Ein Meinungsbeitrag von Uwe Froschauer.
Ein Militärbündnis erhält einen Friedenspreis. Ausgerechnet die
NATO, die 1999 ohne Mandat des UN-Sicherheitsrats Jugoslawien
bombardierte, die sich seit dem Ende des Kalten Krieges von 16
auf 32 Mitglieder verdoppelte und ihre militärische Infrastruktur
immer weiter Richtung Russland verschob. Die Laudatio hält
Friedrich Merz – ein Bundeskanzler, der auf Aufrüstung,
Abschreckung und weitere Waffen für die Ukraine setzt. Man könnte
darüber lachen, wenn die Lage nicht so verdammt ernst wäre. Für
mich ist diese Preisverleihung die Krone der Realsatire.
Ein Friedenspreis für ein Militärbündnis
Manchmal frage ich mich, ob die politische Realsatire inzwischen
jeden Versuch überflüssig macht, sie noch satirisch zu überhöhen.
Am 1. Oktober 2026 wurde der NATO im Historischen Rathaus von
Münster der Internationale Preis des Westfälischen Friedens
verliehen. NATO-Generalsekretär Mark Rutte nahm die Auszeichnung
entgegen. Der Preis wird von der Wirtschaftlichen Gesellschaft
für Westfalen und Lippe vergeben und ist insgesamt mit 100.000
Euro dotiert. Die Hälfte entfiel auf die NATO, die andere Hälfte
als Jugendpreis auf die Organisation socioMovens.
Ein Friedenspreis für die NATO, das ist keine Satire, es ist
Realität. Und als wäre das nicht schon grotesk genug, hielt
ausgerechnet Bundeskanzler Friedrich Merz die Laudatio. Merz
sagte:
Richtig, das bedarf sogar erheblicher Erläuterung. Merz lieferte
sie auf seine Weise. Die NATO sei eine „Allianz der Freiheit“,
sie schütze Sicherheit und Wohlstand und –
Ich sehe das anders. Für mich hat sich die NATO längst von einem
Verteidigungsbündnis zu einem Bündnis entwickelt, das
militärische Macht nicht nur zur Verteidigung des eigenen
Territoriums nutzt, sondern diese Macht auch außerhalb seines
ursprünglichen Bündnisgebietes eingesetzt hat. Die NATO ist von
einem Verteidigungsbündnis zu einem Angriffspakt mutiert. Die
Verleihung eines Friedenspreises an dieses Bündnis ist eine
Farce.
Was ist aus dem Westfälischen Frieden geworden?
Die Symbolik könnte kaum absurder sein. Der Westfälische Friede
von 1648 beendete nach jahrelangen Verhandlungen den
Dreißigjährigen Krieg. Diplomatie, Interessenausgleich und
Verhandlungen führten schließlich dazu, dass die Waffen
schwiegen. Und ausgerechnet unter Berufung auf diese Tradition
wird nun ein Militärbündnis geehrt.
Auch Friedensgruppen in Münster sahen darin einen Widerspruch.
DFG-VK, Friedensinitiative Münster, pax christi und weitere
Organisationen protestierten gegen die Preisverleihung. Mehrere
hundert Menschen demonstrierten rund um das Rathaus.
Ich kann ihren Protest sehr gut nachvollziehen. Frieden entsteht
für mich nicht dadurch, dass immer mehr Waffen produziert, immer
höhere Rüstungsetats beschlossen, immer neue Feindbilder
aufgebaut und immer mehr Raketen gegeneinander in Stellung
gebracht werden. Frieden entsteht am Verhandlungstisch.
So entstand auch der Westfälische Friede. Vielleicht hätte man
sich daran in Münster erinnern sollen.
„Dass der Preis des Westfälischen Friedens an ein Militärbündnis
geht, hat manchen überrascht. Offenbar bedarf das der
Erläuterung.“„sie dient dem
Frieden“....https://apolut.net/die-krone-der-realsatire-friedenspreis-fur-die-nato-von-uwe-froschauer/
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