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  4. Plazentamol, blaue Pillen und andere Missverständnisse #42
Moini ihr Raketen

Willkommen im Arbeitsalltag einer pharmazeutisch technischen
Assistentin.

Dörthe ist eben dies, außerdem Freundin, Kleingärtnerin,
selbsternannte Pummelfee – und eine Frau mit einer
bemerkenswerten Fähigkeit, auch dann noch ziemlich freundlich zu
bleiben, wenn andere Menschen längst sämtliche gesellschaftlichen
Spielregeln über Bord geworfen haben.

Und Geschichten davon hat sie reichlich.

Wir sprechen über Plazentamol, die Salbe „mit
dem Haschisch drin“, Fußgelenkmassagen, die eigentlich Bandagen
sein sollten, fünf Liter Selleriesaft und die überraschend
komplizierte Bestellung von „den weißen Tabletten“. Und ich
erzähle nebenbei, warum ich mit ungefähr 15 Jahren in einer
Eisdiele sehr selbstbewusst eine Kugel Kamasutra
bestellt habe. Gemeint war Tiramisu. Natürlich.

Wir erfahren außerdem, was hinter einem Apothekentresen passiert,
wenn Menschen samstagabends dringend ein
verschreibungspflichtiges Medikament brauchen, aber leider keine
Lust hatten, sich vorher um ein Rezept zu kümmern. Warum Dörthe
die Plexiglasscheiben seit Corona inzwischen sehr zu schätzen
weiß. Und was während der Pandemie eigentlich hinter den Kulissen
los war, als plötzlich Masken und Desinfektionsmittel gebraucht
wurden, die schlicht niemand hatte.

Aber irgendwann wird aus den lustigen Anekdoten ein Thema, das
uns beiden dann doch ziemlich wichtig ist:

Wo endet ein flapsiger Spruch – und wo beginnt
übergriffiges Verhalten?

Dörthe erzählt von einem Mann, der ihr erklärte, er habe immer
gedacht, Rauchen mache schlank. Von Menschen, die ungefragt ihren
Körper kommentieren. Und schließlich von einer Kundin, die Dörthe
während einer Beratung zum Thema Abnehmen einfach über den Bauch
streicht und feststellt: „Na, bei Ihnen dann
nicht.“

Und genau da hört der Spaß irgendwann auf.

Denn wir dürfen witzeln. Wir dürfen unterschiedlicher Meinung
sein. Wir müssen auch nicht jedes Wort dreimal auf
gesellschaftliche Unbedenklichkeit prüfen.

Aber vielleicht könnten wir uns trotzdem gelegentlich daran
erinnern, dass der Körper eines anderen Menschen kein
öffentliches Diskussionsangebot und erst recht keine Freifläche
zum Anfassen ist.

Dörthes Quintessenz ist am Ende deshalb herrlich einfach:

Lächelt die Menschen vielleicht einmal öfter an. Und wenn
ihr unbedingt einen Spruch drücken wollt, seid darauf
vorbereitet, dass die Retourkutsche möglicherweise
sitzt.

Und bitte: Seid nett zu euren Apothekenmitarbeitern. Ihr wisst
nicht, wer vor euch schon da war.
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„Plazentamol, blaue Pillen und andere Missverständnisse #42“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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