Das letzte Mal – Abschied von meinem Leben als Trainerin Wann hast
du etwas zum letzten Mal getan? Meistens wissen wir es nicht. Wir
erinnern uns an den ersten Kuss, die erste Reise, den ersten großen
Auftritt. Aber wann haben wir einen Menschen zum letzten Mal
gesehen? Wann haben wir etwas zum letzten Mal getan, das
jahrzehntelang zu unserem Leben gehörte? Bei meinem letzten Seminar
wusste ich es. Am 28. und 29. September 2026 habe ich meine letzten
Crazy Days gegeben. Mein letztes Führungskräftetraining. Nach 27
Jahren als Trainerin, Coach und Speakerin. Und ich habe diese
beiden Tage mit einer Intensität erlebt, die mich bis heute bewegt.
Schon im März, beim Trainerkongress, hatte ich tief in mir gespürt:
Das ist das letzte Mal. Ich schaute in die Gesichter der
Teilnehmenden, experimentierte, irritierte, verstörte liebevoll und
wusste, dass ich diese Bühne nun verlassen würde. In dieser
Podcastfolge spreche ich mit Heiko darüber, was es bedeutet, einen
Beruf loszulassen, den man geliebt und mit so viel Leidenschaft
ausgeübt hat. Ich erzähle von meinem Kollegen Stefan Marolf, der
mich eines Tages fragte, ob ich überhaupt noch Lust auf meine
legendäre Wäscheleine hätte. Jene Methode, mit der ich über viele
Jahre in unzähligen Seminaren gearbeitet hatte. Meine Antwort
brachte mich zum Weinen. Und am Abend verbrannten wir die
Wäscheleine. Ich nahm ihre Asche in einem Marmeladenglas mit. Ein
kleines Abschiedsritual, das rückblickend der Beginn eines viel
größeren Übergangs war. Wir sprechen über meine letzten Seminare,
über die Materialien, die ich verschenkt habe, und über die wenigen
Gegenstände, die mich weiterhin begleiten dürfen. Über mein Brett
vom Kopf, meinen kleinen Schweinehund und die Geschichten, die an
solchen Dingen hängen. Vor allem aber beschäftigt mich die Frage:
**Wer bin ich, wenn ich nicht mehr Trainerin bin?** Ich habe in
meinem Berufsleben unzählige Menschen begleitet. Habe Methoden
entwickelt, Seminare ungewöhnlich gestaltet, Bücher geschrieben,
Lehrende ausgebildet und immer wieder versucht, Menschen zum
eigenständigen Denken zu ermutigen. Doch irgendwann habe ich
bemerkt, dass ich mich selbst weiterentwickelt habe. Dass ich
bestimmte Fragen nicht noch einmal beantworten möchte. Dass ich
nicht mehr erklären will, wie man ein Flipchart gestaltet oder eine
Methode mutig einsetzt. Nicht, weil diese Fragen unwichtig wären.
Sondern weil ich inzwischen an einer anderen Stelle angekommen bin.
Mich beschäftigt heute noch stärker, wie Menschen aufrichtig
werden. Wie wir unseren eigenen Überzeugungen widersprechen können.
Wie wir mit uns selbst und miteinander Frieden finden. Wie wir die
Welt betrachten, ohne alles sofort in richtig und falsch, gut und
schlecht einzuteilen. Und was wir tun können, damit Menschen nicht
erst am Ende ihres Lebens erkennen, was sie versäumt haben. Meine
beiden jüngsten Fachbücher waren für mich auch eine Art Vermächtnis
meiner Arbeit als Trainerin. Vieles von dem, was ich über
Jahrzehnte gelernt, erprobt und entwickelt habe, durfte dort seinen
Platz finden. Jetzt möchte ich weitergehen. **Von der Trainerin zur
Dissidentin. Von der Vermittlung von Methoden zur
Auseinandersetzung mit Haltung.** Das bedeutet nicht, dass ich
meine Vergangenheit hinter mir lasse, als wäre sie bedeutungslos
geworden. Im Gegenteil. Ich bin unendlich dankbar für meine
Lehrmeisterinnen und Lehrmeister, für Kolleginnen und Kollegen, für
die vielen Menschen, die mit mir gelernt, experimentiert, gelacht
und manchmal auch gerungen haben. Ich trage tausende Augenpaare in
meiner Erinnerung. Und ich möchte die Wurzeln dranlassen. Heiko
hört mir in diesem Gespräch zu. Er war bei meiner vorletzten
Veranstaltung dabei und erlebt nun, wie ich mich von einer
vertrauten Rolle verabschiede und mich auf ein neues Leben
einlasse. Wir werden reisen. Ich werde schreiben. Ich werde
weiterlernen, beobachten, hinterfragen und mit Worten arbeiten. Als
Horizonautin, Dissidentin und Schriftstellerin.
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