Beril Keribar, Jürgen Heimbach und Anja Marschall über
Bundespräsidenten und Bilder, Fiktion und Fantasy sowie Trigger und
Trauma Es gibt diese Daten, diese Tage, die Du nie in Deinem Leben
vergisst. Die sich eingebrannt haben ins Gedächtnis, wo Du genau
weißt, wo Du warst und was Du gemacht hast, in diesem Moment, der
Deine oder die ganze Welt zum Stillstand bringt. Ein solches Datum
ist definitiv für alle die, die schon im letzten Jahrhundert
geboren wurden, der Tag an dem diese 296. Episode live ist: der 11.
9. 2001. Ein Datum, dass wohl alle im US-Format abrufen: 09-11 -
Nine-Eleven. Zwei Zahlen, die tausend Bilder wachrufen. Man hat sie
sofort vor Augen und „ich war völlig überrascht, als ich realisiert
habe, wie lange das schon her ist. Für mich fühlt sich das an, als
wenn es jetzt grade erst war. Vielleicht vor fünf, sechs, sieben
Jahren.“ Das Gefühl hat Anja Marschall sicherlich nicht exklusiv.
Zu unfassbar war das, was tatsächlich vor exakt 25 Jahren passiert
ist, „ich saß im Auto und dachte erst, das wäre ein Hörspiel so im
Sinne von krieg der Welten von Orson Wells“ erinnert sich Jürgen
Heimbach. Heimbach wie Marschall in den 1960er geboren bekam sofort
„Angst, weil man sich direkt gefragt hat, wie werden die USA
reagieren, was wird noch passieren?“ Auch, wenn Beril Kheribar
damals grade zehn Jahre alt war, weiß sie, „dass ich mit meinen
Eltern und beiden Schwestern im Wohnzimmer saß, wir haben einen
Film geguckt und der wurde unterbrochen. Und dann kamen die
Nachrichten. Meine Eltern waren aufgeregt und wollten dann auch
nicht, dass wir das so richtig mitbekommen.“ Noch konkreter werden
die Erinnerungen, nach der Timeline, mit der Marschalls Buch die
Helden von Manhattan beginnt. Die ist in voller Länge aus dem
Hörbuch-Hamburg nach 20 Minuten zu hören und verursacht sicher
nicht nur in der Gesprächsrunde Gänsehaut: „Da kommen nochmal ein
paar Bilder hoch. Und jetzt, wenn ich das höre wird mir auch
bewusst, dass das ja Livebilder waren und ich weiß, dass mich das
stark geprägt hat. Denn als wir ein paar Monate später in den
Urlaub fliegen wollten, hatte ich Angst, in den Flieger zu
stiegen.“ Wohlgemerkt die Die Spiegel Bestseller Autorin war damals
zehn Jahre alt. Noch jünger, genau sechs Jahre alt, war der Sohn
von Jürgen Heimbach: „der lag im Krankenhaus, wir haben uns dann
dort sofort eine Karte fürs TV geholt und geguckt. Aber wir haben
auch versucht, den Jungen zu schützen, dass er sich nicht zu sehr
aufregt.“ Und natürlich weiß auch Anja Marschall noch genau, wo sie
war: „Auf dem Weg von der Arbeit nachhause und musste zum
Hauptbahnhof in Hamburg. Wie immer war ich in Eile und habe mich
wahnsinnig geärgert, dass die Leute mir alle im Weg standen, die
standen wie Statuen und starrten alle auf irgendwelche Fernseher.
Ich habe gedacht, haben wir Weltmeisterschaften, habe ich wieder
was verpasst. Und als ich zuhause ankam, hatte ich das Gefühl, dass
was Größeres ist. Und dann saß ich wie erstarrt zuhause eine Stunde
vor dem Fernseher. In Schuhe und Jacke auf dem Boden.“ Es sind
nicht nur Erinnerungen und Bilder, die bleiben: „Auch das
Unverständnis über die größe Herzlosigkeit, die kann ich bis heute
nicht nachvollziehen und die ist einer der Gründe, warum ich das
Buch geschrieben habe.“ Neben der Recherche und vielen Gesprächen
vor Ort „habe ich mir unzählige Filme und Videos angeschaut.“ Ein
Kurzfilm, den Tom Hanks gesprochen hat, Boatlift an untold tale of
9/11 Resilience, hat Marschall besonders beeindruckt. Denn: darum
geht´s in ihrem „dokumentarischen Roman, um die Evakuierung von
knapp einer halben Millionen Menschen von Lower Manhattan per
Boot.“ Eine Tatsache, „die nicht Mal unbedingt die Amerikaner alle
kennen, weil alle in den Momenten nur auf die beiden Türme gestarrt
haben.“ Übrigens nicht Mal im Abschlussbericht des damaligen
US-Präsidenten George W. Bush stand ein Wort über diese Helden.
Helden, die Jürgen Heimbach auch deshalb faszinieren, weil „ich in
meinen Büchern auch immer versuche wenig unbekannte oder wenig
bekannte Ereignisse in Roman zu erzählen.“ Ob die Geschichte von
Marlon, der sich 1975, während in Stammheim der RAF-Prozess
beginnt, als Fluchtwagenfahrer bei einem Banküberfall mitmacht,
real oder fiktiv ist? Vielleicht sogar pure Phantasie? Auch das
gilt es in dieser Ausgabe zu hören, genauso wie den Prolog aus dem
Argon-Hörbuch, am Ende des zweiten Podcast-Parts, vom Auftakt der
Darkest-Academy-Trilogie von Beril Kheribar. Die ist definitiv
ihrer eigenen Phantasie entsprungen. Wobei tatschlich - wie so oft
- der Ursprungskern „ein persönliches Trauma“ ist. Ein Trauma wie
für sehr viele Menschen überall auf der Welt, der 11.
September 2001, Nine-Eleven. Und das auch noch exakt 25 Jahre
danach. part I (00:00:00) Bundespräsident und Bilder part II
(00:42:45) Boote und Boock part III (01:19:43) Backstory und Blase
guests Beril Keribar Jürgen Heimbach Anja Marschall books Beril
Keribar – The Darkest Academy 1 – Bones Jürgen Heimbach –
Straßenköter Anja Marschall – Die Helden von Manhattan
cover: jennie_laluna voice: miriam sinno
music sprengerspricht impro – by toby gad
kontakt@sprengerspricht.de
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(00:42:45) Bundespräsident und Bilder (01:19:43) Boote und
Boock (01:19:43) Backstory und Blase
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