Fridtjof Florian Dossin hat sich in dem Dorf Oßmannstedt in der
Gemeinde Ilmtal-Weinstraße, nahe Apolda gelegen, einen 1939
erbauten und 25 Meter hohen Getreidespeicher zu Eigen gemacht.
Zusammen mit Freunden und Kommilitonen aus Architektur und
Denkmalpflege gründete er das Institut für Graue Energie e.V.,
übernahm den Vorsitz und ist Projektleiter der Reallabore. 13
Mitglieder gehören zum Verein, der inzwischen mit seinen
Reallaboren auch in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Brandenburg agiert,
sich um den Erhalt und die nachhaltige Weiterentwicklung
bestehender Gebäude, insbesondere von Industrie- und Bestandsbauten
im ländlichen Raum einsetzt. „Graue Energie“, betont Fridtjof
Florian Dossin, ist kein Kunstwort. „Graue Energie“ kommt aus dem
Baumanagement und beschreibt die Energie, die in unserer Umwelt
durch Gestaltungs- und Bauprozesse gebunden ist. Man habe den
Begriff entlehnt, um auf ihn zu verweisen, um ihn bekannter zu
machen und ihn mit dem Thema Bestandsgebäude zu verbinden, führt
der Industriedenkmalpfleger aus. In Gebäuden steckt am meisten
Energie, weil der Bauprozeß so energieaufwendig ist. Die Baustoffe
müssen abgebaut, bearbeitet und auf die Baustelle transportiert
werden. Energie, die man nicht sieht, daher „Graue Energie“ und
diese kann man nachhaltig nutzen, wenn das Gebäude erhalten- oder
einer neuen Nutzung zuführt, das Kulturdenkmal, den Erinnerungsort
als Ressource nutzt. Das Erdgeschoss des Getreidespeichers in
Oßmannstedt wird als Vereinsraum genutzt in dem bald eine kleine
Fachbibliothek einziehen soll. Im Keller wird eine Werkstatt
entstehen. Schon jetzt wird zu Erzähl-Cafés geladen, Anfang
September geschah dies in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft zur
Erforschung der Demokratiegeschichte. Am 13. 09. öffnete das
Reallabor Getreidespeicher Oßmannstedt zum vierten Mal seine Türen
zum Tag des offenen Denkmals, am 21.09 lädt das Institut für Graue
Energie e.V. zur Sommerakademie in Hohenmölsen ein und präsentiert
sich am 08.10 beim Forum Industriekultur Berlin.
In Jena wurde Fridtjof Florian Dossin 1995 geboren. Nach dem Abitur
studierte er von 2014 bis 2018 Urbanistik an der
Bauhaus-Universität Weimar und von 2018 bis 2021 Denkmalpflege an
der Universität Bamberg. 2016 absolvierte Fridtjof Florian Dossin
ein Praktikum im Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege und 2017
im Bundesdenkmalamt Österreich, wurde studentischer Mitarbeiter
u.a. an der Bauhaus-Universität Weimar, im Keramik Museum Bürgel
und in der Bauhaus-Keramikwerkstatt Dornburg, war 2019 Werkstudent
bei einem Kirchenmaler- und Restauratorenfachbetrieb in der
Fränkischen Schweiz. Seit 2020 ist Fridtjof Florian Dossin
wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Bauhaus-Universität Weimar,
forscht zu Fragen des industriellen Erbes, der Baukultur, der
Transformation von Bestandsgebäuden und schreibt an seiner
Promotion mit dem Arbeitstitel „Erinnerung an Arbeit. Die
Betriebsmuseen der VEB in der DDR“.
Moderation Thomas Bille
Redaktion: Angelika Zapf
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