Beim ersten Hahnenschrei Archiv
419 Episoden
4 Minuten
Wie das Brot den Leib ernährt, so weckt das Wort Gottes die Seele mächtig zur Tugend, zumal dem, der leichten Sinnes das Tun der göttlichen Gebote lässig treibt. Denn wer da emsig ist und seinen Blick auf Gott gerichtet hat, den unterweist hinreichend sein Gewissen und rät ihm alles Gute an und kehrt ihn ab von allem Bösen. Wer nicht so hoch gestiegen ist, den muß der Buchstabe des Gesetzes mahnen und leiten. Doch wer den ersten wie den zweiten Weg zur Tugend von sich weist, den soll das Beispiel fremden Mühens und Sorgens, das ihm vor Augen steht, oder das durch Ohr und Rede zu ihm dringt, zu frommer Sehnsucht wecken, daß er den Schlaf der Seele von sich schüttelt und den engen und beschwerlichen Pfad betritt, der hinaufführt zum ewigen Leben. Denn bei uns steht es und in unsrer Macht liegt es, durch Sehnsucht nach dem Zukünftigen das Gegenwärtige als vergänglich zu verachten, statt nach dem Gegenwärtigen zu haschen und die ewigen Güter zu verlieren.
6 Minuten
Ich für meinen Teil schätze die Tugend der Geduld höher als Zeichen und Wunder. Eines Tages also wurde der Amtsnachfolger des ehrwürdigen Honoratus gegen unsern ehrwürdigen Libertinus sehr zornig, so zwar, dass er ihn mit den Händen schlug. Da er keinen Stock zum Schlagen finden konnte, griff er nach einem Fußschemel und schlug ihn damit auf den Kopf und in das Gesicht, so daß das ganze Antlitz geschwollen und blau wurde. Stillschweigend suchte Libertinus, so übel er zugerichtet, sein Lager auf. Es war aber auf den andern Tag in einer Klostersache gerichtlicher Termin anberaumt. Darum begab sich Libertinus nach der Matutin an das Bett des Abtes und bat demütig um den Segen. Da aber der Abt wusste, wie sehr Libertinus von allen geehrt und geliebt wurde, glaubte er, derselbe wolle wegen der Unbill, die er ihm zugefügt hatte, das Kloster verlassen. Deshalb forschte er näher nach und fragte: „Wohin willst du denn gehen?” Libertinus antwortete: „Vater, es ist für das Kloster ein gerichtlicher Termin angesetzt, von dem ich nicht wegbleiben kann; da ich gestern versprochen habe, heute zu kommen, will ich jetzt hingehen.” Da erkannte der Abt vom Grunde des Herzens sein hartes und liebloses Verhalten sowie die Demut und Sanftmut des Libertinus, sprang vom Lager auf, umschlang seine Füße und bekannte, dass er gesündigt und gefehlt habe, indem er einem so großen und heiligen Mann eine so arge Kränkung anzutun wagte. Aber auch Libertinus fiel nieder und warf sich ihm zu Füßen mit der Beteuerung, nicht durch den Zorn des Abtes, sondern durch seine eigene Schuld sei ihm eine solche Behandlung widerfahren. Auf diese Weise wurde der Abt zu großer Sanftmut geführt, und die Demut des Jüngers ward so zur Meisterin des Lehrmeisters.
4 Minuten
Die Schrift sagt und mahnt: Frage deine Väter und sie werden dir sagen, deine Ältesten und sie werden dir verkünden; und wiederum: Den Worten der Weisen leihe dein Ohr; und wiederum: Mein Sohn, meine Reden vergiß nicht, meine Worte aber bewahre dein Herz. Darum glaube ich, der geringste aller Diener Gottes, Peregrinus, daß es mit Hilfe Gottes nicht geringen Nutzen bringen wird, wenn ich das, was ich zuverlässig von den heiligen Vätern empfangen habe, schriftlich zusammenfasse. Es ist das wenigstens für meine eigene Schwäche sehr notwendig, da dann etwas zur Hand ist, womit der Schwäche meines Gedächtnisses bei fleißigem Lesen abgeholfen werden kann.
5 Minuten
Die Kleidung der ägyptischen Mönche hat einige Eigentümlichkeiten, welche weniger die Sorge für den Körper bezwecken, als vielmehr Spiegelbilder der Sitten sein sollen, um so die Einfalt und Unschuld ihrer Lebensweise auch in der Kleidung beständig Tag und Nacht festzuhalten. Sie tragen nämlich ganz kleine bis zum Nacken reichende Kapuzen, die nur das Haupt bedecken. Dies tun sie, damit, während sie die Kleidung der Kinder nachahmen, sie stets daran denken sollen, auch die Unschuld und Einfalt der Kinder zu bewahren. Darum singen sie, zur Kindheit, die Christus verlangt, zurückgekehrt, zu allen Stunden mit Inbrunst und Andacht: „Herr! Nicht ist mein Herz stolz, noch sind meine Augen erhoben, noch habe ich gewandelt in Großem und Wunderbarem, was über mir ist: fürwahr, demütig ist mein Sinnen, und meine Seele erheb’ ich nicht, wie das entwöhnte Kind ist bei der Mutter.
5 Minuten
Was verdient, wer einen Bruder verleumdet oder den Verleumder anhört?
Antwort. Beide verdienen ausgeschlossen zu werden; „denn wer heimlich seinen Nächsten verkleinert, den verfolge ich.“ Und anderswo heißt es: „Einen Verleumder höre nicht gerne an, damit du nicht verdorben werdest.“
Antwort. Beide verdienen ausgeschlossen zu werden; „denn wer heimlich seinen Nächsten verkleinert, den verfolge ich.“ Und anderswo heißt es: „Einen Verleumder höre nicht gerne an, damit du nicht verdorben werdest.“
5 Minuten
Jenen, die zur Zeit der Not oder einer nahe bevorstehenden Gefahr um den Schutz der Buße und sofort auch um die Aussöhnung bitten, darf weder die Verrichtung der Buße versagt noch die Wiederversöhnung verweigert werden, weil wir der Barmherzigkeit Gottes kein Maß setzen und keine Zeit bestimmen können. Die wahre Bekehrung gestattet keinen Aufschub der Verzeihung, da der Geist Gottes durch den Propheten spricht: Wenn du dich bekehrst und geseufzt hast, wirst du gerettet sein. Und anderswo: Bekenne deine Missetaten, damit du gerechtfertigt werdest.
4 Minuten
Es muss aber das Wort auch ein Pneuma (einen Hauch) haben. Denn nicht einmal unser Wort ist ohne Hauch. Allein bei uns ist der Hauch etwas unserer Wesenheit Fremdes. Er ist ein Einnehmen und Abgeben der Luft, die man zur Erhaltung des Körpers einzieht und ausstößt. Zur Zeit des Sprechens wird er zur Stimme des Wortes, die die Bedeutung des Wortes in sich offenbart. Bei der göttlichen Natur nun, die einfach und nicht zusammengesetzt ist, muss man zwar die Existenz eines Pneuma Gottes fromm zugeben, denn das Wort [Gottes] steht nicht hinter dem unsrigen Wort zurück. Aber nicht fromm ist es, das Pneuma für etwas Fremdes, von außen zu Gott Hinzukommendes zu halten wie bei uns, die wir zusammengesetzt sind.
4 Minuten
Ich will mich nicht in alten Geschichten verlieren und meinen Brief zu weit ausdehnen. Nur eine kleine Begebenheit, die sich in meiner Jugend ereignete, will ich noch anführen. Der heilige Antonius wurde vom heiligen Athanasius, dem Bischof von Alexandrien, zur Bekämpfung der Arianer in die Stadt geholt. Da kam der blinde Didymus, ein großer Gelehrter, zu ihm. Während sie sich in mannigfaltigen Reden über die Hl. Schrift unterhielten, bewunderte Antonius des anderen Gelehrsamkeit und Geistesschärfe. Da fragte er ihn: „Bist Du traurig, weil Du des Augenlichtes entbehrst?“ Als dieser beschämt schwieg, fragte er ein zweites und drittes Mal und entlockte ihm das Geständnis, dass er diesen Verlust schmerzlich empfinde. Da sagte Antonius: „Ich wundere mich, dass ein weiser Mann unter dem Verlust einer Sache leidet, welche Ameisen, Mücken und Schnaken besitzen, statt sich zu freuen über den Besitz dessen, was sich nur die Heiligen und die Apostel verdient haben.“ Daraus ergibt sich, dass es wichtiger ist, mit dem geistigen als mit dem leiblichen Auge zu sehen, und jene Augen zu besitzen, in welche der Balken der Sünde nicht hineinfallen kann.
3 Minuten
So oft im Kloster wichtige Angelegenheiten zu verhandeln sind, rufe der Abt die ganze Brüderschar zusammen und lege die Sache selber vor. Hat er den Rat der Brüder vernommen, dann überlege er bei sich und handle dann, wie er es für ersprießlicher hält. Dass alle zur Beratung beigezogen werden, haben wir deshalb bestimmt, weil der Herr oft einem jüngeren eingibt, was das Beste ist. Die Brüder sollen aber in aller Bescheidenheit und Demut ihre Meinung äußern und sich nicht herausnehmen, hartnäckig ihre Ansicht zu verteidigen. Die Entscheidung hänge vielmehr vom Abte ab, so dass sich alle gehorsam dem fügen, was er für zuträglicher hält. Wie es jedoch dem Schüler zukommt, dem Meister zu gehorchen, so ist es auch geziemend, dass dieser alles nach Klugheit und Billigkeit anordne.
5 Minuten
Eine recht große Freigebigkeit ist es ferner, Gefangene loszukaufen und aus Feindeshand zu befreien, Menschen vom Tode und insbesondere Frauen vor Schande zu erretten, Kinder den Eltern, Eltern den Kindern zurückzuführen, Bürger dem Vaterlande wiederzugeben. Dies sind nur zu bekannte Dinge aus der Verwüstung, die in Illyrien und Thrakien angerichtet wurde. Wie viele Gefangene gab es da nicht überall im ganzen Umkreis loszukaufen! Riefe man sie zurück, könnten sie nicht eine ganze Provinz vollzählig bevölkern? Gleichwohl gab es Leute, die sogar solche, welche die Kirchen loskauften, in die Knechtschaft zurückstoßen wollten: Leute, schlimmer als selbst die Gefangenschaft, da sie denselben das fremde Mitleid missgönnten! Wären sie selbst in die Gefangenschaft geraten, würden sie, die Freien, nun in Knechtschaft schmachten; wären sie verkauft worden, würden sie sich vergeblich gegen den Sklavendienst sträuben: und sie wollen die Freiheit anderer aufheben, sie, die ihre eigene Knechtschaft nicht hätten aufheben können, es würde denn einem Käufer gefallen haben, den Kaufpreis zu erlegen! Und doch wäre das nicht Sprengung der Sklavenketten, sondern nur ein Loskauf gewesen.
5 Minuten
Du sahst, o Herr, als ich noch im Knabenalter stand und eines Tages infolge heftiger Magenschmerzen plötzlich in ein tödliches Fieber verfiel, du sahst also, mein Gott, der du schon damals mein Hüter warst, mit welch innerer Erschütterung und mit welchem Glauben ich von der Frömmigkeit meiner Mutter und unser aller Mutter, deiner Kirche, die Taufe deines Gesalbten, meines Herrn und Gottes, verlangte. Wohl hätte meine betrübte leibliche Mutter, die noch mit viel größerer Liebe mein ewiges Heil keuschen Herzens in deinem Glauben geboren hätte, eilig dafür gesorgt, dass ich in die heilbringenden Sakramente eingeweiht und im Bekenntnisse des Glaubens an dich, Herr Jesus, abgewaschen würde zur Vergebung der Sünden, wäre ich nicht plötzlich wieder gesund geworden. Meine Abwaschung wurde daher aufgeschoben; denn sie meinten, dass ich bei längerem Leben notwendigerweise mit mehr Sünden befleckt würde und ein sündenbeflecktes Leben nach dem Empfang jenes Bades (der Wiedergeburt) nur noch größere und gefahrvollere Verschuldung verursacht hätte. So war ich denn bereits zum Glauben gelangt, wie meine Mutter und das ganze Haus mit Ausnahme des Vaters allein; doch ließ dieser sein Interesse an mir nicht Oberhand gewinnen über die Frömmigkeit der Mutter, dass er etwa, selbst ungläubig, auch mich nun verhindert hatte, an Christus zu glauben. Denn das war ihr heißes Bemühen, dass du, mein Gott, eher mein Vater seiest als er; und du standest ihr hierin bei, so dass sie über den Gatten den Sieg gewann, dem sie, obgleich die bessere, dienstbar war, weil sie auch hierin dir diente, deinem Befehle gemäß.
5 Minuten
Ist eine Wunde geheilt, und will der Arzt der darübergezogenen Haut die natürliche Farbe zurückgeben, dann muss er, während er doch nur die Wiederherstellung der körperlichen Schönheit bezweckt, von neuem zu einem schmerzhaften Eingriff schreiten. So fürchte auch ich als verspäteter Tröster, nachdem ich unpassender Weise zwei Jahre lang geschwiegen, zu ungelegener Zeit das Wort zu ergreifen. Ich fürchte, an die Wunde deines Herzens, welche Zeit und Ergebung geheilt haben, zu rühren und sie durch die Erinnerung von neuem aufzureißen. Wessen Ohren sind so hart, wessen Herz ist aus Stein gehauen und mit der Milch hyrkanischer Tiger genährt, dass er, ohne Tränen zu vergießen, den Namen deiner Paulina vernehmen könnte? Wer möchte gleichgültigen Blickes zusehen, wie die sich öffnende Rose und der in der Knospe verschlossene Blumenkelch, bevor er sich zum Blütenkranz entwickelt und die ganze Fülle der roten Blätter entfaltet, zur Unzeit geknickt wird und dahinwelken muss? Zerbrochen ist die so kostbare Perle, der grünfunkelnde Smaragd ist zertreten. Was für ein großes Gut die Gesundheit ist, zeigt erst die Krankheit. Wir empfinden viel mehr, was uns eine Sache galt, wenn wir aufgehört haben, sie zu besitzen.
5 Minuten
Wenn du dich nun vom Satan lossagst und den ganzen Bund mit ihm, die alten Verträge mit der Hölle, vollständig auflösest, dann öffnet sich dir das Paradies Gottes, welches er gegen Osten gepflanzt hatte, woraus aber unser Stammvater seiner Sünde wegen vertrieben worden war. Zum Zeichen dafür wandtest du dich von Westen nach Osten, der Gegend des Lichtes. Dann wurde dir befohlen, zu sagen: „Ich glaube an den Vater und an den Sohn und an den Hl. Geist und an eine Taufe der Buße.“ Darüber wurde in den früheren Katechesen, wie es die Gnade Gottes gegeben hat, ausführlich zu dir gesprochen.
4 Minuten
Von Ptolomais aus verließen wir die Küste, Wir kamen im Gebiet von Galiläa in eine Stadt, die Diocaesarea heißt, in der wir, weil man uns so sagte, den Eimer und das Körbchen der heiligen Maria verehrten. Hier war auch der Sessel, auf dem sie saß, als der Engel zu ihr kam. Dann kamen wir drei Meilen weit nach Cana, wo der Herr zur Hochzeit war, und legten uns auf der nämlichen Speisebank nieder, an der ich Unwürdiger die Namen meiner Eltern anschrieb. Von jener sind zwei Krüge dort; ich füllte einen davon mit Wein, hob ihn voll auf die Schulter und brachte ihn am Altar dar; in der Quelle selbst wuschen wir uns zur Segnung.
3 Minuten
Wohlwollen pflegt selbst dem Zorn das Schwert zu entwinden. Wohlwollen macht, dass des Freundes Wunden nützlicher sind als freiwillig gebotene Feindesküsse. Wohlwollen macht, dass aus mehreren einer wird; denn sind mehrere Freunde, werden sie eins, indem ein Geist, eine Auffassung sie beseelt. Zugleich gewahren wir, dass selbst Zurechtweisungen bei der Freundschaft willkommen sind. Sie haben ihren Stachel, schmerzen aber nicht. Wohl treffen nämlich die Strafreden unser Herz, doch das besorgte Wohlwollen erfreut uns.