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BOOK SHOT. Literatur beflügelt. Archiv

176 Episoden
10 Minuten
Sondersendung zum Tag des Buches

Was passiert mit uns, wenn wir lesen und was verlieren wir, wenn wir es immer seltener wirklich tun? In einer Zeit permanenter Reize und zerstreuter Aufmerksamkeit geht dieser Beitrag der Frage nach, warum Lesen und Schreiben weit mehr sind als bloße Kulturtechniken. Es geht um Sprache, Konzentration, innere Beweglichkeit und um die stille Kraft der Langsamkeit.

Und es geht um den Österreichischen Buchklub der Jugend, dem nach über 75 Jahren erfolgreicher Arbeit (als Österreichs größte Organisation für die Leseförderung) das Aus droht. 

Valerie Springer: "Leseförderung ist keine Nebensache."
5 Minuten
In einem ungarischen Provinzort gerät der Archivar Korim unter den Einfluss eines geheimnisvollen Manuskripts, das er für bewahrenswert hält. Mit dem im Mantelfutter eingenähten Text bricht er ohne Gepäck auf. Seine Reise führt ihn über verschiedene reale und imaginäre Orte wie Budapest, Kreta, Venedig und Rom nach New York. Dabei bewegt sich der Roman in Zeitsprüngen durch unterschiedliche geschichtliche Räume und verbindet die Stationen immer wieder mit Kriegserfahrungen. Der Text ist anspruchsvoll, vor allem wegen seiner langen, verschachtelten Sätze und der hohen Konzentration, die er verlangt.

Valerie Springer: "Dicht, fordernd, verstörend."
5 Minuten
Was geschieht mit einer Gesellschaft, wenn ihr der Respekt abhandenkommt? In seinem neuen Essay beschreibt Byung-Chul Han eine Gegenwart, in der Rechthaben mehr zählt als Zuhören. Er zeigt, wie eng Selbstachtung, gesellschaftlicher Zusammenhalt und der Blick auf den anderen miteinander verbunden sind. Dabei bleibt er nicht bei der Kritik stehen, sondern fragt auch, wie ein anderes, menschlicheres Miteinander möglich wäre. Ohne Respekt ist ein schmales, dichtes Buch über eine Atmosphäre, die wir alle kennen, und über das, was uns als Gesellschaft zusammenhält.

Valerie Springer: „Analytisch, dringlich, unbequem.“
5 Minuten
Laura Freudenthaler stellt in ihrem Roman die Schriftstellerin Iris in den Mittelpunkt, die beruflich durch Europa und darüber hinaus reist. Auf ihren Reisen sucht sie nach Momenten der Nähe und Bestätigung in ihrem Leben, das von Erschöpfung geprägt ist. Zu Hause trifft sie ihren Partner Anton, einen Künstler, der mit beschädigten Kameras arbeitet. Ihre Beziehung basiert auf klaren Absprachen und umfasst auch einvernehmliche Spiele um Macht und Unterwerfung. Während Iris sich mit Hexenprozessen beschäftigt, tauchen Erinnerungen aus ihrer Vergangenheit auf.

Der Text besteht aus sehr langen, fließenden Sätzen ohne Punkte, eine Form, die beim Lesen durchaus herausfordernd sein kann.

Valerie Springer: "Soghaft, dicht, flirrend."
5 Minuten
An der französischen Küste verbringt Elena mit ihren Kindern, der Freundin ihrer Tochter und der Haushälterin Eve einen Urlaub in einem abgelegenen Ferienhaus, während ihr Mann in Deutschland geblieben ist. Zwischen den Menschen entwickelt sich dort eine zunehmend gespannte, fragile Dynamik. In wechselnden Erzählstimmen zeigt die Autorin, wie soziale Unterschiede und verdrängte Konflikte immer stärker hervortreten. Zugleich verdichtet sich die Bedrohung von außen, weil Waldbrände der Gegend gefährlich nahekommen. Als schließlich eines der Mädchen verschwindet, bricht das mühsam aufrechterhaltene Gefüge vollends zusammen.

Valerie Springer: „Psychologisch, vielschichtig, unterschwellig.“
5 Minuten
In Ostblockherz erzählt Didi Drobna von einer Tochter, die nach Jahren des Schweigens wieder mit ihrem Vater konfrontiert wird, als dieser schwer erkrankt ins Krankenhaus kommt. Während sie für ihn übersetzt und organisatorische Aufgaben übernimmt, erinnern Rückblenden an das Aufwachsen in einer aus der ehemaligen Tschechoslowakei nach Österreich migrierten Familie. Der Roman bewegt sich zwischen Gegenwart und Vergangenheit und erzählt von Migration, familiären Rollen und der Beziehung zwischen Vater und Tochter.

Valerie Springer: „Klar, ruhig, persönlich.“
5 Minuten
Wann liest man denn schon Gedichte? Also so richtig, ohne dabei gleichzeitig auf das Handy zu schauen? In unserer Welt, in der wir nur noch wischen, scrollen und Informationen in Millisekunden wegatmen, zwingen Gedichte zum Anhalten. Ein Gedicht lässt sich nicht mal eben konsumieren. Es ist kein schneller Snack, man muss verweilen, um den Geschmack überhaupt mitzukriegen. Es geht um Konzentration statt Verflachung. Ein Beispiel für diesen Widerstand in Versen sind die Gedichte von Gudrun Braunsperger.

Valerie Springer: „Präzise, verdichtet, zeithell.“
10 Minuten
Über das Hoheitsrecht, nicht alles teilen zu müssen.

Wir posten. Wir senden. Wir teilen. Aber wem gehört das, was wir preisgeben? Zum Weltfrauentag 2026 spricht Valerie Springer über digitale Selbstvermarktung und das Verschwinden der Intimität. Und sie macht eine radikale Forderung: nach dem Recht, nicht alles zeigen zu müssen. Das Private ist ein Territorium, das nicht zum Verkauf steht.

Valerie Springer: „Ich weigere mich, die totale Transparenz als Befreiung zu feiern. Ich plädiere für strategisches Sprechen und gezieltes Selektieren. In dieser Welt, die uns zur vollständigen Preisgabe zwingt, ist das bewahrte Geheimnis der ultimative Akt der Rebellion. Wer Privates hüten kann, besitzt sich selbst.“

Buchtipp: Susan Sontag "Über Fotografie". Sontags zentrale These: Fotografieren ist kein neutrales Abbilden, sondern ein Aneignen. Bilder erzeugen Distanz. Wer fotografiert, beteiligt sich nicht vollständig, er verwandelt Wirklichkeit in ein konsumierbares Objekt.
5 Minuten
In eigener Sache stellt Valerie Springer ihren soeben im Wiener Milena-Verlag erschienenen Roman „Eine Ziege, ein Dorf und kein Internet“ vor. Erzählt wird darin die Geschichte einer Frau, die in einem abgelegenen Balkandorf strandet und dort zwischen Kriegsnarben, Schweigen und einer eigensinnigen Ziege unerwartet neu zu sich findet. Ein leiser Roman über Aufbruch, Erinnerung und die Kraft persönlicher Begegnungen. 

Valerie Springer: „Still, suchend, gegenwärtig.“

Link zum Buch
5 Minuten
Ist die Geschichte wirklich an ihrem Ziel angekommen? Warum gerät die Demokratie heute weltweit unter Druck? Valerie Springer stellt zwei Bücher des Politikwissenschaftlers Francis Fukuyama vor: „Das Ende der Geschichte“, den berühmten Klassiker über den Siegeszug der liberalen Demokratie, und „Identität. Wie der Verlust der Würde unsere Demokratie gefährdet“, seine Analyse der heutigen Krisen. Fukuyama fragt: Was, wenn die liberale Demokratie zwar keine bessere ideologische Alternative kennt, aber dennoch ins Wanken gerät? Was, wenn Menschen sich nicht gesehen fühlen und Anerkennung in Nation, Religion oder radikalen Bewegungen suchen? „Das Ende der Geschichte“ ist Vision und Warnung zugleich. „Identität“ ist eine Diagnose unserer Gegenwart. Zwei Bücher, ein zentrales Thema: Demokratie braucht mehr als Institutionen. Sie braucht Würde.

Valerie Springer: „Klar, analytisch, hochaktuell.“
5 Minuten
Adolf Loos galt als der „Mann, der Nein sagt“: Nein zum Ornament, Nein zum dekorativen Übermaß, Nein zum Zeitgeschmack. Mit scharfem Furor propagierte er Klarheit, Funktionalität und geistige Disziplin, nicht nur in der Architektur, sondern im Denken insgesamt.

Sein berühmter Vortrag „Ornament und Verbrechen“ wurde zum Manifest der Moderne. Die in diesem Band versammelten Essays zeigen ihn als pointierten, literarisch versierten Polemiker mit einer überraschend aktuellen Botschaft: Luxus und Sparsamkeit sind keine Gegensätze.

Valerie Springer: „Provokant, radikal, widersprüchlich.“
10 Minuten
Valerie Springer nähert sich dem Valentinstag aus einer persönlichen Perspektive und macht eine Inventur der Aufmerksamkeit.

Liebe ist für sie kein romantischer Rückzugsort, sondern eine hellwache, alltagstaugliche Haltung zur Welt. Es geht um Zuwendung ohne Ausweichen, um Selbstachtung statt großer Gesten und um die Frage, wie sie sich im eigenen Leben positioniert, nicht als Hoffnung auf ferne Lösungen, sondern als Entscheidung im Hier und Jetzt.

„Ehrlich gesagt kann ich mit der klassischen Valentinstag-Romantik wenig anfangen“, sagt Valerie Springer. „Deshalb werfe ich einen anderen Blick darauf , ganz ohne Herzchenbrille. Ich maße mir nicht an zu wissen, wie es geht. Ich spreche aus meiner eigenen Erfahrung, von meinen Versuchen und Zweifeln, ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit.“
5 Minuten
Ein leiser, konzentrierter Roman über Erinnerung, Altern und das Ende von Gewissheiten. Ausgehend von autobiografischen Reflexionen erzählt Julian Barnes die Geschichte eines Paares, das sich im Laufe eines Lebens verliert und im Alter wiederbegegnet. Persönliche Rückblicke und Fiktion greifen ineinander und hinterfragen, was von einem Leben bleibt, wenn die Zeit sich verengt. Barnes schreibt über den nachlassenden Körper, die Unzuverlässigkeit der Erinnerung und die Zumutungen des Abschieds, über das Loslassen, ohne Trostversprechen, aber mit feiner erzählerischer Klarheit.

Valerie Springer: „Präzise, ironisch, unaufdringlich.“
5 Minuten
Der Roman Der andere Arthur von Liz Moore erzählt von zwei Menschen, deren Leben zunächst nichts miteinander zu tun haben. Arthur Opp, ein ehemaliger Literaturprofessor, lebt seit Jahren zurückgezogen in seinem Haus in Brooklyn, während der siebzehnjährige Kel Keller versucht, Schule, Sport und die Pflege seiner kranken Mutter zu bewältigen. Eine Verbindung entsteht über Kels Mutter Charlene, eine frühere Studentin Arthurs, die ihn nach langer Zeit um Hilfe bittet. Der Roman wechselt zwischen den Perspektiven der beiden und schildert ihre jeweiligen Lebensumstände und inneren Konflikte. Im Zentrum steht die Frage, wie Verantwortung und Nähe auch über Distanz entstehen können.

Valerie Springer: „Ruhig, menschlich, präzise.“
5 Minuten
Der Roman stellt Paul in den Mittelpunkt, einen hochgebildeten Leser, Schreiber und Social-Media-Akteur, der zurückgezogen in einer Salzburger Wohnung lebt. Sein Denken ist auf geistige Tätigkeiten ausgerichtet, während praktische Alltagsanforderungen ausgeblendet werden. Stattdessen bewegt er sich in einem umfangreichen inneren Wissensraum und sammelt mit großer Aufmerksamkeit auch sensationelle und katastrophale Nachrichten als Schreibmaterial. Durch die Begegnung mit der Erzählerin wird Pauls Lebensweise sichtbar und hinterfragt. Aus diesem Zusammentreffen entsteht eine Beziehung, in der unterschiedliche Vorstellungen von Alltag, Nähe und Lebensführung aufeinandertreffen.

Valerie Springer: „Sprachwitzig, grotesk, geistreich.“