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Religion Archiv
33 Episoden
15 Minuten
Die Apokalypse des Abraham ist eine einzigartige, apokryphe (nicht in den offiziellen Heiligen Schriften enthaltene) Quelle in aramäischer Sprache. Sie ist heute nur erhalten in kirchenslawischen Abschriften. Sie zeigt den Stammvater Abraham als Initiator der "Aufklärung". Täglich fährt er die Götzen seines Vaters zu einem Teich, um ihnen "den Mund auszuwaschen". Die Götzen fallen ihm von Fahrzeug und zerbrechen. Wie ein Experimentator beobachtet der Stammvater die Szene. Wie sollen Götter, die sich nicht selbst reparieren können, uns das Heil bringen? So gelangt Abraham in dieser APOKALYPSE in mehreren Schritten zur Vorstellung vom "unsichtbaren Gott". Der Kulturwissenschaftler Prof. Dr. Joseph Vogl, bekannt durch sein Buch DAS GESPENST DES KAPITALS, kommentiert dieses eindrucksvolle theologische Dokument, von dem man sich wünschen würde, dass Luther es gelesen hätte.
42 Minuten
Es geht um die Theologen Paul Tillich, Karl Barth, Rudolf Bultmann, Thomas von Aquin, Martin Luther, Johannes Calvin, Augustinus. Jeder von ihnen hat einen Baustein gesetzt zur großen Tradition der Theologie in Europa. Für Prof. Dr. Alf Christoffersen, LMU München, stehen dabei die Kategorien der VERDICHTETEN ZEIT und des KAIROS im Vordergrund. Sie stehen in Wechselwirkung zum "Seelenfunken", zum "Pneuma" (Atem), zum "Thymos" (Mut) und zum "menschlichen und göttlichen Bewusstsein". Die verfließende, mechanische Zeit wird regiert von dem Gott Chronos oder Saturn; der frisst seine Kinder. Der "glückliche Moment" öffnet sich dagegen mithilfe des kleinwüchsigen Gottes KAIROS, dem Gott des Augenblicks. Er entscheidet nicht nur über Glück und Unglück, sondern auch über den Glauben. In verdichteter Zeit ist von besonderer Bedeutung die Kategorie des "Blitzes" und der "blitzhaften Einsicht". Gnade ereignet sich blitzartig oder gar nicht. Eine Reise durch Höhepunkte der Theologie.
44 Minuten
Es lohnt sich, auch in Vorbereitung auf das Jubiläumsjahr 2017, die religiöse und politische Wende in Mitteleuropa nach 1517 (dem Beginn der Reformation in Wittenberg), in ihren Zusammenhang zu setzen, zu verstehen und für unsere Zeit neu zu „übersetzen“. Man sieht dann nicht nur auf Luther, sondern auch auf andere Vertrauensleute jener Zeit wie Erasmus von Rotterdam oder den Theologen Melanchthon. Man erkennt dann auch die starken Zusammenhänge zwischen dem Bauernaufstand und den ideellen Umbrüchen jener Zeit. Im Mittelalter gibt es Darstellungen, wie der Heilige Geist durch eine Taube sich ans Ohr des schreibenden Mönches wendet. Der Glaube hat seine Wurzel nicht bloß in der Schrift, sondern vor allem im Wort und in den unsichtbaren Bildern der Musik. Sie gehören zur SPIRITUALITÄT. Der Glaube kommt aus dem Hören. Er lebt nicht auf der Augenweide. Dieser Ansatz gehört zur Radikalität („Wurzelhaftigkeit“) jener Wende um 1517, die wir die Reformation nennen und die einen Zeitraum von mehr als 50 Jahren umfasste. Die Reformation hat viele Echos, auch in den oft tiefgreifenden Antworten der Gegenreformation. Der Protestantische unter den Katholiken, der Begründer des Jesuitenordens Ignatius von Loyola und der Reformator Calvin saßen gemeinsam als Kommilitonen im theologischen Seminar der Universität Paris. In der Geschichte der Kirchenspaltung lässt sich das Verbindende und manche Nähe ebenso untersuchen wie das Trennende. Begegnung mit dem Kirchengeschichtler und Theologen Prof. Dr. Volker Leppin, Universität Tübingen. Ihm ist eine grundlegende Untersuchung der Reformationsepoche zu verdanken.