Anmeldung Registrierung
Auto Hell Dunkel
Erweiterte Suche
  1. Startseite
  2. Podcasts
  3. beyond new – Zukunftsgespräche Podcast
  4. "Die Acht-Tonnen-Gesellschaft" – Stephan Rammler im Gespräch mit Christa Liedtke
Zukunftsgespräche #11 — Christa Liedtke: Die
Acht-Tonnen-Gesellschaft

Wenn über die Klimakrise gesprochen wird, geht es um
Treibhausgase. Christa Liedtke hält das für einen Blickfehler.
Emissionen seien der Effekt, nicht die Ursache. Vorher werden
Rohstoffe aus dem Boden geholt, verarbeitet und verkauft.

Liedtke ist Biologin und nennt sich selbst Stoffströmlerin. Am
Wuppertal Institut leitet sie die Abteilung Nachhaltiges
Produzieren und Konsumieren, an der Bergischen Universität
Wuppertal ist sie Professorin für Nachhaltigkeit im Design. Und
sie ist Fellow unserer Stiftung.

Im Gespräch mit Stephan Rammler beginnt sie bei einem Begriff aus
den neunziger Jahren: dem ökologischen Rucksack. Wie viele Tonnen
Natur müssen bewegt werden, damit Produkte entstehen? Ihre
früheren Chefs am Wuppertal Institut, Ernst Ulrich von Weizsäcker
und Friedrich Schmidt-Bleek, nannten das, was wir daraus machen,
Dinosaurier-Technologien. Dreißig Jahre später wachsen die
Stoffströme weiter, und zwar schneller als die Wirtschaft.

Besonders deutlich wird das bei den Metallen. Bei Kupfer,
Aluminium und Stahl sieht die Recyclingbilanz gut aus. Die
Legierungselemente aber, oft nur in kleinsten Konzentrationen
enthalten, gehen zu über neunundneunzig Prozent verloren — und
landen in der Umwelt, wo sie hochtoxisch sind. Kreisläufe
vollständig zu schließen, sagt Liedtke, sei ohnehin unmöglich:
„Das wäre gelogen, wenn ich das als Wissenschaftlerin behaupten
würde."

Dazu kommt ein geopolitisches Problem. Europa hat seine
metallurgischen Kompetenzen abgebaut, eine neue Mine braucht
fünfzehn Jahre bis zum Ertrag, und China kann Metalle jederzeit
verknappen. Das ist keine Knappheit der Erde, sondern eine
Verfügbarkeitsknappheit — mit einer erheblichen
sicherheitspolitischen Komponente.

Liedtke interessiert dabei nicht, welches Wirtschaftssystem
daraus folgt. Entscheidend sei, dass die ökosystemaren Leistungen
erhalten bleiben, aus denen fünfzig bis sechzig Prozent des
globalen Bruttoinlandsprodukts stammen.

Was sie umtreibt, ist die Gestaltung. In deutschen Haushalten
liegen nach ihren Zahlen Produkte im Wert von rund 52 Milliarden
Euro, die kaum oder gar nicht benutzt werden. Ein
Industriedesigner hat daraus in seiner Masterarbeit eine Idee
entwickelt, die sie so erläutert: Jedes Produkt hat ein Recht auf
Nutzung. Er legte einen Wasserkocher an die Kette, damit man die
Tasse zum Hahn tragen muss und nur so viel Wasser einfüllt, wie
man braucht. „Das Produkt fordert mich auf zur Verschwendung."
Aus derselben Arbeit entstand eine Drehmomentmaschine — ein Motor
statt zehn, mit austauschbaren Aufsätzen, erkennbar reparierbar.

Dass so etwas kaum gebaut wird, liegt für Liedtke nicht an den
Gestaltern. Designerinnen und Designer, sagt sie, nutzten
vielleicht zehn Prozent ihres Potenzials. Die restlichen neunzig
verkümmern, weil Unternehmen nur nach marktfähigen Produkten
fragen.

Dazu: warum sie Plastik als Kohlenstoffsenke denkt und Häuser aus
Plastik für denkbar hält. Warum beim Mikroplastik ausgerechnet
der Reifenabrieb aus der Debatte fällt. Warum Produkte Menschen
in soziale Beziehungen setzen und wie sich Status auch ohne
Eigentum organisieren ließe. Und warum in Wuppertal Studierende
mit Pilzmyzel arbeiten — als Material und als Organisationsform.

Am Ende nennt sie ihre wichtigste politische Forderung: ein
absolutes Ressourcen-Cap. Acht Tonnen Natur pro Kopf und Jahr.



Mehr dazu lesen: Der ausführliche Beitrag dazu erscheint im
November in bn #3 – The Human Future Magazine. Bestellungen und
Abos über christiani@beyondnew.org
Episode melden

„"Die Acht-Tonnen-Gesellschaft" – Stephan Rammler im Gespräch mit Christa Liedtke“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

Abonnenten

Teilen

Mein Archiv

Deine Privatkopie der Folgen, die du nicht verlieren willst.

Podcast-Folgen verschwinden. Feeds werden auf die letzten Episoden gekürzt, Hoster räumen alte Dateien ab, Formate wechseln den Anbieter und lassen ihr Archiv zurück. Mit „Mein Archiv“ sichert podcast.de die Folgen deiner Podcasts für dich — angefangen bei den ältesten, denn die sind zuerst weg.

  • Deine gesicherten Folgen bleiben hörbar, auch wenn das Original offline geht.
  • Auch Folgen, die im heutigen Feed gar nicht mehr stehen — podcast.de kennt sie noch.
  • Herunterladen bleibt möglich, solange die Folge beim Podcaster liegt. Der zählt seine Abrufe wie bisher.
Startet bald

Sei beim Start von Mein Archiv dabei

Mein Archiv ist fast fertig. Trag dich ein, dann bekommst du eine E-Mail, sobald es losgeht – und bist von Anfang an dabei. Wir schreiben dir nur zum Start, keine Werbung, keine Weitergabe deiner Daten.

Du bekommst zuerst eine Bestätigungsmail. Abmelden geht jederzeit. Datenschutz