Es freut mich besonders, in dieser Episode den Science-Fiction-
und Thrillerautor Karl Olsberg zu Gast zu haben. Ich spreche mit
ihm gemeinsam mit Markus Klemen, dem Geschäftsführer von SBA
Research. Karl Olsberg war als Keynote-Speaker zum 20. Jubiläum
des Forschungszentrums für Information Security eingeladen.
Karl Olsberg ist Schriftsteller und KI-Experte. Er promoviert
1988 über künstliche Intelligenz, gründet dann mehrere Start-ups
und entwickelt 1998 den ersten kommerziellen deutschen Chatbot.
Heute verbindet er seine Erfahrung als Autor von Science-Fiction-
und Technik-Thrillern mit einem kritischen Blick auf die Chancen
und Risiken von KI.
Hexenmeister oder Zauberlehrling? Die Wissensgesellschaft in der
Krise Das Buch zum Podcast!
Wir beginnen das Gespräch mit dem Begriff der Narrative — welche
Rolle spielen sie in der Art und Weise, wie wir die Welt sehen
und welche Entscheidungen wir treffen?
»We see the world through a story.«, Jordan Peterson »Those who
tell the stories run the world.«, George Monbiot
Welche Vor- und Nachteile von Narrativen können wir erkennen?
Verlieren wir uns in der Komplexität oder in einer Geschichte?
Sind Sachbuch und Roman zwei Blickwinkel auf dasselbe Thema?
Könnte die Geschichte, etwa Science Fiction, gar den Effekt
haben, Leser einzulullen und eben nicht zum Denken über mögliche
Probleme anzuregen?
Wie sollen wir als Gesellschaft neue Technologien, Themen der
Zeit diskutieren und reflektieren?
»Als Schriftsteller ist meine Aufgabe zu unterhalten […] und
gleichzeitig dieses Szenario dafür zu benutzen, um ein reales
Problem vor diesem fiktiven Hintergrund deutlich herauszuarbeiten.«
Wie realistisch sollte man als Autor bleiben, und was bedeutet
Realismus in der Kunst eigentlich genau?
»Mein Job als Science-Fiction-Autor ist es nicht, die Zukunft
zu prognostizieren.«
Inwieweit beeinflussen Romane und andere kulturelle Artefakte wie
Filme unsere Welt und die Zukunft? Ich nenne ein Beispiel: James
Doohan, der Montgomery »Scotty« Scott in der Originalserie
spielt, erhält von der Milwaukee School of Engineering 1993 einen
Ehrendoktortitel in Ingenieurwesen. Anlass war eine Umfrage unter
den Studenten der Universität.
Ist Science Fiction als Genre in der Krise? Was sagt das über
unsere Welt? Was macht einen Roman glaubwürdig? Wie viel
verändert sich allerdings wirklich über die Zeit? Besonders über
die vergangenen Jahrzehnte? Wird Fortschritt nicht teilweise
überschätzt? Hat möglicherweise künstliche Intelligenz hier einen
Umbruch gebracht? Beschleunigt sich aktuell die Entwicklung?
Begehen wir einen Rückschaufehler, wenn wir heute in die
Vergangenheit blicken?
Spielt sich oftmals mehr hinter als vor den Kulissen ab? Erkennen
wir so im Augenblick eigentlich die Technologie, die die Welt
verändern wird?
Gibt es einen kategorialen Unterschied zwischen künstlicher
Intelligenz und früheren Technologien?
Geht es dann in der Kultur darum, den Denkraum größer zu machen?
Sollen Visionen gestaltet werden?
»Die guten und die schlechten Seiten sind immer beide da, aber
die Fiktion neigt dazu, sich auf die guten Seiten zu fokussieren.«
Die positive Vision der Gebrüder Wright ist eingetreten, aber
nur, weil es uns gelungen ist, die negativen Aspekte weitgehend
unter Kontrolle zu halten.
Ist die Welt komplexer oder weniger komplex geworden? Was ist der
Unterschied zwischen Unsicherheit und Komplexität? Verlieren wir
uns in den Möglichkeiten der Welt und der Technik? Verlieren wir
den Fokus unseres Lebens?
Wie gut altert Science Fiction? Ist nicht bemerkenswert viel
eingetreten? Warum funktioniert der Begriff »Science Fiction«
heute dennoch nicht mehr?
»Wenn Sie auf ein Buch schreiben Science Fiction, dann können
Sie sicher sein, dass es sich nicht verkauft.«
Faktisch ist aber sehr vieles heute Science Fiction (nach alter
Definition), aber man nennt es nicht so. Warum?
Verändert manchmal die Prognose das Eintreffen des
prognostizierten Effektes?
Korrektur: Im Podcast wird der Film »Day After Tomorrow« genannt,
gemeint war aber The Day After. Siehe Referenzen unten.
Kann man die Geschichte, das Narrativ, auch wie ein Szenario in
der Unternehmensberatung oder der Strategieentwicklung im
Unternehmen betrachten? Um damit konsequent verschiedenste
Szenarien der Zukunft abzubilden?
Kann Science Fiction zukunftsblind machen? Oder im Gegenteil:
Kann es zu einer Überschätzung führen?
Kann man am Beispiel des Hugging-Face-Vorfalls deutlich machen,
welche Rolle Geschichte und Realität spielen? Erleben wir
Inszenierung, Hype und Marketing oder tatsächliche Bedrohung? Was
sagt dies über die Realität aus?
Was können wir aus dem »Jahr-2000-Problem« (Y2K) über dieses
Dilemma lernen?
»Das Hauptproblem des Jahr-2000-Problems war, dass wir nicht
wussten, ob wir eines haben würden.«
Kontrolle als Illusion? Was können wir aus der Vergangenheit
lernen? Waren die Menschen immer zu blauäugig gegenüber Technik,
oder übermäßig ängstlich?
Ist eine Überreaktion tatsächlich besser als eine Unterreaktion?
Was ist der Nutzen und Schaden von Regulierung? Was bedeutet dies
für die weitere Entwicklung, die Chancen und Risiken der KI?
Ist der komplette Kontrollverlust der Menschheit durch KI — als
Worst Case — realistisch? Was bedeutet es eigentlich, wenn KI
außer Kontrolle gerät? Was soll man sich darunter vorstellen? Was
ist das Zusammenspiel zwischen KI und Agenten? Was versteht man
unter dem Alignment-Problem? Muss es ein technischer Agent sein,
oder reicht der Mensch als »Handlanger« der KI?
Wir sind wieder beim Menschen angelangt. Macht die Technik, was
der Mensch möchte, oder macht die Technik etwas mit dem Menschen
— verwendet auf gewisse Weise den Menschen?
Begehen wir einen doppelten anthropomorphen Fehler, indem wir KI
Absicht absprechen?
Was ist Goodharts Gesetz und warum ist es wichtig, dieses zu
verstehen, wenn man komplexe Systeme regeln möchte? Wie
unterscheiden sich Menschen und KI in dieser Hinsicht?
Was bedeutet rekursive Selbstverbesserung und wo stecken hier die
Gefahren?
Werfen wir also einen positiven oder negativen Blick in die
Zukunft? »Lass uns mal langsamer machen …«
Andere Episoden
Episode 158: Der Moloch oder unvermeidlicher Fortschritt?
Episode 156: Neues liegt in der Luft?
Episode 154: Software: Von der Maschine zum Ökosystem?
Episode 153: Potent Stuff, A Conversation with Prof. Jacob
Howland
Episode 148: Künstliche Vernunft? Ein Gespräch mit Jan Juhani
Steinmann
Episode 147: Digitale Kolonie oder Souveränität? Ein Gespräch
mit Wilfried Jäger und Kevin Mallinger
Episode 144: Was ist Fortschritt? Ein Gespräch mit Dr. Daniel
Stelter aus ökonomischer Perspektive
Episode 138: Im Windschatten der Narrative, ein Gespräch mit
Ralf M. Ruthardt
Episode 132: Fragen an die künstliche Intelligenz — eine
konstruktive Irritation
Episode 122: Komplexitätsillusion oder Heuristik, ein
Gespräch mit Gerd Gigerenzer
Episode 121: Künstliche Unintelligenz
Episode 119: Spy vs Spy: Über künstlicher Intelligenz und
anderen Agenten
Referenzen
Karl Olsberg, Das System, Aufbau Taschenbuch (2007)
Karl Olsberg, Schöpfung außer Kontrolle. Wie die Technik uns
benutzt, Aufbau (2010)
Karl Olsberg, Mirror, Aufbau Taschenbuch (2016)
Karl Olsberg, Boy in a White Room, Loewe (2017)
Karl Olsberg, Virtua. KI – Kontrolle ist Illusion, Aufbau
Taschenbuch (2023)
Karl Olsberg, Kontroll-Illusion. Warum KI unsere Existenz
bedroht, Selbstverlag (2025), kostenlos als E-Book und PDF
Karl Olsberg, YouTube-Kanal
Markus Klemen, SBA Research
SBA Research, IMPACT 2026, Veranstaltungsbericht (13. Oktober
2026)
George Monbiot, Out of the Wreckage: A New Politics for an
Age of Crisis, Verso (2017)
Yuval Noah Harari, Nexus: A Brief History of Information
Networks from the Stone Age to AI, Random House (2024)
The Day After (1983)
Peter H. Diamandis, Moonshots with Peter Diamandis (Podcast),
PHD Ventures
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