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Medizinische Fakultät - Digitale Hochschulschriften der LMU - Teil 14/19 Archiv

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Die Stoffwechselkrankheit Morbus Pompe ist eine seltene autosomal-rezessiv vererbte, multisystemische lysosomale Speichererkrankung. Ursächlich für die Krankheit sind Mutationen im Gen GAA (Chromosom 17), das für das Enzym saure α-Glukosidase kodiert. Dieses Enzym setzt normalerweise Glukose aus Glykogen in Lysosomen frei. Ein Mangel dieses Enzyms, das bei Gesunden in allen Geweben aktiv ist, führt zu Strukturveränderungen in Muskulatur, Leber, Herzmuskel, Gefäßsystem und Nervensystem und damit zu einem breiten und heterogenen Spektrum an klinischen Symptomen. Die schwere juvenile Verlaufsform mit hypertropher Kardiomyopathie und ausgeprägter Muskelschwäche führt in den ersten beiden Lebensjahren zum Tod, die mildere adulte Form beginnt erst im Erwachsenenalter und führt zu progredienter Muskelschwäche und respiratorischer Insuffizienz. Die verschiedenen Verläufe sind abhängig von der verbleibenden Enzymaktivität. Unbehandelt verläuft die Erkrankung progredient in unterschiedlicher Schnelligkeit und Ausprägung. Seit 2006 kann der Morbus Pompe durch eine Enzymersatztherapie mit Alglucosidase-alfa behandelt werden. In einer offenen klinischen nicht-verblindeten Beobachtungsstudie wurde an 7 deutschen Zentren die Wirksamkeit und Verträglichkeit dieser Enzymersatztherapie über einen Zeitraum von drei Jahren untersucht. An der Studie teilgenommen haben 38 adulte gesichterte Morbus Pompe Patienten mit variabler Ausprägung der Krankheit. Zur Verifizierung der Therapieauswirkung wurden die Patienten vor und nach jeweils 12 Monaten Enzymersatztherapie je 11 Untersuchungen unterzogen, die aus Muskelfunktions- und Kraftmessungen sowie Lungenfunktion, Serum-Kreatininkinase-Messung, einem Fragebogen zur Erfassung der Lebensqualität, einem Schmerzfragebogen und einer Bestimmung der Antikörpertiter bestanden. Bei den meisten Tests zeigten sich keine signifikanten Veränderungen im Verlauf der drei Jahre. Ausnahmen waren der 6-Minuten Geh-Test, der SF36 und die Serum-Kreatinkinase. Mit länger dauernder Therapie entwickeln nahezu alle Patienten Antikörper gegen das therapeutische Enzym, trotzdem zeigen die wenigsten anaphylaktische Reaktionen. Die klinischen Testergebnisse aus dieser 3-Jahres-Studie sowie auch die Ergebnisse anderer Studien deuten insgesamt auf eine Stabilisierung der neuromuskulären Funktion mit milden funktionellen Verbesserungen hin. Da der natürliche Verlauf progredient ist, ist eine Stabilisierung mit teilweiser Tendenz zur Verbesserung für die Patienten ein Therapieerfolg. Da diese Therapie lebenslang durchgeführt werden muss, sind weitere Studien über einen längeren Verlaufszeitraum nötig.
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Herpesviren umfassen eine große Gruppe von human- sowie tierpathogenen Erregern. Auf Grund ihrer hohen Durchseuchungsrate und Fähigkeit zur Etablierung einer latenten Infektion stellen humane Herpesviren vor allem für immunsupprimierte Patienten eine ernsthafte Bedrohung dar. Deshalb ist eine umfassende Aufklärung des viralen Replikationszyklus für die Entwicklung von antiviralen Therapiestrategien zwingend erforderlich. Besonders die membran-assoziierten Vorgänge der Virionmorphogenese - primäre Umhüllung an der inneren Kernmembran mit darauffolgendem Verlust der Virushülle an der äußeren Kernmembran sowie sekundäre Umhüllung an cytoplasmatischen Membranen - sind nur unvollständig entschlüsselt. Um das komplexe Zusammenspiel der viralen Proteine während des Replikationszyklus an den verschiedenen zellulären Membranen aufzudecken, wurde im Rahmen dieser Arbeit eine genomweite Analyse der Protein-Protein-Interaktion (PPI) der durch Herpes simplex-Virus 1 (HSV-1) kodierten Membranproteine durchgeführt. Außerdem lieferte die Identifizierung von PPI zwischen dem HSV-1 Proteom und Untereinheiten der zellulären ESCRT-Maschinerie (endosomal sortingcomplex required for transport) weitere Belege für die Ausbeutung von Wirtsfaktoren durch das Virus zur Knospung der Partikel. Zur Detektion der genomweiten PPI sowohl intraviral als auch zwischen Virus und Wirt wurde das Hefe-2-Hybridsystem (Y2H) im Hochdurchsatz angewandt. Beide Datensätze konnten eine Vielzahl neuer PPI aufdecken und somit eine solide Grundlage für Interaktionsnetzwerke und zukünftige funktionale Studien schaffen. Auch wurde duch das breite Interaktionsspektrum des Virus mit den z.T. funktionell redundanten ESCRT-Proteinen erneut veranschaulicht, wie die Nutzung flexibler Strategien zur Stabilität des HSV-1 beiträgt. Anhand der Y2H-Analysen wurde ein virales Membranprotein als interessanter Kandidat zur funktionalen Charakterisierung ausgewählt. Glykoprotein M (gM/UL10) von HSV-1 ist ein Typ-III Transmembranprotein, das während der Infektion in verschiedenen Membrankompartimenten lokalisiert. Obwohl evolutionär konserviert, ist es zumindest für HSV-1 nicht-essenziell und seine molekulare Funktion unklar. Auch die funktionale Relevanz einiger potenzieller trafficking Motive von gM ist noch nicht aufgeklärt. In dieser Studie konnte gezeigt werden, dass das targeting von gM zum trans-Golgi Netzwerk (TGN) unabhängig von anderen viralen Faktoren sowie seinen potenziellen C terminalen trafficking Motiven erfolgt und keiner Homooligomerisierung bedarf. Erstaunlicherweise führt die Deletion der C-terminalen Domäne von gM (gMΔC) zu seiner Retention im ER, wohingegen der Vorwärtstransport durch eine kurze, nicht-verwandte Sequenz wiederhergestellt wurde. Demzufolge enthält die C-terminale Domäne von gM wahrscheinlich keine Sequenzinformation für das targeting vom ER zum Golgi-Apparat, jedoch scheint die Faltung und Integrität des Proteins dafür von Bedeutung zu sein. Im Kontext der Virusinfektion führte die Deletion der C-terminalen Domäne von gM (HSV-1 gMΔC) zur Akkumulation von nicht-umhüllten Partikeln im Cytoplasma, verminderter Freisetzung von Viruspartikeln und in ihrer Infektiosität beeinträchtigten reifen Virionen. Alle Effekte wurden durch eine Revertante wieder aufgehoben und sind demnach spezifisch. Im Gegensatz dazu zeigten zwei zusätzliche Mutanten, HSV-1 ΔgM mit einem frühzeitigen Stoppcodon an Position 3 von UL10 und gMΔac ohne potenzielle trafficking Motive, Wildtyp-ähnliche Wachstumskinetiken. Daraus lässt sich schließen, dass zwar gM entbehrlich ist, gMΔC jedoch einen dominant-negativen Effekt ausübt. Daher wird eine Beteiligung der N-terminalen Bereiche von gM (Aminosäuren 1-361) an der Rekrutierung von viralen und/oder zellulären Faktoren zum Ort der sekundären Umhüllung postuliert. Diese Daten enthüllen neue unbekannte Eigenschaften von HSV-1 gM.
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Das Hauptziel der vorliegenden Dissertation war die Untersuchung des Einflusses der präfrontalen Gleichstromstimulation (tDCS) auf die mögliche Modulation kortikaler Netzwerke. Grundlage dieser kumulativen Dissertation sind die Publikationen: - Keeser D, Padberg F, Reisinger E, Pogarell O, Kirsch V, Palm U, Karch S, Möller HJ, Nitsche MA, Mulert C. Prefrontal direct current stimulation modulates resting EEG and event-related potentials in healthy subjects: a standardized low resolution tomography (sLORETA) study. Neuroimage. 2011 Mar 15;55(2):644-57. - Keeser D, Meindl T, Bor J, Palm U, Pogarell O, Mulert C, Brunelin J, Möller HJ, Reiser M, Padberg F. Prefrontal Transcranial Direct Current Stimulation Changes Connectivity of Resting-State Networks during fMRI. Journal of Neuroscience. 2011 Oct 26;31(43):15284-93. Beide Studien wurden doppelt-verblindet und plazebo-kontrolliert durchgeführt. In den Arbeiten wird mit zwei unterschiedlichen Verfahren, einem neurophysiolo-gischen Ruhe- und einem aktiven Gedächtnistestparadigma (EEG), sowie mit einer funktionellen Konnektivitäts-Magnetresonanztomographie (fcMRT) nachgewiesen, dass präfrontale tDCS kortikale Netzwerke moduliert. Diese Ergebnisse sollen hier wiedergegeben und diskutiert werden. Die Verteilung, Ausrichtung und das Aus-maß der auf tDCS beruhenden Effekte auf die Gehirnphysiologie sind bisher wenig erforscht. Die Erarbeitung weiterer spezifischer Hypothesen bezüglich der neuro-physiologischen Wirkung von präfrontaler tDCS ist entscheidend, um Hinweise auf künftige experimentelle und therapeutische tDCS-Anwendungen zu erhalten.
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Das Ziel der Arbeit war es, die Entwicklung eines Offenwinkelglaukoms oder einer okulären Hypertension nach einer pars plana Vitrektomie in phaken und pseudopaken Augen zu beurteilen. In einer retrospektiven Fallstudie wurden 441 Patienten untersucht, welche an nur einem Auge und von nur einem Operateur vitrektomiert worden sind. Es wurde anhand von Patientenakten, Patienten- und Ärztefragebögen die Entwicklung eines Offenwinkelglaukoms oder einer okulären Hypertension im vitrektomierten Auge im Vergleich zum Kontrollauge evaluiert. Zusätzlich wurde der mittlere intraokulare Druck und die mittlere antiglaukomatöse Medikation von beiden Augen beurteilt. Im Gesamten konnte eine Follow up Periode von 79,5 ± 25,6 Monaten erreicht werden. Es wurden bei den vitrektomierte Augen jeweils 19 Augen (4,31%) mit einem OWG und 19 Augen (4,31%) mit einer okulären Hypertension gefunden. Demgegenüber hatten von den Kontrollaugen 11 Augen (2,49%) ein OWG und 13 Augen (2,95%) eine okuläre Hypertension. Es zeigte sich kein signifikanter Unterschied in der Entwicklung eines Offenwinkelglaukoms oder einer okulären Hypertension. Des Weiteren konnte gezeigt werden, dass der Linsenstatus vor, zeitgleich oder im Verlauf keinen signifikanten Einfluß auf die Entstehung eines OWG oder einer okulären Hypertension hatten. Es ergab sich ebenfalls kein signifikanter Unterschied im gemessenen intraokularen Druck oder in der medikamentösen Therapie im Verlauf nach einer Vitrektomie. Im Gegensatz zu vorherigen Veröffentlichungen konnten wir keine erhöhte Inzidenz an OWG oder okulärer Hypertension nach einer Vitrektomie feststellen. Ebenfalls hat der Ersatz der körpereigenen Linse keinen Einfluss auf die Inzidenz.
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Background: Prolactinomas are the most frequent pituitary adenomas. The treatment with cabergoline, the most common dopamine agonist used, is associated with side effects such as nausea, vomiting, dizziness, headaches, movement disorders and fatigue. There is some additional evidence from case reports and small studies that some patients report neuropsychiatric side effects such as depression, gambling, hypersexuality and impulsive control disorders. Objective: In this cross-sectional study we sought to investigate the baseline clinical, demographic and disease characteristics of our patient group as well as life-time comorbidities. Additionally, side effects under treatment with cabergoline (prevalence and enhancement) and whether genetic variants of the ABCB1 gene (coding MDR1 or P-gp) could account for difference in the central neuropsychiatric side effects were investigated. Methods: Questionnaires evaluating medical history, therapy side effects and further demographic characteristics were sent to all prolactinoma patients currently treated at the Max Planck Institute of Psychiatry in Munich. Additionally, DNA extracted either from blood or saliva samples was genotyped for each patient. Results: The clinical study included a total of 92 patients (23 male and 69 female, macro-to-microadenoma-ratio 1:1). The mean age of our group at the time of the study was 49,2 ± 13,8 years. Of the 79 patients treated with cabergoline, the following side effects associated with treatment were more prominent: fatigue (n=35), headaches (n=26), depressed mood (n=26), sleep disorders (n=26), dizziness (n=22), aggressiveness (n=17), anxiety (n=19) and weight loss (n=16). 18 patients reported of decreased and 16 of increased libido. Significant effects were observed for the C-carriers and heterozygous CT-individuals of rs1045642 that presented less frequent fatigue and sleep disorders under cabergoline. In the analysis of SNP rs2032582, G-carriers seemed to be protected from enhancement of dizziness under cabergoline. SNPs rs2235015 and rs2032583 were found to have no association with the examined symptoms. Conclusion: In our group we described an increased prevalence of symptoms such as fatigue and weight loss under cabergoline, as well as neuropsychiatric side effects such as depressed mood, aggressiveness and anxiety in comparison to the available data of the literature. We demonstrated that polymorphisms of SNPs rs1045642 and rs2032582 of the ABCB1 gene predispose for fatigue, sleep disorders and dizziness under cabergoline. This is the first study demonstrating that individual ABCB1 gene polymorphisms could account for a different occurrence or enhancement of central side effects of this systematically administered medication.
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Traumatische Rückenmarksverletzungen führen - bedingt durch die Zerstörung der Integrität des Rückenmarks und den daraus resultierenden Funktionsstörungen - zu erheblichen Änderungen in der bisherigen Lebensführung der meist jungen, vormals gesunden Betroffenen und ihrer Familien. Umso wichtiger ist die adäquate Versorgung in spezialisierten Zentren durch multidisziplinäre Teams aus Ärzten, Kranken- und Gesundheitspflegern, Physio- und Ergotherapeuten sowie Psychologen und Sozialarbeitern. Bestehende Funktionsfähigkeit und ihre Störungen müssen detailliert und standardisiert erfasst werden, um Therapiefortschritte und Verschlechterungen des Zustands erfassen zu können. Die „Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit“ (ICF) bietet eine solche einheitliche Sprache. Zur Vereinfachung und Verbesserung der Anwendbarkeit wurden Kurzversionen der ICF – sogenannte ICF Core Sets – für verschiedene Erkrankungen entwickelt. Zu diesen zählen unter anderem die „Umfassenden ICF Core Sets für Rückenmarksverletzungen“. Sie enthalten die typischerweise im Rahmen einer spinalen Läsion zur Beschreibung der Funktionsfähigkeit benötigten ICF-Kategorien und liegen jeweils in einer Fassung für die frühe post-akute sowie die Langzeit-Phase vor. Die vorliegende Arbeit stellt ein Teilprojekt der Inhaltsvalidierung der bestehenden „Umfassenden ICF Core Sets für Rückenmarksverletzungen“ dar. Hierbei wurde mittels einer E-Mail-basierten, weltweiten Delphi-Befragung überprüft, ob die in den bestehenden „Umfassenden ICF Core Sets für Rückenmarksverletzungen“ enthaltenen ICF-Kategorien auch tatsächlich die von Ärzten behandelten Probleme, Ressourcen und Umweltfaktoren enthalten. Dabei wurden bis auf sechs Ausnahmen, die eher dem Aufgabenbereich anderer Berufsgruppen zuzuordnen sind, sämtliche derzeit enthaltene ICF-Kategorien von den Teilnehmern bestätigt. Jedoch scheinen sowohl das „Umfassende ICF Core Set für Rückenmarksverletzungen“ für den frühen post-akuten als auch den Langzeit-Kontext aus der Sicht der Ärzte unvollständig zu sein. Insgesamt wurden 32 ICF-Kategorien der Komponenten „Körperfunktionen und -strukturen“ und 2 der ICF-Komponente „Aktivität und Partizipation“ genannt, die bisher nicht Bestandteil der „Umfassenden ICF Core Sets für Rückenmarksverletzungen“ sind, aber eine Zustimmungsrate von über 75 Prozent durch die ärztlichen Teilnehmer erhielten. Basierend auf den Ergebnissen dieser Studie sowie der eindeutigen wissenschaftlichen Diskussion in der Literatur ist eine Aufnahme in Fällen wie beispielsweise den ICF- Kategorien s140 Struktur des sympathischen Nervensystems und s150 Struktur des parasympathischen Nervensystems dringlich zu empfehlen. Dahingegen sollten die Ergebnisse bezüglich ICF-Kategorien wie beispielsweise b147 Psychomotorische Funktionen mit denen der anderen Teilprojekte zur Validierung der „Umfassenden ICF Core Sets für Rückenmarksverletzungen“ verglichen werden. Zur näheren Überprüfung ihrer tatsächlichen Relevanz ist gegebenenfalls die Durchführung weiterer Studien indiziert. Die von den Teilnehmern genannten und bewerteten personenbezogenen Faktoren sollten im Falle einer zukünftigen Kategorisierung dieser ICF-Komponente ebenfalls in das jeweilige entsprechende „Umfassende ICF Core Set für Rückenmarksverletzungen“ eingefügt werden. Grundsätzlich ist die Praktikabilität der „Umfassenden ICF Core Sets für Rückenmarksverletzungen“ nach Integration der zur Vollständigkeit fehlenden ICF- Kategorien in Anwendungsstudien zu überprüfen.