Dein Darm reagiert auf bestimmte Lebensmittel plötzlich ganz
anders als erwartet? Du frierst häufig oder fühlst dich dauerhaft
erschöpft, obwohl selbst ausreichend Schlaf keine wirkliche
Besserung bringt? Gleichzeitig waren die Entzündungswerte bei der
ärztlichen Kontrolle unauffällig?
Genau solche Beschwerden hört Dr. Andrea Morawe immer wieder von
Frauen mit Morbus Crohn. In der neuen Folge von „LandMEDchen“
erklärt sie deshalb, warum es sich lohnt, auch außerhalb eines
akuten Schubs genauer auf die Nährstoffversorgung zu schauen.
Morbus Crohn betrifft häufig den unteren Abschnitt des Dünndarms.
Genau dort werden wichtige Mikronährstoffe aufgenommen, darunter
Eisen, Vitamin B12 und fettlösliche Vitamine. Ist dieser Bereich
durch die Erkrankung beeinträchtigt, kann sich das entsprechend
auf die Nährstoffversorgung auswirken.
Das Risiko für einen Mangel besteht dabei nicht ausschließlich
während eines Schubs. Auch in der Remission können Defizite
auftreten. Trotzdem rät Andrea davon ab, auf Verdacht
verschiedene Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen. Stattdessen
sollte zunächst gezielt kontrolliert werden, welche Nährstoffe
tatsächlich fehlen.
Auch bei der Ernährung gibt es keine pauschale Lösung, die für
alle Menschen mit Morbus Crohn gleichermaßen funktioniert. Eine
abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung ist häufig
sinnvoller als eine dauerhaft restriktive Diät. Entscheidend ist
deshalb, individuell herauszufinden, welche Lebensmittel gut
vertragen werden und welche Beschwerden auslösen.
Andrea räumt in diesem Zusammenhang auch mit einigen
Ernährungsmythen auf. Ballaststoffe, Milchprodukte oder Gluten
werden bei Morbus Crohn häufig grundsätzlich vom Speiseplan
gestrichen. Doch insbesondere in der Remission können
Patient:innen durchaus von bestimmten Lebensmitteln aus diesen
Gruppen profitieren – vorausgesetzt, sie werden individuell
vertragen.
Regelmäßige Blutkontrollen bleiben trotzdem wichtig. Denn auch
wer sich sehr bewusst und ausgewogen ernährt, kann einen
beeinträchtigten Aufnahmeprozess nicht immer allein über die
Ernährung ausgleichen.
Vorsicht ist dagegen bei vermeintlichen Superfoods und
hochdosierten, frei verkäuflichen Nahrungsergänzungsmitteln
geboten, die eine Heilung der Entzündung versprechen. Für solche
Versprechen fehlt eine entsprechende Studienlage.
Andrea spricht außerdem einen Punkt an, der im Alltag leicht
übergangen wird: Anhaltende Erschöpfung sollte auch dann ernst
genommen werden, wenn die Entzündungswerte gut aussehen. Statt
die Beschwerden einfach hinzunehmen, lohnt es sich, genauer nach
möglichen Ursachen zu suchen.
Dabei kann beispielsweise ein Ernährungstagebuch helfen. Viele
Patient:innen haben im Laufe der Zeit aus Gewohnheit oder aus
Angst vor Beschwerden komplette Lebensmittelgruppen aus ihrer
Ernährung gestrichen. Durch eine bewusstere Beobachtung lässt
sich herausfinden, was tatsächlich nicht vertragen wird – und
welche Lebensmittel möglicherweise wieder ihren Platz im Alltag
finden können.
Auch die Gestaltung der Mahlzeiten kann einen Unterschied machen.
Andrea empfiehlt kleine, regelmäßige Mahlzeiten. Eisenhaltige
Lebensmittel lassen sich außerdem sinnvoll mit Vitamin C
kombinieren, da Vitamin C die Eisenaufnahme verbessert.
Morbus Crohn endet eben nicht mit dem Abklingen eines akuten
Schubs. Auch während der Remission lohnt es sich, den eigenen
Körper, die Ernährung und insbesondere die Versorgung mit
wichtigen Mikronährstoffen im Blick zu behalten.
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