**Zwischen Manuskript und Meer – mein Leben als Schriftstellerin**
Am 12. Oktober um genau 17:19 Uhr habe ich mein Manuskript für mein
neues Liebeskummerbuch abgeschickt. Von Mykonos nach Bamberg, zu
meiner wunderbaren Verlegerin Beate Forsbach. Früher hätte ich
einen Stapel Papier und eine Diskette in einen Umschlag gesteckt.
Heute fliegt das Manuskript in wenigen Sekunden digital über die
Alpen. Und schon kommt die Nachricht: Es ist angekommen! Ich sitze
im Hotel Artemis auf Mykonos. In genau dem Zimmer, in dem ich vor
einem Jahr drei Wochen lang allein geschrieben habe. Damals war
dieses Zimmer mein Rückzugsort, meine Schreibwerkstatt, mein
kleiner Leuchtturm über dem Meer. Heute bin ich wieder hier. Aber
diesmal ist Heiko dabei. Drei Bücher hat er in den wenigen Monaten
unseres Zusammenseins entstehen sehen. Er kennt inzwischen meine
Schreibphasen, meine Scheuklappen, meine plötzlichen Gedanken und
meine Freude, wenn ein Text endlich die Form gefunden hat, die ich
gesucht habe. Und deshalb möchte ich heute mit ihm darüber
sprechen, wie es eigentlich ist, mit einer Schriftstellerin
zusammenzuleben. Was bekommt er davon mit, wenn ich stundenlang auf
dem Bett sitze, im Schneidersitz, mit meinem Kniebrett und dem
Laptop vor mir? Wenn ich auf das Meer schaue, nach Worten suche,
Sätze ausprobiere, diktiere, wieder verwerfe und weiterschreibe?
Was bedeutet es für ihn, wenn ich zwar körperlich anwesend bin,
gedanklich aber gerade ganz woanders? Und was brauche ich
eigentlich, damit ich schreiben kann? Wir sprechen über die
besondere Atmosphäre eines Schreibortes, über die
Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die mich geprägt haben,
über Inspiration und Konzentration. Über die Muße, die es braucht,
um Gedanken entstehen zu lassen. Und über die kleinen Dinge, die
dabei plötzlich eine große Bedeutung bekommen. Sogar ein
Zimmerschlüssel kann zu einem Symbol werden. Denn Schreiben ist für
mich nicht einfach das Aneinanderreihen von Buchstaben. **Schreiben
heißt für mich, länger zu denken. Tiefer zu graben. Nach Worten zu
suchen für etwas, das in mir ist und nach draußen möchte.** Dafür
brauche ich Zeit. Und ich brauche einen geschützten Raum, in dem
ich nicht ständig aus meinen Gedanken herausgerissen werde. Heiko
erzählt, wie er mich dabei erlebt und wie er gelernt hat, diesen
Raum mit mir zu teilen, ohne ihn zu besetzen. Manchmal reicht eine
kleine Berührung. Manchmal ist es das Schönste, wenn wir einfach
nebeneinandersitzen und jeder bei sich sein darf. Wir sprechen auch
darüber, wie ich zur Schriftstellerin geworden bin. Über meine
Großmutter, meine Tante, die Buchhändlerin war, und über meine
Kindheit in einer Familie, in der Bücher eine große Rolle spielten.
Über die Geschichten, die mich geprägt haben, und über die Freude,
selbst mit Sprache umgehen zu können. Und schließlich kommen wir zu
der Frage, warum ich überhaupt schreibe. Vor knapp drei Jahren habe
ich während eines Seminars etwas über mich erkannt, das mich bis
heute tief bewegt: **Ich möchte Worte finden für das, was andere
Menschen in sich tragen, aber selbst nicht ausdrücken können.**
Worte, in denen sie sich wiederfinden. Worte, die berühren,
trösten, aufrütteln, etwas verständlich machen oder einen neuen
Gedanken ermöglichen. Das ist es, was mich antreibt. Deshalb
schreibe ich Bücher. Deshalb ringe ich um Formulierungen,
überarbeite meine Gedanken und freue mich, wenn jemand sagt: Genau
das habe ich gefühlt, aber ich konnte es nicht sagen. Und natürlich
steht nach der Abgabe eines Manuskripts bereits die nächste Frage
im Raum: Welches Buch schreibe ich als Nächstes? Unsere große Reise
steht bevor. Ich bin neugierig, welche Gedanken, Begegnungen und
Erfahrungen unterwegs zu neuen Geschichten werden. Diese
Podcastfolge ist ein Einblick in mein Leben als Schriftstellerin.
In die Freude am Schreiben, in die Anstrengung, in die besonderen
Schreiborte und in das Zusammenspiel von Liebe, Nähe und dem
Bedürfnis nach Rückzug. Aufnahme aus Mykonos
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