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CoronaCast aus Dresden Archiv

110 Episoden
41 Minuten
Am kommenden Wochenende feiern fast 40.000 Kinder in Sachsen den Beginn ihrer Schulzeit. Das neue Schuljahr beginnt offiziell am Montag. Ab dann werden im Freistaat wieder rund 400.000 Schülerinnen und Schüler und das Lehrpersonal in den Klassenräumen sein. Es ist der Start in das dritte Schuljahr, bei dem Corona eine Rolle spielt. Wie groß sind die Gefahren durch das Virus für die Kinder jetzt? Darüber spricht Reinhard Berner, Leiter der Kinder- und Jugendmedizin an der Uniklinik Dresden, im CoronaCast bei Sächsische.de. Der Kinderarzt stellt in dem knapp 40-minütigen Gespräch gleich zu Beginn fest, dass er die momentanen bundesweit geführte Debatte um eine mögliche Durchseuchung in der Altersgruppe von Kindern und Jugendlichen kritisch sieht. Allerdings stimmt er nicht jenen Experten zu, die durch die Rückkehr an die Schulen einen starken Anstieg infizierter oder schlimmstenfalls im Krankenhaus zu behandelnder junger Menschen befürchten. Berner schätzt dieses Szenario als unwahrscheinlich ein. Zuletzt hatte etwa der Virologe Christian Drosten davor gewarnt, Kinder den Risiken einer Infektion leichtfertig auszusetzen. Ähnlich äußerten sich auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach oder der Dresdner Grünen-Politiker Johannes Lichdi. Letzterer hat explizit den sächsischen Weg kritisiert, der eine Durchsetzung des Präsenzunterrichts bis zum Erreichen einer kritischen Marke im Gesundheitswesen vorsieht. Berner begründet seine abweichende Einschätzung der Lage durch Beobachtungen, die er selbst in der Uniklinik Dresden gemacht habe und anhand eines Registers, das von seinem Institut geführt werde. "Darin registrieren wir jede Hospitalisierung von Kindern in Deutschland. Seit Beginn der Pandemie kommen wir da auf 1.800 Fälle." Der Deutsche Lehrerverband hatte kürzlich hochgerechnet, dass im Falle einer Schulöffnung, wie sie in Sachsen und den meisten anderen Bundesländern jetzt durchgeführt werde, bis zu 200.000 Kinder im Herbst und Winter in Krankenhäusern infolge einer Ansteckung behandelt werden müssten. "Solche Zahlen in Umlauf zu bringen, halte ich anhand der gewonnenen Daten im bisherigen Pandemieverlauf für fahrlässig", so Berner. Beim Sächsischen Lehrerverband (SLV) teilt man die Einschätzung des Bundesverbandes ebenfalls nicht. Michael Jung, stellvertretender Vorsitzender des SLV und Oberschullehrer aus Freiberg, bezeichnet die Verwendung des Begriffs Durchseuchung indes als "Panikmache". Das Aufrechthalten von Schutzmaßnahmen in den ersten Wochen nach Schuljahresbeginn sei jedoch sinnvoll. "Auch sollte es geimpften Jugendlichen möglich gemacht werden, sich freiwillig zu testen", so Jung weiter. Berner stimmt dem zu, hält Schnelltests jedoch nur bedingt für sinnvoll und geeignet für Kinder oberhalb des Grundschulalters. Schließlich sieht der Mediziner, genauso wie in der Wissenschaft Konsens, den Weg aus der Pandemie in den Impfungen. Und das auch für Kinder gemäß der aktuellen Zulassung und Empfehlung ab 12 Jahre. "Man kann sich das rechnerisch herleiten. Das Auftreten möglicher Nebenwirkungen bei einer Impfung sind um ein Vielfaches geringer als schwere Infektionsverläufe oder Long-Covid-Symptome." Außerdem berichtet Reinhard Berner ausführlich über den aktuellen Stand der Antikörper-Studie der Dresdner Uniklinik, die seit Frühjahr 2020 an ausgewählten sächsischen Schulen läuft. Es wird über die Wirksamkeit von Einzel- statt Gruppenquarantäne in Schulen und Kitas diskutiert und das sächsische Maßnahmenpaket mit verschärfter Test- sowie Maskenpflicht in den ersten beiden Schulwochen diskutiert. Das Podcast-Gespräch wurde über einen Videoanruf aufgezeichnet. Alle am Gespräch beteiligten Personen saßen ausreichend weit voneinander getrennt an verschiedenen Orten.
29 Minuten
Anderthalb Jahre Pandemie in Sachsen haben auch schier unzählige Seiten Gesetzestext verursacht. Manchmal war es schon schwer, in den Corona-Verordnungen den Überblick zu behalten. Mit der seit diesem Donnerstag gültigen Fassung geht der Freistaat in vielerlei Hinsicht neue Wege. Die Regierung spricht sogar von einem "Paradigmenwechsel". Was ist neu? Was ist tatsächlich einfacher geregelt? Und welche Faktoren spielen im Krisenmanagement jetzt die tragenden Rollen? Im CoronaCast beantwortet Andrea Schawe, Reporterin von Sächsische.de, die wichtigsten Fragen. Unter anderem wird in dem Podcast-Gespräch genau erläutert, welche Umstände dazu führen, dass in einer Region die sogenannte 3G-Regel zum Tragen kommt. Das ist die Regel, bei der man zum Wahrnehmen bestimmter Angebote nachweisen muss, geimpft, genesen oder getestet zu sein. Betreffen kann diese Regel beispielsweise die Innengastronomie oder Fitnessstudios. Eine zentrale Frage, die sich in Bezug auf die 3G-Regel stellt, wird ebenfalls thematisiert. Nämlich, ob das Erhöhen des Drucks auf ungeimpfte Personen, eine Art "Impfpflicht durch die Hintertür" darstellt. Diesen Begriff verwenden häufig Impfverweigerer- oder Skeptiker. Abschließend werden mit Blick auf den Schulbeginn in Sachsen am 6. September die Corona-Regeln für das neue Schul- und Kitajahr betrachtet. Sachsen will, so viel ist klar, das Jahr im Präsenzunterricht durchführen. Das Podcast-Gespräch wurde über einen Videoanruf aufgezeichnet. Alle am Gespräch beteiligten Personen saßen ausreichend weit voneinander getrennt an verschiedenen Orten.
34 Minuten
Kommende Woche wird Sachsen eine neue Corona-Verordnung beschließen. Die Eckpunkte sind bereits bekannt. Demnach wird sich künftig nicht mehr allein auf die Inzidenz fokussiert. Die Zahl von Corona-Patienten in Krankenhäusern wird eine größere Rolle spielen, sollte sich die Lage wieder drastisch verschärfen. Dem sächsischen Hotel- und Gaststättenverband geht dieser Kurswechsel in der Corona-Politik nicht weit genug. Im CoronaCast, dem Podcast von Sächsische.de zur Pandemie, erklärt Verbandsgeschäftsführer Axel Klein, wieso. Die Abkehr von der Inzidenz als alleinigen Richtwert für das Lockern oder Verschärfen von Regeln begrüßt Klein. "Ebenso die klare Aussage der Politik, dass es für die Gastronomie keinen harten Lockdown mehr geben soll." Allerdings kritisiert Klein den im sächsischen Entwurf vorgesehenen Mechanismus, der beim Überschreiten einer Inzidenz von 35 an fünf aufeinanderfolgenden Tagen auf Landkreisebene greifen soll. Dann nämlich soll die 3G-Regel zum Tragen kommen. Die besagt, dass Besucher in bestimmten Bereichen ihre Kontakte hinterlassen sowie einen Test-, Genesenen- oder Impfnachweis vorgelegen müssen. Damit könne seine Branche zwar umgehen. "Jedoch müssen in dieser Situation andere Einschränkungen wie etwa die Abstandsregeln zurückgenommen werden." Schließlich sei der Dreiklang von Impfung, Tests oder Genesung eine höher einzustufende Sicherheitsvorkehrung. Klein wirbt darum, sich die Corona-Verordnung Baden-Württembergs zum Vorbild zu nehmen. Dort seien mit Einführung der 3G-Regel auch in der Innengastronomie die Vorgaben hinsichtlich Abstände und Maskenpflicht lockerer geworden. Von dieser Nachforderung abgesehen, spricht Klein allerdings von einer momentan eher optimistisch stimmenden Lage für das Hotel- und Gaststättengewerbe. "Wir beobachten, dass der Inlandtourismus stark angezogen hat." Viele Betriebe hätten dem siebenmonatigen Lockdown auch deshalb getrotzt, weil sie flexibel reagiert hätten. Klein nennt beispielhaft das Einrichten von Abhol- und Lieferdiensten. Die Insolvenzen hätten sich in Grenzen gehalten. "Was aber oft nicht gesehen wird, sind die vielmals privaten Verluste. Nicht wenige Unternehmer haben ihre Ersparnisse fürs Alter angefasst." Für den bevorstehenden Herbst und Winter hofft Klein auf konstante Buchungszahlen. Weil die Menschen jedoch zunehmend kurzfristig planen würden, seien Prognosen etwas schwierig. "Aber ich mache mir da weniger Sorgen als beim Thema Personal." Zwar hätten Betriebe in Sachsen trotz langen Lockdowns etwa 80 Prozent ihrer Mitarbeiter halten können. Weil die Personaldecke aber schon vor Corona dünn war, hat die Krise das Problem verschärft. Im Podcast erklärt Klein ausführlich, welche Hoffnungen die Branche in das Werben um Fachkräfte im Ausland steckt. Und der Dehoga-Chef gibt eine vorsichtige Schätzung ab, wann die Corona-Delle in der Gastronomie überwunden sein könnte. Das Gespräch hören Sie über den eingebetteten Player. Das Podcast-Gespräch wurde über einen Videoanruf aufgezeichnet. Alle am Gespräch beteiligten Personen saßen ausreichend weit voneinander getrennt an verschiedenen Orten.
28 Minuten
Europameisterin ist sie schon fünf Mal, auch eine WM-Medaille hat sie bereits. Bronze bei Olympia in Tokio aber ist mit Abstand der größte sportliche Erfolg in der Karriere von Tina Punzel. Die Medaille hat die Wasserspringerin vom Dresdner SC zusammen mit Lena Hentschel im Synchronwettbewerb vom Dreimeter-Brett gewonnen - und damit auch fürs erste Edelmetall im deutschen Team bei diesen Spielen gesorgt. Inzwischen ist Punzel wieder aus Japan zurück. Im CoronaCast bei Sächsische.de spricht sie jetzt über eine erfolgreiche Reise, zwei große olympische Momente und Leistungssport im pandemiebedingten Ausnahmezustand. Anderthalb Woche nach ihrem Medaillengewinn blickt Punzel noch etwas ungläubig auf "das ziemlich schwere Teil", das sie zur Aufnahme des Podcasts mit ins Haus der Presse in Dresden bringt. "Es war ein Kindheitstraum, irgendwann eine olympische Medaille zu gewinnen." Jetzt sei der auf einmal wahr geworden. "Wenn die Familie, Freunde und Verwandten die Medaille anfassen wollen, sind das Momente, bei denen ich jetzt so richtig realisiere, dass ich es wirklich geschafft habe", sagt Punzel. Die 26-Jährige spricht hörbar gelöst über ihren Erfolg. "Ich bin erleichtert und stolz, dass sich die ganze Arbeit der vergangenen fünf Jahre ausgezahlt hat." Dass Olympia in diesem Jahr aufgrund von Corona "komplett andere Spiele" sind, schmälere dieses Gefühl nicht. Im Vergleich zu Rio, wo sie 2016 auch schon dabei gewesen ist, habe sie diesmal sogar neben dem Medaillengewinn noch ein entscheidendes Erlebnis mehr gehabt: die Eröffnungsfeier. Vor fünf Jahren hatte sie sich noch dagegen entschieden, beim Einlauf der Mannschaften im Stadion dabei zu sein, um für den kurz danach anstehenden Wettkampf nichts zu riskieren. "Das empfand ich damals als schade. Deshalb wollte ich das diesmal unbedingt erleben." Die angespannte Corona-Lage in Japan habe ihrem Empfinden nach das Leben im Olympischen Dorf kaum beeinträchtigt. "Die Japaner waren immer freundlich, hilfsbereit und offen. Sie haben gefühlt jeden Athleten in der jeweiligen Landessprache begrüßt." Das habe dafür gesorgt, dass trotz Pandemie für die Athleten der olympia-typische Spirit entstanden sei. Nur selten habe es Situationen gegeben, in denen sie Bedenken hatte, sich irgendwo anstecken zu können. Es werde jeden Tag getestet und positive Fälle würden sofort isoliert, erklärt sie. "Und es gibt überall so viele Hinweise auf das Hygienekonzept, dass es eigentlich schon schwerfällt, es nicht einzuhalten." Zudem sei sie auch mit der Gewissheit angereist, geimpft zu sein. Und wie geht es jetzt weiter? Die nächsten Spiele sind 2024 in Paris, also schon in drei Jahren. Welche Rolle Corona dann noch spielt, weiß niemand. Genauso wenig, ob Tina Punzel dann wieder dabei sein wird. "Drei Jahre können kurz oder lang sein", deutet sie an. Das Podcast-Gespräch wurde in einem Studio aufgezeichnet. Alle am Gespräch beteiligten Personen saßen ausreichend weit voneinander getrennt.
28 Minuten
Lange hat sie nicht gehalten, die Lockerung bei der Maskenpflicht - zumindest in Dresden. In der Landeshauptstadt muss man ab Samstag beim Einkaufen und bei einigen anderen Aktivitäten wieder Maske tragen. Grund dafür ist, dass in Dresden am Donnerstag der fünfte Tag in Folge war, an dem die Inzidenz den Schwellenwert 10 überschritten hat. Die sächsische Corona-Schutzverordnung schreibt vor, dass in so einem Fall ab dem übernächsten Tag in der betreffenden kreisfreien Stadt oder einem Landkreis die Maskenpflicht wieder verschärft werden muss. Im CoronaCast, dem Podcast von Sächsische.de zur Pandemie, fasst SZ-Redakteur Sandro Rahrisch zusammen, was die Bewohner und Besucher der Stadt ab dem Wochenende beachten müssen. Und Gordon Knabe, Centermanager des Elbeparks, stellt als Vertreter des Handels eine klare Forderung an die Landespolitik. "Für den Shopping-Bereich sollte bei der Maskenpflicht eine Inzidenzzahl von 50, eher noch 75, als Grenzwert angesetzt werden", sagt Knabe. Der Chef des Einkaufszentrums Elbepark in Dresden sieht in der aktuellen Regelung den Handel benachteiligt gegenüber anderen Bereichen des öffentlichen Lebens. In Sachsen gebe es Malls mit ausreichend Platz und Lüftungsanlagen, Einkaufsstraßen im Freien und in den meisten Geschäften könnten Betreiber auch auf die nötigen Sicherheitsabstände zwischen den Kunden sorgen. "Schaut man dann beispielsweise in Stadien, wo Menschen eng teils ohne Masken beisammen stehen, ärgert das uns im Handel und mich im Speziellen sehr." Ein Problem mit der Maske als Schutzmittel hat Knabe nicht. Wie viele andere Menschen, die trotz der Lockerung beim Einkauf auch weiter Mund und Nase bedeckt gelassen hätten, habe auch er sich an die Maske gewöhnt. "So komisch das klingen mag, ich erwische mich selbst manchmal dabei, dass ich mich beim Gang durch den Elbepark ohne Maske irgendwie nackt fühle." Doch man müsse unterscheiden, mahnt Knabe an. "Den Bedarfskauf im Supermarkt zieht man mit Maske schnell durch, für richtiges Shopping ist sie ein Knebel." Darunter zu leiden, so Knabe, hätten im Elbepark vor allem Bekleidungsgeschäfte. "Beim Kauf von Bekleidung reden wir schnell mal über eine Stunde, die man dann die Maske tragen muss." Das würde als unangenehm und abschreckend empfunden, sei die Rückmeldung von Kunden. Ein Weg raus aus dem Maskenproblem könnte das Impfen bieten. "Wir im Handel setzen alles daran, einen weiteren Lockdown im Herbst zu verhindern." Knabe blickt mit etwas Sorge auf die Impfquote, die in Sachsen aktuell gerade einmal bei 46,9 Prozent Durchimpfung steht. Anlass zur Hoffnung gebe ihm die nun auf das mobile Impfen umschwenkende Strategie, die der Elbepark auch aktiv unterstützen will. "Wir werden Anfang August zunächst temporär einmal einen Impfbus bei uns haben. Parallel arbeiten wir aber an einer stationären Lösung." Soll heißen: Im Elbepark soll eine Art Mini-Impfzentrum entstehen. Wie das räumlich umgesetzt werden könne, sei aktuell in der Prüfung. Weitere spannende Details dazu sowie alles, was man über die neuen ab Samstag ausschließlich in Dresden wieder verschärften Regeln wissen muss, hören Sie im CoronaCast über den hier eingebetteten Player. Das Podcast-Gespräch wurde über einen Videoanruf aufgezeichnet. Alle am Gespräch beteiligten Personen saßen ausreichend weit voneinander getrennt an verschiedenen Orten.
34 Minuten
Sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen, kann in Deutschland jeder frei für sich entscheiden. Es gibt gute Argumente dafür, aber genauso auch Gründe, die zumindest Anlass für Nachfragen geben. Einen Impfzwang gibt es nicht - aber aktuell eine Diskussion darüber, wie künftig mit nicht geimpften Personen umgegangen werden soll. Schließlich ist inzwischen der Zeitpunkt erreicht, zu dem jeder, der es will, ein Impfangebot bekommen kann. Im CoronaCast, dem Podcast von Sächsische.de zur Pandemie, gibt Frank Ulrich Montgomery, Präsident des Weltärztebundes, Antworten und Lösungsvorschläge in der heiklen Debatte. Eines stellt der Hamburger Medizinier gleich klar: "Ich halte eine generelle Impfpflicht für alle Menschen in Deutschland für nicht durchsetzbar." So etwas sei mit der Verfassung wohl kaum vereinbar und würde, statt bis zum Herbst das nötige Tempo ins Impfen zu bekommen, "nur über Jahre die Gerichte beschäftigen". Anstatt eines vorgeschriebenen Piks' für alle Menschen schlägt Montgomery deshalb eine partielle Impfpflicht vor - und wird konkret. "In medizinischen Berufen oder in der Pflege sind dem Personal Menschen anvertraut. Und diese Menschen müssen darauf vertrauen können, dass sie nicht angesteckt werden." Eine Impfung, so Montgomery, sollte für alle, die direkten Kontakt zu Patienten haben, verpflichtend werden. Und wie sieht es bei Lehrern und Erziehern aus? Schließlich arbeiten Angestellte dieser Berufsgruppen permanent mit Kindern, die sich gegenwärtig nicht oder ab dem 12 Lebensjahr nur mit Zustimmung der Eltern durch eine Impfungen selbst schützen können. Abgesehen davon, dass die Studienlage für die Impfung bei Kindern noch dünn sei, argumentiert Montgomery hier ähnlich. "Eine Impfpflicht zum Schutz von Kindern beträfe dann auch Lehrer." Montgomerys Vorschlag einer berufsbezogenen Impfpflicht würde einem damit verbundenen politischen Entscheidungsprozess ein wenig die Schwere nehmen. Jedoch dürfte es auch für diese Idee noch an Zustimmung mangeln. Sachsens Kultusminister Christian Piwarz (CDU) etwa hatte erst an diesem Mittwoch gegenüber der Nachrichtenagentur dpa gesagt, dass er zwar wenig Verständnis für impfunwillige Lehrer und Erzieher habe, sich ihm bei einer Impfpflicht "aber einiges sträubt". Bleibt noch die Frage offen, mit welchen Einschränkungen Ungeimpfte künftig zurecht kommen müssten. Montgomery sieht in der Debatte eine Schieflage. "Es geht nicht um Privilegien für Geimpfte, sondern um das Rückerlangen der Grundrechte." Warum also sollten die, die dazu beitragen, dass sich Menschen nicht mehr gegenseitig gefährden, für diejenigen, die das nicht tun wollen, auf Freiheiten verzichten, argumentiert Montgomery. Welche konkreten Einschränkungen er für Ungeimpfte als realistisch einschätzt, erklärt er in dem Podcast-Gespräch. Außerdem analysiert Montgomery die globale Corona-Lage, richtet den Blick in andere Länder und pflichtet RKI-Chef Lothar Wieler in einer gerade erst wieder neu los gegangenen Debatte um die Inzidenz als Richtwert für Corona-Maßnahmen bei. Das Podcast-Gespräch wurde über einen Videoanruf aufgezeichnet. Alle am Gespräch beteiligten Personen saßen ausreichend weit voneinander getrennt an verschiedenen Orten.
22 Minuten
Mehrere Hundert Personen in Sachsen haben sich bisher freiwillig mit dem nicht zugelassenen Corona-Impfstoff von Winfried Stöcker impfen lassen. Zuletzt hat eine Reportage von Sächsische.de über eine im Verborgenen durchgeführte Impfaktion in Kiesdorf in der Oberlausitz für Aufsehen gesorgt. Im CoronaCast, dem Podcast von Sächsische.de zur Pandemie, erzählt Reporterin Anja Beutler, wie die Aktion ablief und welche Folgen der Vorgang nun hat. Dass der Gründer und frühere Chef des Lübecker Medizinunternehmens Euroimmun vorgibt, einen eigenen Corona-Impfstoff entwickelt zu haben, ist nicht neu. Auch nicht, dass bereits einige Ärzte im Landkreis Görlitz Stöckers Mittel bei Freiwilligen anwenden. Die Impfaktion am 15. Juli im "Kulturzentrum" in Kiesdorf im Dreiländereck Deutschland-Polen-Tschechien allerdings stellt eine neue Dimension dar. "Etwa für anderthalb Stunden waren die Straßen voll mit Autos und auf dem Gelände befanden sich viele Menschen, die offensichtlich dorthin bestellt worden waren", schildert Anja Beutler ihre Eindrücke. Die Reporterin hatte auch Gelegenheit in das Gebäude, in dem Impfaktion stattfand, einen Blick zu werfen. Zwar sei an der Anmeldung für sie Schluss gewesen. Aber: "Ich konnte mit vielen Menschen reden, wieso sie gekommen sind." Schließlich sei festzustellen gewesen, dass die Leute Corona zwar ernstnehmen würden, aber oft Vorbehalte gegen die derzeit zugelassen Impfstoffe hätten. "Dem von Stöcker entwickelten Impfstoff scheinen sie aber zu vertrauen." Und das, so Beutler weiter, liege wahrscheinlich nicht unbedingt an dem Präparat, sondern der Person Winfried Stöcker. "Viele schätzen ihn in der Oberlausitz. Er genießt das Vertrauen vieler." Zweifellos sei Stöcker in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Investor und Sponsor für viele Projekte in der Region in Ostsachsen geworden, erklärt Beutler. Unternehmensgründungen würden auf sein Wirken zurückgehen, genauso die Sanierungspläne für das Görlitzer Kaufhaus. Selbst umstrittene Äußerungen in der Flüchtlingskrise hätten seinem Ansehen in der Region nicht unbedingt geschadet. Erik Bodendieck, Präsident der sächsischen Landesärztekammer, spricht ebenfalls in dem Podcast. Der Mediziner sieht im Agieren Stöckers eine Gefahr. "Wir wissen nicht, ob das Mittel wirkt oder möglicherweise Schäden verursacht." Zudem kritisiert Bodendieck, dass Stöcker "wenige zur Aufhellung" beitrage und sein Antigen nicht einem normalen Zulassungsverfahren unterziehe. Die ganze Folge mit spannenden Details zur Impfaktion in Kiesdorf und einer medizinischen Einschätzung zum Antigen Winfried Stöckers hören Sie über den hier eingebetteten Player. Der Podcast wurde über einen Videoanruf aufgezeichnet. Alle am Gespräch beteiligten Personen saßen ausreichend weit voneinander getrennt an verschiedenen Orten.
33 Minuten
Seit diesem Freitag gilt in Sachsen eine neue Corona-Schutzverordnung. Sie bringt in zwei Bereichen erhebliche Lockerungen: bei der Maskenpflicht, die beim Einkaufen ab einer Inzidenz von unter 10 entfällt, und für Veranstaltungen. Zwei sensible Bereiche, über die in anderthalb Jahren Pandemie schon viel debattiert worden ist. In der neuen Folge des CoronaCast, dem Podcast von Sächsische.de, ordnet Feuilleton-Redakteur Oliver Reinhard ein, was die Erleichterungen bringen - vor allem für Organisatoren größerer Events, von Konzerten und Festen. "Die neuen Regeln bedeuten für alle, also für Besucher wie für Veranstalter, ein Stück wiedererlangte Freiheit", sagt Reinhard. Die neuen Regeln seien ein Grund, sich Hoffnungen auf einen Sommer mit Kulturangeboten vor Publikum und ohne 1.000-Personen-Begrenzung zu machen. Hoffnung deshalb, "weil die neue Verordnung ja zunächst nur bis zum 28. Juli gilt", erklärt Reinhard. Als wahrscheinlich gilt, wenn sich die Infektionslage nicht dramatisch verschlechtert, dass die Gültigkeitsdauer verlängert wird. Doch so optimistisch man auf die bevorstehende Veranstaltungssaison blicken kann, es gibt auch einige Unwägbarkeiten. Im besten Fall, also bei einer Inzidenz wie derzeit unter dem Wert von 35, dürfen maximal 25.000 Menschen eine Veranstaltung besuchen. Jedoch darf ein Veranstaltungsort nur bis zur die Hälfte des jeweiligen Fassungsvermögens ausgelastet werden. "Und das bringt dann schon ein paar Probleme, wie man sie in Dresden jetzt beispielsweise bei der Kaisermania sieht." Auf das Gelände der Filmnächte passen rund 11.000 Menschen. Die Konzerte, die seit langem ausverkauft sind, dürften also nur 5.500 Personen besuchen. "Wer soll da die Auswahl treffen, wer kommen darf und wer nicht?", fragt Reinhard. Klar sei das noch nicht. Hat die "Querdenker"-Debatte dem Palais Sommer geschadet? Der zweite Teil des Podcast-Gesprächs widmet sich einer spannenden Debatte, die sich um den Palais Sommer in Dresden dreht, der an diesem Freitag beginnt. Um die Veranstaltungsreihe, die sich durch eine Mischung aus kostenfrei zugänglichen Kulturangeboten, Gruppen-Yoga und einem Nachhaltigkeitskonzept auszeichnet, hatte es zuletzt Irritationen gegeben. Es waren Redner aus dem "Querdenker"-Spektrum und aus verschwörungsideologischen Kreisen eingeladen. Schließlich änderte der Veranstalter das Programm und strich ganze Teile. Wieso gab es die Einladungen überhaupt? Wie geht der Palais Sommer mit der Diskussion um? Und hat sie dem Event geschadet? Reinhard, der das Event seit mehreren Jahren journalistisch begleitet, bewertet kritisch diese Fragen.
33 Minuten
Hoteliers, Gastronomen und Kulturschaffende atmen auf. Die Inzidenzwerte sind über Wochen rückläufig und verharren nun auf niedrigem Niveau. Die Testpflicht gibt es teilweise nicht mehr, nur die Einhaltung der Kontaktnachverfolgung und Maskenpflicht ist geblieben. Der Sommer kann kommen. Doch wird er auch gut? Erholen sich die von monatelangen Schließungen hart getroffenen Wirtschaftsbereiche? Und was passiert nach dem Sommer, wenn, wie von Virologe erwartet wird, die Corona-Zahlen wieder steigen sollten? Im CoronaCast, dem Podcast von Sächsische.de zur Pandemie, blickt Sachsens Staatsministerin für Tourismus und Kultur, Barbara Klepsch (CDU), vorsichtig voraus. Denn konkrete Antworten auf Fragen, die eine Zukunft jenseits der Gültigkeitsdauer von Schutzverordnungen betreffen, kann es auch hier nicht geben. Daran ist nicht die Politik schuld, sondern das Virus, das bekanntlich keinen Vorgaben oder Wünschen folgt. Dennoch gebe es Pläne und Maßnahmen, die Unternehmen Perspektiven aufzeigen sollen. "Es gibt einen ganzen Blumenstrauß an Hilfsangeboten", zählt Klepsch auf. Neben den Hilfen des Bundes habe Sachsen auch speziell für einzelne Bereiche Programme aufgelegt. "Wie kürzlich gesehen beim Angebot für Zoos und Tierparks." Sicherheit bringe auch die Verlängerung der Antragsfrist für die Überbrückungshilfe III bis September. In Sachsen haben bisher 3.726 Beherbergungs- und Gastrobetriebe Anträge gestellt. Davon sind laut Sächsischer Aufbaubank bisher 2.738 mit einem Volumen von rund 120 Millionen Euro bewilligt. Zudem sollen für den Herbst und Winter, "falls wegen steigender Coronazahlen neue Verordnungen nötig werden", unter anderem Modellprojekte für mehr Planungssicherheit sorgen. "Wir hatten einen traumhaften Winter mit leeren Skiliften", sagt Klepsch. Auch um das zu verhindern, würden in Sachsen mit einem Förderprogramm jetzt entsprechende Modellprojekte unterstützt. Unterdessen seien bei der in ihrem Ministerium angesiedelten und für Modellprojekte zuständigen Kommission bisher 23 Anträge gestellt worden. "Zehn davon sind bewilligt, die übrigen sind teils zurückgestellt oder werden noch überarbeitet", so Klepsch. Letztere dürften jene sein, die dann zum Tragen kommen, wenn Corona zurückkehrt. Soweit die mittelfristige Planung. Doch wie sieht das Fernziel aus? Wann erreicht der sächsische Tourismus wieder das Vor-Corona-Niveau? "Wir rechnen mit 2022 oder doch eher 2023." Der Corona-Einbruch, rechnet Klepsch vor, hat immense Ausmaße. Für 2020 verzeichnete die Branche im Vergleich zum Vorjahr einen Umsatzrückgang von 3,5 Milliarden Euro, es gab 35 Prozent weniger Übernachtungen und 50 Prozent weniger Besucher im Freistaat. Davon müssten sich die Unternehmen erst einmal erholen. Und das nicht nur finanziell, sondern auch personell. Dass die Personaldecke in Tourismus und Gastronomie dünn ist, war schon vor Corona bekannt. "Die Pandemie hat das aber verstärkt. Viele haben sich beruflich neu orientiert." Klepsch kennt das Problem, sieht aber die Politik bei der Lösung nicht allein in der Pflicht. Attraktivere Arbeitsbedingungen und bessere Bezahlung müssten her. Dafür sorgen, dass Personal bleibt oder zurückkommt, müssten die Unternehmen selbst. Der Podcast wurde über einen Videoanruf aufgezeichnet. Alle am Gespräch beteiligten Personen saßen ausreichend weit voneinander getrennt an verschiedenen Orten.
43 Minuten
Der Aufstieg ist geschafft, und diese Woche startet Dynamo Dresden mit der Vorbereitung für die neue Saison in der 2. Fußball-Bundesliga. Dabei sind längst nicht alle Fragen der Vorsaison geklärt. Sportlich war dieses Drittliga-Jahr ein überaus erfolgreiches, doch die Krawalle beim Aufstiegsspiel am 16. Mai vor dem Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion wirken nach. "Ich war offen gestanden entsetzt, was passiert ist. Und ich bin es immer noch", sagt Jürgen Wehlend, Dynamos kaufmännischer Geschäftsführer, im CoronaCast bei Sächsische.de. In dem Podcast spricht er offen und deutlich über das, was seitdem passiert, wie der Verein die Krawalle, bei denen unter anderem 185 Polizisten verletzt wurden, analysiert hat und jetzt weiter aufarbeitet. Und welche Konsequenzen daraus gezogen werden. Die ersten Stadionverbote für identifizierte Straftäter seien bereits in Vorbereitung, erklärt Wehlend. Der Forderung von Sachsens auch für den Sport zuständigen Innenminister Roland Wöller kann er allerdings im ersten Schritt nur wenig abgewinnen. Wöller will die Einführung personalisierter Tickets forcieren und bei der Innenministerkonferenz in dieser Woche zum Topthema machen. "Das haben wir zur Kenntnis zu nehmen, das ist eine Entscheidung der Politik", sagt Wehlend. Dynamos Mitglieder haben personalisierte Tickets indes vor Jahren schon einmal abgelehnt. Im CoronaCast kündigt er nun an, zumindest die Diskussion dazu wiederaufzunehmen. "Wenn es nicht anders geht, wird es auch solche Lösungen geben müssen", sagt der gebürtige Dresdner, seit Anfang des Jahres im Amt. Wehlend selbst macht andere, aus seiner Sicht zielführendere Vorschläge und setzt dabei auf kommunikative Formate wie Aktionstage sowie Podiumsdiskussionen zum Beispiel mit ihm und auch Innenminister Wöller, der dafür offenbar schon seine Bereitschaft erklärt hat. "Da können wir solche Vorfälle aus den verschiedensten Perspektiven diskutieren, das halte ich für sehr wichtig", sagt Dynamos Geschäftsführer, und er betont: "Es darf nicht passieren, wie es in der Vergangenheit oftmals der Fall war, dass es nach einer gewissen Zeit versandet. Wir sollten die Spannung hochhalten und konzentriert an diesen Sachen arbeiten. Das liegt mir persönlich auch am Herzen." Offen aus der Vorsaison und sogar noch der Abstiegssaison davor ist schließlich die Frage nach dem Geld. Wie groß sind die finanziellen Einbußen, wie fällt die Corona-Bilanz aus? Auch da redet Wehlend Klartext. Ebenso schätzt Wehlend die sportlichen Möglichkeiten für die nächste Saison ein, kündigt noch diese Woche Verstärkungen für die Mannschaft an, und spricht über Dynamos wie seinen Traum: irgendwann wieder Europapokal spielen. Das Podcast-Gespräch wurde über einen Videoanruf aufgezeichnet. Alle am Gespräch beteiligten Personen saßen ausreichend weit voneinander getrennt an verschiedenen Orten.
48 Minuten
Die Kritik an Corona-Maßnahmen gibt es fast genauso lange wie die Pandemie. Doch Kritik ist nicht gleich Kritik. Das zeigen diverse Demonstrationen und die Art und Weise, wie etwa in Sozialen Medien miteinander umgegangenen wird. Darum geht es in einer neuen Folge CoronaCast, dem Podcast von Sächsische.de zur Pandemie. Zu Gast sind: Doreen Reinhard, freie Journalistin aus Dresden. Sie schreibt unter anderem für "ZEIT Online" und Sächsische.de. Und Franziska Klemenz, Investigativreporterin bei Sächsische.de. Die beiden Journalistinnen beobachten seit Beginn an Corona-Proteste in Sachsen. Was sie dabei sehen, welche Personen und Haltungen immer wieder in Erscheinung treten, und wie vor Protesten auf der Straße bei der Mobilisierung im Internet die Stimmung angeheizt wird, darüber erzählen sie im Podcast. Welche Folgen haben die Proteste? Hat Corona das Abdriften von Teilen der Gesellschaft in bedenkliche bis extremistische Milieus beschleunigt? Und kann es uns gelingen, wieder zu einem versöhnlichen Miteinander zu kommen? In dem Gespräch wird schnell klar: Einfache Antworten gibt es nicht. Und ein Maßnahmenkritiker ist auch nicht gleich ein "Querdenker". In der Pandemie entstandene oder erst sichtbar gewordene Probleme hätten zudem nicht zwingend immer etwas mit Corona und der Kritik an einschränkenden Regeln zu tun. "Oft hatten Demonstrationen kein wirkliches Thema", stellt Klemenz rückblickend fest. Es gehe manchmal den Menschen offenbar schlicht darum, ihre Unzufriedenheit zum Ausdruck zu bringen. Und das schlage, das hätten "Querdenken"-Veranstaltungen in den Großstädten Dresden und Leipzig sowie Proteste in Kleinstädten gezeigt, teilweise in Hass und Gewalt um. Intensiv erörtern die beiden Journalistinnen auch die Rolle der Medien und die Berichterstattung über Corona-Proteste. Die findet nämlich längst nicht mehr nur auf Kanälen klassischer Medientitel statt. "Es ist erstaunlich, wie viele Streamer oder Demo-Blogger es inzwischen gibt," so Reinhard. Mit deren Berichten von Demonstrationen würde einerseits das Interesse einer Gegenöffentlichkeit, die klassischem Journalismus misstraue, bedient. Anderseits entstünden auf diese Weise auch Geschäftsmodelle. "Die Blogger senden nicht nur live Videos, sondern verkaufen auch Dinge wie etwa T-Shirts mit Sprüchen oder rufen zu Spenden auf." Was bedeutet das für die Arbeit der Presse? Wie geht die Polizei auf Demonstrationen mit Bloggern um? Und sind diese nicht ebenfalls journalistisch tätig? Eine spannende Debatte über die Rolle und den Schutz journalistischer Arbeit entsteht ...
26 Minuten
Die Corona-Lage in Dresden hat sich entspannt. Es herrscht eine Inzidenz von deutlich unter 35. Viel wird geöffnet, immer mehr Normalität kehrt zurück. Doch seit vergangenen Donnerstag erscheint diese Ruhe trügerisch. Ein komplettes Hochhaus im Stadtteil Strehlen ist wegen des Verdachts auf einen Ausbruch der indischen Corona-Variante zwischenzeitlich abgeriegelt worden. Ein etwa 30 Jahre alter Mann ist gestorben, möglicherweise an einer Infektion mit der Virus-Variante. Ende April ist er von einer Indienreise zurückgekehrt. Das Gesundheitsamt reagiert schnell, alle Bewohner müssen in Quarantäne. Für rund 170 Menschen beginnen Tage voller Ungewissheit. Alle werden mittels PCR-Test getestet. Bis Sonntag herrscht strenge Isolation, dann ist klar: Mindestens sieben weitere Bewohner sind mit Corona infiziert, elf gelten als enge Kontaktpersonen und dürfen ihre Wohnungen weiterhin nicht verlassen. Wer sind die Betroffenen und wie fühlen sie sich? Wie ist den 170 Bewohnern geholfen worden, als sie nicht vor die Tür treten konnten? Was fordern die Menschen jetzt? Und generell: Wie geht es jetzt weiter? Darüber spricht Luisa Zenker im CoronaCast, dem Podcast von Sächsische.de zur Pandemie. Die SZ-Reporterin berichtet für Sächsische.de von vor Ort. Zudem erklärt der Dresdner Virologe Alexander Dalpke, welche Gefahren von dem Corona-Ausbruch in dem Hochhaus ausgehen und was man zur indischen Variante wissen muss. Wirken die Impfungen gegen die Mutante? Und wird sich diese Variante in Deutschland durchsetzen? Das Podcast-Gespräch wurde über einen Videoanruf aufgezeichnet. Alle am Gespräch beteiligten Personen saßen ausreichend weit voneinander getrennt an verschiedenen Orten.
38 Minuten
In einem Musikvideo von Comedy-Star Carolin Kebekus nimmt sich SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach selbst auf die Schippe. In dem Song "La Vida Sin Corona" sagt er: "Der Sommer wird gut, aber mit Einschränkungen." So humorvoll das Lied daherkommt, das anlässlich des Sendestarts der neuen Staffel der "Carolin Kebekus Show" in der ARD veröffentlicht wurde, so viel Ernsthaftigkeit dürfte hinter der Aussage stehen. Der Dresdner Virologe Alexander Dalpke, dem das Video natürlich auch nicht entgangen ist, pflichtet Lauterbach bei. Im CoronaCast, dem Podcast von Sächsische.de zur Pandemie, sagt Dalpke: "Ich bin zuversichtlich, dass wir im Sommer einen weiteren Rückgang der Infektionen sehen werden." Aber, schränkt der Fachmediziner ein, die Situation jetzt sei nicht mit der im vorigen Jahr vergleichbar. "Es gibt bei Inzidenzen von regional über 35 nach wie vor Infektionen. Das sollte man bei allen Lockerungsschritten im Hinterkopf behalten." Dalpke, der das Institut für Medizinische Mikrobiologie und Virologie an der TU Dresden leitet, empfiehlt deshalb, auch trotz eines wahrscheinlich entspannten Sommers das gelernte Verhalten beizubehalten. Also sicherheitshalber doch mal anderthalb Meter Sicherheitsabstand halten und Maske tragen, wenn es eng wird wie beispielsweise in Kaufhäusern. Und wie sieht es aus mit größeren Veranstaltungen? Bei Fußballspielen mit vollen Stadien oder hinsichtlich Festivals äußert sich Dalpke skeptisch. Allerdings, das betont er, sei das seine rein virologische Sicht. Diese könnte allenfalls politische Entscheidungen beeinflussen, aber nicht fällen. "Jedoch halte ich das Datum, wenn allen Menschen in Deutschland ein Impfangebot gemacht werden konnte, für einen entscheidenden Zeitpunkt." Dann könne jeder frei entscheiden, ob er seinen durch die Impfung hergestellten Schutz in Anspruch nehmen möchte, um größere Veranstaltungen zu besuchen. Hinsichtlich des für die meisten Menschen wahrscheinlich wichtigsten Sommerthemas, dem Sommerurlaub, hat der Virologe auch einen Rat: "Schauen Sie sich bei der Planung genau die Infektionslage in ihrem Reisegebiet an. Aus Eigenschutz und, um bei einer unentdeckten Infektion nach der Rückkehr nicht andere anzustecken." In Europa sei das Virus derzeit auf dem Rückzug, jedoch nicht überall auf der Welt. Dalpke empfiehlt, dass man sich neben der Infektionslage also auch die Auflagen bei der Wiedereinreise ansehen sollte. Das klingt überwiegend schon mal positiv, doch so ganz "sin Corona", also ohne das Virus, wird das Leben nach dem Sommer nicht bleiben. "Das Virus wird nicht verschwinden", sagt Dalpke. Ob es im Herbst aber eine mögliche vierte Welle geben werde, hängt seiner Ansicht nach vom weiteren Verlauf der Impfkampagne ab. "Wir haben die Chance, wenn bis Ende August alle, die es wollen, geimpft sind, die Lage unter Kontrolle behalten zu können." Wieder steigende Infektionen werde es aber sicher geben. Außerdem spricht Dalpke in dem Podcast neben der Aussichten für den Sommer über das Thema Impfung für Kinder. Warum ist es nicht einfach damit getan, die Dosis zu senken? Wie ist die Studienlage? Und was empfiehlt er Eltern, deren Kinder mindestens zwölf Jahre sind? Also in genau jenem Alter sind, ab dem die Europäische Arzneimittelbehörde EMA, den Impfstoff von Biontech/Pfizer jüngst zugelassen hat. Die Antworten darauf hören Sie in der neuen Folge CoronaCast. Das Podcast-Gespräch wurde über einen Videoanruf aufgezeichnet. Alle am Gespräch beteiligten Personen saßen ausreichend weit voneinander getrennt an verschiedenen Orten.
42 Minuten
Die Olympischen Spiele in Tokio sind aufgrund der Corona-Pandemie von 2020 um ein Jahr auf diesen Sommer verschoben worden. Sie sollen in wenigen Wochen am 23. Juli beginnen und gehen bis zum 8. August. Doch die Situation derzeit ist kaum besser als vor einem Jahr. Japan steckt mitten in einer vierten Welle, die Infektionszahlen sind hoch und für die Hauptstadt gilt mindestens bis Ende Mai der Notstand. Umfragen zeigen auch, dass viele Japaner negative Folgen auf die Coronalage befürchten. Dass die Spiele noch einmal verschoben werden oder ausfallen, ist noch nicht endgültig klar. Es ist aber eher unwahrscheinlich. Überall auf der Welt bereiten sich deshalb jetzt Athleten darauf vor, um dabei zu sein, wenn es um die begehrten Medaillen geht. Auch der Dresdner Tom Liebscher. Der Top-Kanute, der 2016 bei den Spielen in Rio de Janeiro die Goldmedaille im Vierer-Kajak gewann, beschreibt im CoronaCast bei Sächsische.de, mit welchem Gefühl er seine Reise nach Japan antreten wird - und was bis dahin noch alles zu erledigen ist. "Es ist jetzt bis zur Abreise eigentlich jeder Tag verplant", sagt er. Neben intensivem Training gehöre zur Planung allerdings auch eine 14-tägige Selbstisolation, die unmittelbar vor dem Abflug erforderlich sei. Was ihn und die anderen deutschen Athleten in Japan genau erwarten wird, ob er außer seine engsten Begleiter noch mit Sportlern oder Teilnehmern anderer Nationen in Kontakt kommen kann, sei ungewiss. Liebscher: "Um einen Fuß aus der Flughafentür zu setzen, ist auf jeden Fall erstmal ein PCR-Test nötig." So viel sei schon klar. Immerhin ist er bereits geimpft, genauso wie viele andere deutsche Olympia-Teilnehmer. In dem Podcast-Gespräch geht es allerdings nicht nur um Olympia, sondern auch die vielen Unwägbarkeiten, die es in den vergangenen Monaten durch Corona für die, wie Liebscher sie selbst nennt, "olympischen Randsportarten" gab. Und da fängt es schon im Frühjahr 2020 mit der Verschiebung der Spiele an. "Von einem Tag auf den anderen sind wir Leistungssportler von 110 Prozent Training auf 0 runter. Es ging ja zunächst nicht viel. Das geht vielleicht in einem normalen Beruf, bei uns hängt aber der Körper und die Gesundheit mit dran", erzählt er. Wie wurde ihm und anderen Spitzenathleten, die nicht wie etwa im Profi-Fußball in einem Millionengeschäft organisiert sind, in dieser Situation geholfen? Wie bereitet man sich unter ungewissen Vorzeichen auf Olympia vor? Und wie empfindet er es als Top-Athlet, dass er mehr durfte als Millionen Freizeit- und Breitensportler? Liebscher antwortet offen auf alle Fragen und gibt sich bescheiden. Er wisse um die Privilegien und wolle als Leistungssportler bei Olympia schließlich mit Leistung "etwas zurückgeben". Das Ziel ist klar: "Wir fliegen da hin, um wieder Gold zu gewinnen." Dann könnte er einen "Haken" an die fünf Jahre dauernde Vorbereitung machen und endlich mal wieder seine Freundin Dóra Lucz sehen. Aufgrund der Pandemie war das letztmals zu Weihnachten möglich. Lucz lebt in Ungarn und ist wie Liebscher im Kanusport aktiv. "Ich kenne Europa nur ohne Grenzen", sagt Liebscher und wünscht sich das fast noch mehr zurück als eine erneute olympische Medaille. Das Podcast-Gespräch wurde über einen Videoanruf aufgezeichnet. Alle am Gespräch beteiligten Personen saßen ausreichend weit voneinander getrennt an verschiedenen Orten.
1 Stunde 17 Minuten
Die Freischaltung neuer Termine im Buchungsportal der sächsischen Impfzentren wird in sozialen Medien von einem wiederkehrenden Bildmotiv begleitet. Zu sehen ist ein Bildschirm, der diesen Text anzeigt: "Aufgrund der vielen Anfragen befinden Sie sich aktuell in der Warteschlange. Sie werden weitergeleitet, sobald Kapazitäten frei werden. Wir bitten um ein paar Minuten Geduld." Wer schon impfberechtigt ist, dem sollte diese Anzeige sicher vertraut sein. Je länger man den Text angezeigt bekommt, desto größer wird die Anspannung. Klappt es mit dem Termin, bekomme ich einen? An diesem Mittwoch hatten in Sachsen wieder 15.600 Menschen die Chance. "Doch wir sehen anhand der Zugriffe, dass die Nachfrage um ein Vielfaches größer ist", sagt Kai Kranich, Sprecher des Deutschen Roten Kreuzes Sachsen, im CoronaCast bei Sächsische.de. Kranich beantwortet in dem Podcast-Gespräch zusammen mit Björn Händler, dem IT-Beauftragten der Impfzentren, die wichtigsten Fragen zum Terminportal. "Wir sehen, wie glücklich diejenigen sind, die einen Termin bekommen. Und wir sehen natürlich auch den Frust bei denen, die kein Glück hatten," leiten die beiden das Gespräch ein, in dem sie dem Zuhörer einen detaillierten "Blick unter die Haube" des Systems gewähren und Fragen zur Nutzung beantworten. Etwa diese: - Ist es ein Fehler, die Seite neu zu laden, wenn man in der Warteschlange hängt? - Ist es sinnvoll, sich mit mehreren Geräten gleichzeitig anzumelden? - Sollte man sich mehrere Stunden vor Bereitstellung neuer Termine in die Warteschlange stellen oder erst kurz davor? - Lohnt sich der Blick auf Impfzentren, die weiter weg von meinem Wohnort liegen? - Wie viel Zeit habe ich, um mich bei der Terminwahl zu entscheiden? - Was passiert, wenn mir der Zweittermin nicht passt? - Kann ich einen Termin auch noch online buchen, wenn ich mich zuvor an der Hotline registriert habe? DRK-Mann Björn Händler, der eigentlich bei Fraunhofer als Wirtschaftsinformatiker arbeitet, gibt zahlreiche Tipps zum Buchungsportal. Und er gewährt einen Blick in die komplexen Logistikprozesse, die hinter jedem einzelnen Impftermin stehen. "Alles basiert auf Liefervoraussagen, auf die man sich nicht immer verlassen kann." Das habe die Vergangenheit oft gezeigt. Dennoch könnten anhand der manchmal vagen Mengenauskünfte für Impfstoffe, dann verlässlich Termine angeboten werden. Dahinter steckt, man ahnt es, viel Mathematik, Informatik und bestimmt auch ein bisschen Glück. Außerdem geht es in dieser Folge CoronaCast auch um die spannende Diskussion zur Offenhaltung oder Schließung der Impfzentren, die derzeit auf Ende Juli vertagt ist. Welche Rolle spielt dabei das Geld? Wie läuft die Zusammenarbeit mit dem Sozialministerium und der Kassenärztlichen Vereinigung, die das impfende Personal in die Zentren entsendet? Und es geht um die Frage, warum beispielsweise in Sachsen nicht eine Dosis mehr aus Impfstoffampullen gezogen wird, als offiziell von EMA und Herstellern vorgesehen. Das Podcast-Gespräch wurde über einen Videoanruf aufgezeichnet. Alle am Gespräch beteiligten Personen saßen ausreichend weit voneinander getrennt an verschiedenen Orten.
CoronaCast aus Dresden

CoronaCast aus Dresden

Das Corona-Update für Sachsen