht und ein bisschen salopp: Maria lebt vom ersten Augenblick ihres Daseins, in einer super Beziehung mit Gott. Dass das so ist – dafür kann Maria nichts. Das ist pures Privileg. Sie ist in Person der Anfang der ungestörten Beziehung zu Gott. Sie ist deshalb störungsfrei, weil sie von Gott eine Sendung trägt: Sie soll den tragen und bringen, der die Beziehung des Menschen mit Gott wieder normalisieren soll, der mit seinem Leben, Sterben und Auferstehen dazu beitragen wird, dass jeder Mensch in eine super Beziehung mit Gott finden kann, mit Gott in Gemeinschaft lebt, in Communio. Gott ist reinste Beziehung. Und Maria ist die Erste, die von Anfang an in ungetrübter Weise mit Gott in Beziehung steht, die Beziehung in Gott mit lebt – das meint der heutige Festtag. Alles an Maria hat in irgendeiner Form auch Bedeutung für uns und unser Leben: Ihr Privileg, ohne Auflehnung vor Gott zu leben verweist uns darauf, was auch als Hoffnung für uns gedacht ist: – dass wir mit Gott in einer super Beziehung leben können, – dass wir in guter Beziehung zu uns selbst leben können, mit all unseren Macken und Fehlern, - dass wir Gemeinschaft miteinander leben können in Familie, Gemeinde und Staat, – und dass wir in guter Beziehung leben können zur Schöpfung, die Gottes gute Gabe für uns ist.