Nur für Gewinner Archiv
118 Episoden
29 Minuten
Die Folge hätte genauso gut heißen können „Tönnies yes, yes, yes…“ oder „Patrick KiKs Ass“, aber die Redaktion hat sich für die konservative Variante entschieden. So what?! Also: Was haben der sympathische Textil-Discounter KiK und die Kirche gemeinsam? Beide kennen sich mit der Ausbeutung von Kindern bestens aus. Und so ist es auch nur konsequent, dass eines der seltenen Interviews von Kik-CEO Patrick Zahn ausgerecht in der ZEIT-Beilage Christ und Welt erschienen ist. Auf die Frage, ob er einen ethischen Grundsatz hätte, antwortet Zahn, dass er mit gutem Gewissen ins Bett gehen wolle. Und dass ist doch mehr als nur schön, dass der Patrick das kann. Denn wie schon so oft in diesem Podcast gepredigt, geht es im Neoliberalismus doch schließlich um das Gefühl hinter den Dingen und nicht darum, ob man Fabrikarbeitern in Bangladesch oder Pakistan einen existenzsichernden Lohn zahlt. Was der Patrick im übrigen ja gerne tun würde, nur sind ihm die Hände gebunden, weil ihm die Fabriken ja nicht gehörten und er deswegen leider so gut wie keinen Einfluss auf die Löhne hätte. Er ist offensichtlich nur Opfer der örtlichen Tarifparteien, und die Täter-Opfer-Umkehr ist ja bekanntlich eines der wichtigsten Grundprinzipien in der neoliberalen Welt. Umso glücklicher kann man sich als Wirtschaftspodcast schätzen, dass dieses Prinzip offensichtlich auch endlich bei deutschen Intellektuellen Einzug erhalten hat, und in einem offenen Brief an den Bundes-Olaf hervorragend umgesetzt wurde. Schließlich wollen ja auch die Schlauen abends beruhigend ins Bett gehen können. Genau wie Clemens Tönnies, dem sympathischen Fleischproduzenten aus Rheda-Wiedenbrück. Aber wie man mit ein bisschen Re-Framing aus dem vermeintlichen Loser einen echten Winner macht, ist für die beiden Wirtschafts-Hallodris nur eine kleine Fingerübung. Wem dabei der moralische Kompass verloren geht, muss sich nicht sorgen. Denn schließlich weiß Google ja immer, wo genau wir gerade stehen. Nachti, Nachti… Herr Zahn! Und liebe Alice, dir auch!
25 Minuten
Arbeiten ist eine sehr altmodische Form der Vermögensbildung, und wer bei der Auswahl seiner Eltern nicht richtig aufpasst, hat seinen ersten Karriereschritt schonmal versaut. Doch jetzt gibt es endlich die Möglichkeit, diese erste Kerbe im Lebenslauf, nämlich in die falsche Familie geboren worden zu sein, auszumerzen. Denn Timo Wopp hat ein Start-Up gegründet, welches ein sog. GenCoaching anbietet, wodurch der Genpool eines x-beliebigen Menschen nachweislich so verändert werden kann, dass er anschließend eindeutig einem bestimmten Milliardär zuzuordnen ist. Das ist der Booster für dein Erbe! Für eine erste Finanzierungsrunde wird gerade Geld über die Elizabeth Holmes Stiftung für soziale Gerechtigkeit eingesammelt. Wer jetzt nicht weiß, wer Elizabeth ist, und daher diesen Gag nicht versteht, muss sich nicht grämen. Wird ja im Podcast alles erklärt. Aber Elizabeth Holmes, das wegen manipulierten Bluttests tiefgefallene Tech-Wunderkind aus dem Silicon Valley, war mal das, was Kevin Lehmann aus Karlsruhe heute ist: milliardenschwer. Wer wiederum dieser Kevin ist, wussten die beiden Protagonisten bis letzte Woche auch nicht, doch dann erschien Kevin plötzlich als jüngster Milliardär der Welt auf der Forbes Liste. Und so viel sei an dieser Stelle verraten: Kevin wird kein GenCoaching in Anspruch nehmen müssen. Doch es geht in diesem Podcast noch um soviel mehr. Deswegen hier die Gewinnererkenntnisse im Schnelldurchlauf. - Besitz ohne Verantwortung ist geil. - Dass Elon Musk Twitter übernimmt, ist ein reiner Frustkauf, nur weil er an der Tür vom Berghain abgewiesen wurde. - Nestlé übernimmt nach Ankerkraut auch noch Greenpeace, DIE LINKE und die KP Chinas. - Anne und Stefan Lemcke von Ankerkraut wiederum zeigen, dass es beim Neoliberalismus um das richtige Gefühl hinter den Dingen geht. - Gerhard „Mea culpa ist nicht mein Ding“ Schröder hat ja den Neoliberalimus erfunden, weswegen die SPD genau diese ja auch immer wieder so hervorragend umsetzt. Zuletzt erst unter Beweis gestellt von Schwesig, Sellering & Co. bei der von Gazprom-finanzierten Klimastiftung rundum Nordstream.
26 Minuten
Mit dieser langersehnten vierzigsten Folge melden sich Chin Meyer und Timo Wopp endlich zurück aus ihrer Kreativpause und liefern sich gleich mal einen Battle darin , wer das Wort Neoliberalismus öfter verwendet. Denn im Auftrag von eben diesem sind sie nach wie vor unterwegs und gehen gewohnt engagiert zur Sache. Egal ob Boris Becker, Andrea Tandler, Elon Musk oder Anne Spiegel; es geht immer darum, in den Gewinner:innen der Woche das ultimative Gewinner-Gen zu identifizieren. Und das ist im Neoliberalismus ganz eng mit dem Aspekt der Verantwortung verbunden. Denn Verantwortung zu übernehmen, heißt in diesem Glaubensmodell, den Satz zu sagen: Ich übernehme die Verantwortung. Nicht mehr und nicht weniger. Echte Konsequenzen zu ziehen oder gar das Bedürfnis zu verspüren, den angerichteten Schaden begleichen zu müssen, sind romantisch verklärte Vorstellungen aus einer von Altruismus versifften Welt, in der es keine echten Gewinner geben kann. Außerdem darf man sich niemals dazu hinreißen lassen, für sein Verhalten Begründungen zu liefern, denn Begründungen machen einen immer angreifbar. Außer natürlich man verfügt über eine ultimative Killer-Begründung wie Boris Becker, die einen ein Leben lang von der lästigen Last der Verantwortung befreit. In Bobelles Fall ist es die Last des frühen Ruhms, die es ihm unmöglich macht, sich wie ein normaler Mensch zu verhalten. Sonstige Erkenntnisse: Nicht Korruption, sondern die gute alte Überforderung ist ein Grund zurückzutreten. Frauen in Führungsposition sind ok, solange sie aus adligem Hause kommen oder über sonstige Erfahrungen mit Personal verfügen. Und: Carsten Maschmeyer hat ein Kinderbuch geschrieben. Halleluja! We are back in Business.
30 Minuten
Die geopolitische Weltlage lässt einem keine andere Wahl, als auch in einem Gewinner-Podcast endlich mal ausführlich über Loser und Loser:innen zu reden. Und davon gibt es in diesen Tagen ja so einige. Explizit wird hier nicht über Verlierer gesprochen, denn das wäre alles andere als lustig. Loser hingegen bieten aufgrund ihrer erbärmlichen Lächerlichkeit auch in Krisenzeiten hervorragendes Satirematerial. Von Gerhard Schröder, der es in seiner Bedeutungslosigkeit noch nicht mal auf eine Sanktionsliste geschafft hat, über jammernde Oligarchen, die sich in Selbstmitleid ergehen, bis zu Sahra Wagenknecht, bei der nicht nur ihr Erscheinungsbild als „schlicht“ beschrieben werden kann. Immerhin bilden ihre Aussagen zum Umgang mit der Ukraine und Russland auf bittere Art und Weise einen eleganten Übergang auf die eigentliche Basis all unserer Probleme: Kolonialismus und Imperialismus. Hier schlägt Chin Meyer in kürzester Zeit vom Römischen Reich über Haiti nach China einen mehr als nur erkenntnisreichen Bogen. An den Grundregeln hat sich in den letzten Jahrhunderten scheinbar nichts geändert: fall irgendwo ein, unterdrücke mit brutaler Gewalt und lass dich fürstlich entlohnen, wenn du wieder gehen sollst. Zeit, auch in der westlichen Welt so einiges aufzuarbeiten und auszugleichen. Mit dieser Erkenntnis verabschieden sich die beiden Protagonisten in eine für diese Zeit angemessene Kreativpause, um sich alsbald zurückzumelden.
26 Minuten
Was haben Wolfgang Ischinger und Franz Beckenbauer gemeinsam? Beide haben ihr Ehrenamt zu Gold gemacht. Und so heißt es auch für die beiden Winnertypen in diesem Podcast: bloß keine Beratungsfirma gründen, eigene Fonds auflegen oder in Krypto investieren, sondern ganz schnell nach ehrenamtlichen Tätigkeiten Ausschau halten. Denn hier scheint die Rendite immer noch die beste zu sein. Der Beste aller Zeiten wiederum war immer schon Dieter Bohlen, zumindest in seiner Selbstwahrnehmung, was ihn bereits 2008 dazu veranlasste einen Ratgeber zu schreiben. „Der Bohlenweg“ heißt das gute Stück zum Thema Erfolg, mit dem sensationellen Untertitel „Planieren statt Sanieren“. Ein Buch voll „ehrlicher“ Erfolgsgeheimnisse und randvoll mit fragwürdigen Frauenbildern. Im Gegensatz dazu sind Bilder mit Frauen bei der Münchner Sicherheitskonferenz ja offensichtlich Mangelware, was in der letzten Woche zu einem vorprogrammierten Shitstorm führte. Aber hieß es in München wirklich „Null Prozent ist doch auch ne Frauenquote“? Chin Meyer kennt die genauen Hintergründe zur Entstehung des frauenbefreiten Fotos, und die sind ähnlich überraschend wie die Wendung in dieser Folge. Die wird nämlich ab Minute 17 mit Greenflation und dem Irrsinn so mancher Inflationsdebatte erstaunlich inhaltslastig. Aber keine Sorge: inhaltliche Schwere hält die beiden Protagonisten nicht davon ab, wie gewohnt zu kalauern, Palladium und Rhodium für angesagte Partydrogen zu halten und die echte, inhaltliche Aufarbeitung von Wirtschaftsthemen weiterhin den Kollegen vom hervorragenden Podcast „Wohlstand für Alle“ zu überlassen. Aufzeichnung war ein tatsächlicher Einmarsch Russlands in die Ukraine nicht abzusehen.
26 Minuten
Eigentlich sollte es ja ganz groß über Ordoliberalismus und die Berufung des ehemaligen Wirtschaftsweisen Lars Feld zu Christian Lindners Chefvolkswirt im Finanzministerium gehen. Allerdings lassen sich die Sichtweisen eines waschechten Ordoliberalen (keine Sorge, der Begriff wird im Laufe der Folge noch erklärt) wie Feld nur verstehen, wenn einem klar ist, wie wichtig die beiden Erfolgsfaktoren „selektive Wahrnehmung“ und „Umdeutung von Niederlagen“ für das eigene Vorankommen sind. Und so fangen die beiden Wirtschaftshallodries zunächst mal beim Bundespräsidentschaftskandidaten Max Otte und dem gerade abschmirgelnden aber nach wie vor DAX-gelisteten Lieferunternehmen Delivery Hero an. Denn an diesen beiden Beispielen lässt sich wunderbar zeigen, dass nur weil man selber scheitert, es noch lange nicht heißt, dass man auch wirklich als Verlierer den Platz verlassen muss. Wenn dem nämlich so wäre, könnte der gesamte Kapitalismus ja gar nicht so einfach überleben.
30 Minuten
Timo Wopp ist aus dem Skiurlaub zurück, Chin Meyer von seiner „steuerfluchtbedingten“ Weltreise. Nachdem beide in den letzten Wochen also mächtig was für ihre Ökobilanz getan haben, begeben sie sich so gleich wieder auf ganz große Reise; und zwar zu ihren sehr persönlichen spirituellen Grenzerfahrungen. Während Wopp diese in seiner Jugend bei ganz profanen Treffen mit Gerhard Schröder sammelte, nimmt Meyer die Hörer:innen mit auf einen mehr als nur speziellen Tripp in den Schwarzwald zu seinem ersten und letzten Darkness-Retreat. „Schwurbler, ick hör dir trapsen…“ denkt sich da nicht nur Timo Wopp beim Lauschen dieser an Absurditäten kaum zu überbietenden Geschichte, sondern dachte sich auch Chin Meyer selbst beim Erleben ebendieser, weswegen er sich bereits nach kürzester auf schnellstem Weg in die nächstgelegenste Wellness-Oase wiederfand. Aber der Weg zur Erleuchtung ist eben lang und steinig und eigentlich nur zu meistern, wenn man sich an das Motto von Götz Werner, dem leider von uns gegangenen Gründer der Drogeriekette dm und großem Verfechter eines bedingungslosen Grundeinkommens, hält: beharrlich im Bemühen, bescheiden in den Erfolgserwartungen.
24 Minuten
Aus Sicht von Chin Meyer ist die AFD die letzte Partei, die den heiligen Gral des Neoliberalismus noch hochhält. Gegen den einsamen Sieg des Kapitals, den die AFD anpeile, wirke die FDP langsam wie die katholische Kirche des Kommunismus. Puh! Ein Vergleich, der definitiv keiner genaueren Betrachtung standhält. Aber hey, welche Argumentationsschiene eines x-beliebigen Global Players tut das denn noch?! Und wenn überhaupt, dann ist dieser Vergleich höchstens genauso schräg, wie der Gesprächsverlauf dieser Folge, und damit ein maximal wunderbares Abbild der aktuellen Wirtschaftssituation. Wir hier nennen das Wirtschaftssatire, auch wenn es für Außenstehende möglicherweise wie eine wahllose Aneinanderreihung von Worten klingt, in der Hoffnung, dass am Ende irgendein Sinn herauskommen möge. Wahrscheinlich aber liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen. Und letztlich ist all das auch komplett egal, solange es den beiden Protagonisten weiterhin so vorzüglich gelingt, für durchaus ansprechende Kurzweile zu sorgen. Zwar schaffen sie es nicht, den relativ simplen Sachverhalt der kalten Progression in einfachen Worten auch den wirtschafts-aversen Zuhörer:innen einigermaßen nachvollziehbar zu erklären, aber zu viel Wissen ist ja auch eine Behinderung, und dafür sind die zur ihr gemachten Witze umso besser.
27 Minuten
Steuerflucht hat viele Gesichter, manchmal auch besonders schöne. Während für Chin Meyer die warme Sonne vom Himmel lacht und der Muezzin im Hintergrund ruft (genauer dürfen wir seinen Aufenthaltsort gerade nicht beschreiben), sitzt Timo Wopp im nasskalten Prenzlauer Berg und spielt beim Blick aus seiner 8-Zimmer-Altbauwohnung Drei-Farben-Grau. Erhellender ist da schon das Gespräch über Greenwashing bei der Deutschen Bank, genauer bei ihrer Fondstochter DWS. Bei dieser hat man nämlich die Messlatte für die Integration von Nachhaltigkeitsaspekten so derartig hoch gelegt, dass sie offensichtlich gar nicht mehr zu erkennen ist. Böse Zungen sprechen gar von Nachhaltigkeitslimbo, bei dem die Stange immer so hängt, dass man jederzeit beim „Grün-Labeln“ von neu aufgelegten Fonds bequem aufrecht drunter herlaufen kann. Aber nachdem Atomkraft von der EU zu Jahresbeginn schon zur nachhaltigen Energieerzeugung erklärt wurde, scheint das „Re-Labeling“ sowieso das Ding der Stunde zu sein. Atomkraft ist jetzt grün, Russische Kampftruppen in Kasachstan werden kurzerhand in Friedenstruppen umbenannt und Merkel heißt jetzt Scholz. Und so entfacht sich eine wahre Explosion an nachhaltigen Produktmöglichkeiten, bei der man sich zwischendurch die Frage stellt: ist das noch ein Ideen-Feuerwerk oder schon ein Abkürzungs-Tsunami?! Doch gerade wenn einem der Gedanke beschleicht, von letzterem mitgerissen zu werden und unterzugehen, kommt Timo Wopp mit einer neuen, höchst-relevanten Liste um die Ecke, die erstaunliche Erkenntnisse über einen ehemaligen Bundesfinanzminister bereit hält. Also, durchhalten lohnt sich.
29 Minuten
Direkt nach dem Rückblick auf 21 folgt mit dieser Episode vom 20.1. schon der Ausblick auf 22; Und damit das möglichst sinnbefreit ausfällt, haben die beiden Protagonisten bewusst entschieden, diesen Podcast zwei Wochen früher aufzuzeichnen, um sich bloß nicht von scheinbar aktuellen Ereignissen framen zu lassen. So identifizieren sie am 7. Januar das Anheuern von Sebastian Kurz bei Peter Thiel als den absoluten Winner-Move zum Jahreswechsel, prophezeien Bulgarien als Paradies für querdenkende West-Europäer eine goldene Winner-Zukunft und haben keinen blassen Schimmer, ob der Ober-Winner Novax DjoCovid die Austalian-Open gespielt haben wird oder nicht. Spannend ist es trotzdem: denn Timo Wopp gelingt es, diese Übung in grenzenloser Sinnlosigkeit noch durch eine absolute Schwachsinnschallenge zu toppen, während Chin Meyer den DAX als Schummel-Index entlarvt und so wiederum seine Sinnlosigkeit offenlegt. Letzterer wird trotzdem auch 2022 zu den herausragenden Gewinnern gehören, genau wie die sinnlose Blockchain und die damit in Zusammenhang stehenden sinnentleerten Kryptowährungen. Alles also sinnlos in 2022? Mit Nichten: Denn mit dem richtigen Maß an aggressiver Emotionslosigkeit und dem nötigen Schuss Skrupellosigkeit werdet auch ihr, liebe Follower:innen, zu den Gewinner:innen 2022 gehören. Und Gewinner zu sein, gibt schließlich allem einen Sinn.
28 Minuten
Während einer Podcastaufzeichnung permanent auf die aktuelle DAX-Entwicklung zu schauen, ist weitaus effektiver, als sich in in kürzester Zeit restlos zu betrinken. Zumindest ist das eine Erkenntnis aus dieser Jahresabschlussepisode. Und damit herzlichen Willkommen im Wahnsinn 2021! Zwischen den Jahren nehmen sich die beiden Wirtschaftshallodris nochmal die Zeit und küren ihre Gewinner:innen des vergangenen Jahres. Von Elon Musk über Andrea Tandler bis Georg Kofler, von Bitcoin über GameStop bis Cum Ex, von Narzissmus-Yoga über Neoliberalismustraining bis zum Buddhismus im Kapitalismus - viele gute alte Bekannte geben sich in dieser Rückschau ein amüsantes Stelldichein. Dabei schauen die beiden Protagonisten auch immer wieder auf ihr erstes, im Rahmen ihrer Möglichkeiten durchaus erfolgreiches Podcast-Jahr zurück, nicht ohne sich dabei kritisch zu hinterfragen: Was ist aus der Suche nach dem ultimativen Gewinner-Gen geworden? Welche Coaching-Technik lieferte wirklich den versprochenen Erfolg? Wo ist die Bissigkeit im Wettbewerb der oberflächlichen Gedanken zwischen den beiden hin? Zumindest letztere ist, wie diese Episode zeigt, schnell wieder zu beleben. Denn die beiden Business-Kasper nehmen sich für 2022 vor, sich wieder stärker zu bekämpfen, und zwar mit den Waffen des Olaf Scholz: Timo Wopp mit offensiver Emotionslosigkeit, Chin Meyer mit Gedächtnislücken, die ihm bereits in dieser Folge dazu verhelfen, sich permanent als Gewinner zu fühlen. Und was bleibt jetzt von 2021? Ein Künstler, der eine unsichtbare Skulptur für 15.000 € verkauft hat, ist der Gewinner des Jahres, gefolgt von einem Mann der 30.000 US§$ Schadensersatz von seinen Eltern kassierte, weil diese seine Pornosammlung entsorgten. Und Elon Musk? Der hat es entgegen aller Prognosen nicht auf Platz 1 geschafft, auch wenn der Liedermacher aus Palo Alto uns eins lehrt: du musst in dem, was du wirklich willst, scheitern, um woanders ein echter Gewinner zu werden. Übrigens gern nochmal nach zu hören in Episode 25 „Diess und das“, der Episode, in der auch Ursula von der Leyen als „Kurzstreckenuschi“ ihren Hut in den Ring geworfen hat, Gewinnerin des Jahres zu werden. Tja, vielleicht klappt´s ja nächstes Jahr. Das Zeug dazu hat sie.
26 Minuten
Wenn der Schutzheilige dieses Podcasts sich kurz vor Weihnachten selbst zum Gewinner des Jahres macht, kommt das für gestandene Neoliberale eigentlich einer vorverlegten Bescherung gleich. Friedrich Merz: Er ist nicht wieder da, er war niemals weg und erringt einen wichtigen Etappensieg auf dem Weg zur Kanzlerschaft - den CDU-Parteivorsitz. Die zurzeit irrelevanteste Partei Deutschlands schaut beim Blick in die Zukunft in den Rückspiegel und holt den besten Mann der Vergangenheit. Der ist immer noch der größte Hecht im Karpfenteich, auch wenn er in aktuellen Interviews den bescheidenen Olaf gibt. Aber hey, vom Benchmark lernen heißt siegen lernen, das weiß keiner besser als unser Mann der Wirtschaft. Und die Aussicht mit 70 zum Kanzler gekürt zu werden unterbietet den seinerzeit besten Kanzler aller Zeiten Konrad Adenauer immer noch um satte drei Jahre. Also Fiete, go for it! Mit Uri Geller meldet sich ein weiterer Gewinner der Vergangenheit zurück, der mit seiner Kraft aus der Ferne die Evergiven aus dem Suezkanal befreit, Jeremy Corbin abgesägt und Thomas Müller im richtigen Moment die Beine schwer gemacht hat. Wie das alles zusammenpasst, wie man Russland durch das Konsumieren von Luxusgütern in die Knie zwingt, und warum es in jeder Firma viel mehr themenbezogenen Ragerooms zum Dampf ablassen geben sollte? Einfach mal reinhören. Außerdem gibt´s zum Abschluss noch die rührendste Weihnachtsgeschichte seit der Weihnachtsgeschichte. Feliz Navidad!
24 Minuten
Timo sagt einfach mal „Danke“ für 30 Folgen Weiterbildung bei Chin Meyer und ist in dieser Jubiläumsausgabe endlich in der Lage, auch mal eigenständig, selbst auf das schwachsinnigste Steuersparmodell spontan zu reagieren und unmittelbar möglichst absurde (also realistische) Anwendungen zu entwickeln. Und das ist gut so. Denn dem Irrsinn der heutigen Zeit sind ja weiterhin keine Grenzen gesetzt, und dem muss ein Wirtschaftspodcast wie dieser schließlich auch jederzeit gerecht werden. Auch wenn man es kaum glauben mag, es gibt Steuersparmodelle gegen die gehen Cum-ex Geschäfte fast noch als seriöse Möglichkeit durch. Stichwort: Scheibenpacht. Mit dem Ziel die EEG-Umlage zu umgehen, schließen Unternehmen mit Kraftwerksbetreibern Pachtverträge über einzelne Stromerzeugungskapazitäten ab, um selbst als Energieerzeuger zu gelten und so in den Genuss einer Abgabebefreiung zu gelangen. Genial! Doch längst noch nicht zu Ende gedacht. Und so servieren die beiden Business-Hallodris einen bunten Strauß an Scheibenpacht-Möglichkeiten, bei dem das Pachten eines toten Esels noch eine der harmloseren Varianten ist. Fragt jetzt bitte nicht nach Sinn und Verstand und schon gar nicht nach der Logik der in diesem Podcast entwickelten Ideen, doch seid sicher: sie stehen in Sachen Sinnlosigkeit der Ursprungsidee in nichts nach. Auf dem Weg gibt es übrigens noch das ein oder andere Wiedersehen mit guten alten Bekannten: z.B. mit Elon Musk (der überlegt alles hinzuschmeißen), Andrea Tandler (die mit den Maskendeals aus der ersten Folge) oder Vishal Garg (genau der, der 900 Leute über Zoom gefeuert hat aus der letzten Folge) geben sich als ehrenwerte Gewinner:innen der vergangenen Monate ein amüsantes Stelldichein. Auf Narzissten ist eben verlass. Auf die nächsten 30!
24 Minuten
Arbeit muss sich wieder lohnen, zumindest Lobbyarbeit. Nur, wo soll diese ansetzen, wenn das neue Ampel-Kabinett (gelb mal ausgenommen) so null korrumbierbar rüberkommt und nicht minütlich SMSen an die BILD-Zeitung schreibt? Wie schmiert man eine Svenja Schulze? Wie kauft man einen Karl Lauterbach? Wie kann man Hubertus Heil genannt „Hubi“ geschickt beeinflussen? Von den Grünen mal ganz zu schweigen. An diese verdammte Moralstörung, zu den eigenen Überzeugungen auch wirklich zu stehen, die sich da offensichtlich gerade unter den neuen Minsister:innen breit macht, wird sich so mancher auf CDU gepolter Lobbyist eben erst noch gewöhnen müssen. „Mehr Philipp Amthor wagen“ würden wahrscheinlich am liebsten einige der Hauptstadt-Lobbyisten dem neuen Zukunfts-Kabinett zurufen. Doch zum Glück sitzt ja jetzt am obersten Ende der Nahrungskette unser Bundes-Olaf. Als Mr. Wirecard und Dr. CumEx vereinfacht er natürlich die hochkomplexe Lobbyarbeit ungemein, weil alle, die von der Warburg-Bank gelernt haben, wissen: jetzt müssen wir nur noch an einen ran, an unseren Scholzomaten. Der übt sich derweil als informatives schwarzes Loch, das allen Fragen ihrer Energie beraubt und so stark ist, dass es selbst die eigenen Erinnerungen verschluckt. Aufgrund seiner ausgewiesenen Erinnerungslücken muss dieser Mann definitiv keine Angst habe. Eigentlich schade, weil Angst als Druckmittel im Rest der Wirtschaft offensichtlich immer noch wunderbar funktioniert, um dieProduktivität zu steigern. Zumindest wenn man Tesla-Man Elon Musk, Intel-Gründer Andrew Grove oder dem Typen, der 900 Mitarbeiter über Zoom gefeuert hat, sein Vertrauen schenken möchte. Denn wie einer der drei Herrschaften schon richtig anmerkte: Nur die Paranoiden überleben.
24 Minuten
Da hüpft das neoliberale Herz nicht nur höher, es macht vor Freude einen Purzelbaum. Eine Bundesregierung unter FDP-Führung, ja gibt´s denn sowas!? Herrlich! Nach langer, langer Durststrecke und Zeiten voll schmerzhafter Entbehrungen gibt es endlich wieder eine Folge fast ausschließlich über die FDP. Und gute Laune lassen sich die beiden Wirschaftshallodris auch nicht durch irgendwelche Urteile des Bundesverfassungsgerichtes vermiesen, welche die bisherige politische Ausrichtung der Pandamiebekämpfung dieser glorreichen Partei ad absurdum führen. Dann beginnt die Amtszeit des designierten Justizminister Marco Buschmann eben nicht nur mit einem Strauß, sondern gleich mit einer Hecke voll dorniger Chancen. Außerdem wird Christian Lindner als schwäbische Hausfrau mit Houdini-Fahigkeiten die schwarze Null auf jeden Bierdeckel zaubern und zweifelsohne die erfolgreichste Finanzministerin aller Zeiten werden. Ganz zu schweigen davon, wie gut es sich anfühlt, das Bildungsministerium und damit die Zukunft Deutschlands endlich in der unsichtbaren Hand des Marktes zu wissen. Denn die regelt ja bekanntlich alles, und das nur zum Besten. An den neuen Machiavelli-Business-Schools werden Schüler zu Start-Ups, Streber zu Benchmarkern (die Streber aus der ersten Bench) und Elternabende zu Hauptversammlungen. Schöne neue Welt! Und als würden diese Aussichten nicht genügen, findet Chin Meyer zum Abschluss auch noch echte Lösungen, um die stockende Impfkampagne ins Rollen zu bringen. Denn um die gesamte Graswurzel-Fraktion für die Impfung zu begeistern, fehlt es der aktuellen Kampagne nämlich schlichtweg an Spiritualität und Ritualen. Wo ist ein als Schamane gekleideter Impfarzt? Wieso wird die Impfung nicht mit einem sechsstündigen Trommelritual mit Djembe und Didgeridoo eingeleitet? Warum wird so wenig auf „Past-Live-Elemente“ gesetzt? Scheinbar aus dem Nichts entwickelt Meyer das „BionTechuasa-Ritual“, das er gerne (nicht ganz) kostenfrei allen Impfzentren zur Verfügung stellt. Halleluja! Die Zukunft kann kommen.