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  4. Lungenerkrankungen durch Inhalation organischer Stäube
️ Thema der Folge

Atemwegserkrankungen durch organische Stäube werden in der Praxis
leicht übersehen. Entscheidend ist oft nicht zuerst die
Apparatediagnostik, sondern die Expositionsanamnese: Beruf,
Hobbys, Arbeitsplatz, Stoffe in der Luft und zeitlicher
Zusammenhang der Beschwerden.

Zentrale Botschaft

Exposition ist der Schlüssel für:

• Diagnose

• Therapie

• Prognose

Nicht jede Reaktion auf organische Stäube ist allergisch. Möglich
sind:

• immunologische Mechanismen

• toxische Reaktionen

• irritative Schädigungen

• chronische strukturelle Lungenschäden

Typische Expositionen

Organische Stäube finden sich u. a. bei:

• Baumwolle, Flachs, Hanf

• Mehl

• Holz

• Pollen

• Tierepithelien

• Landwirtschaft

• Textilindustrie

• Backgewerbe

• Holzverarbeitung

• Kunststoff- und Schaumstoffherstellung

Byssinose

Klassisch bei Exposition gegenüber Rohbaumwolle, Rohflachs oder
Rohhanf.

Typisch:

• Atemnot, Husten, thorakales Engegefühl

• Krankheitsgefühl, Hitzegefühl

• charakteristischer „Montagsgipfel“ nach expositionsfreiem
Wochenende

Wichtig:

• kann von episodischen Beschwerden in eine chronisch obstruktive
Erkrankung übergehen

• Expositionsvermeidung ist die wichtigste Maßnahme

• symptomatisch ggf. bronchodilatatorische und inhalative
antientzündliche Therapie wie bei Asthma

Organic Dust Toxic Syndrome (ODTS, „Drescherfieber“)

Toxische Alveolitis nach hochkonzentrierter Staubexposition, v.
a. in der Landwirtschaft.

Typisch:

• Beginn 4–12 Stunden nach Exposition

• grippeähnliche Beschwerden

• Fiebergefühl, Schüttelfrost, Myalgien, Husten, Unwohlsein,
teils Dyspnoe

Abgrenzung:

• nicht primär allergisch

• grundsätzlich können alle Exponierten betroffen sein

• mehrere Erkrankte nach gleicher Exposition sprechen für ein
toxisches Geschehen

Therapie:

• Exposition beenden

• symptomatische Behandlung

• Antibiotika nicht reflexhaft geben

• bei Hypoxämie, Tachypnoe oder unklarer Diagnose weiter abklären

Berufsbedingtes Asthma

Häufige Auslöser:

• Mehl Bäckerasthma

• Holzstaub

• Pollen

• Tierepithelien

• Isocyanate in Kunststoff-/Schaumstoffherstellung

Diagnostisch wichtig:

• Besserung an Wochenenden und im Urlaub

• Verschlechterung bei Arbeitsaufnahme

• variable Obstruktion in der Lungenfunktion

• Provokationstest nur in spezialisierten Zentren

Therapie:

• wirksamste Maßnahme: Expositionsvermeidung

• Asthmatherapie nach Leitlinie

• Inhalationstechnik immer prüfen

️ Irritativ-toxische Obstruktion

Nicht jede Obstruktion nach Inhalation ist allergisch.

Hinweise:

• dosisabhängige Reaktion

• oft nach hoher Exposition

• keine Sensibilisierung erforderlich

Klinisch relevant, weil sich Beratung, Prognose und
arbeitsmedizinische Bewertung von allergischem Asthma
unterscheiden.

🫁 Abgrenzung zur exogen-allergischen Alveolitis

Nur kurz erwähnt, aber wichtig:

• reproduzierbarer Zusammenhang mit Exposition

• Husten, Dyspnoe, Fiebergefühl

• chronisch ggf. progrediente Belastungsdyspnoe und Fibrosierung

• Therapie: strikte Antigenkarenz

️ Malignes Risiko

Langjährige Exposition gegenüber Eichen- und Buchenholzstaub
erhöht das Risiko für Adenokarzinome der Nasenhaupthöhle und
Nasennebenhöhlen.

Warnzeichen bei exponierten Personen:

• persistierende nasale Obstruktion

• Epistaxis

• Druckgefühl im Gesicht

• einseitige Symptome

️ niedrige Schwelle zur HNO-Abklärung

🩺 Praktische Anamnese-Fragen

Hilfreich im Gespräch:

• Womit arbeiten Sie genau?

• Welche Stoffe entstehen dabei in der Luft?

• Wann treten Beschwerden auf – bei der Arbeit, abends, nachts
oder am Folgetag?

• Wie ist es am Wochenende oder im Urlaub?

• Haben Kolleg:innen ähnliche Beschwerden?

• Wird Atemschutz getragen?

Take-home-Messages

• Immer nach Beruf und inhalativer Exposition fragen

• Das zeitliche Muster der Beschwerden ist oft diagnostisch
wegweisend

• Organische Stäube können allergische, toxische oder irritative
Erkrankungen auslösen

• Medikamente lindern Symptome – entscheidend ist meist die
Expositionsvermeidung
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„Lungenerkrankungen durch Inhalation organischer Stäube“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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