Zehn Jahre lang war der metallische 3D-Druck die nächste
industrielle Revolution. Dann verschwanden Firmen, Konzerne
stiegen aus und der Markt wuchs ein Jahr gar nicht. Juliane
Thielsch hat beides am Fraunhofer IWU erlebt. Sie erzählt, warum
Technologieförderung für AM nicht mehr existiert, was Übernahmen
mit Forschungsprojekten machen und was sie der Branche verbieten
würde.
Juliane Thielsch treibt das Technologiemanagement für additive
Fertigung am Fraunhofer IWU in Dresden voran. Sie kam im April
2017, mitten in die Hochphase, und hat seither an derselben
Technologie weitergearbeitet, während der Markt erst explodierte
und dann stillstand.
Angefangen hat sie am Prozess, mit der additiven Verarbeitung von
Permanentmagneten per LPBF. Dort entstand die Einsicht, die ihre
heutige Rolle prägt: „Additive Fertigung kann man nie nur als
Prozess denken, immer als Prozesskette." Heute fragt sie
nicht, was ein Verfahren kann, sondern welches Verfahren zum Use
Case passt — ihr eigenes eingeschlossen: „Nicht jeder Use Case
braucht LPBF." Und: erst die Funktion des Bauteils, dann der
Dreiklang aus Material, Prozess und Geometrie. Mit dem Material
als jahrelang unterschätztem größtem Hebel.
Über die Euphoriejahre spricht sie ohne Distanz: „Man war
selber in dieser Euphorie-Blase und ist da erst mal
mitgeritten." Aufklärungsarbeit im Mittelstand war damals
kein Nebenprodukt, sondern ein einkalkulierter Posten.
Der Kern der Folge ist aber die Förderlogik. Früher gab es
Geld für Technologieförderung, damit ein Feld weiterkommt.
„Das gibt es in der Form nicht mehr." Die Hightech-Agenda
kennt große Themen: KI, Quanten, Wasserstoff, Robotik, in denen
sich die additive Fertigung erst platzieren muss; auch die EU
plant keine Technologieförderung. Dazu die Übernahmen: Concept
Laser war die erste Anlage der Abteilung, „als GE eingestiegen
ist, war das mit einem Schlag gekappt", Trumpf sitzt jetzt in
Italien. Und die Nebenwirkung, die man von außen nie sieht: nach
einer Übernahme spricht das Institut nicht mehr mit einem
förderfähigen KMU, sondern mit einem Konzern ohne deutschen Sitz.
Schließlich der Antragsstau: ZIM auf Eis mitten in der
Antragstellung, überlaufene Ausschreibungen, Horizon-Anträge mit
Höchstpunktzahl ohne Zuwendung. Verstärkt durch KI-Tools, die das
Antragschreiben leicht machen.
Zum Schluss das schönste Bild der Folge: „Du hast eine
Prozesskette - und hier hast du eine Wissenskette." Und eine
umgedrehte Abschlussfrage: Die AM-Community sei erwachsen
geworden, derselbe Zyklus werde sich nicht wiederholen. Verbieten
würde sie deshalb kein Versprechen, sondern einen Verlust.
Für wen diese Folge ist: alle, die mit
Forschungseinrichtungen arbeiten, den Einstieg in den
metallischen 3D-Druck abwägen oder verstehen wollen, warum der
Zustand der Branche auch daran hängt, welche Themen ein
Förderprogramm noch kennt.
Links
Juliane Thielsch auf LinkedIn:
https://www.linkedin.com/in/juliane-thielsch/
Fraunhofer IWU: https://www.iwu.fraunhofer.de
Bastian Gaedike auf LinkedIn:
https://www.linkedin.com/in/bastiangaedike/
Malping GmbH: https://www.malping.de
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