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  4. Fremde Federn. Fetter Applaus. Alles KI!
Ein Mann zeigt in einer Campinggruppe sein angeblich traumhaftes
Gespann: ein schickes Auto, einen luxuriösen Wohnwagen und
Aufnahmen, auf denen er selbst lässig im edlen Innenraum sitzt.
Die Kommentare überschlagen sich vor Bewunderung. Nur Sabine
schaut genauer hin und erkennt, dass Fahrzeug, Wohnwagen und
Kulisse mit KI erzeugt wurden. Der stolze Besitzer schweigt und
nimmt den Applaus trotzdem mit. Diese Facebook-Szene eröffnet
Folge 44 von KIRRE … na hör mal! und führt zu
der Frage: Wie viel Anerkennung darf man für etwas annehmen, das
eine Maschine hergestellt hat?

Unter dem Titel „Fremde Federn. Fetter Applaus. Alles
KI!" geht es um heimliche KI-Autorenschaft, erfundene
Bilder und das merkwürdige Gefühl, wenn ein Werk beeindruckt, der
angebliche Urheber aber wenig damit zu tun hatte. Der Einsatz von
ChatGPT bedeutet für Sabine keineswegs automatisch Schummeln. Sie
nutzt KI selbst für ihre Podcastmanuskripte. Heikel wird es, wenn
jemand die Entstehung bewusst verschweigt, weil der Beifall mit
der Wahrheit vermutlich kleiner ausfallen würde. Dann baut die KI
eine Verkleidung für die eigene Leistung.

Wie persönlich diese Frage werden kann, zeigt eine zweite
Geschichte aus Sabines Umfeld. Eine Freundin bekommt gelegentlich
kleine Liebeserklärungen von ihrem Mann, vermutet dahinter
allerdings regelmäßig ChatGPT. Die Sätze klingen schön, passen
aber nicht recht zu dem Menschen, den sie seit Jahren kennt.
Forschung der britischen University of Kent bestätigt dieses
Unbehagen. In sechs Studien mit fast 4.000 Teilnehmenden wurden
Menschen deutlich kritischer, sobald sie erfuhren, dass
persönliche Nachrichten wie Liebesbriefe, Entschuldigungen,
Eheversprechen oder Heiratsanträge mit KI geschrieben worden
waren. Die Absender galten als weniger fürsorglich, weniger
glaubwürdig und fauler. Bei praktischen Aufgaben wie Rezepten
oder Terminplanung reagierten die Befragten wesentlich
gelassener. Offenbar darf künstliche Intelligenz den Alltag
organisieren, während wir bei Gefühlen weiterhin echte
menschliche Mühe erwarten.

Eine weitere aktuelle Untersuchung beschreibt die sogenannte AI
Ghostwriting Remorse, also das schlechte Gewissen nach dem
heimlichen Schreibenlassen. In fünf Experimenten fühlten sich
Menschen schuldig, wenn sie gefühlvolle KI-Texte als ihre eigenen
verschickten. Ausschlaggebend war weniger die Qualität der
Nachricht als das Gefühl, den Empfänger über die Herkunft zu
täuschen. Die Reue nahm ab, wenn der Text nicht versendet wurde
oder an eine wenig vertraute Person ging. Für Sabine ist das ein
deutlicher Hinweis: Unser Gewissen unterscheidet erstaunlich fein
zwischen praktischer Unterstützung und einer geliehenen Stimme,
die wir als unsere eigene ausgeben.

Danach führt die Episode an das Dartmouth College in den USA,
einen historischen Ort der KI-Forschung. Dort wurde 1956 der
Begriff künstliche Intelligenz geprägt. Siebzig Jahre später
geriet der akademische Verantwortliche Santiago Schnell wegen
seiner KI-Nutzung in die Kritik. In der Washington Post hatte er
Studierende davor gewarnt, Denken und Schreiben an Maschinen
auszulagern. Recherchen der Studentenzeitung legten anschließend
nahe, dass dieser und weitere Texte stark mit KI entstanden sein
könnten. Schnell räumte unterstützende KI-Nutzung ein, bestritt
aber einen Ersatz seiner Autorenschaft. Die Hochschule kündigte
eine Prüfung an.

Sabine bleibt vorsichtig, weil ein Teil der Vorwürfe auf einem
KI-Detektor beruht. Solche Programme liefern keine unfehlbaren
Beweise. Die Ironie bleibt: Wer andere vor dem Auslagern
geistiger Arbeit warnt, muss die eigene KI-Unterstützung
besonders überzeugend erklären. Ähnlich erging es der
australischen Professorin Cath Ellis, die ausgerechnet für
akademische Integrität zuständig ist. Auch sie warnte vor
Abkürzungen beim Denken, obwohl ihr eigener Beitrag teilweise mit
KI entstanden war. Ihre Universität verteidigte das als
angemessene Nutzung eigener Vorarbeiten. Gelten für Lehrende und
Lernende wirklich dieselben Maßstäbe?

Passend dazu stellt Sabine Forschung der
Ludwig-Maximilians-Universität München zum KI-Ghostwriter-Effekt
vor. Versuchspersonen verfassten Postkarten mit unterschiedlich
starker Unterstützung durch künstliche Intelligenz. Je größer ihr
eigener Anteil war, desto stärker fühlten sie sich als Urheber.
Einige setzten allerdings auch dann ihren Namen unter einen Text,
wenn sie kaum daran mitgeschrieben hatten und innerlich wenig
Besitzgefühl dafür empfanden. Menschen merken demnach durchaus,
dass ein Ergebnis nicht ganz ihres ist, nehmen die sichtbare
Autorenschaft aber gelegentlich trotzdem an. Genau hier entstehen
die fremden Federn aus dem Episodentitel.

Die Folge bleibt nicht bei prominenten Fällen stehen, sondern
wirft auch einen ehrlichen Blick auf Sabines eigene Arbeit. Ihre
Manuskripte entstehen mit KI-Unterstützung, doch beim Einsprechen
merkt sie sofort, wenn ein Text zwar sachlich richtig ist, aber
nicht nach ihr klingt. Solche Sätze fühlen sich an wie Schuhe in
der falschen Größe. Dann muss sie selbst wieder an den Text,
streichen, umformulieren und ihre eigene Stimme zurückholen. Für
sie darf KI recherchieren, sortieren und Entwürfe liefern.
Verantwortung, Ton und Entscheidung bleiben bei dem Menschen,
dessen Name am Ende daruntersteht.

Als praktische Orientierung schlägt die Episode eine einfache
Frage vor: Würdest du den Applaus noch genauso gern annehmen,
wenn alle wüssten, wie dein Ergebnis entstanden ist? Wer das
offen bejahen kann, hat wahrscheinlich einen guten Umgang mit dem
Werkzeug gefunden. Wer die Herkunft lieber verschweigt, weil
sonst Anerkennung, Vertrauen, eine Note, ein Auftrag oder die
Wirkung einer Liebeserklärung schrumpfen könnten, sollte genauer
hinschauen. Nicht jede E-Mail braucht einen technischen
Beipackzettel. Sobald aber die persönliche Leistung selbst der
Grund für die Anerkennung ist, verändert heimliche KI-Hilfe die
Bedeutung des Ergebnisses.

Folge 44 verbindet eine absurde Campinggeschichte, aktuelle
Forschung aus Deutschland und Großbritannien sowie internationale
Hochschulfälle zu einer unterhaltsamen Auseinandersetzung mit KI,
Ehrlichkeit und Anerkennung. Sie richtet sich an alle, die
ChatGPT beruflich oder privat nutzen und sich fragen, wo
hilfreiche Unterstützung endet und Täuschung beginnt. Auch
Kreative, Selbstständige, Lehrende, Studierende und Empfänger
auffällig perfekter Texte finden hier Stoff zum Schmunzeln und
Weiterdenken.

Am Ende kehrt Sabine zu dem Mann im erfundenen Wohnwagen zurück.
Sein Problem war nicht das KI-Bild selbst. Hätte er offen
gezeigt, wie er seinen Traum mit einem Bildgenerator visualisiert
hat, wäre daraus ein interessanter und kreativer Beitrag
geworden. Heikel wurde es, weil er die anderen an eine falsche
Wirklichkeit glauben ließ und ihren Beifall für Besitz, Geschmack
und Lebensstil entgegennahm. KIRRE … na hör mal!
ist ein deutschsprachiger Podcast über künstliche Intelligenz im
Alltag, in kreativer Arbeit und in unserer Gesellschaft. Sabine,
auch bekannt als Applebee, schaut neugierig, kritisch und mit
Humor darauf, was KI und Algorithmen mit Menschen machen. Diese
Episode richtet sich besonders an alle, die KI gern nutzen, ihre
eigene Stimme dabei aber nicht verstecken und fremde
Maschinenfedern nicht als persönliche Pfauenpracht verkaufen
möchten.

Weiterführende Links

The Dartmouth – Bericht über Santiago Schnells
KI-Nutzung: 

https://www.thedartmouth.com/article/2026/09/schnell-ai-writing

LMU München – „Who wrote it? The AI ghostwriter
effect": 

https://www.lmu.de/en/newsroom/news-overview/news/who-wrote-it-the-ai-ghostwriter-effect-80ece661.html

University of Kent – Studie zu KI in Liebesbriefen und
persönlichen Nachrichten:  

https://www.kent.ac.uk/news/cyber-security-digital-technology-and-communication/37611/using-ai-for-love-letters-can-backfire-new-study-finds

Psychology & Marketing – Studie „AI Ghostwriting
Remorse": 

https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/cb.70057

The Atlantic – Überblick über die Fälle Santiago Schnell, Cath
Ellis und Steven Rosenbaum:

https://www.theatlantic.com/technology/2026/10/meet-the-ai-writing-hypocrites/688872/

Kontakt für eigene Geschichten, Gegenbeispiele und fremde
Federn:

hoermal@kirrepodcasting.com

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„Fremde Federn. Fetter Applaus. Alles KI!“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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