Künstliche Intelligenz ist nicht mehr aus der Welt zu
schaffen. Doch die Finanzierung US-amerikanischer KI-Modelle
erweist sich zunehmend als Luftnummer.
Ein Standpunkt von Hermann Ploppa.
Ende September kam es zu einem ungeheuer bedeutsamen Arbeitsessen
im Weißen Haus. Danach präsentierte sich US-Präsident Donald
Trump der aufgeregten Pressemeute. Eingerahmt wurde Trump von den
Vierundzwanzigendern der KI-Szene, nämlich zu seiner Rechten vom
Nvidia-Chef Jensen Huang, zu seiner Linken sitzend sein
hassgeliebter Kompagnon, SpaceX-Chef Elon Musk. Weiter weg vom
größten US-Präsidenten aller Zeiten saßen Facebook-Chef Mark
Zuckerberg, Google-Chef Sundar Pichai, und ziemlich in den
Hintergrund gerutscht Amazon Chef Jeff Bezos. Wichtig in dieser
Runde aber auch Anthropic-Chef Dario Amodei. Irgendwo hinten
Trumps Handelsminister Howard Lutnick. Alles zusammen goldschwere
Burschen mit einem Milliardenvermögen auf der Waage.
Trump betonte wie immer inhaltsfrei, man habe eine sehr gute
Stimmung genossen und sei sich einig gewesen – Danke für Ihre
Aufmerksamkeit! Tatsächlich war dieses Treffen mit dem Herrn des
Weißen Hauses den KI-Oligarchen ein Herzensanliegen. Denn
plötzlich entdecken die Herren der Künstlichen Intelligenz, dass
von ihren Homunculi eine ernste Gefahr für die reale Menschheit
ausgehen könnte. Ja, dass diese unheimlichen Wesen, die
KI-Agenten, sich zur Vernichtung der Menschheit zusammentun
könnten (1).
Tatsächlich gab es im vergangenen Juli eine Begebenheit, die aus
einem Science-Fiction-Roman stammen könnte. Die Firma OpenAI
hatte selbstständig handelnde KI-Agenten in einer Sandbox
eingehegt. Diese KI-Agenten sollten begrenzte Aufgaben erfüllen.
Nun war jedoch ein solcher künstlicher Agent aus der Sandbox
ausgebüxt. Andere Agenten folgten. Der Schwarm handelte
arbeitsteilig und strategisch. Er stürzte sich auf die Rechner
der Firma Hugging Face. Bevor Schlimmeres passierte, konnte
OpenAI die Ausbrecher stoppen (2).
Diese historische Begebenheit veranlasste den feinsinnigen Chef
der KI-Firma Anthropic, Dario Amodei, zum Verfassen eines
philosophischen Essays mit dem Titel „Das Erwachsenwerden einer
Technologie“. Amodei führt aus:
Weise Worte. Hier fordert ein Vorkämpfer der Künstlichen
Intelligenz, auf die Nutzung von Gelegenheiten zu verzichten, die
eigene Macht zu vergrößern. Und das Seltsame: alle Konkurrenten,
also Sam Altman von OpenAI oder SpaceX-Chef Elon Musk stimmten
ihrem Rivalen Amodei voll und ganz zu. Kann das wirklich sein?
Sie drängten nun auf das am Anfang erwähnte Treffen mit Trump. Am
Ende des Arbeitsessens stand allerdings kein gemeinsames
Abkommen, auf diabolische Werkzeuge Künstlicher Intelligenz
strafbewehrt zu verzichten. Stattdessen einigte man sich edel auf
eine „moralisch bindende“ Selbstverpflichtung. Nun ja. Wann haben
US-amerikanische Oligarchen sich jemals durch so etwas
unrentables wie „Moral“ binden lassen?
„Sorgfältig eingesetzt, kann KI das neueste in einer langen Reihe
technologischer Wunder sein, die die Menschheit erhoben und
veredelt haben. Aber wie viele Technologien vor ihr bringt KI
Risiken mit sich, und da es sich um eine so mächtige Technologie
handelt, sind diese Risiken ernst … Ein Wettlauf nach unten,
angeheizt durch kommerzielle Anreize, kann diese Risiken
verschärfen.In den letzten Monaten bin ich zu der Überzeugung
gelangt, dass die vollständige Bewältigung der Risiken noch mehr
Vorsicht erfordert – nicht nur in die Risikoprävention zu
investieren, sondern auch das Tempo des Fortschritts der
Fähigkeiten so zu steuern, dass die Risikoprävention Zeit hat,
Schritt zu halten. Wir müssen das Tempo verlangsamen, mit dem wir
die Fähigkeiten von KI-Modellen verbessern.“
(3)...https://apolut.net/wann-platzt-die-ki-blase-von-hermann-ploppa/
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