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CoronaCast aus Dresden Archiv

110 Episoden
31 Minuten
Das Impftempo in Deutschland zieht deutlich an. Rund 25 Millionen Menschen haben bereits eine erste Dosis bekommen, etwas mehr als sieben Millionen gelten als vollständig gegen Corona geimpft. Zudem hat an diesem Freitag der Bundesrat den Weg dafür frei gemacht, dass Geimpfte wieder mehr Freiheiten zurückerhalten sollen. Spätestens an diesem Punkt drängt sich die Frage auf, wie soll verlässlich und vor allem fälschungssicher dokumentiert werden, wer geimpft ist und wer nicht? Eine Schlüsselfunktion in dieser heiklen Diskussion kann dem von der EU entwickelten digitalen Impfpass beikommen. Bei diesem Impfpass, der auch als "grünes Zertifikat" bezeichnet wird, handelt es sich um einen QR-Code, den man in einer App auf seinem Handy speichert oder auf Papier ausgedruckt bei sich tragen kann. Johannes Bahrke, Sprecher für Digitales bei der EU-Kommission in Brüssel, erklärt im CoronaCast bei Sächsische.de die wichtigsten Fragen zu Technik, Recht und Datensicherheit. "Zuerst aber, das ist das wichtigste dabei, der digitale Impfpass soll das wieder ermöglichen, was Europa ausmacht: das Recht sich frei zu bewegen, frei zu reisen", leitet Bahrke ein. Und dann wird es technisch. Denn hinter dem simpel anmutenden QR-Code, den etwa ein Beamter am Flughafen bei der Einreise in einem anderen Land scannt, steckt ein komplexes System. Die Firmen SAP und Telekom, die auch die deutsche Corona-Warn-App programmiert haben, arbeiten aktuell mit Hochdruck an der Umsetzung. "Schon nächste Woche startet ein Testlauf. In Deutschland eine Woche später", so Bahrke. Ziel sei es, darauf hätten sich die EU-Mitglieder verständigt, bis spätestens Ende Juni alle EU-Länder an das System anzuschließen. "Manche, wie etwa Frankreich, signalisieren schon jetzt, dass sie soweit vorbereitet sind. Andere brauchen noch etwas." Doch was steckt in dem QR-Code und wie soll die Anwendung in der Praxis funktionieren? Im Grunde gibt es drei entscheidende Dinge, erklärt Bahrke. Erstens: Die zertifizierende Stelle, also ein Impfzentrum, Arzt, Apotheke oder eine andere Einrichtung, die für das Bestätigen einer erfolgten Impfung oder Corona-Testung berechtigt ist. Durch das Bestätigen von einer dieser Stellen wird der QR-Code eines Geimpften, Getesteten oder Genesenen schlicht mit eben dieser Statusinformation versorgt. Namen, Adressen, sonstige empfindliche Daten werden in dem Code nicht gesichert. Zweitens: Das Trägermedium des QR-Codes, das in der Regel ein Smartphone ist. Nach der Bestätigung über eine erfolgte Impfung lässt sich der Code in einer App aufbewahren. Auch sei es laut Bahrke möglich, dass der Code in bereits existierende Corona-Apps integriert werden könne. Dies sei jedoch Sache der Länder. Wichtig beim Punkt Trägermedium: Der QR-Code kann auch ausgedruckt werden. Drittens: Das Scannen beziehungsweise Verifizieren. Anhand des QR-Codes können öffentliche Stellen die Echtheit des "grünen Zertifikats" feststellen. So ist überall in Europa möglich, genau nachzusehen, ob der nötige Impfstatus vorliegt oder nicht. Wichtiges Kriterium noch: Neben einer vollständigen Impfung lassen sich auch Testergebnisse oder überstandene Corona-Erkrankungen über den Code sichern. Beim Scannen ist der überprüfenden Stelle deshalb auch ersichtlich, wann die Gültigkeit eines Tests endet oder wie lange eine Erkrankung zurück liegt. Hinsichtlich der Fälschungssicherheit des QR-Codes stellt Bahrke fest: "Der ist sicher." Schließlich würden nur die ausgebenden Stellen über die entsprechende Berechtigung verfügen. Problematisch sei jedoch der Umgang mit allen bereits früher geimpften, die nun nachträglich den Code erstellen lassen möchten. "Klar ist, jeder hat das Recht dazu", so Bahrke. Allerdings müsste in diesen Fällen genau überprüft werden, ob derjenige, der sich einen digitalen Impfpass ausstellen lassen möchte, auch wirklich einen echten Impfnachweis vorzeigen könne. Das Podcast-Gespräch wurde über einen Videoanruf aufgezeichnet.
23 Minuten
Die Stadt Augustusburg im Landkreis Mittelsachsen hat Anfang April bundesweit im Fokus gestanden. Im Rahmen eines Modellprojekts unter dem Titel "#neustart" durften mit Genehmigung des Landratsamts unter anderem Hotels und Gaststätten unter Auflagen öffnen. Begleitet wurde das Projekt von Wissenschaftlern und einer strikten Teststrategie. Das Ziel: Einen gangbaren Weg finden für einen Ausstieg aus dem Lockdown. Das Projekt musste schließlich nach nur drei Wochen Laufzeit vorzeitig abgebrochen werden. Grund war die Neuregelung des Infektionsschutzgesetzes auf Bundesebene, das derartige Modellversuche nur bei einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in einem Landkreis zulässt. Mittelsachsen lag zu diesem Zeitpunkt bei einer Inzidenz von rund 270. Im CoronaCast, dem Podcast von Sächsische.de zur Pandemie, kritisiert Dirk Neubauer das Eingreifen des Bundes nach wie vor deutlich. "Ich hätte mich gefreut, wenn man ein bisschen mehr darüber nachgedacht hätte, wie wichtig solche Modelle sind, statt es einfach so wegzuwischen." Für Aufsehen hat allerdings nicht allein der Stopp des Modellversuchs und die Kritik daran gesorgt. Nur kurz danach ist Neubauer aus der SPD ausgetreten. Wieso das so hohe Wellen schlägt, "verstehe ich tatsächlich wirklich nicht." Neubauer habe mit seinem persönlichen Entschluss zumindest keine öffentliche Debatte beabsichtigt. Austritt als Folge einer "ziemlich langen Kette" Hatte der Austritt mit dem Ende des Projekts zu tun? Was war ausschlaggebend für den Austritt? "Das war nur ein Baustein einer ziemlich langen Kette", beschreibt Neubauer einen Weg, der in den Koalitionsverhandlungen nach der Landtagswahl 2019 begonnen hatte. Nach seiner Ansicht habe die Partei damals das schlechte Wahlergebnis (7,7 Prozent) nicht aufarbeiten wollen. "Mir wurde klar, dass wir relativ wenig darüber reden werden, was eigentlich dazu führt, dass uns immer so wenige Menschen wählen." In dem Podcast-Gespräch beschreibt Neubauer anhand seiner Erfahrungen, die er einerseits auf Landesebene mit der SPD gemacht hat und andererseits als Bürgermeister einer 4.500-Einwohner-Stadt, welche Diskrepanz er zwischen dem Handeln der Politik und den Wünschen der Bürger oft sehe. "Wir müssen an einen Tisch, und die Sachen müssen auf den Tisch [...] ohne Rücksichtnahme auf rechts oder links." Das ganze Gespräch, die ausführlich erläuterten Hintergründe zum Austritt aus der SPD und erste Details über das mögliche Fortsetzen des Corona-Modellprojekts in Augustusburg hören Sie in dieser Folge CoronaCast - direkt über den hier eingebetteten Player. Das Podcast-Gespräch wurde über einen Videoanruf aufgezeichnet. Alle am Gespräch beteiligten Personen saßen ausreichend weit voneinander getrennt an verschiedenen Orten.
29 Minuten
Die Corona-Pandemie ist eine Katastrophe, deren Folgen wohl auch die nächsten Jahre noch spürbar überdauern dürften. Doch es gibt bei allem Grund zur Sorge um gesundheitliche wie wirtschaftliche Schäden auch Effekte, die nur durch diese Krise entstanden oder befördert worden sind. Oder hätte man noch vor 14 Monaten gedacht, dass sich mal jeder Dritte Deutsche inzwischen einen dauerhaft flexiblen Arbeitsort vorstellen kann? Krisen sind manchmal auch ein Katalysator für Veränderungen. Für die Forscher des Leibniz-Instituts für Troposphärenforschung (Tropos) in Leipzig aber noch mehr. "Uns hat Corona mit dem Lockdown im Frühjahr 2020 ein Fenster geöffnet, das uns einen Blick in eine Zukunft mit geringeren Emissionen erlaubt", sagt Dominik van Pinxteren im CoronaCast, dem Podcast von Sächische.de zur Pandemie. Der 45-jährige Atmosphärenchemiker befasst sich bei Tropos in Leipzig seit fast 20 Jahren mit wissenschaftlichen Fragen zur Luftreinheit. Als Ende März vergangenen Jahres Deutschland gezwungenermaßen zur Ruhe gekommen war, beobachten er und seine Kollegen anhand von Werten von Messtationen in Leipzig, wie sich die Luft in der Großstadt veränderte. "Auf den ersten Blick gar nicht", so van Pinxteren. Der Anteil an Stickoxiden und Rußpartikeln habe sich nicht merklich verändert trotz des Umstands, dass die Straßen leer blieben. Aber das habe an zwei sich überlagernden Effekten gelegen. Denn genau in den Tagen, als der Lockdown begann, änderte sich die Großwetterlage. Statt feuchter Luftmassen und Westwind vom Atlantik drehte es auf trockenere kontinentale Luft aus Osten. "Letztere lädt sich auf ihrem Weg über belebtes Gebiet zu uns bereits mit Schadstoffen auf, anders als die Atlantikluft." Anhand eines über Jahre entwickelten Algorithmus' konnten die Forscher um van Pinxteren schließlich den Einfluss der Witterung genau herausrechnen. "Und dann sieht man eben doch, dass im Lockdown etwa 30 Prozent weniger Schadstoffe in der Luft waren", als es bei gleicher Witterung unter normalen Bedingungen ohne Corona-Beschränkungen gewesen wären, so der Forscher. Einen für die Luftreinheit derart deutlich spürbaren Lockdown wie im Frühjahr 2020 hat es nicht noch einmal gegeben. Auch mehrere Analysen von Mobilitätsdaten zeigen, dass die Deutschen in den reisebeschränkten Zeiten seit Herbst trotzdem vergleichsweise mehr unterwegs waren. Dennoch sei auch aus Messungen in dieser Zeit ein positiver Effekt erkennbar, wenngleich die Daten noch nicht in einer Studie erfasst worden seien. Und was bringt die Erkenntnis? "Bessere Luft ist natürlich ein positiver Nebeneffekt der Corona-Zeit. Allerdings ist der Preis, den wir dafür zahlen, doch sehr hoch." Auch er selbst wolle endlich wieder Normalität in seinem Privat- und Forscherleben. Van Pinxteren schätzt auch deshalb, dass nach der Pandemie noch "viele Anstrengungen" nötig seien, damit der Verkehr emissionsarm oder Angebote im ÖPNV attraktiver würden. "Aber dieser Blick darauf, wie sich die Luft verbessern kann, hat vielleicht gezeigt, dass es sich lohnt, wenn Menschen schadstoffarm unterwegs sind." Außerdem erklärt der Forscher in dem Podcastgespräch die Auswirkungen von Schadstoffemissionen auf das Klima, welche Unterschiede es bei der Luftqualität in Städten und auf dem Land auch infolge der Lockdowns gibt und wie seine Forscher-Kollegen des Tropos-Instituts mitten in der Pandemie ein halbes Jahr lang isoliert auf dem Schiff Polarstern in wissenschaftlicher Mission am Nordpol unterwegs waren. Die Podcastfolge hören Sie direkt über den hier eingebetteten Player. Das Podcast-Gespräch wurde über einen Videoanruf aufgezeichnet. Alle am Gespräch beteiligten Personen saßen ausreichend weit voneinander getrennt an verschiedenen Orten.
40 Minuten
Seit Ende Dezember sind in Sachsen Impfungen gegen das Coronavirus möglich. Dazu eingerichtet wurde mit großem Aufwand und Einsatz eine Struktur aus 13 festen und zwei temporären Impfzentren sowie mobilen Teams. Von Anfang an war klar: Irgendwann sollen die Impfungen aber nicht mehr in den zentralen vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) betriebenen Einrichtungen stattfinden, sondern in Praxen niedergelassener Ärzte an möglichst vielen verschiedenen Orten. Genau dieser Wendepunkt steht möglicherweise schon im Juni bevor. Dann nämlich, so der noch geltende Beschluss der sächsischen Staatsregierung, sollen bis auf die drei Impfzentren in Dresden, Leipzig und Chemnitz alle anderen schließen. Das Impfziel, so der Plan, soll dann in erster Linie von den Hausärzten erfüllt werden. Für Erik Bodendieck, Präsident der Landesärztekammer, hält das für machbar. Im CoronaCast, dem Podcast von Sächsische.de zur Pandemie, erklärt er, dass durch die niedergelassenen Ärzte das Impftempo massiv erhöht werden könne. Aber, schränkt Bodendieck ein: "Die Deadline 30. Juni halte ich nur dann für sinnvoll, wenn sich die Staatsregierung bis dahin um genügend Impfstoff bemüht." Und genau der ist in den vergangenen Monaten oft Mangelware gewesen. Für die kommende Woche seien 146.000 Impfdosen verschiedener Anbieter angekündigt worden. Nur wenn das so weiter gehe, könne es mit einer "großen gemeinsamen Kraftanstrengung" gelingen, im Sommer etwa 60 Prozent der Sachsen geimpft zu haben. Im Podcast spricht Bodendieck, der selbst auch eine Hausarztpraxis in Wurzen führt, über die Vor- und Nachteile der geplanten Dezentralisierung der Coronaimpfung. Für den Mediziner überwiegen offensichtlich die Vorteile. Abgesehen davon, dass die aktuell rund 1.800 von möglichen rund 2.500 Praxen in Sachsen schon jetzt pro Tag genauso viel oder sogar mehr verimpfen könnten als die Impfzentren, sprächen vor allem drei Dinge dafür: das oft örtliche Vorhandensein von Arztpraxen, die geringeren Aufwände bei der Terminabstimmung für Impfwillige und die Möglichkeit für individuelle Aufklärungsgespräche. "Gerade weil es zu den Vektorimpfstoffen wie etwa Astrazeneca viele Fragen gibt, ist Beratung wichtig." Im Gespräch mit den Leuten könnten Hausärzte, weil sie die Patienten und die Patienten meist sie gut kennen, Ängste nehmen. "Und wenn man dann einem über 50-Jährigen erklärt, dass das Auftreten einer Nebenwirkung unwahrscheinlicher ist, als im restlichen Leben vom Blitz getroffen zu werden, stimmen sie dann doch in der Regel zu." Inzwischen sehe Bodendieck deshalb ein wieder wachsendes Vertrauen in die in Verruf geratenen Vektorimpfstoffe, zu denen neben dem von Astrazeneca auch der von Johnson & Johnson sowie Sputnik V gehören. Außerdem geht es in dem Podcastgespräch noch um folgende Themen: - eine geplantes Terminbuchungssystem für Hausärzte in Sachsen - die Tücken bei Transport und Lagerung der Impfstoffe zu und in den Praxen - wie Hausärzte das Impfen neben dem Praxisalltag realisieren - wie man einen Impftermin vereinbart - inwiefern schon jetzt Corona-Patienten mit Spätfolgen zu den Hausärzten kommen - welche Folgen einer Corona-Infektion Erik Bodendieck noch heute spürt Das Podcast-Gespräch wurde über einen Videoanruf aufgezeichnet. Alle am Gespräch beteiligten Personen saßen ausreichend weit voneinander getrennt an verschiedenen Orten.
29 Minuten
Es hat nicht lange gedauert. Das Hashtag #allesdichtmachen trendet bereits kurz nach der Veröffentlichung der Videos von 53 deutschen Fernseh- und Filmpromis am Donnerstagabend bei Twitter auf Platz 1. Am Freitag setzt sich das fort: Das Thema ist in sozialen Medien viel diskutiert und findet auch den Weg in die Pressekonferenz von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Spahn erklärt in Berlin die Einzelheiten und Folgen des neu beschlossenen Infektionsschutzgesetzes. Dass die erst am Vorabend gestartete Aktion da schon in der höchsten politischen Ebene angekommen ist, beweist ihren Stellenwert. "Es ist die größte Aktion dieser Art von Künstlern in Deutschland seit Beginn der Corona-Pandemie", stellt auch Oliver Reinhard im CoronaCast fest. Der Feuilleton-Redakteur von Sächsische.de erklärt in dem Podcast, was hinter der Aktion steckt. Die Liste der teilnehmenden Künstler ist prominent. Ulrich Tukur, Volker Bruch, Ulrike Folkerts, Richy Müller, Jan Josef Liefers, Martin Brambach und viele andere. Alle teilnehmenden Künstler hatten am Donnerstag bei Instagram und auf Youtube gleichzeitig ironisch-satirische Clips mit persönlichen Statements über die Corona-Zeit, die Politik und Medien veröffentlicht. Auch ein Website, die inzwischen nicht mehr erreichbar ist*, bündelte alle Videos. Welches Ziel verfolgt die Aktion? Meinen die Akteure das ernst, was sie da sagen? Wie reagieren andere Schauspielerkollegen darauf? Und wem nützt das Ganze? Redakteur Oliver Reinhard analysiert im Podcast-Gespräch die Vielschichtigkeit der Aktion, und welche möglicherweise nicht kalkulierten Folgen sie haben könnte. Und schließlich gibt es noch eine spezielle Einladung für Jan Josef Liefers ... Das Podcast-Gespräch wurde über einen Videoanruf aufgezeichnet. Alle am Gespräch beteiligten Personen saßen ausreichend weit voneinander getrennt an verschiedenen Orten.
21 Minuten
Am Mittwoch ist in Berlin ein Flugzeug mit dem Reiseziel Moskau abgehoben. An Bord: Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer (CDU) und weitere Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Kultur. Die Reise war lange geplant, sollte ursprünglich im Dezember stattfinden, und wurde schließlich damals wegen der Coronalage auf das Frühjahr verschoben. Nun ist die Situation nicht wirklich entspannter als damals - und das hat nicht nur mit der Pandemie zu tun. Dennoch startete die Reise. Im CoronaCast, dem Podcast von Sächsische.de, ordnet SZ-Politikchefin Annette Binninger die mit dem Russlandbesuch verbundenen Umstände ein. "Es ist eine heikle Mission. Und ich glaube, Kretschmer selbst ist damit nicht glücklich ist, dass gleich mehrere Themen jetzt geballt zusammenkommen." Denn neben der angespannten Coronasituation in Russland wie auch in Deutschland überschatten vor allem neue Spannungen im Ukrainekonflikt und der Umgang mit Kreml-Kritiker Nawalny die politischen Beziehungen zwischen Russland und dem Westen. Hinzu kommen Spannungen zwischen Prag und Moskau wegen eines Anschlags auf ein Munitionsdepot in Tschechien. Zudem gehört auch Sachsens AfD-Chef Jörg Urban zum Tross der Delegation. "Urban bringt als Rechtsaußen seiner Partei eine gewisse Putin-Sympathie mit", so Binninger. Spannend sei deshalb zu beobachten, ob sich Urban, der auch selbst in dem Land eine Zeit lang gelebt hat, bei der Reise zurückhalte oder die Möglichkeit für eigene PR-Politik nutze. Dass die Reise unter schwierigen Vorzeichen startet, war spätestens ab Dienstag klar. Zahlreiche Teilnehmer, vor allem aus Leipzig, sagten kurzfristig ab. Auch Tillmann Blaschke, Chef der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meissen, hat erklärt, dass er die Reise aus persönlichen Gründen absagen müsse und dies sehr bedauere. Vor allem aus der Wirtschaft gab es viele Absagen, die Delegation ist in diesem Bereich deutlich geschrumpft. Außerdem geht es in dem Podcast-Gespräch um den russischen Impfstoff Sputnik V, und ob dieser möglicherweise Gegenstand von Gesprächen Kretschmers mit russischen Regierungskreisen werde. Die Folge können Sie direkt über den hier eingebetteten Player anhören. Das Podcast-Gespräch wurde über einen Videoanruf aufgezeichnet. Alle am Gespräch beteiligten Personen saßen ausreichend weit voneinander getrennt an verschiedenen Orten.
46 Minuten
Abgesehen davon, dass man Menschen nicht in Schubladen steckt, würde man bei Johannes Filous ohnehin einen ganzen Schrank brauchen. Der Dresdner ist angehender Arzt, arbeitet in einer Klinik, impft im Impfzentrum Menschen gegen Corona, engagiert sich gesellschaftlich bei der Band Offbeat Cooperative und ist mit dem Twitter-Projekt "Straßengezwitscher" Grimme-Online-Award-Preisträger. Er ist also Mediziner, Reporter und Musiker in einem. Im CoronaCast, dem Podcast von Sächsische.de zur Pandemie, redet Filous über seine vielfältigen Tätigkeitsfelder. Die machen ihn während Corona sowohl zum Sprachrohr dauergestresster Mitarbeiter im Gesundheitswesen als auch zu einem aufmerksamen Beobachter der "Querdenken"-Bewegung. Im Podcast-Gespräch macht Filous auf die sich zuspitzende Lage auf sächsischen Intensivstationen eindringlich aufmerksam. Als Arzt im Studium arbeitet er momentan an einer Dresdner Klinik. "In diesem Haus ist momentan kein Intensivbett frei", sagt er. Wie schnell das flächendeckend zum Problem werde, habe er im Winter erlebt. "Da habe ich selbst auf einer Intensivstation Patienten versorgt." Filous beschreibt, wie aufwendig und kräftezehrend vor allem die pflegerischen Tätigkeiten auf so einer Station sind. "Die Menschen liegen im Koma, auf dem Bauch, werden beatmet und müssen von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern immer wieder umgelagert werden." Dass sich Intensivpatienten nicht selbst bewegen könnten, sei zwar normal. Dass die Stationen über Wochen voll seien, mache aber den Unterschied. Hinzu kämen menschliche Schicksale, die zusätzlich belasten. Ein Fall hat Filous besonders nachdenklich gestimmt. "Wir hatten ein jüngeres Ehepaar auf der Intensivstation. Der Frau ging es schon bald besser, so dass sie auf Normalstation konnte. Ein paar Tage später kam sie dann wieder zu uns, um sich von ihrem Mann zu verabschieden." Den Weg raus aus der Krise sieht Filous in den Impfungen. Mit dem Start der Impfzentren in Sachsen wurde im Januar medizinisches Personal gesucht, das impfberechtigt ist. "Für mich war klar, dass ich da helfen will. Dann ging es ganz schnell." Inzwischen impft Filous immer dann, wenn es sein Dienstplan erlaubt. Das ist meist an Wochenenden. "Inzwischen habe ich schon 600 Menschen geimpft." Filous erklärt in dem Podcast detailliert die Abläufe in einem Impfzentrum. Und welche Vor- und Nachteile diese großen Einrichtungen im Vergleich zu Hausarztpraxen haben, wo die Corona-Impfung seit Anfang April ebenfalls möglich ist. Er spricht über die verschiedenen Impfstoffe und erklärt, wie Menschen vor dem Pieks optimal aufgeklärt werden sollten. Schließlich geht es auch um Impfverweigerer, Corona-Skeptiker und die "Querdenken"-Bewegung. Filous betont: "Von pauschalen Verurteilungen halte ich wenig." Man sollte nicht jeden, der etwa die rapide Entwicklung der Corona-Impfstoffe hinterfrage, "irgendein Label aufdrücken." Seriöse Aufklärung sei wirksamer. Die Corona-Demonstrationen, bei denen sich gewöhnliche Bedenkenträger mit Rechtsextremen vermischen, hält er jedoch für ein ernstzunehmendes Phänomen. Auf das hat er als Reporter für "Straßengezwitscher" ein Auge. Auch am kommenden Wochenende in Dresden, wo trotz eines Demo-Verbots Versammlungen erwartet werden. Das Podcast-Gespräch wurde über einen Videoanruf aufgezeichnet. Alle am Gespräch beteiligten Personen saßen ausreichend weit voneinander getrennt an verschiedenen Orten.
26 Minuten
In neun Bundesländern hat am Montag die Schule wieder begonnen. Präsenzunterricht in der Pandemie? Eine viel diskutierte Frage, nach wie vor. Erst kürzlich hat das Robert-Koch-Institut auf den wachsenden Anteil von Kindern beim Infektionsgeschehen hingewiesen. Vergangene Woche liefert das Helmholtz Zentrum München Zahlen, die ebenfalls aufhorchen lassen. Im Rahmen der sogenannten Fr1da-Studie, bei der es eigentlich um die Früherkennung von Typ-1-Diabetes bei Kindern bis zu einem Alter von 10 Jahren geht, wurden genommene Proben auch auf Antikörper gegen das Coronavirus hin untersucht. Im CoronaCast, dem Podcast von Sächsische.de zur Pandemie, erklärt der Autor der Studie, Dr. Markus Hippich, was dabei herausgekommen ist. Die Studie läuft momentan ausschließlich in Bayern. Zwischen Januar 2020 und Februar 2021 sind in dem Bundesland bisher 26.903 Proben auf Corona-Antikörper untersucht worden. "Wir konnten damit ein sehr repräsentatives Bild gewinnen, wie sich Infektionen bei Kindern verteilen. Es ist zu sehen, dass es mehr geworden sind, es regionale Unterschiede gibt und Verläufe sehr oft asymptomatisch sind", so Hippich. Nach der ersten Welle hatten die Forscher bei 0,68 Prozent der Kinder Antikörper festgestellt. "Jetzt nach der zweiten Welle waren es 3,92 Prozent." Zu beiden Zeitpunkten sind zudem auch deutlich mehr Hinweise auf durchgemachte Infektionen gefunden worden als aus offiziellen Meldezahlen infolge von PCR-Tests in Bayern hervorgeht. Der Vergleich der beiden Wellen ist möglich, weil das Helmholtz Zentrum bereits seit Anfang 2020 bei der Diabetes-Untersuchung den zusätzlichen Corona-Check mit durchführt. Benötigt wird dafür von den Kindern nur ein Mikroliter Blut. Abgenommen wird das während der U-Untersuchungen beim Kinderarzt. Die Fr1da-Studie könnte perspektivisch für die Politik auch außerhalb Bayerns eine hilfreiche Datenstütze sein. "Wir rollen unsere Studie auch auf andere Bundesländer aus", so Hippich. Noch im Sommer kämen Sachsen und Niedersachsen dazu. Dann soll auch in diesen Ländern im Rahmen der Diabetes-Typ-1-Früherkennung bei Kindern zusätzlich flächendeckend auf Corona-Antikörper getestet werden. Sachsen hat sich in der Vergangenheit mehrfach auf die Corona-Studie der Kinder- und Jugendmedizin der Uniklinik Dresden berufen. Die kommt nach Auswertungen nach der ersten Welle und nach dem Sommer 2020 zu dem Ergebnis, dass Kinder keine Treiber der Pandemie seien und deshalb das Infektionsrisiko an Schulen nicht höher als anderswo sei. "Niemand hat gesagt, dass es keine Ansteckungen gibt. Aber Kinder treiben die Infektionen nicht mehr an als andere Bevölkerungsgruppen", betont Dr. Jakob Armann von der Dresdner Uniklinik, der an der Studie mitarbeitet und ebenfalls im CoronaCast spricht. Für die nächste Auswertung der Dresdner Studie, die für Anfang Mai geplant ist, erwartet Armann ähnliche Zahlen wie seine Forscher-Kollegen aus München. "Noch sind wir in der Probenentnahme. Aber wir stellen auch einen ähnlich starken Anstieg bei Kindern fest, die Antikörper gebildet haben." Das Podcast-Gespräch wurde über einen Videoanruf aufgezeichnet. Alle am Gespräch beteiligten Personen saßen ausreichend weit voneinander getrennt an verschiedenen Orten.
34 Minuten
Seit über einem Jahr stecken sich Menschen auf der ganzen Welt mit dem Coronavirus an. Für die meisten von ihnen verlaufen die Infektionen folgenlos. Nicht wenige bemerken gar nicht erst, dass sie das Virus haben und zu stillen Überträgern werden. Einen Teil der Infizierten erwischt es hart. Sie kommen auf Intensivstationen, kämpfen ums Überleben. Viele müssen sterben. Und es gibt diejenigen, die zwar nur schwache Krankheitsverläufe erleben, dafür aber monatelang unter den Folgen der Ansteckung leiden. Zu letzteren gehört Jan Hippold. Der Politiker aus Limbach-Oberfrohna sitzt für die CDU im sächsischen Landtag und ist zugleich deren wirtschaftspolitischer Sprecher. Im CoronaCast, dem Podcast von Sächsische.de zur Pandemie, schildert der 46-Jährige, was er seit seiner Ansteckung Mitte November 2020 erlebt hat. "Zuerst war nur der Geschmack weg", beschreibt er einen zunächst harmlos empfundenen Verlauf. Ängste oder Sorgen hätten ihn in dem Moment nicht umgetrieben. "Es war eher erstmal eine logistische Herausforderung." Schließlich habe der positive Test auch Folgen für seine Familie gehabt. Nach und nach habe er erst gemerkt, dass auch längst nach dem Ende seiner Quarantäne und dem Überstehen der Infektion etwas mit ihm nicht stimmt. Knapp vier Monate später macht er bei Facebook seine Erkrankung öffentlich und erklärt, dass er sich in ärztliche Behandlung begibt. Die Reaktionen auf das Posting des Politikers sind überwiegend positiv, die Menschen wünschen schnelle Genesung. Doch die ist in seinem Fall erstmal noch nicht absehbar. "Ich warte noch die Ergebnisse ab. Klar ist aber, ich leide unter dem sogenannten Fatigue-Syndrom." Anhaltende Müdigkeit oder Antriebslosigkeit prägen dieses Krankheitsbild. Zudem wird bei Hippold eine Schwächung des Herzens vermutet. Dr. Dirk Koschel, Chefarzt der Lungenfachklinik in Coswig und zugleich auch Leiter der Pneumologie der Uniklinik Dresden, kennt viele solcher Fälle. Der Arzt ist ebenfalls Gast in dem Podcast-Gespräch und ordnet das Thema "Long Covid", wie die Langzeitfolgen von Corona-Erkrankungen bezeichnet werden, medizinisch ein. Welche Altersgruppen sind häufiger betroffen? Leiden mehr Männer oder Frauen unter Spätfolgen? Und welche Nachbehandlungen sind meist nötig? Koschel antwortet ausführlich im CoronaCast auf diese und weitere detaillierte Fragen. Außerdem nimmt der Mediziner, in dessen Kliniken auch Intensivpatienten behandelt werden, die aktuelle Lage in den Blick. Das Podcast-Gespräch wurde über einen Videoanruf aufgezeichnet. Alle am Gespräch beteiligten Personen saßen ausreichend weit voneinander getrennt an verschiedenen Orten.
49 Minuten
Sachsen schlägt mit der neuen Corona-Verordnung, die ab 1. April gilt, einen neuen Weg ein. Erstmals sind nicht Inzidenzwerte allein ausschlaggebend für die Entscheidung über Verschärfungen oder Lockerungen. Künftig richtet sich das nach der Auslastung der Normalstationen in sächsischen Kliniken. Sobald dort die Marke von 1.300 Corona-Infizierten erreicht ist, werden Öffnungen zurück genommen. Doch warum liegt diese Bettengrenze bei 1.300? Und was genau sagt diese Zahl aus? Darüber spricht Professor Dr. Michael Albrecht im CoronaCast, dem Podcast von Sächsische.de zur Pandemie. Albrecht ist Medizinischer Vorstand des Dresdner Uniklinikums. In seiner Funktion ist der Facharzt für Intensivmedizin nicht nur unmittelbar in die Therapie von Covid-Patienten eingebunden, sondern auch beratend für die Politik tätig. "Ich bin wirklich dankbar, dass es uns mit der 1.300er-Marke gelungen ist, einen Wert zu finden, der das Infektionsgeschehen und die direkten Auswirkungen auf die Krankenhausbelastung abbildet." Zustande komme die Zahl, so erklärt es Albrecht in dem ausführlichen Gespräch, aus den Erfahrungen aus einem Jahr Coronakrise. Die Marke 1.300 entspricht etwa einem Drittel der Patienten, die Ende Dezember in den sächsischen Krankenhäusern lagen. "Der Wert stellt also nicht unser mögliches Maximum dar, aber er funktioniert wie ein Frühwarnsystem." Beobachtet wird die Krankenhausbelastung mit einem an der Uniklinik entwickelten System. "Unser Dispense Tool ist ein bundesweit einzigartiges Modell", betont der Mediziner. Sogar andere Bundesländer hätten inzwischen Interesse daran angemeldet. Das System berechnet über einen Algorithmus sehr genau, wie sich die Patientenzahlen in den kommenden zwei Wochen entwickeln. So viel kann man dem Hören des Podcast-Gesprächs vorwegnehmen: diese Zahlen sehen nicht gut aus. Die 1.300er-Marke könnte schon Mitte oder Ende kommender Woche gerissen werden. Allerdings sieht Albrecht in den Prognosen regional unterschiedliche Anstiege. Das liegt daran, dass in dem Tool alle Kliniken im Freistaat auf drei Cluster verteilt sind: Westsachsen/Chemnitz, Dresden/Ostsachsen und die Region Leipzig. "Vor allem im Westen Sachsens ist mit einem stark exponentiellen Zuwachs zu rechnen." Das sächsische Frühwarnsystem, wie man die Betten-Berechnung auch nennen kann, könnte neben treffender Prognosen noch einen weiteren Nutzen bringen. "Wenn wir sehen, dass es regional zu starken Belastungen kommt, können wir ebenso regional reagieren." Albrecht spricht sich dafür aus, dass in schwer betroffenen Regionen auch harte Lockdowns ergriffen werden. Außerdem geht es in dem Gespräch um die Impfung, die Auswirkung der britischen Mutation auf die Patientenzahlen sowie das zunehmend jüngere Alter von schwer erkrankten Personen.
39 Minuten
Steigende Infektionszahlen und ein bemerkenswerter Vorgang in der Politik prägen die aktuelle Corona-Lage in Deutschland. Während sich Inzidenzwerte alle zwei Wochen zu verdoppeln scheinen, versuchen Bund und Länder der sich abzeichnenden dramatischen Entwicklung irgendwie entgegenwirken. Die Idee der "Osterruhe" ist entstanden, die rückblickend nun eher eine große Unruhe war. Zu viel sei ungeklärt gewesen und hätte sich nicht regeln lassen. "Es war mein Fehler", sagt Kanzlerin Angela Merkel und bittet bei ihrem Statement am Mittwoch in Berlin die Bevölkerung um Entschuldigung. Der Politikwissenschaftler und Professor der TU Dresden, Hans Vorländer, beschreibt den Auftritt sinnbildlich in einem Wort, das Merkel zu früheren Anlässen prägend genutzt hat: "Es war alternativlos", so Vorländer im CoronaCast, dem Podcast von sächsische.de zur Pandemie. Die Situation sei derart verfahren gewesen, dass ein Ausweg nur in einem großen Befreiungsschlag zu finden gewesen sei. Das Bitten um Verzeihung schätzt Vorländer als große Geste ein. Doch das Vertrauen sei damit wahrscheinlich nicht größer geworden. Übrig bleibe schließlich auch, dass "die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten etwas gemeinsam entschieden haben, von dem sie kurze Zeit später wieder abrücken mussten". Vorländer analysiert im Podcast-Gespräch die Vorgänge, die zum schnellen Scheitern der "Osterruhe"-Pläne geführt haben. Bei aller Kritik daran schlussfolgert der Wissenschaftler jedoch auch, dass die Politik vor dem Hintergrund sinkender Zustimmung nun mutige Entscheidungen treffen müsse. "Es geht nicht mehr nur mit harten Lockdowns weiter. Das ist allen klar." Eine Perspektive sieht Vorländer in regional angepassten Öffnungsschritten in Kombination mit einer funktionierenden Test- und Impfstrategie. Das nachlassende Vertrauen in der Bevölkerung dokumentiert auch eine Umfrage mit den Meinungsforschern von Civey. Demnach sagen aktuell rund 73 Prozent der Sachsen, sie seien unzufrieden mit dem Krisenmanagement der Bundesregierung. Teils schlägt das auch um in Proteste auf den Straßen. "Wenn sich der Eindruck verfestigt, wir schaffen es nicht, die Krise zu meistern, mache ich mir ernsthaft Sorgen um die Demokratie." Außerdem gibt Vorländer in dem Podcast eine Einschätzung zur Krisenarbeit der sächsischen Regierung, insbesondere zur Zusammenarbeit mit zwischen Land und Kommunen. Es geht um das Tempo der Corona-Impfung, das schleppende Vorankommen bei der Teststrategie sowie die möglichen Folgen der aktuellen Entwicklungen auf den Ausgang der Bundestagswahl im September. Das Podcast-Gespräch wurde über einen Videoanruf aufgezeichnet. Alle am Gespräch beteiligten Personen saßen ausreichend weit voneinander getrennt an verschiedenen Orten.
36 Minuten
Die Proteste gegen die Corona-Maßnahmen am vergangenen Wochenende in Dresden haben Folgen. Auf politischer Ebene hat sich der Innenausschuss des sächsischen Landtages am Donnerstag damit befasst. Ergebnis: Akteure der "Querdenken"-Bewegung rücken in den Fokus von Verfassungsschützern. Wie genau, das hat Innenminister Roland Wöller (CDU) offen gelassen. Dass auch weiterhin gegen die Pandemie-Regeln demonstriert werden dürfte, verhindert das sicher aber nicht. Für die Polizei stellt sich in der Aufarbeitung des Einsatzes am 13. März deshalb auch die Frage, welchen Nutzen gerichtlich durchgesetzte Demonstrationsverbote haben. Genau das hat es am Samstag für die Anmeldung der "Querdenken"-Veranstaltung gegeben. Im CoronaCast, dem Podcast von Sächsische.de, schildert Polizeisprecher Thomas Geithner, welche Folgen das hatte. "Im Nachhinein betrachtet war es diesmal eher ein Nachteil" sagt Geithner und vergleicht die Lage von vergangenem Samstag mit der vom 12. Dezember, als ebenfalls eine "Querdenken"-Demonstration vom Oberverwaltungsgericht Bautzen untersagt wurde. Weil es diesmal aber auch eine zulässige Kundgebungen gab, habe man den Zustrom nicht unterbinden können. "Es gab keine Ordnung und deshalb keine Choreografie, wie sie bei solchen Versammlungen üblich ist." Die Gefahr, dass aus der Anmeldeprozedur ein Muster für künftige Corona-Proteste entsteht, ist gegeben. Die "Querdenker" hätten zudem auch gezeigt, dass sie bei der Mobilisierung von Teilnehmern "kreativ werden", so Geithner. Schließlich hatte Anmelder Marcus Fuchs seine Anhänger trotz verbotener Demonstration dazu aufgerufen, nach Dresden zum Shoppen zu kommen. Die Frage, ob nun Verbote nützlich und richtig seien, könnte deshalb nicht generell, sondern nur von Fall zu Fall beurteilt werden. Außerdem schildert Geithner in dem Podcast-Gespräch noch einmal genau den Verlauf der Proteste, in deren Folge rund 1.000 Ordnungswidrigkeiten angezeigt und 47 Straftaten registriert wurden. Zudem beschreibt er, welche Erkenntnisse vorliegen, ob Demonstranten Institutionen wie den Landtag oder das Impfzentrum zum Ziel hatten - und wie auch ohne den Einsatz von Wasserwerfen Gefahren abgewehrt werden konnten. Neben Thomas Geithner ist auch Andreas Weller zu Gast in der Podcast-Runde. Der Reporter war für Sächsische.de am 13. März im Einsatz. Er beschreibt, wie er die Lage und die teils gewaltsamen Übergriffe gegen Polizisten wahrgenommen hat. Das Podcast-Gespräch wurde über einen Videoanruf aufgezeichnet. Alle am Gespräch beteiligten Personen saßen ausreichend weit voneinander getrennt an verschiedenen Orten.
50 Minuten
Lockern trotz nicht sinkender Infektionszahlen? Was lange unmöglich schien, ist seit diesem Montag Realität. Auch in Sachsen dürfen sich wieder mehr Menschen treffen oder in begrenztem Maß in verschiedenen Geschäften einkaufen gehen. Zudem gibt es mit "Click & Meet" ein System, das Shoppen auf Termin ermöglicht. Im CoronaCast, dem Podcast von Sächsische.de zur Pandemie, erklärt Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) wie mildere Regeln und Infektionsschutz künftig zusammenpassen sollen. Eins macht der Minister in dem Podcast-Gespräch sofort klar: Lockerungen dürfe man nicht mit Lockerlassen verwechseln. "Corona ist immer noch da. Das Virus überträgt sich von Mensch zu Mensch." Und man habe es jetzt mit der gefährlichen britischen Mutation zu tun. Jedoch hält Dulig nach vier Monaten Lockdown es jetzt für den richtigen Zeitpunkt, mit der schrittweisen Normalisierung des Alltags zu beginnen. "Möglich ist das aber nur mit einem strikten und funktionierenden Testregime." Doch wie soll das aussehen? Gibt es genügend Tests? Welche Tests sind geeignet? Wer bezahlt das alles den Unternehmen und Bürgern? Und was passiert mit jenen, die sich gegen verpflichtende Tests wehren? Viele Fragen, auf die Dulig im CoronaCast ausführlich antwortet. Momentan ruckelt es in Sachen Coronatests noch gewaltig. Das sieht auch Dulig so. Er setze darauf, dass nach einer Phase des Einführens bald engmaschig und flächendeckend getestet werden könne. So sehe er Tests etwa auch einmal als "Eintrittskarte" für Veranstaltungen. Ähnlich denkt Dulig beim Thema Impfung. Zwar hoffe er, dass nicht noch einmal eine Pflicht-Debatte geführt werden müsse, halte aber Erleichterungen für Geimpfte nicht abwegig. "Wenn es nach mir ginge, sollen alle, die schon geimpft sind, schon mehr Möglichkeiten nutzen können als Ungeimpfte." Und wie ist die Lage der Wirtschaft in Sachsen? "Die funktioniert", sagt der Minister. Vieles sei in diesem Lockdown anders als im vergangenen Frühjahr. Was nicht heißen solle, es gebe keine Probleme. "Wir sehen die Sorgen im Tourismus, in der Eventbranche und in der Gastronomie." Um auch deren Perspektive zu bessern, seien Tests und Impfungen jetzt neben Hilfsprogrammen von Bund und Ländern die wichtigsten Instrumente. Das Podcast-Gespräch wurde über einen Videoanruf aufgezeichnet. Alle am Gespräch beteiligten Personen saßen ausreichend weit voneinander getrennt an verschiedenen Orten.
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Veranstalter von Großevents bekommen die Auswirkungen der Corona-Krise mit am heftigsten zu spüren. Menschen dürfen sich nicht nahe kommen, erst recht nicht in großer Zahl. Ein Problem für alle in der Branche, auch für die Laufszene Events GmbH. Die Dresdner Agentur organisiert sachsenweit Laufveranstaltungen für meist mehrere Tausend Teilnehmer. "Erstmals seit Bestehen unserer Agentur mussten wir mit dem Dresdner Citylauf vergangenes Jahr einen Lauf absagen", erinnert sich André Egger im CoronaCast an die Zeit im März 2020 zurück. Das sei schmerzhaft gewesen und unausweichlich. "Doch anders als damals, wo niemand wusste, wie es weitergeht, haben wir jetzt Perspektiven und eine Menge gelernt", betont er. Der Laufszene-Geschäftsführer erklärt in dem Podcast-Gespräch, wieso ihn die aktuelle Entwicklung optimistisch stimmt. Dass man Corona ernst nehmen müsse, sei für ihn genauso klar, wie man jetzt auch darüber nachdenken sollte, in bestimmten Bereichen wieder mehr möglich zu machen. Die Pläne in Sachsen und des Bundes zu mehr Öffnung hält Egger "zumindest für ein positives Signal." Doch alles, was möglich werden soll, hänge von der Sicherheit ab. "Wir schauen deshalb sehr gespannt auf die jetzt anrollende Test-Strategie. Und auf die Schnell- und Selbsttests, die es ab kommender Woche gibt." Egger könnte sich vorstellen, dass etwa ein negativer Coronatest bei Laufevents vorübergehend zur Voraussetzung für eine Teilnahme werden könnte. Auch Geimpfte würden die nötige Sicherheit mitbringen. "Wobei ich eine Pflicht zum Impfen doch eher problematisch finde", sagt Egger. Das könne man nicht mit Zwang regeln. Aktuell beobachten Egger und sein neunköpfiges Team die Entwicklung, die Pläne der Sport-Agentur sind wegen Corona langfristig gestaltet. "Bei uns verlagert sich viel in den späten Frühling und Sommer." Bis dahin, so hofft Egger, werde sich die Lage so weit normalisieren, dass größere Veranstaltungen wieder möglich seien. "Wir planen auch die Durchführung der Rewe Teamchallenge in Dresden." Das ist eine der größten Laufveranstaltungen Deutschlands, üblicherweise mit 25.000 Teilnehmern. "Das geht natürlich auch dieses Jahr nicht. Wir strecken das Event auf zwei Tage, begrenzt für 10.000 Teilnehmer." Drei Viertel der Startplätze seien schon weg. Daran sehe man, dass die Menschen das normale Leben noch nicht vergessen hätten. "Und auch uns nicht." Außerdem geht es in dem Talk um Events, die die Laufszene seit kurzer Zeit ausschließlich für Spitzenathleten anbietet, damit diese nötige Wettkampfnormen erbringen können zum Beispiel für die Olympischen Spiele. Es geht um eine Anfrage des Superstars Mo Farah. Und wie virtuelle Angebote die Arbeit von Laufsport-Veranstaltern erweitern ... Das Podcast-Gespräch wurde über einen Videoanruf aufgezeichnet. Alle am Gespräch beteiligten Personen saßen ausreichend weit voneinander getrennt an verschiedenen Orten.
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Tschechien hat derzeit die höchsten Infektionszahlen weltweit, die 7-Tag-Inzidenz liegt bei einem Wert von rund 700. Das Coronavirus, vor allem die mutierte Variante mit der Bezeichnung B.1.1.7., hat das Land komplett im Griff. "Die Regierung will ab 1. März deshalb den derzeit geltenden Lockdown verschärfen. Dann fährt das Land bis auf die Industrie komplett herunter. Es werden jetzt auch Ausgangsbeschränkungen kommen", sagt Hans-Jörg Schmidt im CoronaCast, dem Podcast zur Pandemie von Sächsische.de. Schmidt lebt in Prag und ist seit 30 Jahren Tschechien-Korrespondent der Sächsischen Zeitung. Der 68-Jährige kennt das Land und die Leute. "Was jetzt hier passiert, hätte ich nicht gedacht, dass es in der Form möglich ist. Der Regierung ist die Corona-Situation entglitten und die Menschen haben das Vertrauen komplett verloren." Für die Lage gebe es viele verschiedene Gründe. Einer aber sei, dass auch führende Politiker des Landes in der Vergangenheit die selbst aufgestellten Corona-Regeln nicht eingehalten hatten. Im Oktober sorgte beispielsweise der damalige Gesundheitsminister Roman Prymula für Schlagzeilen: Er besuchte stundenlang ein Luxusrestaurant, obwohl eigentlich alle Gastronomiebetriebe hätten geschlossen sein müssen. Den vielleicht entscheidenden Wendepunkt in der Sicht der Tschechen auf die Pandemie sieht Schmidt in der Zeit nach dem ersten Lockdown. Den hatte Tschechien entschiedener durchgezogen als andere europäische Länder. Nach dessen Ende habe die Regierung unter Ministerpräsident Babiš verkündet, das Virus sei besiegt. "Die Bilder gingen um die Welt im Juni. Es kamen Tausende Menschen auf der Prager Karlsbrücke zusammen. Sie stießen mit Bier und Sekt an, um auf das Ende der Pandemie anzustoßen." Als die Zahlen dann nach dem Sommer wieder nach oben gingen, hätten das viele nicht verstehen wollen. "Inzwischen ist es sogar schon so weit, dass ein Drittel der Tschechen nicht mehr bereit dazu ist, sich an die Abstands- und Hygieneregeln oder das Tragen von Masken halten zu wollen." Dabei sei die Situation ernster denn je: "Teilweise werden in Regionen zu 70 Prozent die mutierten und möglicherweise gefährlicheren Formen nachgewiesen. Premier Babiš spricht von bevorstehenden 'Höllentagen'." Schmidt beschreibt ein Gesundheitswesen, das dem Kollaps nahe ist. Mancherorts müssten Ärzte zwischen drei Patienten entscheiden, um ihnen ein verfügbares Intensivbett zur Verfügung zu stellen. "Die Patienten sind ältere Menschen, aber vermehrt auch jüngere", sagt Schmidt und verweist auf Berichte tschechischer Experten. Die würden in der momentan grassierenden britischen Mutation eine höhere Übertragbarkeit feststellen, woraus auch eine höhere Zahl schwerer Verläufe resultiere. Den Ausweg aus der verzwickten Situation würde man in Tschechien mit einem Hochfahren des Impfbetriebs erreichen. "Doch das ist schon das nächste Problemfeld...", holt Schmidt aus. Darüber sowie über die bevorstehenden Maßnahmen, die in Tschechien wahrscheinlich ab 1. März gelten, spricht Korrespondent Hans-Jörg Schmidt in der aktuellen Folge CoronaCast. Thema ist auch das Verhältnis Sachsens zu Tschechien und die besondere Situation für Tausende Grenzpendler. Das Podcast-Gespräch wurde über einen Videoanruf aufgezeichnet. Alle am Gespräch beteiligten Personen saßen ausreichend weit voneinander getrennt an verschiedenen Orten.
CoronaCast aus Dresden

CoronaCast aus Dresden

Das Corona-Update für Sachsen