Moini ihr Raketen
Was haben Hanson, Death Metal, Helene Fischer, 180 Kilo
Körpergewicht, Schulsport und ein Kofferraum voller Kettlebells
gemeinsam?
Offenbar genug für 40 Minuten Podcast.
Heute sitzt Björn bei mir, Sporttherapeut, Personal Trainer,
ehemaliger Death-Metal-Vocalist und ein Mann, den ich
ausgerechnet auf einem Hanson-Konzert
kennengelernt habe.
Nein. Das kannst du dir wirklich nicht ausdenken.
Und während Björn bis heute darauf wartet, dass seine Frau ihr
Versprechen einlöst und mit ihm auf ein Metal-Konzert geht, hat
er sie inzwischen sogar zu Helene Fischer begleitet.
Wenn das keine Liebe ist, weiß ich auch nicht.
Aber irgendwann hören wir tatsächlich auf, über Musik zu reden.
Björn arbeitet Vollzeit als Sporttherapeut in einer
psychosomatischen Rehaklinik – und arbeitet ebenfalls als
Personal Trainer. Und damit landen wir ziemlich schnell bei einer
Frage, die ich nur zu gut kenne:
Wie viel Arbeit ist eigentlich zu viel Arbeit, wenn die
Arbeit gleichzeitig das ist, was man liebt?
Wir sprechen über 40-Stunden-Jobs plus Selbstständigkeit,
Fahrzeiten, Trainingsplanung, Familie und die Arbeit, die niemand
sieht. Über meine eigene Zeit mit Studio und 60-, 70- oder
80-Stunden-Wochen – und darüber, warum ich heute ziemlich klar
sagen kann, dass dieser Aufbau auch auf Kosten meiner Familie
gegangen ist.
Dann wird's fachlich.
Björn erzählt aus seiner Arbeit in der psychosomatischen Reha und
von Menschen mit Depressionen, Burnout oder starkem Übergewicht,
bei denen Bewegung eben nicht mit einem fröhlichen „Du
musst dich einfach mal aufraffen!“ erledigt ist.
Denn ein Mensch mit 180 Kilo Körpergewicht ist nicht einfach
„faul und futtert zu viel“.
Ein Mensch ist mehr als sein Gewicht.Mehr als seine Diagnose.
Mehr als sein Trainingsplan.
Und manchmal besteht gutes Training eben nicht darin, jemanden
maximal auszupowern, sondern darin, herauszufinden, wo
dieser Mensch gerade steht und wie man ihn von dort aus mitnehmen
kann.
Wir sprechen darüber, warum ein 08/15-Plan mit dreimal 15
Wiederholungen zwar irgendeinen Effekt haben kann, aber noch
lange keine gute Trainingsplanung ist. Warum Belastungssteuerung
wichtig ist. Warum Menschen verstehen sollten,
was sie trainieren und warum.
Und warum ein guter Trainer nicht derjenige ist, der dich
möglichst schnell völlig zerstört.
Natürlich landen wir auch beim Schulsport.
Bei Kindern, die an der Stange eine Sechs kassieren, obwohl sie
in anderen Sportarten richtig gut sind. Bei der Frage, ob wir
Kinder überhaupt sinnvoll bewerten – und bei einem Satz, bei dem
Björn und ich ziemlich schnell zusammenkommen:
Hol die Menschen dort ab, wo sie stehen.
Und dann müssen wir noch über Geld reden.
Denn offenbar darf ein Auto viel kosten.Ein Handy darf viel
kosten.Für Gesundheit dagegen hätten wir es gerne günstig.
Ein guter Personal Trainer verkauft aber nicht einfach 60 Minuten
seiner Zeit. Dahinter stecken Anamnese, Planung, Vorbereitung,
Nachbereitung, Fahrtzeit, Equipment, Weiterbildung, Steuern und
jede Menge Expertise. Björn rechnet vor, dass aus einer einzigen
Personal-Training-Stunde schnell drei Stunden tatsächlicher
Arbeit werden können.
Und während Menschen sich für 20 Euro im Monat im Fitnessstudio
teilweise mit YouTube und Influencer-Tipps selbst ins Nirwana
trainieren, sehen wir sie möglicherweise irgendwann später
wieder.
Dann allerdings in der orthopädischen Reha.
Auch ein Geschäftsmodell.
Eine Folge über Training, Motivation, Selbstständigkeit und die
Fitnessbranche – aber vor allem über eine ziemlich einfache Idee:
Gutes Training muss zum Menschen passen. Es darf
anstrengend sein. Es sollte Spaß machen. Und gute Betreuung darf
Geld kosten.
Ach ja: Hört ordentliche Musik. Wenn möglich Death
Metal.
Sagt Björn. Ich übernehme dafür keine Haftung.
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