Beim ersten Hahnenschrei Archiv
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Der Mann, der Lehrer des Erdkreises war, der bei allen Erdbewohnern umherkam und alle unter der Sonne liegenden Kirchen und Völker und Stämme und Städte mit großer Sorgfalt betreute: er arbeitete Tag und Nacht und rastete nicht einmal kurze Zeit von jenen Mühen aus...
Paulus schämte sich nicht, wenn er das Messer nahm und Häute schnitt und sich dann mit Männern von Amt und Würden unterhielt; nein, er rühmte sich sogar seiner Tätigkeit, obwohl Tausende geachteter und angesehener Leute zu ihm kamen. So wenig schämte er sich seiner Beschäftigung, dass er vielmehr in seinen Briefen wie auf einer ehernen Säule seinen Beruf hervorhob. Das Handwerk, das er in seiner Jugend erlernt hatte, betrieb er auch später, selbst dann noch, als er in den dritten Himmel entrückt und ins Paradies geführt worden war und von Gott geheimnisvolle Worte vernommen hatte. Wir aber, die nicht einmal würdig wären, seine Sandalen zu lösen, schämen uns dessen, womit er sich brüstet. Wir fliehen es als schimpflich und verächtlich, von rechtschaffener Arbeit zu leben.
Paulus schämte sich nicht, wenn er das Messer nahm und Häute schnitt und sich dann mit Männern von Amt und Würden unterhielt; nein, er rühmte sich sogar seiner Tätigkeit, obwohl Tausende geachteter und angesehener Leute zu ihm kamen. So wenig schämte er sich seiner Beschäftigung, dass er vielmehr in seinen Briefen wie auf einer ehernen Säule seinen Beruf hervorhob. Das Handwerk, das er in seiner Jugend erlernt hatte, betrieb er auch später, selbst dann noch, als er in den dritten Himmel entrückt und ins Paradies geführt worden war und von Gott geheimnisvolle Worte vernommen hatte. Wir aber, die nicht einmal würdig wären, seine Sandalen zu lösen, schämen uns dessen, womit er sich brüstet. Wir fliehen es als schimpflich und verächtlich, von rechtschaffener Arbeit zu leben.
4 Minuten
Wie angenehm sind uns die Wellen dieses geistigen Meeres, angenehmer noch, als die des wirklichen! Denn jene (des wirklichen Meeres) werden von den ungestümen Winden, diese von der Begierde, (das göttliche Wort) zu hören, erregt. Jene, wenn sie sich erheben, versetzen den Steuermann in gewaltige Angst; diese, wenn sie sich zeigen, machen dem Redner viel Muth; denn jene sind Zeichen eines tobenden Meeres, diese aber Zeichen einer fröhlichen Seele; jene, an Felsen sich brechend, geben einen dumpfen Laut, diese, durch das Wort der Lehre gebrochen, geben einen lieblichen Ton.
5 Minuten
Oft scheinen Menschen gerecht zu sein, und man fühlt sich zu ihnen hingezogen; man muss sich auch an ihnen freuen, denn solche Liebe kann nicht ohne Freude sein. Wenn einem aber dann in solchen, an denen man sich freute, etwas Schlechtes begegnet, wie es oft vorkommt, so rückt so viel Trauer an die Stelle, als zuvor Freude war. Der Mensch fürchtet sich dann geradezu, die Zügel der Freude zu lockern, fürchtet, sich der Fröhlichkeit zu überlassen, damit er nicht, je mehr er sich gefreut, umso gründlicher zusammensinke, wenn ihm so etwas zustößt. Durchbohrt von überfließenden Ärgernissen wie von ebenso vielen Wunden, verschließt er sich gegen menschlichen Trost, und seine Seele weigert sich, getröstet zu werden. Und woher kommt ihm dann die Kraft zu leben, zu atmen? - »Ich erinnerte mich Gottes, und es ward mir zur Lust.«
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Längst wollte ich schließen; aber der Schmerz meines Herzens gestattet es nicht. Doch jetzt beschwöre ich Euch bei den Vätern, beim wahren Glauben, bei diesem unserm Seligen: Lasst den Mut nicht sinken. Ein jeder erachte die schwebende Angelegenheit als sein eigenes Anliegen und lasse sich sagen, dass der Ausgang der Sache in der einen oder andern Weise zunächst ihn selbst berühren wird. Man wälze nicht, wie es so vielfach der Fall ist, eine Sorge, die alle gemeinsam trifft, auf den Nebenmenschen ab. So kommt es denn, dass alle durch ihre Gleichgültigkeit sich unversehens höchsteigenen Schaden zuziehen, weil der einzelne für die Angelegenheit nicht das nötige Interesse hat. Nehmt dies auf mit allem Wohlwollen als Zeichen des Mitleids seitens eines Nachbarn oder als Teilnahme von Gleichgesinnten oder auch, wie es der Wahrheit eher entspricht, als ein Wort von solchen, die dem Gesetz der Liebe nachkommen und der Gefahr des Stillschweigens entgehen wollen.
5 Minuten
Aber ich weiß, dass bei Empfang meines Briefes sogleich die Freunde zusammenkommen, die gelehrten Schützlinge gerufen werben, in einer Lebensfrage von Todesfreunden Rat erholt wird. Da diese nicht Dich, sondern nur Dein Vermögen lieben, so sagen sie Dir nur, was Du gerade jetzt gerne hörst. Solche Ratgeber sind es einst gewesen, wie Du Dich selbst erinnerst, die Dich zu Deinem so großen Fehltritt verleitet haben. Um Dir Etwas aus einem weltlichen Schriftsteller anzuführen: „Alles muss man mit den Freunden verhandeln, aber zuerst muss es gewiss sein, dass sie Freunde sind.“ Wenn Du aber in Deiner Sache einen Ratgeber suchst, so nimm mich als solchen an, ich bitte Dich darum. Niemand kann Dir mit größerer Treue raten, als wer nicht Dem Vermögen, sondern Dich selbst liebt. Möge es Dir der allmächtige Gott zu erkennen geben, mit welcher Liebe und Zuneigung mein Herz Dich umfängt, jedoch ohne Hintansetzung der göttlichen Liebe.
3 Minuten
Klopfen wir also an dem so herrlichen Paradies der Schriften an, dem duftigen, dem so lieblichen, dem so fruchtprangenden, das mit mannigfachen Liedern der geistigen, gottvollen Vögel unsere Ohren umtönt, das unser Herz berührt, in der Trauer tröstet, im Zorn besänftigt und mit ewiger Freude erfüllt; das unser Denken auf den gold-strahlenden, hellglänzenden Rücken der göttlichen Taube erhebt und durch deren hell leuchtende Flügel hin zum ein geborenen Sohn und Erben des Pflanzers des geistigen Weinstocks trägt und durch ihn zum » Vater der Lichter« bringt. Aber nicht nachlässig, sondern inständig und anhaltend wollen wir anklopfen.
4 Minuten
Sind etwa die Jahre, in denen wir sind, ewig? Oder sind es jene, in denen unsere Vorfahren waren oder in denen unsere Nachfahren sein werden? ... Sieh, wir sagen im Gespräch: »In diesem Jahr«, und was halten wir in der Hand von diesem Jahr außer dem einen Tag, an dem wir gerade sind? Denn die früheren Tage des Jahres sind schon vorübergegangen und man konnte sie nicht festhalten; die zukünftigen aber sind noch nicht gekommen. An einem einzigen Tage sind wir, und wir sagen „in diesem Jahre“. Sag also lieber „heute“, wenn du etwas sagen willst, was Gegenwart ist! Denn was vom ganzen Jahr hältst du als Gegenwart? Was davon vergangen ist, ist nicht mehr; was davon künftig ist, ist noch nicht: was sagst du also „in diesem Jahr“? Andere die Redeweise: sag „heute“!
4 Minuten
Die Tränen der Gläubigen sollen dein Lob sein. Das Wort des Priesters soll die Würze der Schrift offenbaren. Du sollst kein Deklamator sein, auch kein geschwätziger Zungendrescher, hinter dessen Worten nichts steckt. Vielmehr soll sich heilige Wissenschaft und Vertrautheit mit den Geheimnissen deines Gottes in deiner Predigt kundtun. Überlassen wir es den Ungebildeten, mit leeren Worten um sich zu werfen und durch Zungenfertigkeit die Bewunderung des unerfahrenen Volkes auf sich zu lenken. Eine leider nicht seltene Anmaßung bedeutet es, das zu erklären, was man selbst nicht versteht; und am Ende hält man sich selbst für ein Licht, wenn man anderen etwas weisgemacht hat. Nichts ist leichter, als das einfache Volk und eine schlichte Versammlung durch einen Schwall von Worten zu täuschen; denn je weniger sie an sachlichem Verständnis aufbringt, um so mehr wächst die Bewunderung.
5 Minuten
O du, der du vorträgst, bemühe dich Nutzen zu ziehen aus deiner Rede, und wenn du keinen Gewinn daraus ziehst, dann schweige lieber still! Und du, Hörer, gib auch du dir Mühe dich zu bereichern, indem du aufmerksam zuhörst; wenn du aber keinen Nutzen daraus ziehst, warum vergeudest du die kostbare Zeit unnütz zu den Füßen des Redners? Die Liebe führte dich hierher, wie auch mich die Liebe zum Reden veranlasst, und die nämliche Liebe ist es auch, durch die allein wir Gewinn daraus ziehen können. Nicht mit Hinterlist sollst du auf meine Worte horchen und gleichsam Jagd machen auf sie, denn die Liebe stellt niemals Fallstricke in ihren Dienst, um sie zum Fange auszuspannen. Rein ist das Wort von Hinterlist und Weisheit, rein und einfältig sei daher auch dein Zuhören!
6 Minuten
Ich habe nämlich deinen Brief bei Licht nach dem Abendessen gelesen. Die Zeit des Schlafengehens war da, aber der Schlaf wollte nicht kommen. Im Bette liegend dachte ich lange darüber nach und hielt mit mir selbst, Augustin mit Augustin, folgendes Gespräch: Ist etwa des Nebridius Ansicht, wir seien glückselig, nicht wahr? In der Tat nicht; denn er selbst wagt nicht zu leugnen, dass wir noch töricht sind. Aber könnte nicht auch Toren ein glückseliges Leben zuteilwerden? Diese Annahme ist hart; gibt es doch außer der Torheit kein anderes, wenn auch nur kleines Ungemach. Wie kommt er also zu dieser Ansicht? Hat er etwa jene Schriften gelesen und nun gemeint, mich auch für weise halten zu dürfen? Aber so leichtsinnig kann doch selbst ausgelassene Freude nicht sein, besonders bei einem Manne, dessen gewichtiges Urteil mir wohlbekannt ist. So wird es sich verhalten: Er hat mir einige Liebenswürdigkeiten geschrieben, weil auch er Freude empfand über die Ansichten, die ich in jenen Schriften niedergelegt hatte; so schrieb er voll Freude, ohne darauf zu achten, was er in seiner Freude in die Feder fließen lasse.
5 Minuten
In meinem Elende bedachte ich nicht, aus welcher Quelle es mir fließe, dass ich über so schimpfliche Gegenstände mich. mit meinen Freunden so angenehm unterhalten, dass ich ohne Freunde selbst bei meiner damaligen Gesinnung und dem Überfluss an allen sinnlichen Vergnügungen nicht glücklich sein konnte. Und doch liebte ich diese Freunde ohne Selbstsucht und wusste, dass ich von ihnen auch ohne Selbstsucht geliebt wurde. Was für gewundene Pfade! Wehe meiner übermütigen Seele, die da hoffte, wenn sie dich verlasse, werde es ihr besser ergehen Ich wandte mich hin und her, auf den Rücken, zur Seite, auf den Bauch, aber überall fand ich es hart; du allein bist die Ruhe. Und siehe, du kommst und befreist uns aus jammervollem Irrtume, du führest uns auf deinen Weg, tröstest uns und sprichst: "Laufet, ich will euch tragen, ich will euch führen und euch ans Ziel führen".
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Gut ist auch die Barmherzigkeit; denn auch sie macht den Menschen vollkommen, weil sie den vollkommenen Vater nachahmt. Nichts empfiehlt eine christliche Seele so, wie die Barmherzigkeit, vor allem gegen die Armen. Als Gemeingut soll man die Erzeugnisse der Natur betrachten, welche die Früchte der Erde für alle hervorbringt. Dem Armen sollst du daher von deiner Habe mitteilen und den unterstützen, der Los und Gestalt mit dir teilt. Du reichst eine Münze: er empfängt seinen Lebensunterhalt; du gibst ein Geldstück: er sieht darin seine ganze Habe. Dein Denar ist sein Vermögen.
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Ein junger Mensch, Makarius mit Namen, der im Alter von ungefähr achtzehn Jahren stand, hütete mit seinen Altersgenossen am See Mareotis die Herden und tötete durch Zufall einen aus ihnen beim Spiel. Darob geriet er in so große Furcht vor Gott und den Menschen, dass er in dumpfem Trübsinn drei Jahre lang unter freiem Himmel in der Wüste blieb. Da regnet es niemals, wie die einen vom Hörensagen, die anderen aus eigener Anschauung wissen. Er baute sich dann eine Zelle, lebte darin noch fünfundzwanzig Jahre, freute sich seiner Einsamkeit, und es ward ihm solche Gewalt über die Teufel verliehen, dass er sie verachtete. Ich lebte lange mit ihm zusammen und fragte ihn einst, was er von der Mordtat denke, die er auf dem Gewissen habe. Darauf sagte Makarius, er empfinde darob so wenig Schmerz, dass er sogar ob des Mordes Gott danke, denn gerade dieser unfreiwillige Mord sei für ihn der Anlass zum Heil geworden. Er berief sich auf die Schrift; auch Moses wäre nicht der göttlichen Erscheinung gewürdigt worden, wenn er nicht aus Angst vor dem Pharao wegen des Mordes, den er in Ägypten beging, nach dem Berge Sinai geflohen wäre. Ich sage das keineswegs, als ob ich zum Morde verleiten möchte; sondern ich will nur beweisen, dass ein Zufall den Anlass zum tugendhaften Leben bilden kann, so dass jemand wider seinen Willen auf den rechten Weg gelangt. Denn es gibt Tugenden, die dem freien Willen, und Tugenden, die dem Zufall entspringen.
4 Minuten
Nicht bloß auf Reichtum ist man stolz, nicht bloß mit prunkender Lebensart und Kleidung, die der Reichtum erlaubt, prahlen die Menschen — sie leisten sich nämlich unnötig kostspielige, luxuriöse Mahlzeiten, machen unnötigen Kleideraufwand, bauen mächtige Häuser und schmücken sie herrlich aus, halten viele Diener und schleppen Scharen zahlloser Schmeichler nach sich —, sondern sie fühlen sie auch ungemein wegen der Würden, zu denen sie berufen worden. Wenn das Volk ihnen ein Amt verleiht oder sie mit einem Vorsitz beehrt oder für sie eine ganz besondere Auszeichnung beschließt, dann glauben sie dadurch über die menschliche Natur hinauszuragen, fast auf den Wolken zu thronen, halten ihre Untergebenen für eine Art Fußschemel, erheben sich gegen die, welche ihnen die Würde gegeben haben und lassen die ihren Übermut fühlen, denen sie ihren Scheinglanz danken. Freilich ist das ein höchst törichtes Handeln; denn ihre Ehre ist nichtiger als ein Traum, und der Glanz, der sie umgibt, ist eitler als nächtliche Erscheinungen, da er ja mit einem Wink des Volkes da ist und auf einen Wink hin verschwindet. Übermütig macht den Menschen ferner die Stärke seiner Hände, die Schnelligkeit der Füße, des Körpers Schönheit, lauter Dinge, die von Krankheiten verzehrt und vom Zahn der Zeit zerstört werden, und er merkt nicht, dass „alles Fleisch Gras ist und alle Herrlichkeit des Menschen wie des Grases Blume; das Gras verdorrt, und die Blume fällt ab.“
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Zum Cellerar des Klosters soll einer aus der Gemeinde bestellt werden, der weise, reif an Charakter, nüchtern, mäßig im Essen, nicht stolz, nicht ungestüm, nicht verletzend, nicht saumselig, nicht verschwenderisch ist, vielmehr Gott fürchtet und für die ganze Gemeinde wie ein Vater sorgt. Er trage für alles Sorge, tue nichts ohne Geheiß des Abtes. Er halte sich genau an das, was ihm aufgetragen ist. Er betrübe die Brüder nicht. Stellt etwa ein Bruder an ihn eine unvernünftige Forderung, so kränke er ihn nicht durch Geringschätzung, sondern weise mit Gründen bescheiden die unpassende Bitte zurück. Er habe auf seine Seele acht, stets eingedenk des Apostelwortes: „Wer seinen Dienst gut versieht, erringt sich eine ehrenvolle Stufe“. Der Kranken, Kinder, Gäste und Armen nehme er sich mit aller Sorgfalt an, fest überzeugt, dass er wegen dieser aller am Tage des Gerichtes wird Rechenschaft ablegen müssen. Alle Gerätschaften und das ganze Besitztum des Klosters seien ihm so heilig wie Gefäße des Altares. Nichts erscheine ihm unwichtig. Er hüte sich vor Geiz, sei aber auch kein Verschwender und kein Vergeuder des Klostergutes, sondern halte in allem das rechte Maß ein und handle so, wie es ihm der Abt befiehlt.