Wenn Frieden zum wirtschaftlichen Problem wird –
Deutschlands Weg in die Kriegswirtschaft
Ein Standpunkt von Uwe Froschauer.
Was bedeutet es, wenn Deutschland seine Wirtschaft zunehmend auf
Rüstungsproduktion ausrichtet? Haben sich die Bürger darüber
schon einmal ernsthaft Gedanken gemacht? Wenn immer mehr
Arbeitsplätze, Unternehmensgewinne und ganze Industriestandorte
von militärischen Aufträgen abhängen, entsteht eine moralisch
höchst bedenkliche Situation: Frieden und internationale
Entspannung könnten wirtschaftliche Probleme verursachen, während
militärische Spannungen und die Angst vor Kriegen die
Auftragsbücher füllen. Müssen wir irgendwann darauf hoffen, dass
die Welt unfriedlich bleibt, damit unsere Wirtschaft floriert?
Soll ausgerechnet das Geschäft mit Waffen und Munition zum
Rettungsanker einer schwächelnden deutschen Industrie werden?
Eine solche Entwicklung wirft Fragen auf, die weit über
Wirtschaftswachstum, Verteidigungsausgaben und
Arbeitsplatzsicherung hinausgehen. Es geht um den moralischen
Kompass einer Gesellschaft, die nach zwei Weltkriegen eigentlich
wissen sollte, wohin Militarisierung führen kann.
Wenn Frieden zum wirtschaftlichen Problem wird
Stellen Sie sich vor, in Deutschland herrscht wirtschaftliche
Aufbruchstimmung. Die Auftragsbücher der Unternehmen sind voll,
neue Produktionshallen werden errichtet, zusätzliche
Arbeitskräfte eingestellt und die Aktienkurse steigen. Politiker
sprechen von einer erfolgreichen Industriepolitik,
Wirtschaftsverbände freuen sich über steigende Umsätze und die
Medien berichten über neue Wachstumschancen. Was zunächst nach
einer erfreulichen Entwicklung klingt, bekommt einen bitteren
Beigeschmack, wenn man sich anschaut, womit dieses Wachstum
erwirtschaftet wird: mit Panzern, Raketen, Artilleriegranaten,
Kampfdrohnen und anderen militärischen Gütern, die im Ernstfall
Menschen töten und Städte zerstören.
Ich frage mich, was mit einer Gesellschaft geschieht, die
beginnt, solche Entwicklungen als wirtschaftlichen Fortschritt zu
feiern. Was sagt es über unsere politischen Prioritäten aus, wenn
eine schwächelnde zivile Industrie zunehmend durch
Rüstungsaufträge gestützt werden soll? Und was geschieht, wenn
aus der vermeintlichen wirtschaftlichen Rettung eine dauerhafte
Abhängigkeit wird? Wer Fabriken baut, Produktionskapazitäten
erweitert und Tausende Menschen beschäftigt, benötigt langfristig
Aufträge. Eine Rüstungsindustrie, die einmal erheblich ausgebaut
wurde, wird sich nicht freiwillig wieder verkleinern, nur weil
internationale Spannungen nachlassen. Sie wird versuchen, ihre
wirtschaftliche Existenz zu sichern, wie andere Industriezweige
auch.
Das ist für mich das eigentliche Problem. Eine zivile Industrie
kann davon profitieren, dass Menschen in Frieden leben,
konsumieren, reisen, Häuser bauen oder Maschinen benötigen. Eine
Rüstungsindustrie dagegen lebt von militärischem Bedarf. Dieser
kann zwar auch in Friedenszeiten durch Abschreckung,
Ersatzbeschaffungen und die Auffüllung von Beständen entstehen.
Dennoch bleibt der grundlegende Widerspruch bestehen: Je stärker
sich eine Volkswirtschaft von militärischen Aufträgen abhängig
macht, desto größer wird das wirtschaftliche Interesse an
dauerhaft hohen Rüstungsausgaben. Internationale Entspannung und
Abrüstung können dann für Unternehmen, Beschäftigte und ganze
Regionen zu einer wirtschaftlichen Herausforderung werden.
...https://apolut.net/merz-macht-deutschland-zur-rustungsfabrik-von-uwe-froschauer/
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