- Startseite
- Podcasts
- Religion Podcast
- Archiv
Religion Archiv
33 Episoden
23 Minuten
In der Zeit vor der Woche, in der Gott die Welt erschuf, "spielte" er mit heiligen Buchstaben. Sie sind zugleich Zahlen. Zeichen, die die Welt regieren. Das ist das Thema der ältesten Quelle der Kabbala, des kleinen Buches Sefer Jetzira, das aus der Antike stammt und im 10. JH nach Christus bekannt wurde. Zu den Geheimnissen gehört dabei die Konstitution der Zahlen von Eins bis Zehn. Eine wichtige Frage betrifft die Lücke zwischen den 22 Buchstaben des alttestamentarischen Alphabets und der heiligen Zahl Siebenundzwanzig. Es geht dabei auch um die "Suche nach dem verlorenen Buchstaben" und um die Bedeutung des Dunklen Alpha. Die Zahl Eins und der erste Buchstabe des Alphabets Aleph oder Alpha sind doppelbödig. Zu ihnen gehört ein Schattenbuchstabe, von dem das Überleben abhängen kann. Professor Wilhelm Schmidt-Biggemann, FU Berlin, hat in seinem großen Standardwerk über die Kabbala im 15. und 16. Jahrhundert diese Fragen untersucht. Er schlägt den Bogen von der Negativen Theologie zu den Systemen von Leibniz. Leibniz erfand die Notation von Daten durch Verwendung von Null und Eins und damit die Grundlage der Digitalität. Wilhelm Schmidt-Biggemanns Gedankenweg gehen bis zur Unschärferelation und den Algorithmen von Silicon Valley, in denen, wie er sagt, verblüffende Wiederaufnahmen von Fragmenten platonischen Denkens enthalten sind. Begegnung mit dem Philosophen und Hochschullehrer Wilhelm Schmidt-Biggemann.
23 Minuten
Die Bilder Nikolai Roerichs gehören zu den raren, kostbaren und hochdotierten Objekten auf den Auktionen der Welt. Dieser Maler war aber zugleich (gemeinsam mit seiner Frau, einer Urenkelin des Generals Kutusow) ein Religionsgründer und Guru, zu dessen Anhängern der spätere U.S.-Vizepräsident Henry Wallace, aber auch der stellvertretende Chef des russischen Geheimdienstes, zählte. Auf dem Dach der Welt (zwischen Tibet, dem Pamir und den Ebenen der Mongolei) suchte Roerich mit wechselnden Verbündeten und zwischen den Großmächten ein spirituelles Reich zu errichten. Der Name dieses Reichs Shambala ist identisch mit dem Wort Shangri-La. Der Privatsitz Roosevelts, Camp David, hieß ursprünglich Shangrila. Wie Hochkunst, Geheimlehren in der Nachfolge der Madame Blavatsky und Realpolitik auf rätselhafte Weise zusammenfinden, beschreibt Ernst von Waldenfels in seiner Lebensbeschreibung von Nicolai Roerich.
23 Minuten
Was bewegte Goethe zu seinem Gedicht MAHOMET? Goethe befasste sich intensiv mit dem Brückenschlag zum Orient. Ohne die Wissenschaft und die Poetik des Ostens, behauptete er, bliebe Europa barbarisch. Über diese ungewöhnliche Zuwendung Goethes berichtet Dr. Manfred Osten, Generalsekretär der Alexander-von-Humboldt-Stiftung.
42 Minuten
Mohamed Arkoun, Sorbonne Paris, gilt international als einer der bedeutendsten Islamwissenschaftler. In seinem Standardwerk DER ISLAM beschreibt er, warum die Entmachtung kriegerischer Religionen historisch nicht gelang. Es genügt nicht, Voltaire und die globale Marktgesellschaft entgegenzusetzen. Die moderne, weltliche Zivilisation des Westens, sagt Mohamed Arkoun, führt sich selbst wie eine Religion auf, wenn sie anfängt "gerechte Kriege" zu führen.
19 Minuten
Der berühmte Rabi Loew, der wegen seines hohen Ranges als Magier "Maharal von Prag" genannt wurde, hat bekanntlich einen Golem geschaffen. Dieses Wesen aus Lehm geschaffen, beseelt, jedoch ohne Sprachen, entspricht dm Zustand Adams in der zweiten Stunde des Schöpfungstages. Der Golem sollte die jüdische Gemeinde schützen. Als der Riese der Kontrolle zu entgleiten drohte, gelang es dem Maharal ihn still zu stellen. News & Stories zeigt eine TV-Uraufführung: "Der Golem" von Gary Lucas und Walter Horn. Die beiden Avantgarde-Pop- Komponisten aus Syracuse/USA haben eine eindrucksstarke Musik geschaffen, die sie live vorführen. In Ergänzung hierzu zeigt das Magazin Ausschnitte aus der unbekannten Oper von Eugen D Albert "Der Golem". Ein Musikmagazin in Zusammenarbeit mit Art Projekt, Gary Lucas und Walter Horn.
44 Minuten
Die Jenaer Vorlesungen des renommierten Judaisten Prof. Dr. Peter Schäfer, Universität Princeton und Freie Universität Berlin, kehren die übliche Annahme: erst Judentum, dann Christentum um die Achse. Die babylonischen und die palästinensischen Rabbinen (parallel dazu die frühen Gemeinden des Koran) antworteten auf die Theologie des Christentums. Aus ihnen bildete sich eine theologisch oft überlegene, eigene Theologie des Judentums heraus. Solche Geschichtsschreibung und Gegengeschichtsschreibung rekonstruiert einen lebendigen Disput in der Antike, der länger als 300 Jahre währte und die inzwischen verfestigten Religionen in einer offenen Auseinandersetzung zeigt.
44 Minuten
Die Spätantike bringt eine Flut religiöser Texte -Verkündigungen, Evangelien, religiöse Romane - , die sämtlich mit den vier kanonischen Testamenten der Heiligen Schrift konkurrieren. In diesen "verborgenen Texten" (Apokryphen) findet sich oft eine starke spirituelle Substanz. Die Texte befriedigen aber gleichzeitig ein Unterhaltungsbedürfnis der Leser, das sich auf religiöse Botschaften und Geheimnisse richtet. Der Theologe und Kirchenhistoriker Prof. Dr. Markschies ist Herausgeber der Gesamtausgabe dieser Apokryphen: ein Mammutwerk.
1 Stunde 19 Minuten
Viele Menschen, die in Not sind, bezweifeln nicht, dass es Schutzengel gibt. Engel sind aber nicht primär für uns Menschen da, sondern sie sind Boten Gottes. Sie sind spirituelle Wesen, welche die Schranke zwischen irdischem Leben und göttlicher Sphäre durchschreiten. Es wäre doktrinär, wenn einer sagt, dass er im Einzelnen beschreiben könnte, was Engel sind. Ebenso doktrinär ist es aber, ihre Wirkung zu leugnen. Das Bild der Engel unterliegt ebenso wie das Bild Gottes in den 6.000 Jahren, aus denen wir Überlieferungen besitzen, einer Evolution. Engel (und Dämonen) gibt es schon in Babylonien und Ägypten. Sie sind verschieden und doch verwandt mit den spirituellen Wesen, von denen das Alte Testament, der Talmud, die Spätantike und das Mittelalter berichten. Eine moderne Deutung der Engel findet sich bei dem Theologen Karl Barth und dem französischen Autor Michel Serres. Nach der Überlieferung gibt es 9 Sphären, Ränge und Chöre der Engel. Gott verleiht, so die Überlieferung, ihnen Macht durch seinen Namen. So verfügt der mächtigste der Engel, genannt Metatron, über 70 Namen Gottes und eine große Vielfalt. Die höchsten Engel bestehen aus Feuer. Ihre Zungen brennen. Das Feuer reinigt sie, daher verkünden sie die Wahrheit. Es gibt Engel mit 1.000 Augen. Was geschieht, wenn ein Engel seine Aufgabe erfüllt hat? Verliert er seine Gestalt? Was bedeutet, dass sie in 7 Himmeln sich bewegen? Ein gelehrter Mönch, genannt Pseudo-Dionysios, hat die reichhaltigste Beschreibung von Engeln niedergeschrieben. Auch die gestürzten Engel werden zu verschiedenen Zeiten verschieden charakterisiert. Satan ist ursprünglich ein rechtskundiger Helfer Gottes, sozusagen dessen Chef-Ankläger. Später sieht man ihn im Feuersumpf. Es gibt aber auch Beschreibungen des Engels Luzifer, der mit seinem gesamten Leib in einem Eis-See festgehalten wird. Prof. Dr. Johann Evangelist Hafner und Prof. Dr. Karl Erich Grözinger sind Experten für die Geschichtsschreibung der Engel. Sie berichten. Beide haben gründliche Publikationen vorgelegt, J.E. Hafner eine Angelologie, K.E. Grözinger die einzigartige mehrbändige Publikation "Jüdisches Denken". Doppelprogramm. Länge 90 Minuten.
22 Minuten
Nach dem Tode Jesu breitete sich das Christentum rasant über den Erdkreis aus. Ähnlich wie heute in den USA war dies eine Zeit der Neugeburt mächtiger und bildstarker Religiosität. Gegen starke Rivalen setze sich das Christentum am Ende durch. Der Historiker Prof. Dr. Christoph Markschies, Rektor der Humboldt- Universität Berlin berichtet.
23 Minuten
In der Antike koexistierten die verschiedensten Glaubensrichtungen und Religionen nebeneinander in großer Toleranz. Das änderte sich als das Christentum zur Staatsreligion im Römischen Reich wurde und sich wenig später die Reiche des Islam ausbreiteten. Heute, in der globalen Welt, beobachtet man sowohl eine Verhärtung von Glaubensfronten wie auch das Aufkommen der verschiedenartigsten lokalen Religionen. Einige dieser Gemeinden in den U.S.A. und in Lateinamerika besitzen starke Anhängerschaften. Dabei gibt es dort lokal entstandene Glaubensgemeinschaften, die sich anschließend an ganz anderen Orten der Welt, z.B. in der Ukraine, ausbreiten. Der Religionssoziologe Prof. Dr. José Casanova, Georgetown University in Washington, ist einer der bedeutendsten Experten für die Fragen zu Religionen, der Säkularisierung, des Verhältnisses von Staat und Glaubensgemeinschaften und für die Geschichte der Glaubensrichtungen. Man wird, sagt er, den Eigensinn und die Eigenschaften des Glaubens in der modernen Welt nur verstehen, wenn man die Fragen sowohl global wie auch lokal beobachtet. "All religions are local". "Religion ist global".
23 Minuten
Die moderne Forschung hat das Schwarz-Weiß-Bild von der Reformation, wie es im 19. Jahrhundert gemalt wurde, stark verändert. Auch vor der Wende von 1517 existierte auf beiden Seiten, die einander nach der Reformation gegenüberstanden, eine starke spirituelle Vielfalt. Tradition und Umbruch erweisen sich als stärker verschränkt, als es der bisherigen Darstellung entspricht. Auch Luther verhielt sich anfangs dialogisch. Einige der ihm zugeschriebenen apodiktischen Handlungen und Worte, z. B. der Thesenanschlag an der Schlosskirche zu Wittenberg und das ihm zugeschriebene Wort auf dem Reichstag: "Hier stehe ich, ich kann nicht anders!" sind keineswegs verbürgt. In zwei Jahren werden die Medien der 500. Wiederkehr der Reformation gedenken. Das Bild, das Luther, Calvin, die Marburger Religionsgespräche und der provisorische Religionsfrieden von 1555 zeigen, wird dadurch, dass es sich als differenzierter erweist, für uns und die Gegenwart umso interessanter. Prof. Dr. Volker Leppin, evangelischer Theologe und Kirchengeschichtler, über das Auseinanderdriften der Christenheit vor 498 Jahren.
43 Minuten
Die großen Theologen und Magister der Dominikanerschule in Köln und der Universität Paris, Albertus Magnus und Thomas von Aquin, standen durch die arabische Überlieferung des Aristoteles in naher Verbindung mit dem bedeutendsten jüdischen Magister und Rabbi Moses Maimonides. Der kam als Kind aus Cordoba und lehrte zuletzt in einer Vorstadt von Kairo. Er war Arzt, Astronom, Philosoph und vor allem Theologe. Er lehrte eine sogenannte negative Theologie: es ist wichtig zu wissen, was wir über Gott nicht wissen können. Das enthält die Fragestellung des Sokrates ebenso wie es die Überlieferungen des Alten Testaments und der Mischna kommentiert. Die Rezeption von Maimonides im arabischen und westeuropäischen Raum ist das Thema von Privatdozent Dr. Görge Hasseloff. Er schrieb selbst ein scholastisches Werk, dessen in die Tiefe ragenden Anmerkungen ebenso viel Platz einnehmen wie der führende Text. Es ergibt sich das Bild einer reichen Kommunikation des Denkens im Hochmittelalter über das ganze Mittelmeer hinweg wie wir es heute an keiner Stelle der Welt mehr kennen. Das Ansehen des Maimonides war überaus groß. Es wird erzählt, das Räuber seinen Sarg, als dieser von Kairo nach Palästina transportiert wurde, rauben wollten. Der Sarg war aber so schwer, dass auch 30 Mann ihn nicht heben konnten. Erst als gläubige Schüler des Rabbi hinzutraten, ließ der Sarg sich zur Grabstelle bringen. Der Kern der Lehre des Maimonides: man darf Gott, der unendlich ist und den Anfang setzt, nicht mit Bildern behängen wie einen Tannenbaum mit Lametta. Bilder sind Metaphern, keine Einsichten. Der Verstand, aber auch der Glaube, ist hellsichtig und darf durch Vorurteile und Phrasen nicht verdunkelt werden. Bei den Zeitgenossen war die Autorität des Maimonides auf dessen Fähigkeiten als Arzt ebenso gegründet wie auf die des Theologen. Die ärztliche Kunst ist ein gutes Mittel gegen den Aberglauben. Maimonides steht in manchen Punkten der Aufklärung Immanuel Kants überraschend nahe. Begegnung mit Dr. Görge Hasselhoff und der blühenden Hochscholastik des 13. Jahrhunderts.
21 Minuten
Als es viele heidnische Götter gab, verhielten sich die Religionen der Völker zueinander kommunikativ. Die meisten Götter waren Verwandte. Der Bruch entstand, mit der Erfindung der Idee des EINZIGEN GOTTES. Das war die Geburtsstunde der Unterscheidung von "Wahr" und "Unwahr". Aus Ägypten wanderte die Idee des einzigen Gottes in den Nahen Osten und später in andere Teile der Welt. Mit der rigiden Unterscheidung zwischen Wahr und Unwahr entfaltete die Sprache Gottes einen Motor der Gewalt. Der führende Ägyptologe Prof. Dr. Jan Assmann über den Monotheismus und die Sprache der Gewalt.
22 Minuten
Der Genfer Reformator Johannes Calvin, Franzose und ursprünglich Jurist, bildet innerhalb der protestantischen Bewegung neben der Partei Luthers eine zweite, in Fragen des Abendmahls verschiedene und in der Art der Kirchenzucht von Luther abweichende Partei. Schon vor ihm hatten sich die Gegensätze der schweizerischen Reformation gegenüber der Wittenberger im Marburger Religionsgespräch als unüberwindbar erwiesen. Für Calvin ist – wie für Luther – Gott unbestechlich. Über Luther hinausgehend aber geht Calvin davon aus, dass Gottes Gnade willkürlich und im Voraus über die Menschen verteilt ist. Eine Ahnung davon, wen er liebt, lässt sich unter Umständen daraus erkennen, dass ein Mensch auf Erden durch Glück oder Vermögen belohnt wird. Die Calvinsche Doktrin und Genfer Kirchenzucht besaß radikale Züge. Es gibt dort Hexenprozesse und die Verurteilung eines Arztes und Theologen zum Feuertod wegen abweichender theologischer Auffassung. Auf der anderen Seite haben sich die Calvinschen Ideen über die Niederlande, über Schottland und die englische Bewegung des Puritanismus in der Welt ausgebreitet und sind mit den Pilgervätern in die U.S.A. eingewandert. Stark modifiziert bilden sie dort ein wesentliches Stück im Selbstbewusstsein der U.S.A.: hohe Moralität und Freiheitsgedanke sind durch Calvins Lehre und Haltung gestützt. Wie eng Reformation und Gegenreformation in ihren Wurzeln miteinander Verbindung hatten, zeigt sich darin, dass Ignazio von Loyola, der Protestant unter den Katholiken und Johannes Calvin, der Orthodoxe unter den Protestanten, gemeinsam an der Universität Paris studierten. Der Historische Theologe Dr. Görge Hasselhoff berichtet.
44 Minuten
Koran heißt arabisch "Lesung". Die moderne arabistische Forschung geht davon aus, dass der heiligste Text des Islam aus einem Prozess des Dialogs in der ursprünglichen Gemeinde und aus verschiedenen Mitschriften entstand. Auch zeigt sich der Koran vielfältig vernetzt mit jüdischen und christlichen theologischen Debatten der Spätantike. Der Koran antwortet darauf, weist zurück und nimmt am Dialog teil. Die Islamforscherin Prof. Dr. Angelika Neuwirth, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, eröffnet in ihren Publikationen einen europäischen Zugang zum Verständnis des Hauptwerks des Islam.