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Beschreibung
vor 2 Tagen
Es freut mich sehr, dass ich für dieses Gespräch Oliver Gorus
gewinnen konnte. Es fügt sich inhaltlich an das kürzliche
Gespräch mit Prof. Konrad Paul Liessmann an, gibt aber einen
anderen, sehr wesentlichen Blickwinkel wieder, den wir ebenfalls
in der breiten Diskussion viel zu wenig hören.
Oliver Gorus ist seit einem Vierteljahrhundert Unternehmer in
mehreren Branchen. Er ist Gründer und Herausgeber des
freiheitlichen Online-Magazins »Der Sandwirt«, Kolumnist und
Kommentator bei den »Freiheitsfunken«, bei »eigentümlich frei«,
beim Kontrafunk und auf X.
Er ist glücklicher Familienvater, Schwabe und ungern auf Reisen.
Er lebt in Südtirol und liebt die Freiheit.
Es war geradezu erfrischend, mit jemandem zu sprechen, der
Freiheit als Konzept und Lebenspraxis ernst und sehr persönlich
nimmt. Die meisten Menschen, denen ich heute in Europa begegne,
gerade auch formal Gebildete, scheinen mir eher einer
Untertanen-Mentalität anzuhängen. Was kann der Staat für mich
tun? Oder, noch schlimmer, was sagt mir der Staat oder ein
beliebiger Vertreter einer Obrigkeit, was ich tun soll? Und wenn
es kein Leitbild von oben oder einer beliebig banalen Bubble
gibt, ist man verloren. Dieser Weg in die Sackgasse, in der wir
uns in Europa befinden, beschleunigt sich täglich. Darum
erscheint es mir so wichtig zu sein, Dinge und vor allem
vermeintlich intellektuelle Ideen, die sich aber eher als
Glaubenssätze herausstellen, fundamental zu hinterfragen.
Wir beginnen mit der Grundfrage: Was ist Freiheit, besonders im
Kontext der heutigen Zeit und der Veränderung über die Zeit?
Verschiebt sich die Bedeutung »Freiheit von« (negativ) gegenüber
»Freiheit zu« (positiv)?
Hat sich auch die Bedeutung des Wortes Liberalismus vs.
Libertarismus verschoben? Wie stehen Freiheit vs. Kollektivismus
heute?
Sind »links« und »rechts« noch zeitgemäße Einordnungen? Welche
gesellschaftlichen Aspekte fallen überhaupt in diese Betrachtung?
Ist Philip Pettits republikanische Definition von Freiheit
relevant? Es ginge nicht um das Beherrschtwerden, sondern um das
Potenzial, beherrscht zu werden. Was ist der Unterschied?
Geht es dem Sklaven, der vom Herrn Champagnerfrühstück serviert
bekommt, nicht gut? Was ist das Problem?
Warum sind die Corona-Maßnahmen ein bedrohliches Beispiel für den
Zustand der Freiheit in Europa und der westlichen Welt? Ein
aktuelles Beispiel sind die immer totalitäreren Maßnahmen, die in
der EU und Deutschland beschlossen werden, gerne während der
Urlaubssaison oder während einer Fußball-WM, in der Hoffnung,
dass die Menschen abgelenkt sind und Journalisten noch weniger
kritisch arbeiten als sonst.
»Ein Geheimdienst, der im Verborgenen arbeitet, bekommt operative
Fähigkeiten, damit wird das alte Trennungsgebot — eine der Lehren
aus dem Dritten Reich — missachtet. […] Das sind Strukturen, die
hier gebaut werden, die an die dunkelsten Zeiten unserer
Geschichte erinnern.«
Dies ist aber nur eines von zahlreichen Beispielen.
Wie sind wir in diese existenzielle Krise geraten, in der wir in
Europa stecken, und besteht hier nicht ein Zusammenhang?
Sind Menschen, die Freiheit wollen, nicht in der Minderheit? Sind
wir Untertanennationen, lieben die meisten Menschen gar das
betreute Denken?
»Wir Freiheitlichen sind im deutschsprachigen Raum traditionell
und schon immer in der Minderheit. […] Ich glaube, dass die
Freiheit in Deutschland in den Köpfen der Menschen
unterentwickelt ist und es nur eine Minderheit ist, die überhaupt
bemerkt, dass hier solche Machtstrukturen aufgebaut werden.«
Ist die Situation hoffnungslos, oder kann sich daran etwas
ändern? Wird sich genug Druck im Lande für wesentliche Änderungen
aufbauen oder werden die Fähigen und Klugen schlicht Deutschland,
Österreich und Europa verlassen und damit die Situation
wesentlich schlechter machen?
Ist eine Zersplitterung der Gesellschaft zu vermeiden, oder
erkennen wir gerade einen Trend ins Gegenteil?
Ist der Begriff der »Krise« überhaupt anwendbar oder erleben wir
eher Zusammenbruch als Krise? Entwickeln sich Gesellschaften in
Zyklen? Wie wären diese zu denken?
Was ist die Rolle von Kultur? Wer bestimmt, was zur Kultur wird?
»Von dem Ich und dem Du geht es über in das Man. […] Da gibt es
dann plötzlich dieses kollektive Wir.«
Sind Individuen in der heutigen Phase, wenn eine Nation über den
Zenit ist, noch eine Wirkmacht? Was oder wer dann? Wie endet der
Zyklus aber dann und was geschieht danach?
»We gave authority to the people who explained things. Not the
people who built them.«, Marc Andreessen
Und dazu passend:
»The world you see everywhere around you, could never have been
built by the people you see now living within it.«, Eric
Weinstein
Was ist davon zu halten?
»Würde heute ein Ludwig Erhard leben, der Vater des
Wirtschaftswunders, der würde verzweifeln, der wäre völlig
machtlos.«
Warum sind die USA trotz aller Probleme, die es dort gibt,
deutlich erfolgreicher als Europa? Gibt es einen Technik-Zyklus,
den die USA treiben und wir verpassen? Oder ist dies überhaupt
ein Phänomen, das gar nicht mehr einzelnen Nationen leicht
zuordenbar ist?
Wie kann in einem Gemeinwesen überhaupt eine Entscheidungsfindung
stattfinden, die zu konstruktiven Ergebnissen führt? Zentral oder
dezentral? In welchem Verhältnis? Oder ist Anarchismus eine
Variante?
»Steckt in der Demokratie immer schon die Saat des Versagens?«
Begegnen sich Extremisten im Kollektivismus? Kann man am Wesen
des Menschen vorbei theoretisieren? Und was sind die Folgen
davon?
»In allen menschlichen Kulturen gibt es Strukturen.«
Können und dürfen wir Menschen ändern?
Auf welcher Ebene und in welcher Skalierung sollten und können
Entscheidungen effektiv getroffen werden — was hat das für
Konsequenzen? Braucht es die Kleinteiligkeit, den Flickenteppich?
Leben wir aktuell gar in einer Fürstenherrschaft?
»Diese ›unsere Demokratie‹ ist eine Aristokratie.«
Was nun? Gibt es einen Ausweg? Im Grunde gibt es drei
Möglichkeiten:
Über das Danach nachdenken und entsprechende Konzepte
vorbereiten
auf emergente Phänomene hoffen
Parallelstrukturen schaffen
Warum ist der Volkswagen-Konzern ein gutes Spiegelbild für die
deutsche Gesellschaft?
»Die Leistungsfähigen werden bestraft und die
Nicht-Leistungsfähigen oder Nicht-Leistungswilligen werden
belohnt. Das führt dazu, dass immer mehr Leute die Seite wählen,
wo sie alimentiert werden.«
Wie kann es einen Neuanfang geben? Regional? Wenn wir in Europa
über den Euro alle Fehler und alles Versagen über Nationen
verteilen? Wie soll das funktionieren? Ist das nur eine Phase?
Was wird zerbrechen?
»Harte Zeiten produzieren gute Leute, gute Leute produzieren gute
Zeiten, gute Zeiten produzieren schwache Leute, und schwache
Leute führen alles wieder zum Zusammenbruch. […] Wir haben gerade
sehr, sehr viele, sehr, sehr schwache Menschen.«
Wie kann es aber gelingen, Schwache und Bedürftige weiter zu
unterstützen ohne ein Sozialsystem, wie wir es heute haben, das
völlig seinen Fokus verloren hat und in keiner Weise nachhaltig
ist?
Welche Rolle spielt Bildung? Warum ist unser aktuelles
Bildungssystem trotz der enormen Kosten, die es verursacht, so
dysfunktional?
Führt staatliche Wohlfahrt und Bildungswesen zum Gegenteil des
erwünschten Effektes?
»Kinder lernen schon in den Familien, vom Staat abhängig zu sein.
[…] Echte professionelle Jugendarbeit und Sozialarbeit ist ein
Kampf gegen Windmühlen.«
Ein Bonmot, das ich kürzlich gelesen habe sagt:
»Most jobs today are adult daycare.«
Ist das zu polemisch?
Wie ist das zu denken mit aktuellen Entwicklungen in künstlicher
Intelligenz und Robotik — einige Jahre in die Zukunft gedacht?
»Der Bildungssektor wird sich anpassen, sobald er nicht mehr
staatlich ist. […] Es wird sich ein so bunter Strauß an
Bildungsformen ausbilden, dass es auch für die unter
Anführungszeichen Schwächsten hervorragende Bildungsmöglichkeiten
geben wird.«
Andere Episoden
Episode 155: Freiheit oder Sicherheit? Ein Gespräch mit Prof.
Konrad Paul Liessmann
Episode 153: Potent Stuff, A Conversation with Prof. Jacob
Howland
Episode 152: Säkulare Glaubensbekenntnisse
Episode 150: Wie kommt Neues in die Welt?
Episode 144: Was ist Fortschritt? Ein Gespräch mit Dr. Daniel
Stelter aus ökonomischer Perspektive
Episode 141: Passagier oder Steuermann? Ein Gespräch mit
Markus Raunig
Episode 138: Im Windschatten der Narrative, ein Gespräch mit
Ralf M. Ruthardt
Episode 136: Future Brunels? Learning from the Generation
that Transformed the World. A Conversation with Dr. Helen Doe
Episode 131: Wot Se Fack, Deutschland? Ein Gespräch mit Vince
Ebert
Episode 130: Populismus und (Ordo)liberalismus, ein Gespräch
mit Nils Hesse
Episode 125: Ist Fortschritt möglich? Ideen als Widergänger
über Generationen
Episode 117: Der humpelnde Staat, ein Gespräch mit Prof.
Christoph Kletzer
Episode 114: Liberty in Our Lifetime 2: Conversations with
Lauren Razavi, Grant Romundt and Peter Young
Episode 113: Liberty in Our Lifetime 1: Conversations with
Massimo Mazzone, Vera Kichanova and Tatiana Butanka
Episode 108: Freie Privatstädte Teil 2, ein Gespräch mit
Titus Gebel
Referenzen
Oliver Gorus auf X
Der Sandwirt
Philip Pettit, Republicanism. A Theory of Freedom and
Government, Oxford University Press / Clarendon Press, Reihe
Oxford Political Theory (1997)
Ben Shapiro, Lions and Scavengers. The True Story of America
(and Her Critics), Threshold Editions (2025)
Ulf Poschardt, Shitbürgertum, Westend Verlag (2025)
Ulf Poschardt, Bückbürgertum. Eine Geschichte verlorener
bürgerlicher Kulturkämpfe, Westend Verlag (2026)
Marc Andreessen Tweet
Karl R. Popper, Die offene Gesellschaft und ihre Feinde
(Original: The Open Society and Its Enemies), Routledge (1945)
David Graeber, Bullshit Jobs. A Theory, Simon & Schuster
(2018)
Balaji Srinivasan, The Network State. How to Start a New
Country (2022)
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