Ich habe kürzlich auf einer Konferenz Dr. Patrick Schüffel
kennengelernt, auf der er über Central Bank Digital Currencies
gesprochen hat. Daraus hat sich diese Episode entwickelt, weil
mir klar geworden ist, wie ich im Gespräch auch erwähne, dass ich
das für unsere moderne Gesellschaft fundamentale Werkzeug »Geld«
noch nie richtig thematisiert habe.
Dr. Patrick Schüffel ist Adjunct Professor an der Hochschule für
Wirtschaft in Fribourg mit den Forschungsschwerpunkten Banking,
Fintech und Krypto. Parallel dazu ist er als Berater und Gründer
im Banken- und Fintech-Umfeld tätig. Zuvor war er viele Jahre im
Bankwesen in Zürich und Liechtenstein beschäftigt, unter anderem
auch als Chief Operating Officer der Saxo Bank (Schweiz).
Dieses Gespräch ist ein gutes Beispiel dafür, wie ich das Konzept
dieses Podcasts verstehe. Ich versuche Themen aufzugreifen, die
einen wesentlichen Anker in der Vergangenheit haben, aktuell
bedeutsam sind und deren zukünftige Entwicklung für uns als
Menschheit wesentlich ist.
All diese Aspekte sind in der heutigen Folge unbedingt gegeben.
Unterstützen Sie bitte auch dieses Projekt und kaufen Sie mein
neues Buch Hexenmeister oder Zauberlehrling? Die
Wissensgesellschaft in der Krise, das sich grundsätzlicher und
mit vielen Beispielen mit der Krise auseinandersetzt, in die
unsere Wissensgesellschaft geraten ist. Eine Krise, die — wie Sie
auch an dieser Episode sehen werden — weitreichende und negative
Auswirkungen haben kann.
Dieser Podcast ist explizit keine Vermögens- oder Anlageberatung.
Wir sprechen über Szenarien und geben keinerlei Ratschläge, wie
Sie Ihr eigenes Geld anlegen oder Ihr Vermögen handhaben sollten.
Warum habe ich in fast 160 Episoden eigentlich noch nie über Geld
im engeren Sinne gesprochen? Was also war und ist Geld, und was
wird es in der Zukunft sein? Ist Geld, obwohl alltäglich, doch
ein blinder Fleck in der Gesellschaft?
Welche Funktionen und Charakteristika erfüllt »Geld«?
»Geld ist, worauf sich zwei Parteien verständigen, dass es Geld
ist.«
Seit wann kann man in der menschlichen Geschichte von Geld
sprechen? Was bedeutet der Übergang vom Metall- zum Token-Geld?
Welche Folgen hatte das? Wann und wie sind Banknoten entstanden?
Was repräsentierten Banknoten in der Vergangenheit und was
repräsentieren sie heute?
Was bedeutete die Aufkündigung des Bretton-Woods-Abkommens ab den
1970er Jahren?
Was versteht man unter »Fiat-Geld«? Auf welchen realen Wert
bezieht sich Fiat-Geld in der Praxis?
Ist Geld eine Serie von Abstraktionen und sind wir heute zu weit
gegangen? Welche Rolle spielt heute die Digitalisierung in der
Virtualisierung von Geld?
»Inflation ist so alt wie das Staatswesen.«
Inflation hatte aber nicht immer nur mit politischer
Einflussnahme zu tun. Auch privates »Clipping« war eine
Manipulation in der Vergangenheit — was den Rand von Münzen bis
heute erklärt.
Was ist der Wirkradius, die Einflusssphäre von Fiat-Geld? Was
hatte es mit den Company Towns in den Vereinigten Staaten auf
sich, mit Geld in Besatzungszonen, mit Notgeldern?
Was haben heute Bits und Bytes als Repräsentation mit Geld zu
tun? Sind aktuelle Entwicklungen wie etwa Krypto-Währungen eine
neue Form von Abstraktion oder im Grunde nur alter Wein in neuen
Schläuchen?
Was sind Smart Contracts? Warum handelt es sich dabei mit
Sicherheit um eine neue »Fähigkeit« von digitalem Geld, die es in
der Vergangenheit so nicht gab?
Ist jede Form von Geld dynamisch stabilisiert? Was bedeutet dies
systemisch?
Ergänzung beziehungsweise Korrektur zum Aluminium-Beispiel, das
ich in der Episode erwähne:
Die Geschichte mit dem Aluminium-Geschirr ist oft erzählt, aber
schlecht belegt. Tatsächlich wurde Aluminium aber in der Mitte
des 19. Jahrhunderts, etwa von Napoleon III., als Statussymbol
verwendet, insofern ist die Geschichte im Kern korrekt. Mit der
aufkommenden industriellen Produktion war die Zeit dieses
»Wertmetalls« dann sehr schnell zu Ende.
Was gewinnen und was verlieren wir, wenn wir alleinstehende
Artefakte wie Gold, Silber oder Bargeld gegen Zahlungsmittel
tauschen, die auf eine große technische Infrastruktur angewiesen
sind?
Was ist der Unterschied zwischen Eigentum und Besitz sowie
Herrschaftsrecht bei verschiedenen Zahlungsmitteln? Was bedeutet
diese Unterscheidung vor allem bei den gerade aufkommenden
digitalen Zentralbankgeldern — Central Bank Digital Currency
(CBDC)?
»Digitales Bargeld ist meiner Ansicht nach ein Oxymoron. Das gibt
es nicht.«
Aber wurde Eigentum in unseren Gesellschaften nicht schon auf
viel grundsätzlicherer Ebene beschränkt oder gar beschädigt —
etwa bei Landbesitz?
Aber, aus der Lebenspraxis betrachtet, ist Bargeld nicht schlicht
veraltet und stirbt ohnedies aus?
Was bedeutet Debanking? In Deutschland werden allerdings keine
Statistiken geführt, in UK gab es 400.000 Personen, deren Konten
gegen ihren Willen gekündigt wurden. Wir erinnern uns auch noch
an die Fälle von Kontosperrungen, bei denen rund 8 Mio. CAD der
friedlichen Trucker-Proteste in Kanada gesperrt wurden, sowie an
den Fall des deutschen Journalisten Ulrich Heyden, der als
Individuum wegen vermeintlicher Propaganda debanked wurde.
Aber es geht nicht nur um Konto-Kündigungen, sondern auch um die
selektive Einflussnahme auf einzelne Transaktionen, die durch
Programmierbarkeit von Geld entstehen kann. Daraus entsteht ein
ungeheuer wirkmächtiger Werkzeugkasten für autoritär agierende
Politik oder Verwaltung.
»Die EZB sagt, der digitale Euro wird nicht programmierbar sein.
Er wird konditionierbar sein. […] Mit der Infrastruktur
allerdings, die gebaut wird, kann man später auch das Geld
programmieren.«
Mit digitaler Währung kann man prinzipiell in Zukunft
Konsumentengruppen kleinteilig in ihrem Verhalten steuern. Manche
Ökonomen beschreiben dies explizit als Vorteil. Ist dies ein
weiteres Puzzlestück einer etatistischen, total kontrollierten
und gesteuerten Wirtschaft und totaler politischer Überwachung?
Was ist der Schleier des Unwissens?
»Was kann der schlimmstmögliche Herrscher, der uns mal zukünftig
bestimmt, mit dieser Technologie machen? Wie kann er sie gegen
uns einsetzen?«
Was könnte der Effekt solcher Technologien sein?
»Menschen werden versuchen, sich willfährig zu verhalten. […] Ein
gewisser vorauseilender Gehorsam wird sich etablieren.«
Aber es gibt noch einen Hoffnungsschimmer — worin liegt dieser?
Ergänzend zum Thema Geld spielen auch Tokens, die Tokenisierung
der Welt, eine immer größere Rolle.
»Ich kann jeden Gegenstand, der in der realen Welt existiert, als
einen String von Bits und Bytes verbriefen, besitzen und
übertragen.«
Stablecoins sind eine Technologie, die Token repräsentiert und
die andere Werte verbrieft. Sogar Dienstleistungen können so
verbrieft werden. Was bedeutet dies konkret? Ist dies eine
positive oder negative Entwicklung? Könnten damit
Alternativwährungen etabliert werden, die politischem Zugriff
weitgehend entzogen und in der Realwirtschaft verankert sind?
Werden bestehende Konzepte schlicht auf eine andere technische
Plattform gehoben, oder ergeben sich hier völlig neue
Möglichkeiten?
Wie kann es sein, dass Geldwertstabilität gar nicht mehr eine
Priorität von Notenbanken ist, sondern Entwertung zum Standard
erklärt wird? Kann es einen Wettbewerb um das beste Geld geben,
damit diese Manipulationen zum Schaden der Bürger ein Ende
finden? Friedrich Hayek forderte schon eine Entnationalisierung
des Geldes.
»Es ist höchst ungerecht, vor allem auch gegenüber Menschen mit
geringerem Einkommen.«
Welche Rolle spielt KI als neue Technologie, die in ungleichem
Umfang die Wirtschaft in der Zukunft beeinflussen könnte? Was ist
die Währung der KI?
»In Zukunft wird es im Geldwesen fundamentale Änderungen geben,
die komplett dem entgegengehen, was wir heute als Geld
verstehen.«
Kommt es hier zu einer neuen Ressourcenbindung zu Energie und
Infrastruktur? Eine Ressourcenbindung, die viele Staaten nicht
werden bereitstellen können?
Was können wir konkret noch tun, um die Situation zu verbessern?
Andere Episoden
Episode 157: Kollektivismus oder Freiheit? Ein Gespräch mit
Oliver Gorus
Episode 155: Freiheit oder Sicherheit? Ein Gespräch mit Prof.
Konrad Paul Liessmann
Episode 144: Was ist Fortschritt? Ein Gespräch mit Dr. Daniel
Stelter aus ökonomischer Perspektive
Episode 141: Passagier oder Steuermann? Ein Gespräch mit
Markus Raunig
Episode 138: Im Windschatten der Narrative, ein Gespräch mit
Ralf M. Ruthardt
Episode 135: Friedrich Hayek und die Beschränktheit der
menschlichen Vernunft. Ein Gespräch mit Nickolas Emrich
Episode 133: Desinformiere Dich! Ein Gespräch mit Jakob
Schirrmacher
Episode 131: Wot Se Fack, Deutschland? Ein Gespräch mit Vince
Ebert
Episode 130: Populismus und (Ordo)liberalismus, ein Gespräch
mit Nils Hesse
Episode 117: Der humpelnde Staat, ein Gespräch mit Prof.
Christoph Kletzer
Episode 107: How to Organise Complex Societies? A
Conversation with Johan Norberg
Episode 88: Liberalismus und Freiheitsgrade, ein Gespräch mit
Prof. Christoph Möllers
Episode 77: Freie Privatstädte, ein Gespräch mit Dr. Titus
Gebel
Referenzen
LinkedIn-Profil von Patrick Schueffel
Der wissenschaftliche Vergleich Digitaler Euro vs. physisches
Bargeld: Patrick Schueffel, »Can CBDC Mimic Cash? A Deep Dive
into the Digital Euro Case«, Journal of Risk and Financial
Management 18(7), 394, MDPI (2025), DOI: 10.3390/jrfm18070394:
Das Ganze auf allgemeinverständlichem Deutsch
Patrick Schueffel, Schneller als gedacht: Die Einführung des
Digitalen Euro im Turbo-Modus (2023)
Patrick Schueffel, Die politische Komponente von CBDC (2024)
Company Scrip (Wikipedia)
Bitcoin: Satoshi Nakamoto, Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic
Cash System (2008)
Ethereum: Vitalik Buterin, Ethereum Whitepaper: A
Next-Generation Smart Contract and Decentralized Application
Platform (2014)
Napoleon III. verwendet Aluminium als Statussymbol (ca.
1850er Jahre): Thierry Renaux, »La naissance de l’industrie de
l’aluminium sous le Second Empire«, in: Éric Anceau und Pierre
Branda (Hrsg.), Napoléon III et l’économie, CNRS Éditions (2024),
S. 131–147
Friedrich A. von Hayek, Entnationalisierung des Geldes. Eine
Analyse der Theorie und Praxis konkurrierender Umlaufsmittel, J.
C. B. Mohr (Paul Siebeck), Tübingen (1977); englisches Original:
Denationalisation of Money, Institute of Economic Affairs, London
(1976)
Schleier des Unwissens: John Rawls, A Theory of Justice,
Harvard University Press (1971)
Alexander Schatten, Hexenmeister oder Zauberlehrling? Die
Wissensgesellschaft in der Krise, Seifert Verlag (2025), ISBN
978-3-903583-10-8
Beispiel Porno-Darstellerin, der Kreditkartenzahlung
verweigert wurde, zahlreiche Fälle, Rolling Stone (2023)
Trucker-Proteste in Kanada
Journalistische Äußerung, die zum digitalen Zahlungs-Boykott
führt, der Fall Ulrich Heyden: ND-Aktuell (2026) und European
Conservative (2026)
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